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Auto Emocion - oder nur der bessere Golf?
Seat Leon 2.0 TFSi

Name des Mitglieds: killingjoke
Produkt:
Seat Leon 2.0 TFSi
Datum: 27.01.09, geändert am 30.01.09 (761 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Design, Verarbeitung auf VW-Niveau, Preis, Motor, Sitze
Nachteile: empfindliche Sitzpolster, Image unter Wert, kein Spritsparwunder
Seat Leon 2.0 TFSi Stylance (Erstzulassung 2006)
Ich fahre nun diesen oben genannten Seat mit EZ 06/2006 und habe inzwischen ca. 55.000 km zurückgelegt. Er war Nachfolger eines VW Golf IV 2.0 Benziner mit 115 PS (dessen Beurteilung hier ebenso abrufbar ist).
Knapp 24.000 Euro für dieses Auto mit der damals verfügbaren Premiumausstattung und Top-Motorisierung (2.0 Liter, 136KW/185 PS) waren angesichts vergleichbarer Modelle aus dem eigenen VW-Konzern wie Audi A3 oder VW Golf GTI geradezu preiswert. In dem Preis waren schon die wenigen Sonderausstattungen wie Metallic-Lack und MP3-Player zum serienmässigen Soundsystem enthalten.
Nach dem oben genannten VW Golf IV und einem von mir übergangsweise gefahrenen Audi A3 , der zwar einen schwächeren Benziner-Motor hatte, aber Rückschlüsse auf Verarbeitung und Komfort zuliess, muss ich sagen, dass dieser Seat meine Erwartungen so ziemlich in allem übertraf. Ich war ja davon ausgegangen, dass ich gegenüber den Premium-Modellen von Audi und VW ordentliche Abstriche machen müsste. Positioniert im VW-Konzern als preiswertere sportliche Alternative zu Golf und Audi A3 fiel meine Wahl schon allein wegen dem pfiffigen Design im Vergleich zum eher altbackenen Golf V auf den Seat Leon.
Design/Funktionalität/Verarbeitung:
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Wie erwähnt überzeugt die Optik gemessen am Design-Einerlei der sonstigen Kompaktklasse. Obwohl 5-Türer wirkt der Leon aus der Ferne eher wie ein 3-türiges Coupé, nicht zuletzt dank raffiniert versteckter Türgriffe an den Hintertüren. Nachteile ergeben sich in der Rundumsicht, wobei die Sicht nach hinten wegen der breiten C-Säule auch nicht viel schlechter ist als bei VW Golf oder Audi A3. Aber die extrem flachen und gewaltigen A-Säulen sind beim Abbiegen schon gewöhnungsbedürftig und man muss sich bisweilen schon nach vorne beugen, um tote Blickwinkel auszuschliessen. Der Innenraum ist konzerntypisch funktional und aufgeräumt, alle Schalter und Bedienelemente sind klar und logisch angeordnet, bei Seat typischerweise nachts weitgehend rot illuminiert, auch das riesige Radiodisplay - wem das gefällt, ist eher Geschmacksache, mir persönlich gefallen die Blautöne im vergleichbaren Golf eher noch einen Tick besser, wobei aber der klar gezeichnete Tachobereich weiss-rot beleuchtet absolut überzeugt . Der Innenraum entspricht nur in etwa dem des Golf V, da er durch die extrem flache Frontscheibe und die Coupéform enger geschnitten ist und auch insgesamt deutlich flacher, aber 4 Erwachsene reisen auch hier bequem, selbst wenn sie sich zuerst etwas kleiner beim Einstieg machen müssen als im Golf.
Die Verarbeitung ist insgesamt aussen wie innen auf hohem Niveau und muss sich da vor Audi oder VW nicht verstecken, auch wenn die Innenraumgestaltung etwas blass und billig auf den ersten Blick wirkt, wobei aber Haptik und Passgenauigkeit etc. stimmen. Vor allem die Sportsitze sind Extraklasse mit gutem Seitenhalt und excellentem Langstreckenkomfort.
Allerdings sind die Sitzbezüge sehr empfindlich, jeder Schmutz ist sofort sichtbar und Flecke hinterlassen schnell "bleibenden" Eindruck. Dafür ist wiederum die sehr glatte Oberfläche des Armaturenbretts leicht zu reinigen, schon weil auch deutlich weniger Staub an ihr haften bleibt.
Die serienmässige Klimaautomatik in meinem Modell verrichtet Ihre Arbeit gut, wenn auch nicht hervorragend angesichts meiner schwarzen Metallic-Farbe und der extrem flachen Frontscheibe, die zwar das coupéhafte Design unterstreicht, aber eben auch den Innenraum stärker aufheizt. So dauert es doch eine Weile, bis man den Innenraum im Sommer runtergekühlt hat, die Klimaanlage in meinem alten Golf IV war da schneller. Das Soundsystem mit seinen verteilten 8 Lautsprechern klingt hervorragend, allerdings dröhnt der grosse Beifahrerlautsprecher minimal bei Bässen für wirklich empfindliche Ohren, was auch die Werkstatt nicht beheben konnte.
Überhaupt ist die Vollausstattung inkl. ESP, ABS und ASR, Bordcomputer, Tempomat zu allen sonstigen hier genannten Details vollständig, aber auch er hat wie viele andere nur ein Notrad an Bord, von dem ich hoffe, es nie einsetzen zu müssen.
Fahrwerk/Fahrkomfort:
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Das Fahrwerk ist mit einem Wort Spitzenklasse. Man fühlt sich sowohl auf enger Landstrasse wie schneller Autobahnfahrt absolut sicher. Die sportliche Abstimmung trägt dazu ebenso bei wie die breiten 225/45 ZR-Reifen, die aber bei Spurrillen gern diesen etwas nachlaufen, aber das ist bei der Breite auch bei anderen Fahrzeugen typisch. Die Servolenkung macht ihre Aufgabe unauffällig gut, auch bei extrem hohen Geschwindigkeiten blieb sie direkt und wird nicht schwammig, da habe ich sogar in einem 5-er BMW der aktuellen Baureihe schon schlechtere Erfahrungen mit indirekterer Lenkung bei hohen Geschwindigkeiten gemacht. Und nicht zuletzt seien nochmals die hervorragenden Sitze erwähnt!
Dass natürlich dieses Fahrwerk keine Sänfte im Federungskomfort sein kann, liegt auf der Hand, aber darüber ist man sich ja im klaren, wenn man dieses Modell wählt. Dennoch behaupte ich, dass der Audi A3 selbst in seinen "Normalversionen" noch eine Spur härter wirkt! Insgesamt empfinde ich das Fahrwerk des Leon als sehr ausgewogenen Kompromiss zwischen Komfort und Sportlichkeit. Wer noch mehr Federungskomfort will, wird dieses Modell von vornherein nicht in Betracht ziehen.
Motor/Fahrleistungen:
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Der 2.0 TFSi Motor ist gegenüber dem VW Golf GTI und dem entsprechenden Audi A3 etwas schwächer (185 PS zu 200 PS), da wollte wohl der Konzern etwas Abstand zu seinen Topmodellen lassen. Inzwischen hat aber der aktuelle Seat Leon ebenso diese 200 PS-Variante. Der Unterschied fällt in der Praxis allerdings gering aus. Auch dieser Motor hat ein gewaltiges Drehmoment, zieht wie ein Turbodiesel weit unter 2000 U/Min. bärenstark durch und selbst im Stadtverkehr kann man locker im serienmässigen 6. Gang dahingleiten und bei Bedarf beschleunigen ohne zurückzuschalten - das ist für einen Benziner schon ein tolles Feeling. Der Golf GTI fährt sich im direkten Vergleich zwar noch etwas bissiger und zügelloser, dafür wirkt der Seat etwas ausgeglichener, fast erwachsener und dennoch überlegen im Antrieb.
Bei Bedarf lassen sich nach Werksangabe 224 km/h erreichen, wobei mein Tacho bei Höchstgeschwindigkeit je nach Ebene oder leichtem Gefälle optimistisch locker zwischen 235 - 245 km/h anzeigt. Bei knapp 1,4 Tonnen Leergewicht macht so ein Motor natürlich Spass, zumal die Geräuschentwicklung immer akustisch zurückhaltend bleibt. (Ich muss dazu sagen, dass ein aktueller Audi A3 mit dem Basis-Benziner (102 PS) wesentlich lauter und rauher klingt - kein Vergleich zu meinem Motor, da war ich schon sehr enttäuscht über den sogenannten Premiumanspruch bei Audi, wenn die Geräuschdämmung so schlecht ist und auch das Fahrwerk rumpeliger war).
Das 6-Gang-Getriebe hinterlässt gemischte Gefühle, einerseits schaltet es exakt und knackig, andererseits ist der 6. Gang nach meinem Geschmack fast zuviel des guten, denn bei dem gewaltigen Drehmoment bietet sich schaltfaules Fahren geradezu an. Da hätten es 5 Gänge etwas mehr gespreizt auch getan, ich überspringe oft Gänge (1 -> 3 -> 5 etc.), um mir die Vielschalterei zu ersparen und kann dennoch zügig und völlig ruckelfrei beschleunigen, also wäre mit geschalteten 5 Gängen längerer Auslegung definitiv genügend Dampf in jedem Geschwindigkeitsbereich. Ich hätte damals auch gern das für dieses Modell angebotene Direktschaltgetriebe (DSG) genommen, aber der Aufpreis von ca. 2.500 Euro war mir definitiv zuviel!
Kosten/Wirtschaftlichkeit:
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Der Verbrauch ist benzinertypisch inkl. Turbolader sehr stark abhängig von der Fahrweise. Natürlich ist diese sportliche Motorisierung nicht gerade auf Sparsamkeit getrimmt, bei wenig Drehzahleinsatz und gedämpften Gasfuss, kann man immer noch flott unterwegs sein und dabei im gemischten Stadt/Überlandverkehr ca. 8,5 Liter verbrauchen. Weniger als ca. 7,5 Liter sind selbst bei absichtlich extrem sparsamer Fahrweise nicht drin, das ist angesichts des Motors und Gewichts akzeptabel. Umgekehrt ist es aber auch möglich, auf schneller Autobahnfahrt (z.b nachts auf leerer Autobahn ohne Tempolimit) bis zu 15 Liter!! zu verbrauchen - ok, das sind dann aber Dauergeschwindigkeiten weit jenseits der 200 km/h.
Versicherung/Typklasse ist überraschend günstig eingestuft, ein vergleichbarer Golf GTI kostet deutlich mehr! Die Werkstattpreise pendeln auf VW-Niveau, mein Auto wird ja in der selben Werkstatt z.b. direkt neben einem Audi A8 gewartet..:-))
FAZIT:
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Ein tolles sportliches Kompaktauto mit VW-Technik, in der Verarbeitung auf fast ebenso hohem Niveau, in der Innenraumgestaltung etwas gewollt nüchterner und weniger optisch wertig gehalten, aber ohne funktionale Nachteile. Der Motor in meiner Version ist Spitzenklasse und unterstreicht den sportlichen Anspruch ebenso wie das coupéhafte Design, das noch am ehesten den Werbeslogan "Auto Emocion" erfüllt. Ansonsten ist der Leon eher ein nüchtern gutes Fahrzeug mit Alltagstauglichkeit pur. Übertrieben sparsam ist er nicht und ob ein Auto dieser Leistungsklasse heute noch in unsere Öko- und CO2-Debatte passt, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Ich jedenfalls bin insgesamt sehr zufrieden nach 55.000 KM und bisher einem einzigen Defekt... eine defekte Hecklichtbirne... Die Ersparnis gegenüber den Konzernbrüdern Golf und A3 mit vergleichbarer Ausstattung machen das Fahrzeug zum Hit und obendrein habe ich für das gesparte Geld mindestens die nächsten 5 Jahresurlaube an der Cote d' Azur umsonst!
Fazit: Wem der Golf zu langweilig ist, kommt an diesem Auto nicht vorbei!
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