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Produkttyp: Toyota Autos
Neuester Testbericht: ... hat (damit ist es nun aber vorbei). Nicht einmal an einem Leihtaxi wollte sich Toyota für die Dauer des Ausfalles beteiligen. Das ist... mehr
Der Toyota Prius Hybrid (II) als Taxi - mit Fortsetzung 2010
Toyota Prius Hybrid Executive

Name des Mitglieds: thicklizzie
Produkt:
Toyota Prius Hybrid Executive
Datum: 03.11.08, geändert am 28.11.10 (1761 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Supergünstiger Unterhalt
Nachteile: Kofferraum ist etwas knapp - keine Kulanz
Meine Vorredner haben eigentlich schon alles gesagt, was der zukünftige Käufer eines Prius wissen will. Ich beschränke mich hier auf den Prius im Taxialltag. Für private Priusfahrer ist das insofern interessant, als sie eine Vorschau darauf bekommen, was sie von einem Prius zu erwarten haben, der nach einigen Jahren 150 000 km und mehr auf dem Buckel hat.
Den ersten Prius haben wir seit ca. 1,5 Jahren, der zweite Prius folgte vor 11 Monaten. Der ältere hat jetzt ca. 125.000 km gelaufen, was einer Lebensdauer in Privathand von 7-10 Jahren entspricht.
Die Verarbeitung:
In ein Taxi steigen naturgemäß viele Leute ein und aus, dementsprechend werden z. B. Türen, Griffe und Sitze über Gebühr beansprucht. Diese Belastung hat der Prius bisher sehr gut weggesteckt - man sieht ihm die Dauernutzung kaum an, obwohl wir auf die teure Lederausstattung verzichtet haben und uns mit den Stoffsitzen begnügten. Leider wird der Prius als Taxi nicht mit Kunstlederausstattung angeboten. Bisher gibt es auch keine Klappergeräusche oder ähnliche Alterserscheinungen.
Nachtrag 2010: Es ist immer noch alles in gutem Zustand, kein Klappern, keine Geräusche, erstaunlich wenig Abnutzungserscheinungen. Lediglich die Türfangbänder sind bei beiden Wagen erneuert worden.
Das Platzangebot:
4 Fahrgäste + Fahrer haben recht bequem Platz und ausreichend Beinfreiheit. Leider ist der Kofferraum für Taxen ein wenig unterdimensioniert, was sich vor allem bemerkbar macht, wenn man z.B. einen Rollstuhl mitnehmen muß. Ein Teil des Kofferraums wird für die vorgeschriebenen Kindersitze benötigt, außerdem muß ja auch noch die Fahrzeugausrüstung, wie z. B. das Putzzeug untergebracht werden. Die Ablagen für Stadtpläne, Geldbörse usw. sind nicht üppig, aber man kommt zurecht. Für 99 % aller Fahrten reicht der Kofferraum jedoch aus. Den Verlust des letzten Prozentes macht der geringe Verbrauch mehr als wett. Leider hat der Prius auch eine sehr hohe Ladekante, so das es nicht einfach ist einen schweren Koffer hineinzuwuchten. Man kann das natürlich auch als Ausgleichssport für die lange Sitzerei ansehen :-)
Der Verbrauch:
Unsere Wagen sind überwiegend im Stadtverkehr unterwegs. Da die Fahrer auf Spritsparen getrimmt wurden, bewegt sich der Verbrauch zwischen 5,0 und 5,5 l/100 km. Wenn mal schnelle Autobahnfahrten dazwischen sind oder Heizung im Stand (kalte Winternächte) bzw. Klimaanlage laufen, können es auch schon mal 5,6 oder 5,7 Liter sein. Wenn jemand den Verbrauch tatsächlich mal auf 6 Liter hochjagt, meckert die Ablösung und es dauert nicht lange, bis alles wieder im grünen Bereich ist. Zugegeben: wir haben da ein wenig den Ehrgeiz gekitzelt, aber das zahlt sich aus.
Mittlerweile unterscheiden sich die Preise von Diesel und Benzin ja nicht mehr wesentlich, daher ist der Prius in diesem Punkt jedem anderen Taxi überlegen. Selbst mit Gas fährt man nicht billiger (vor allem wenn man die hohen Umrüstkosten und die geringere Reichweite einkalkuliert).
Man spart auch allerhand Treibstoff, wenn man am Taxenstand nachrückt, denn dafür braucht man nur den Elektromotor.
Nachtrag November 2010:
Die Verbrauchswerte haben sich im Laufe der Zeit nur unwesentlich erhöht - um ca. 0,2 Liter/100 km. Nach Laufleistungen von 300.000 km bzw. 270.000 km ist das aber in Ordnung.
Im Wesentlichen liegt es daran, das die Batterie nicht mehr so gut aufgeladen wird. Mit dem neuen Getriebe (siehe unten) hat sich das aber wieder auf Neuwagenniveau verbessert. Es lag also nicht daran, das die Batterie leistungsschwächer wurde, sondern am defekten Getriebe.
Reparaturen:
sind bisher nicht nötig gewesen, wenn man vom Verschleiß absieht. Die Bremsscheiben vorne wurden bei ca. 75.000 km gewechselt, was ich recht bemerkenswert finde. Bremsbeläge braucht man ungefähr 2 x in einem Bremsscheibenintervall, liegt also im normalen Bereich.
Nachtrag März 2010:
Inzwischen hat der jüngere der beiden Wagen bei 240 000 km ein neues Getriebe gebraucht. Das ist wahrhaftig kein Spaß gewesen, weil der Wagen im Vorfeld einige Male einfach nicht mehr ansprang und die Werkstatt den Fehler partout nicht finden konnte. Der Fehlerspeicher wurde resettet, dann fuhr der Wagen wieder ein oder zwei Tage und dann sprang er wieder nicht an. Nach dem 5. Mal meinte der Mechaniker, das ein Elektromotor im Getriebe den Geist aufgegeben hätte - das Getriebeöl wäre verbrannt. Leider kann man den E-Motor nicht einzeln tauschen, es ist ein neues Getriebe erforderlich. Kostenpunkt mit Einbau knapp 4200 Euro und KEINE KULANZ, weder vom Hersteller noch von der Werkstatt, obwohl der Wagen ein lückenloses Scheckheft hat (damit ist es nun aber vorbei). Nicht einmal an einem Leihtaxi wollte sich Toyota für die Dauer des Ausfalles beteiligen. Das ist wirklich armselig.
Auch die Antriebswellen sind nach 240.000 bzw. 270.000 km verschlissen. Neuteile sind sehr teuer (ca. 800 Euro netto pro Stück). Wir haben aber eine sehr günstige Alternative gefunden und zwar bei Ebay USA. Dort bekommt man gebrauchte Antriebswellen vom Händler mit einer Laufleistung von ca. 40-50 Tkm für je etwa 100 $ + Versand. Für 4 Antriebswellen (2 rechts, 2 links) haben wir insgesamt knapp 750 Euro inclusive Versand bezahlt. Auch Getriebe und Motoren sind dort sehr günstig gebraucht zu haben. Der Kauf ist kein allzugroßes Risiko, denn es gibt nur diese eine Prius II-Variante weltweit, daher sollten auch die Teile passen. In den USA ist der Prius sehr viel verbreiteter als hier, daher gibt es auch ein recht umfangreiches Angebot an gebrauchten Teilen aus Unfallwagen. Wir überlegen ernsthaft, vorsorglich auch Motor, Batterie und Getriebe anzuschaffen und uns auf Lager zu legen. Mit Laufleistungen zwischen 40 und 60 Tkm kosten die Teile etwa 1/10 des Neuteilepreises. Die Versand- und Zollkosten sind zwar happig, aber vertretbar.
Nachtrag November 2010:
Mein Mann hat gebrauchte Module für den großen Akku in den USA eingekauft und eingebaut. Das wurde nötig, weil der Wagen immer öfter nur mit dem Benzinmotor fuhr - der Akku war wohl so ziemlich am Ende und konnte nur noch wenig Leistung für den Antrieb erbringen. Da mein Mann sich in weiser Voraussicht auch eine detaillierte Einbauanleitung hat faxen lassen, klappte das Austauschen der Module recht gut. Insgesamt hat die ganze Operation etwa 8 Stunden gedauert. Sofern man die nötigen Vorsichtsmaßregeln beherzigt (Starkstrom), kann man sich (wenn man ein geschickter Bastler ist) mit Do-it-yourself eine dicke Werkstattrechnung ersparen. Die Module waren im Einkauf etwas billiger als ein kompletter Akku und vor allem sehr viel billiger und problemloser im Versand (trotz Luftfracht), weil sie weniger Platz brauchen und nicht so schwer sind.
Die Antriebswellen sind inzwischen übrigens verbaut worden und arbeiten problemlos. Die Anschaffung hat sich wirklich gelohnt.
Noch mehr Vorteile:
Der Wagen sollte einen guten Wiederverkaufswert haben, selbst wenn er hohe Laufleistungen hat. Und nicht zu unterschätzen: viele Fahrgäst honorieren inzwischen ein derart umweltfreundliches Taxi - sei es durch mehr Trinkgeld oder durch weitere Vorbestellungen.
Lästig:
Die Scheiben zu putzen ist eine Strafe. Man kommt schlecht oder gar nicht in die letzten Winkel und so wird im Laufe der Jahre sehr wahrscheinlich ein "Speckrand" an den unzugänglichen Stellen entstehen.
Sinnvolle Verbesserungen:
Die Krönung wäre der Prius als Kombi (wenn es denn ein echter Kombi ist). Ein oder zwei weitere brauchbare Ablagen in Griffweite des Fahrers, vor allem für die Geldbörse (die hat in der Türablage nämlich gar nichts zu suchen).
Fazit:
Wenn man den Kofferraum nicht übergewichtet, gibt es wohl kein Fahrzeug, das, vor allem unter dem Kostenaspekt, besser als Taxi im Stadtverkehr geeignet ist. Die Betriebskosten sind einfach supergünstig, weil nicht nur der Treibstoff, sondern auch Steuern und Versicherung einen Vorteil gegenüber Diesel bieten.
Nachtrag 2010:
Trotz der schlechten Kulanzregelung bei regelmäßigen Inspektionen bleibe ich bei 5 Sternen. Für uns ist die Konsequenz eben, das wir keine Neufahrzeuge mehr kaufen, sondern lieber gute Gebrauchte. Bei der Preisdifferenz und den gesparten Inspektionskosten brauchen wir keine Kulanz mehr. Das die Fahrzeuge robust und langlebig sind wissen wir inzwischen. Teure Ersatzteile kaufen wir vorsorglich gebraucht in den USA ein - auf diese Weise wird Prius fahren noch billiger und wir drehen Toyota eine Nase.
Fazit: Den kaufen wir wieder, aber nicht mehr neu
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