VW Golf 1.9 TDI Variant 90 PS
FamilienlasterUmzugsSportwagen - VW Golf 1.9 TDI Variant 90 PS Auto

Produkttyp: Volkswagen Autos

Neuester Testbericht: ... Reserverad. Wer den Platz dringend braucht, kann ihn als zusätzlichen Stauraum nutzen und sich stattdessen eine Flasche Reifenpilot in d... mehr

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VW Golf 1.9 TDI Variant 90 PS

Harko

Name des Mitglieds: Harko

Produkt:

VW Golf 1.9 TDI Variant 90 PS

Datum: 03.02.02, geändert am 10.09.04 (1222 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Wartungsarm, Solide

Nachteile: Fahrwerk

Wie muß so etwas also aussehen? Zwei Araber Pferde vor einem Heuwagen mit Niederquerschnittreifen? Oder vielleicht ein tiefergelegter Siebeneinhalbtonner mit zwei Sitzreihen und einem 12 Zylinder Biturbomotor?
Gibt es also nicht? Gibt es doch – von Volkswagen.
Den Golf III Variant TDI möchte ich so bezeichnen, wobei ich die Bezeichnung Sportwagen doch eher auf den ausreichenden Gepäckraum für mehrere Sporttaschen beschränken möchte.

Natürlich gibt es ihn inzwischen nicht mehr als Neu- sondern nur noch als Gebrauchtwagen zu kaufen und da nicht jeder nur neue Autos kaufen kann möchte ich hier auf ein gängiges und solides Gebrauchfahrzeug aufmerksam machen.

Wir, unsere nun vier Köpfe zählende Familie, halten uns den Golf Variant TDI, Sondermodell Bon Jovi, seit nunmehr 3 Jahren, man könnte auch sagen seit der überraschenden ersten Familienerweiterung.
Damals brachten uns zwei einfache Gleichungen, die da lauteten Kind = Platzbedarf und Haus im Bau = Transportbedarf, auf den dringenden Wunsch nach einem Kombi. Das es ein Golf geworden ist war eigentlich reiner Zufall, da uns der Wagen als reines Schnäppchen quasi im Austausch des bisherigen Flitzers meiner Holden in die Hände gefallen ist.

Kommen wir zum Produkt.
Volkswagen like sind Produkte aus Wolfsburg serienmäßig nicht mit überflüssigen, vom Fahren ablenkenden Extras bestückt. Vier Räder, vier Türen, ein Lenkrad, 3 Spiegel und fünf Sitzgelegenheiten beschreiben ganz pauschal ausgedrückt den Lieferumfang des Fahrzeuges.
Gut, ein wenig untertrieben. Airbags und Servolenkung gehörten auch schon zum Serienumfang, nicht jedoch das für mein Empfinden äußerst angenehme ABS geschweige denn solche modernen Elch-Ausweich-Hilfen wie ESP. Hier ist zuweilen noch fahrerisches Talent gefragt.

Die Sonderausstattung Bon Jovi erfreut den Halter mit sinnvollen Extras wie manueller Klimaanlage, Sportsitzen vorn, Zentralverriegelung und geteilter Rücksitzbank sowie optischen
Extras in Form von Alufelgen mit 185er Kautschukummantelung, sportlich anmutenden schwarz-blauen Sitzbezügen mit Bon Jovi Schriftzug und Armaturenzifferblättern in Racing Silber mit roten Zahlen.

Als Draufgabe enthielt der Wagen in Anlehnung an seinen Namen Bon Jovi (soll ja etwas mit Musik zu tun haben) die umfangreiche Radioanlage Alpha mit zwei Boxen. Anstelle des Radio Alpha hätten die Wolfsburger auch einfach ein Gesangbuch und eine Mundharmonika in das Fahrzeug legen können. Das Ergebnis wäre mit Ausnahme des Verkehrsfunks vermutlich identisch gewesen.
Insgesamt wird man hier von den Ausstattungsmerkmalen nicht verwöhnt, jedoch praktisch versorgt.
Die für die Innenausstattung verwendeten Materialien machen einen guten, hochwertigen Eindruck, so dass nicht der Eindruck entsteht die Plastik- und Gummimaterialien seien aus dem letzten Produktionsgang der VEB Plaste. Ebenso kann man bei dem Wagen von einer qualitativ guten Verarbeitung sprechen, denn trotz seiner mittlerweile 6 Jahre und über 140.000 Km vibriert und klappert es selten bis gar nicht im Gebälk.

Den schier unbändigen Vortrieb auf eine eingetragene Höchstgeschwindigkeit von 176 Km/H gewährleistet der allseits bekannte 1,9 Liter TDI mit 90 PS und 202 Newtonmetern Drehmoment. Diese Motorisierung ist für das Fahrzeug durchaus angemessen. Überholvorgänge werden dank des Drehmomentes nicht zum Spiel mit dem Feuer und der Ampelstart im Stadtverkehr erklärt einen auch nicht automatisch zum zweiten Sieger. Auf Autobahnfahrten werden 170 Km/H in anständiger Zeit erreicht und mit einigem Anlauf pendelt sich die Tachonadel auf konstanten 190 Km/H ein. Damit steht einer zügigen Fahrt in den Urlaub nichts entgegen. Dank des großzügigen Drehmoments ist auch ein schaltfaules Fahren im 5. Gang ab cirka 60 Km/H kein Problem.
Im Vergleich zu einem gleichmotorisiertem Golf Limmosine fehlt ob des höheren Gewichts allerdings ein wenig die Spritzigkeit.

Trotz der guten Fahrlei
stungen bleibt dieser Motor stets genügsam. So sind bei normaler Fahrweise Ergebnisse von knapp unter 6 Litern und vollbeladen im Sportgang auf der Autobahn 7,5 Liter Diesel annehmbare Verbrauchsergebnisse die einen nicht an jeder dritten Tankstelle zum Nachtanken einladen. Aus mir unerklärlichen Gründen reichen die Tankfüllungen meiner holden Gattin stets für größere Reichweiten. Wahrscheinlich hat sie einen mir unbekannten Zusatztank.

Wenn ich vom Motor schwärme muß ich jedoch eindeutige Abstriche beim Fahrwerk des Golf Variant machen. Der Ausdruck „wie auf Schienen“ ist dem Fahrzeug fremd. Man merkt, dass VW hier wohl mehr Wert auf Komfort als Sport gelegt hat. In schnelleren Kurven und bei Lastenwechseln ist das Fahrverhalten zu schwammig und beschränkt den Fahrer im Ansinnen allzu sportlichen Fahrens. Dank des fehlenden ABS neigt der Wagen bei winterlicher Glätte auch durchaus dazu beim Abbremsen mit dem Heck auszubrechen, was durchaus unangenehm sein kann und für den ungeübten Fahrer auch schnell mal mit einem Dreher enden kann. Ebenso prompt wird auf Spurrillen reagiert und die Fahrspur verändert sich ohne Gegenlenken wie von Geisterhand.

Bemerkenswert für ein Fahrzeug dieser Klasse finde ich das Platzangebot und den Stauraum bei umgelegter Rückbank. Sowohl auf den vorderen als auch den hinteren Plätzen herrscht auch für Menschen die ohne fremde Hilfe den Knopf für die 25ste Etage im Fahrstuhl bedienen können ein annehmbares Platzangebot in Punkto Bein- und Kopffreiheit.
Vier Erwachsene können mühelos weite Fahrten in gesundem Zustand ohne Trombose überstehen. Zu dritt auf der Rückbank ist allerdings schon etwas eng.

Der Stauraum bei umgelegter Rücksitzbank hat mich absolut überzeugt. So unglaublich es klingen mag, aber ich habe mit unserem Golf Variant unseren gesamten Umzug erledigt. Erst wollte ich nur kleinere Schränke, Tische Stühle etc. transportieren bis ich feststellte, dass sogar unsere Sitzgarnitur, Einba
uküche, Kühlschrank, Bett, Matratzen etc. im Wagen Platz fanden. O.K. das natürlich nur noch bei geöffneter Heckklappe, aber das war bei unserem Umzug innerorts über eine Entfernung von einem Kilometer von Wohnung zu neuem Haus kein Problem und vertretbar.

Wer jedoch öfter mit seiner Frau über das Wochenende verreist sollte in der Regel ohnehin einen Transporter fahren – zumindest meine Holde schafft es immer wieder jeglichen Stauraum auszufüllen.

Die Unterhaltskosten halten sich durchaus im Rahmen. Etwas teuer sind die KfZ-Steuer für einen Diesel der Schadstoffklasse E2 mit EUR 282 pro Jahr und die Versicherungseinstufung in die Typklassen 18 für Haftpflicht und Kasko. Schonend wirkt sich hingegen die Wartungsarmut des Golf aus. Trotz 140.000 Km sind außer den üblichen Verschließteilen wie Bremsen oder Zahnriemen noch keine Reparaturen angefallen.

Zusammenfassend kann ich also sagen, Motor mit Fahrleistungen und Verbrauch topp, Fahrwerk und Ausstattung mittelprächtig und Qualität und Verarbeitung sehr gut und obendrein ein hoher Werterhalt. Unser Fahrzeug bewegt sich derzeit bei einem Händlereinkaufspreis von etwa EUR 6.800, da kann man für ein 6 Jahre altes Auto dieser Kategorie nicht meckern.

Wer also einen Familienkombi sucht, der sollte nicht achtlos an einem Golf Variant vorbei gehen – er ist eine Überlegung wert.





© Harko 2002


Fazit: