
Produkttyp: Trabant Autos
Neuester Testbericht: ... der Devise: Besser schlecht gefahren als gut gelaufen (oder lange gewartet). Der TRABANT hatte eine Karosse aus so einer Art Kunststoff (... mehr
Weißt Du noch? Damals...
Allgemeines zu Trabant

Name des Mitglieds: friedel1910
Produkt:
Allgemeines zu Trabant
Datum: 02.01.12
Bewertung:
Vorteile: Karosse rostet nicht; keine komplizierte Elektronik
Nachteile: Lieferzeiten + Ersatzteilprobleme aufgrund der sozialistischen Versorgungswirtschaft
Manchmal gibt es solche "Weißt-Du-noch?... Damals..."-Abende. Besonders oft, jetzt an dunklen Winterabenden und besonders wenn man mit Bekannten, Freunden, Verwandten zusammenkommt wie kürzlich zu Weihnachten und/oder Silvester.
Und manchmal habe ich den Eindruck, dass sich die Häufigkeit dieser "Weißt-Du-noch"-Geschichten proportional zum Alter entwickelt. Was aber auch verständlich, denn je älter man ist, desto mehr Lebenserfahrung hat man und so kann man mehr von "früher" erzählen als die jüngere Generation.
"Früher" ist für mich im Normalfall gleichbedeutend mit "vor der Wende".
Zu DDR-Zeiten gab es zwar auch Autos, aber bei Weitem nicht so viele wie heute. Währenddessen es heute eine Menge Haushalte gibt, die mehrere Autos in Gebrauch haben, hatte damals nicht mal jeder Haushalt ein Auto. Ein Auto gehörte schon noch zum Luxus und man konnte auch ohne gut leben. Mit natürlich auch.
Die Auto"vielfalt" der DDR war eher eingeschränkt. Trabant... Wartburg... Skoda... Dacia... Polski Fiat... Lada...
Mit dem...
OOOOOOOOOO TRABANT OOOOOOOOOO
hat wohl jeder in irgendeiner Form seine Erfahrungen sammeln können.
Ich konnte nie einen TRABANT mein eigen nennen, aber "Trabi" gefahren bin auch ich.
Grundvoraussetzung zur Teilnahme am Straßenverkehr war - logisch - erst einmal, dass man im Besitz einer "Fahrerlaubnis" war. Mit 18 gleich anmelden, dann sechs Jahre Wartezeit... Ja, mit 24 war es soweit - ich konnte zur Fahrschule gehen! Heute undenkbar, damals einfach normal.
Auf ein Auto hätte ich noch lange warten müssen, zumindest, wenn ich einen Neuwagen hätte haben wollen (naja, wollte ich auf jeden Fall... war auch angemeldet... aber der Lauf der Geschichte hat meinen Neuwagen sozusagen überholt). Ein gebrauchtes Auto konnte man irgendwie bekommen. Preislich war das aber kein Vorteil. Autos waren so knapp, dass die Gebrauchten manchmal zum (fast?) gleichen Preis wie die Neuen gehandelt wurden.
Ich schweife ab... Zurück zum TRABANT.
Das Auto, welches im VEB Sachsenring Zwickau hergestellt wurde, war sozusagen der "Volks"-wagen der DDR.
Diesen "Volkswagen", der sowohl als Limousine als auch als Kombi produziert wurde, gab es auch als "Volksarmeewagen" - sogenanntes Kübelfahrzeug (eine Art Jeep). Dieser ist auch heute bei Fans noch sehr beliebt.
Der TRABANT war ein eher kleines Auto, bot für vier Personen Platz. Ist so gesehen ein bisschen zu vergleichen mit dem Smart for four, allerdings war der TRABANT wesentlich unförmiger.
Und - schrecklich! - den TRABANT gab es nur als 2-Türer. Meist wurden natürlich die Kinder nach hinten verfrachtet. Aber wenn man doch mal mit vier Erwachsenen fuhr... Nee, danke! Natürlich waren wir damals nicht so anspruchsvoll wie heute und man war froh, wenn man z.B. nach dem Spätdienst von einer Kollegin/einem Kollegen mitgenommen wurde, da Taxi nur schwer verfügbar waren und man nur zu oft Minimum zwei Stunden gewartet hat, bis eins kam. Also lebte man nach der Devise: Besser schlecht gefahren als gut gelaufen (oder lange gewartet).
Der TRABANT hatte eine Karosse aus so einer Art Kunststoff (irgendein Gemisch, was genau kann ich leider nicht sagen). Auch der Smart ist - wie der Trabant - teilweise aus Kunststoff (wurde uns mal vorgeführt). Dennoch liegen Welten dazwischen. Während der Kunststoff des Smart nachgibt, wenn er nicht gar zu unsanft behandelt wird, war das TRABANT-Material sehr fest und war belastbarer als Metallkarossen. Wurde eine bestimmte Grenze allerdings überschritten, splitterte das Material (hatte natürlich den Vorteil, dass es keine Beulen gab *kicher*).
Schon als ich noch zur Schule ging, machten wir uns über das Auto lustig. Unsere Jungs nannten es "Rennpappe" (wenngleich es gar nicht aus Pappe bestand).
Im Sprachgebrauch der TRABANT-Besitzer wurde er natürlich nicht so herabwürdigend tituliert, sondern liebevoll als Trabi (sprich: Trabbi) bezeichnet.
Technisch gesehen war der TRABANT schon ein "Highlight". Zum Beispiel die sogenannte "Stockschaltung" am Armaturenbrett, die aber - meiner Meinung nach - für Anfänger gut zu bedienen war.
Mit Vorsicht zu bedienen war der Blinkschalter am Lenkrad. Es handelte sich dabei um ein filigranes Kunststoffteil, welches in kräftiger Männerhand oder aufgeregter Frauenhand leicht abbrechen konnte.
Unerfahrenen Autodiebe wurde der versteckt unter dem Armaturenbrett sitzende Benzinhahn zum Verhängnis, weil das Fahrzeug bei geschlossenem Benzinhahn schon nach wenigen Metern den Geist aufgab.
Das Fassungsvermögen des Kofferraums war natürlich aufgrund der geringen Autogröße auch entsprechend klein. Und es ist mir heute noch ein Rätsel, wie damit manch 4köpfige Familie für zwei oder gar drei Wochen zum Campingurlaub an die Ostsee reisen konnte.
Eine Reise zu weit entfernten Zielen ist mir bei der mit dem TRABANT erreichbaren Höchstgeschwindigkeit ohnehin schon ein Rätsel. Naja, angekommen sind sie aber alle.
Wir selbst - eine befreundete Kollegin, deren Tochter und ich - waren auch zu dritt damit im Winterurlaub. Heute würde man sich sträuben, aber damals war das eben das ganz normale Leben.
Da der TRABANT mit einer etwas schwächeren Heizung ausgestattet war, nutzen einige ganz Unentwegte beim Winterbetrieb einen tragbaren Katalyt-Ofen als Zusatzausstattung, was aber bestimmt nicht ganz ungefährlich war.
Heute hat der TRABANT Kultstatus erreicht.
Schon kurz nach der Wende wurde dem TRABANT ein Film gewidmet - "Go, Trabi go", mit Wolfgang Stumph in der Hauptrolle.
Und jetzt - 20 Jahre später - kann man in "Metropolen" wie z.B. Berlin oder auch in anderen großen Städten wie z.B. Dresden Stadtrundfahrten mit demTRABANT unternehmen (z..B. "Trabi-Safari), als Selbstfahrer übrigens - also TRABANT-Erlebnis pur.
Fazit: Begleiter über Jahrzehnte
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