VW 1600
Vermisstenanzeige - VW 1600 Auto

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Produkttyp: Volkswagen Autos

Neuester Testbericht: ... noch ein paar Schweinen, an die ich mich aber nicht mehr erinnern kann, kaufte er einen VW 1600er Variant. Und das nächste Auto war wiede... mehr

Vermisstenanzeige
VW 1600

fledermausi

Name des Mitglieds: fledermausi

Produkt:

VW 1600

Datum: 02.03.01, geändert am 01.03.04 (472 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: nostalgische Erinnerungen

Nachteile: viel zu selten

Was erwartet Dich, lieber Leser, in dieser Meinung?
Nun, ich kann keinen Oldtimer mein eigen nennen, ich bin kein Bastler, ich habe keine hilfreichen Tipps für Interessenten, die sich ein schönes, altes Auto kaufen möchten und keine Tipps zu Umgang und Pflege.
Falls Du, lieber Leser, das gesucht hast, klicke jetzt auf „nicht hilfreich“ und lese eine andere Meinung.
Was diese Meinung vielmehr ist: eine Vermisstenanzeige.
VW der 60er und 70er Jahre – ICH VERMISSE DICH!!

Wie so viele VWs auch bin ich Baujahr 1969. Meine frühesten Kindheitserinnerungen kreisen um VW – um den 1600er und um den Fridolin.
VW Käfer hatte jeder. Der Käfer ist das Sinnbild des deutschen Wirtschaftswunders und wurde über 21 Millionen mal gebaut. Früher war er das Auto, das mit Abstand am häufigsten zu sehen war. Und heute? Heute schaue ich einem Käfer hinterher wie früher einem Mercedes Cabriolet. Er ist selten geworden auf unseren Straßen.
Aber man sieht den Käfer noch, hier und da, mal original, mal neu gestaltet, und oftmals sind es die Cabrios, die erhalten wurden.

Doch wie sieht es mit dem Typ 3 aus? Dem 1500er (von Anfang der 60er Jahre bis `65), dem 1600er (`65-`73).
Es gab sie als Stufenheck, als Fließheck und als Variant, und immerhin wurden 2,5 Millionen Stück davon gebaut. Aber wo sind sie im heutigen Straßenbild? Weg. Verschwunden. Ich weiß nicht, wann ich den letzten seiner Art gesehen habe.
Nur wenige Liebhaber haben sich daran gemacht, ihn zu erhalten und zu pflegen.
Das hat sicher auch mit dem damaligen Image zu tun. „Nasenbär“ wurde er genannt, und man unkte, beim Kauf eines Typ 3 gäbe es die Hosenträger gleich dazu.
Das hat er nicht verdient.
Sicher, der Wagen hatte eigentlich nicht viel Neues zu bieten. Im Prinzip war er ein groß gewordener Käfer, ebenso mit luftgekühltem Boxermotor, sogar mit gleichem Radstand, aber immerhin später mit 54 PS und 135 km/h schnell (wenn d
ie Ohren es vertrugen).
ABER: Er war der erste PKW mit elektrischer Kraftstoffeinspritzung (von Bosch). Nur wurde sie hierzulande nicht geordert und bezahlt, denn sie lieferte keine Leistungsverbesserung, sondern einzig eine Halbierung des CO-Gehaltes in den Abgasen. Das hat damals hier niemanden interessiert, und es wurde auch nur für den amerikanischen Markt konzipiert, denn dort gab es strengere Normen.
In den USA hatte der Wagen auch ein ganz anderes Image als im Herstellerland. Dort stand er nämlich für intellektuellen Lifestyle.

Was heute an diesem Auto verwundert, ist der Motor. Sicher, ein luftgekühlter Boxermotor ist an sich schon, nun ja, nicht die Regel ;-).
Doch wo war er z.B. beim Kombi, Variant genannt? Wisst Ihr´s?
Vorne ist ja eine schöne, lange Haube. Und darunter?
Nun, Ersatzrad, Warndreieck, Werkzeug, vielleicht ein bisschen Gepäck (nur keine Getränkekisten).
Und hinten?
Eine schöne, ebene Ladefläche.
Und der Motor?
Tja, ich will es verraten: unter der Ladefläche! „Unterflurbauweise“ nennt sich das.
Auf dem Motor war eine Abdeckung, die dann die Ladefläche bildete.
Mein Vater hat damals auch mal einen Motor eingebaut. Während einer das großflächige, platte Ding durch die Hecktür reinreichte, hat er unter dem Wagen liegend den richtigen Standort dafür gesucht.

Sicher, von diesen Infos wusste ich damals als Kind gar nichts. Ich habe auch bis heute keine Ahnung von Technik. Autos müssen für mich auch nicht schnell sein, nicht teuer, nicht werweißwietoll. Ein Auto gefällt mir oder nicht. Ich habe eine Beziehung dazu oder eben nicht.
Und an VW habe ich wie gesagt schöne Kindheitserinnerungen.

Angefangen hat alles mit dem Fridolin. Offiziell hieß er 147, aber alle nannten ihn Fridolin. Es war der Fridolin von der Post, denn für die wurde er gebaut.
Vorne eine kurze, schiefe Haube, hinten ein großer Kasten und innen eine spartanische Ausstattung. Nur ein
Fahrersitz und dahinter ein Netz, damit die Pakete dem Fahrer nicht ins Kreuz fielen.
Mein Vater arbeitete für die Post, und er fuhr diesen Fridolin, als wir noch gar kein eigenes Auto hatten.
Ich stand unten an der Straße, vielleicht drei Jahre alt, und wartete auf ihn. Er kam, hielt an und ließ mich die 100 Meter mitfahren, irgendwo hingepflanzt, denn einen zweiten Sitz gab es ja nicht. Und ich schaute meinem Vater zu, wie er diesen wunderschönen Wagen fuhr. Kaum eine Erinnerung von mir reicht so weit zurück.
Kennt Ihr Fridolin noch?
Links und rechts hatte er Schiebetüren, damit der Paketzusteller bequem aussteigen konnte, ohne befürchten zu müssen, dass der nachfolgende Verkehr ihm wie Kottan die Türen abfährt.

Dann kaufte mein Vater das erste Auto. Gebraucht. Und da er außer Postbote auch noch Handwerker war, zudem mit riesigem Garten und damals sogar noch ein paar Schweinen, an die ich mich aber nicht mehr erinnern kann, kaufte er einen VW 1600er Variant. Und das nächste Auto war wieder ein gebrauchter Variant. Und das nächste? Richtig! Nur die Farbe wechselte. Taubenblau, Veneziarot, Savannenbeige.
Vorne Platz für Gepäck, hinten eine Ladefläche, Platz für uns drei Kinder auf der Rücksitzbank – nur Türen hinten gab es nie, wir mussten immer die Vordersitze nach vorne klappen. Den Wagen gab es immer nur als Dreitürer.

Das besondere war, dass wir einen großen Hof hatten, und da mein Vater sich auf dieses Auto „eingeschossen“ hatte, wurden die alten Autos zunächst als Ersatzteillager aufbewahrt und ausgeschlachtet, ehe sie auf den Schrott kamen. Und da mein Vater so viel zu tun hatte, standen die alten Dinger auch mal länger auf dem Hof.
Und wir spielten damit. Wir spielten fahren, natürlich. Wir spielten vom Dach auf die Vorderhaube und von da auf den Boden springen. Wir schauten auf das Wasser, das der auf dem Dach aus der Regentonne geholt hatte und die Windschutzscheibe runterstürzen ließ.

Und wenn die Scheiben kaputt waren, sammelten wir die kleinen Verbundglasstückchen, taten sie in einen Plastikkoffer und spielten, dass es Diamanten wären, und das Auto war unser Fluchtfahrzeug nach dem Juwelierraub.
Es hat einen Heidenspaß gemacht!

Anfang der 80er Jahre hatte mein Vater seinen letzten dieser Art, sein einziger 411er, natürlich ein Variant, in rot.
Nachdem der Wagen in der Werkstatt gewesen war, fuhr er gerade auf der Autobahn, als er von seinem Hintermann zum Anhalten aufgefordert wurde. Der Motor, also das Heck des Autos, brannte. Mein Vater wollte den Zündschlüssel abziehen und verbrannte sich die Finger.
Ein Feuerlöscher wurde leergesprüht. Das Feuer flammte wieder auf.
Ein Polizeiwagen kam zufällig vorbei. Die Polizisten hatten einen riesigen Feuerlöscher, deren Inhalt im Wagen verschwand. Mein Vater sagte: „Dann brannten die Reifen tadellos“. Dann wurde die Feuerwehr gerufen :-).
Die Autobahn wurde komplett gesperrt; der Wagen brannte komplett aus und wurde abtransportiert.
Ohne Nummernschilder konnte mein Vater den Wagen nicht abmelden, die Zulassungsstelle verlangte die verbrannten Schilder, die er dann vom Schrottplatz holen musste. Und das Füllen des Polizei-Feuerlöschers kostete ihn 74 DM. Dies nur am Rande :-).

Mein erstes Auto war ein VW, ein Golf 1, von der Post ausgemustert, den ich fünfeinhalb Jahre lang fuhr.
Tja, und was fahren wir heute, sowohl mein Vater wie auch ich?
Opel!
Ist so. :-)

Aber an den 1600er und den Fridolin denke ich voll Wehmut zurück. Wo fahren sie denn noch? Wo?
Ich vermisse euch!!

fledermausi


Fazit: