
Produkttyp: Smart Autos
Neuester Testbericht: ... zwischen 5 und 6 Litern je nach Fahrweise und Temparatur. Spritzig ist mein Kleiner Smartie aber beim Gangwechsel legt er manchmal n... mehr
(Fast) geniales Kultcabrio zum Spartarif
Smart cabrio

Name des Mitglieds: Picard1970
Produkt:
Smart cabrio
Datum: 30.06.01, geändert am 14.07.01 (5037 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: spritzig mit 55 / 61 PS, für Cabrio-Verhältnisse günstig, tolle Dachkonstruktion, hohe Sicherheit
Nachteile: geringer Fahrkomfort, bei Nässe stark untersteuernd, seitenwindempfindlich, zu lang übersetzter 6. Gang
Doch irgendwie reizt mich der Gedanke, zukünftig ein Auto zu fahren, dass
a) Jede Menge Fahrspaß bietet, und
b) trotzdem sehr günstig in Anschaffung und Unterhalt ist
Es besteht kein Zweifel, dass nur wenige Autos beides verbinden können. Als Cabrio ist der Smart fast schon ein Kultauto, und genießt eine erstaunliche Beliebheit. Vielleicht ist er das Auto, das beide Punkte derzeit am besten vereint. Nunja, jedenfalls habe ich mir am leider verregneten Pfingswochende 2001 für 3 Tage einen Smart als Cabrio mit 55PS-Benzinmotor ausgeliehen (Modell Smart & pulse). Offiziell hätte mich das 75 DM pro Tag gekostet, mit etwas Vitamin B geht es auch für 45 DM pro Tag...
Es besteht kein Zweifel: Der Smart ist ein eher kleines Auto, man könnte fast sagen, es ist ein richtig kleines Auto. Ein daneben stehender Fiat Cinquecento mutiert auf einmal zur Großraumlimousine. Der Smart hat - wie jeder wissen dürfte - nur 2 Sitze. Aber diese Plätze sind hervorragend. Ich selbst bin 190cm gross und war sehr überrascht, wie üppig einem das Platzangebot im Smart vorkommt. Der Eindruck erinnert jedenfalls eher an einen Van (z.B. VW Sharan), als an einen Kleinwagen. Beinfreiheit hat vor allem der Fahrer satt. Meine 185cm grosse Freundin kam in der hintersten Sitzposition kaum noch an die Pedalen. Der Beifahrer hat leider deutlich weniger Beinfreiheit, obwohl der Beifahrersitz nach hinten versetzt montiert ist - eine Frage der Fußraumgestaltung. Solange man sich aber nicht auf großer Reise befindet, ist es aber durchaus noch o.k.. Ansonsten: Kopffreiheit ohne Ende, selbst die Breite kommt einem nicht so eng vor, wie es die ca. 150cm Breite des Smart vermuten lassen. Evtl. sehen dies 180kg-Personen aber anders...
Beeindruck
t war ich auch von den Sitzen. Sie sind einfach hervorragend und könnten als Vorbild für so manches Fahrzeug der Mittelklasse dienen. Hier möchte ich ein absolutes Kompliment an die Smart-Entwickler aussprechen ! Auch die Verarbeitung geht o.k.. Die Klappergeräusche hielten sich in Grenzen, und fast 100% wasserdicht war das Verdeck auch, was für ein Cabrio nicht selbstverständlich ist.
Das Verdeck läßt sich in verschiedenen Stufen öffen. Zuerst wie ein elektrische Faltdach, das bis hinten hin geöffnet werden kann. Drückt man den Betätigungsknopf erneut, entriegelt der hintere Dachbereich. Man muß dann kurz aussteigen, um das Dach herunterzudrücken. Dort rastet es dann ein, bis es wieder (elektrisch) entriegelt wird. Für den perfekten Genuß (vor allem aber für die perfekte Cabrio-Optik) kann man schließlich noch die Dachstreben herausnehmen und in einem speziell dafür ausgelegten Fach in der Kofferraumtür unterbringen. Insgesamt ein tolle Konstruktion, vielleicht mit Ausnahme der nicht beheizbaren und beim 1 Jahr alten Testfahrzeug schon ziemlich blinden Kunststoffheckscheibe. Das Cabrio ist auch deutlich schlechter hinsichtlich der Übersichtlichkeit. Hier hat der "normale" Smart deutliche Vorteile.
Nachdem man nun einen guten Platz hinter dem Lenkrad gefunden hat, muss man sich etwa auf das Fahren vorbereiten. Das finden des Zündschlosses ist "Hürde" Nr. 1, weil es auf dem Mitteltunnel zwischen den Sitzen angeordnet ist. Wie gewohnt startet man mit dem Schlüssel den Motor. Doch nun geht es ans Schalten. Standardmäßig ist der Smart mit einer Art "Tiptronic" ausgestattet, die sich "SOFTIP" nennt. Dass heißt, das linke Bein hat nicht mehr zu tun, weil der Smart auf alle Fälle von alleine kuppelt. Durch Drücken des Schalthebels nach vorne schaltet man in den nächsten Gang, durch Ziehen nach hinten schaltet man einen Gang herunter. Dazu gibt es einen nette Zusatzfunktion: Bleibt man an der Ampel stehen, schaltet
der Smart automatisch zurück in den 1. Gang. Von diesen Gängen hat der Smart gleich 6, was überraschend viel ist für ein Auto mit 135km/h Höchstgeschwindigkeit. Deshalb hat man mit der tadellos funktionierenden Tiptronic auch reichlich zu tun; die Gangabstufungen sind recht eng.
Weil das Schalten im Stadtverkehr recht lästig werden kann, ordern die meisten Smart-Käufer zusätzlich (gegen Aufpreis von 525 DM) das automatisierte Getriebe, was sich wiederum "SOFTOUCH" nennt. Das Luxusmodell "Smart & passion" hat das SOFTOUCH-Getriebe serienmäßig. Obwohl ich eigentlich kein Freund automatischer Getriebe bin, kann ich jeden Smart-Käufer nur raten, dieses Geld zu investieren. Es erhöht den Fahrkomfort erheblich und verschlechtert nur minimal die Verbrauchswerte. Es handelt sich nämlich nicht etwa um ein klassisches Automatikgetriebe, welches ja i.d.R. Autos langsamer macht und sie 1-2 Liter mehr Benzin verbrauchen läßt. Vielmehr ist das Getriebe identisch mit dem Standardgetriebe, nur werden hier die Gänge automatische geschaltet. Insgesamt funktioniert das SOFTOUCH-Getriebe sehr gut. Beschleunigt man mit wenig Gas, schaltet es sehr früh und fördert niedrige Verbrauchswerte. Beim Vollgasbeschleunigungen schaltet es spät und man erreicht fast diesselben Beschleunigungswerte wie mit dem SOFTIP-Modus. Und jetzt kommt das beste: Der SOFTIP-Modus steht auch dem Fahrer eines Smart mit SOFTOUCH-Getriebe jederzeit zur Verfügung. Ein kurzer Druck auf einen am Schalthebel befindlichen Knopf, und der Automatikmodus wird ausgeschaltet. Man kann dann (z.B. um sportlicher zu fahren), alle Gänge manuell wählen, hat also die exakte Funktion des SOFTIP-Getriebes.
Ein genereller Nachteil des Smartgetriebes sind die recht langen Schaltpausen. Dies fällt vor allem im Automatikmodus (SOFTOUCH) auf, weil der Smart dann natürlich ab und an auch dann schaltet, wenn der Fahrer nicht unbedingt damit rechnet. Dann gibt es eine Verzögerung, die durchaus stören
d sein kann. Im manuellen Modus (SOFTIP) kann man deshalb den Smart auch in einem bestimmten Gang halten. Für zügiges Überholen etc. ist dies oft der bessere Weg. Haus-Tuner Brabus bietet übrigens neben einer Steigerung der Motorleistung auch eine Schaltzeitverkürzung an. Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, stören einen aber auch die gelegentlich auffallenden Schaltpausen nur wenig.
Nun zu den Fahrleistungen:
"Mein" Smart hatte den am meisten verbreiteten Benzin-Motor, also 55PS. Wie alle Smart-Motoren, hat auch dieser 3 Zylinder. Der Motor hat sage und schreibe 600ccm Hubraum, also etwa halb soviel, wie übliche 55PS-Automotoren. Deshalb wurde der Motor auch mit einem Turbolader bestückt, um der Leistung und dem Drehmoment auf die Sprünge zu helfen. Dies führt zu folgenden Fahrleistungen:
Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 17.2 bis 17.5s (je nach Getriebsmodus)
Höchstgeschwindigkeit 135 km/h (elektronisch begrenzt)
Das hört sich ausgesprochen langsam an, entspricht aber nicht dem subjektiven Eindruck. Die relativ langsame Beschleunigung kommt zustande, weil das Getriebe relativ lange Schaltpausen hat, und die ersten 1-2s bereits beim Anfahren verloren gehen, weil das Getriebe automatisch und mit relativ wenig Gas einkuppelt. Mit einem normalen Schaltgetriebe würde der Smart in etwa 13 bis 14s auf 100km/h beschleunigen, da bin ich mir sicher. Dies wiederum wäre schon recht flott. Nachteilig auf den Beschleunigungswert wirkt sich auch die Getriebeübersetzung aus. 100 km/h erreicht der Smart erst in der 4. Gangstufe, muss also 1 mal öfter schalten als ein "normales" Auto. Und wie schon gesagt: Das Getriebe wechselt die Gänge nicht eben rasant schnell. Und noch ein Punkt, der die Beschleunigungswerte verschlechtert: Es handelt sich hier um einen Turbomotor; das volle Drehmoment steht nach jedem Gasgeben und nach jedem Schaltvorgang erst nach einer kleinen Verzögerung zur Verfügung.
Jedenfal
ls hat man im Bereich bis 100 oder 110 km/h nie das Gefühl, mit einem langsamen Auto unterwegs zu sein. Wenn der Smart einmal rollt und der Motor den Ladedruck für den Turbolader aufgebaut hat, geht es im ersten und zweiten Gang fast ungestümt voran. Das subjetive Empfinden spricht durchaus für ein deutliches schnelleres Auto. Lassen Sie sich also nicht von den Beschleunigungswerten blenden: Der Smart ist ausgesprochen flott und temperamentvoll ! Bei etwa 120 km/h läßt der Vortrieb dann deutlich nach. Dies liegt vor allem an der nicht ganz optimalen Getriebeabstufung hinsichtlich des 5. und 6. Ganges. Im 5. Gang erreicht der Smart zwar mit etwas Mühe seine Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h. Der Motor dreht dann aber bereits sehr hoch und hat spürbar weniger Drehmoment als bei niedrigeren Drehzahlen. Die 6. Gangstufe hingegen ist sehr lang übersetzt. Vor allem größeren Steigungen oder bei stärkerem Gegenwind tut sich der 55PS Smart sichtlich schwer, im 6. Gang noch zu beschleunigen. Ein 5% kürzer übersetzten 6. Gang wäre besser. Ideal ist hier sich der neue 62 PS starke Motor, den es aber nur in der sportlichen Version (Smart & pulse) gibt.
Ein Bauart-bedingter Nachteil des 3-Zylindermotors ist der relativ kleine, gut nutzbare Drehzahlbereich. Leider hatte mein Smart keinen Drehzahlmesser (bei allen Modellen aufpreispflichtig). Jedenfalls mag der Motor keine sehr niedrigen Drehzahlen und läuft erst ab geschätzten 2000 U/min richtig rund. Darunter ist er - wie wohl jeder 3-Zylindermotor - etwas brummig. Bei etwas über 5000 U/min ist dann auch schon wieder Schluss. Der ideale Drehzahlbereich liegt (wie auch das max. Drehmoment) bei 2000 bis 4500 U/min, wobei der Motor bereits ab mittleren Drehzahlen deutlich lauter wird. Dies ergibt zwar beim Beschleunigen eine wirklich witzige / sportliche Geräuschkulisse, wird aber den ein oder anderen Fahrer auch stören. Jedenfalls läuft der Smart im 6. Gang erst ab 90 km/h richtig rund; im Automatikmodus bleibt das Getri
ebe nicht ohne Grund bis 90 km/h im 5. Gang. Wieder ein Argument, den Gang etwas kürzer auszulegen, auch wenn die lange Übersetzung zu einem sehr niedrigen Motor-Geräuschniveau auf der Autobahn führt.
Nun noch etwas zu Fahrwerk: Es ist sicher der wohl größte Nachteil des Smart. Ein Auto von 2,50m Länge kann nicht wirklich komfortabel sein. Die von mir getestete Version aus dem April 2000 entspricht zwar nicht mehr ganz dem etwas komfortableren 2001er Modellen, aber riesig sollen die Unterschiede nicht sein. Obwohl die ersten Smart noch deutlich härter gefedert waren, ist auch das 2000er Modell ziemlich unkomfortabel. Ich hatte dies erwartet, und wurde nicht etwa negativ überrascht. Einige Unebenheiten nimmt der Smart sogar recht souverän, viele bringen ihn aber doch ziemlich aus der Fassung und geben deutlich Stöße an den Rücken der Insassen weiter. Auf längeren Strecken (die im Smart ansonsten überraschend gut auszuhalten sind) stört der geringe Federungskomfort doch deutlich. Die Straßenlage ist befriegend; zumindest auf trockenen Straßen kann man durchaus zügig und trotzdem sicher fahren. Auf nassen Strassen untersteuert der Smart trotz Heckantrieb start. Hier wurde im Dienste der Sicherheit doch etwas viel des Guten getan. Damit der Smart nie mit dem Heck ausbricht (was bei einem so kurzen Auto auch überaus gefährlich wäre), wurde das Fahrwerk stärker als normal untersteuernd ausgelegt. Aus diesem Grund sind auch die Vorderreifen sehr schmal (145er beim Benziner, 135er beim Diesel, bei allen Modellen 175er an der Hinterachse). Nur wie schon gesagt: Hier hat man es wohl etwas übertrieben, was den Fahrspaß zumindest auf nassen Straßen doch etwas schmälert. Auch hier hilft übrigens Haus-Tuner Brabus mit 195er Reifen rundum aus, allerdings zu sehr hohen Kosten.
Der Rest in Stichpunkten:
- Klimaanlage sehr empfehlenswert, alleine schon wegen sonst starker Neigung zu beschlagenen Scheiben.
- Verdeckfunktion elektrisch mit sehr guter Funkt
ionalität, keine Persenning nötig
- Kofferaum zwar klein, aber für viele Zwecke ausreichend
- Tankinhalt mit 22 Litern sehr klein, dadurch recht geringe Reichweite
- Praxisverbrauch bei zügiger Fahrt und gemischten Strecken fast genau 5 Liter / 100km (gemessen !)
- sehr niedrige Versicherungsklassen -> günstig !
- sehr niedrige Unterhaltskosten, relativ geringer Wertverlust
Fazit:
Ein tolles Auto, das viel zu oft unterschätzt wird ! Man sollte ihn aber unbedingt mehrere Tage probefahren, bevor man ihn kauft. Das Geld für eine Autovermietung ist gut angelegt. Hierbei entscheidet sich schnell, ob man den recht geringen Fahrkomfort ausreichend findet. Wer dies bejaht und kein größeres Auto braucht, ist mit dem Smart ideal bedient. Ob man die 5000 DM Aufpreis für das Cabrio ausgeben will, ist natürlich eine weitere Frage.
An alle, die nicht einsehen wollen, warum der Smart nur 2 Sitze hat: Schon einmal darüber nachgedacht, dass die so angesehenen Roadster auch alle nur 2 Sitze und einen Mini-Kofferaum haben ? Kann man dem Smart vorwerfen, dass er trotz 2,50 m Länge mehr Platz bietet als ein 4m langer Mazda MX-5 und noch dazu überragende Ergebnisse in diversen Crashtests erzielt hat ? Es wäre nicht fair ! Ich werde den Smart ab sofort jedenfalls ernst nehmen und ihn tatsächlich als mein nächstes Auto in Erwägung ziehen.
Fazit:


15.07.01
Glückwunsch zur Krone ! Gruss Dijk !