
Produkttyp: Saab Autos
Neuester Testbericht: ... mal geschlossen und wieder geöffnet und der Spuk war vorbei. Das Infodisplay in unserem Saab 900 war Klasse. Nach Aktivieren der Zündung w... mehr
Einmal Saab, immer Saab?
Saab 900

Name des Mitglieds: antjemue
Produkt:
Saab 900
Datum: 30.07.09, geändert am 27.07.11 (900 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: lange Zeit leistungsstark und zuverlässig
Nachteile: teuer und kostenintensiv in der Unterhaltung
Diese Frage stellten wir uns vor nunmehr fast 8 Jahren. Wir mussten uns damals schweren Herzens von unserem Saab 9000 (Bj. 89) verabschieden, da Aufwand und Nutzen bei der Reparatur eines Getriebeschadens in keinerlei Verhältnis mehr zueinander standen. Von der Marke jedoch wollten wir uns zu diesem Zeitpunkt nicht verabschieden. Wahnsinn im Nachhinein betrachtet - aber Wahnsinn mit unheimlich viel Herzblut.
Neu für uns unerschwinglich, entschieden wir uns im August 2001 dann für den kleineren Bruder aus der 900er Reihe, einen Saab 900 S, gebraucht (Bj. 1994) für den immer noch stolzen Preis von 17.500,- DM. Das war für uns natürlich nur über eine Finanzierung möglich - über 6 lange Jahre. Aber damals war das Auto ein Traum. Heute bin ich der Meinung, dass manche Träume auch Träume bleiben sollten!
Der schwedische Automobilhersteller Saab Automobile AB wurde 1947 als Produktionssparte des Flugzeugherstellers Saab gegründet. Der Name Saab steht für die Abkürzung des ursprünglichen Firmennamens: Svenska Aeroplan Aktiebolaget (übersetzt: Schwedische Flugzeug-Aktiengesellschaft). Im Jahr 1990 wurden 50% der Anteile von Saab Automobile an den US Konzern General Motors verkauft, seit dem Jahr 2000 ist Saab Automobile ein 100%iges Tochterunternehmen von General Motors.
Die Zukunft der Automarke Saab ist durch die derzeitige Wirtschaftskrise, die den schwer angeschlagenen GM Konzern veranlasste, Saab bis zum 1.1.2010 aus dem Konzern herauszulösen, noch ungewiss. Der schwedische Sportwagenhersteller Koenigsegg möchte Saab wohl kaufen, wobei die Finanzierung (Kreditabsicherung von 450 Millionen Euro durch den Staat Schweden) noch nicht geklärt ist. (Quelle Wikipedia)
Wir hatten also unseren Saab 900. Dieser wurde schon unter der Regie von General Motors hergestellt (seit 1993) und enthielt daher viele Bauteile des Opel Vectra. Aber er hatte noch ein Saab typisches Design und die Saab typische Flugzeugopitk im Cockpit. Der Motor war durchzugsstark und die 117.000 km die er bereits auf der Glocke hatte, als wir ihn kauften, merkte man ihm überhaupt nicht an.
In den ersten Jahren war auch der Verbrauch im Stadtverkehr mit ca. 8,5 l/100 km noch relativ human. Die serienmäßige Ausstattung war für ein damals bereits 7 Jahre altes Auto der reinste Luxus. So hatte er z. B. eine Klimaanlage mit Klimaautomatik, elektrische Fensterheber, Sitzheizung vorn, elektrische und beheizte Außenspiegel, ein Radio mit Kassette und einem 6-fachen CD-Wechsler, Zentralverriegelung mit Fernbedienung. Das Zündschloss des Saab war nicht am Lenkrad, sondern in der Mittelkonsole zwischen Fahrer und Beifahrersitz.
In diesem Zündschloss war auch die erste Diebstahlsicherung eingebaut. Eine Getriebesperre. Man konnte den Schlüssel nur aus dem Zündschloss ziehen, wenn der Rückwärtsgang eingelegt war. Hätte ein Dieb das Fahrzeug kurzgeschlossen, hätte er nicht schalten können und wäre nur Rückwärts vorangekommen. Die zweite Diebstahlsicherung ist mir einmal früh kurz nach 6:00 Uhr zum Verhängnis geworden. Das Fahrzeug musste immer genau so geöffnet werden, wie es geschlossen wurde. Sprich mit dem Schlüssel zugeschlossen - mir dem Schlüssel geöffnet oder mit der Fernbedienung geschlossen und mit der Fernbedienung geöffnet. Da sowohl mein Freund als auch ich das Auto regelmäßig fuhren, hatten wir uns auf die Fernbedienung geeinigt.
An besagtem Morgen war nur die Batterie meiner Fernbedienung leer und ich schloss einfach auf. Die Alarmanlage krähte laut und lange. Die Nachbarn schauten aus den Fenstern. Nur meinen Herzallerliebsten, der oben im 3. Stock noch eine zweite Fernbedienung hatte, musste ich erst aus dem Bett klingeln. Zu allem Überfluss hatte ich auch noch meinen Schlüssel für Haus- und Wohnungstür vergessen. Er hat dann von oben (die Reichweite der Fernbedienung - wenn sie denn mit einer geladenen Batterie ausgestattet war - war auch nicht schlecht) das Auto noch mal geschlossen und wieder geöffnet und der Spuk war vorbei.
Das Infodisplay in unserem Saab 900 war Klasse. Nach Aktivieren der Zündung wurde immer ein Check durchgeführt. Wenn z. B. mal die Lampe eines Scheinwerfers oder das Bremslicht defekt war, wurde das angezeigt. Mal ehrlich, es ist zwar vorgeschrieben, vor Fahrtantritt alle Lichter zu prüfen, aber wer (außer meinen Eltern früher - was ich, naja, etwas übertrieben fand) macht das wirklich? So wurde es mir angezeigt und ich konnte umgehend handeln.
Wenn der Check okay war, wurde bei Außentemperaturen über 3°C automatisch angezeigt, wie viele km man mit der derzeitigen Tankfüllung noch fahren kann. Per Knopfdruck konnte man sich dort noch die Außentemperatur und die aktuellen Benzinverbrauchswerte anzeigen lassen. Außerdem sah man dort auch alle Bedieninfos zu Radio, Tape oder CD-Player.
Eine richtig tolle Sache am Saab war, dass man getrost das Ausschalten des Lichts vergessen konnte, ohne Angst um seine Batterie zu haben. Dieses schaltete sich mit ausstellen der Zündung nämlich automatisch aus.
Von der Karosserie her, war unser Saab 900 eine Limousine mit Fließheck. Er war 5-türig und hatte einen riesengroßen Kofferraum. Um diesen konnte ihn so mancher Kombi beneiden. Die Rückbank des Saab 900 konnte man auch noch umklappen und eine noch größere Ladefläche gewinnen. Innen war es zu dem vorher gefahrenen großen Bruder (Saab 9000) doch wesentlich enger. Der 900er war einfach wesentlich schmaler. Im Fußraum war vorn und hinten zwar genügend Platz und wenn insgesamt nur 4 Leute mitgefahren sind, war es richtig bequem, kam aber hinten ein 5. dazu, wurde es eng. Allerdings saß auch dieser sicher mit Kopfstütze und richtigem Gurt (nicht nur ein Bauchgurt)
In den ersten 2 Jahren hatten wir keinerlei Probleme mit dem Saab 900. Natürlich hatten wir auch die normalen Kosten für TÜV und ASU, dazu Ölwechsel und Bremsen. Größere Reparaturen fielen allerdings nicht an. Die erste größere Reparatur kam dann 2003 mit 500,- Euro für den Nachschalldämpfer, was uns schon ganz schön weh tat. Dann war aber glücklicherweise auch wieder 2 Jahre Ruhe. Zum Glück!
Im Jahr 2003 kam für uns nämlich auch eine arg schlimme finanzielle Krise. Ich verlor meine Arbeit. Aber nicht nur das, meine damalige Chefin zahlte auch die letzten beiden Monatsgehälter für die Zeit, in der ich noch arbeitete nicht mehr. Auf Arbeitslosengeld musste ich dann noch einen weiteren Monat warten. So kam von meiner Seite her 3 lange Monate kein Geld in die Haushaltskasse. Und das, mit einem Knüppel von monatlich 280,- Euro am Hals. Dazu Miete und die anderen Festkosten, der Unterhalt für die Kinder meines Freundes... Schnell rutschten wir in den Dispo. Uns half damals leider kein Sozialamt, an die ich mich wegen einem Vorschuss auf das irgendwann mal eintreffende Insolvenzgeld wendete.
Einzig die Sparkasse "half" uns mit der Erhöhung des Dispos und der Umschuldung auf einen Verbraucherkredit. Mit dem wir erst mal den Saab bei der Autokreditbank ablösten und wir die monatliche Rate von 281,- Euro dann bis März 2008 an die Sparkasse zurückzahlten. Da ich dann irgendwann auch keinen Unterhaltsvorschuss für meinen Sohn mehr bekam und meine Selbstständigkeit erst einmal in die Gänge bringen musste, waren das sehr entbehrungsreiche Jahre und ich heilfroh war, als der Kredit endlich zurückgezahlt war.
Wartungen, die eigentlich für den Erhalt des Fahrzeuges notwendig gewesen wären, ließen wir aus Kostengründen weg. Auch die Erhöhung der Kfz-Steuer von 187,- auf 347,- Euro im Jahr war heftig. Als dann die ersten großen Sachen kamen - Kupplung, Auspuff und noch ein paar andere Sachen, waren wir froh, eine kleine freie Kfz-Werkstatt gefunden zu haben, die uns den Saab dann immer wieder fahrbereit machte. Trotz der fairen Preise war uns aber auch dort ein mehr an Wartungen finanziell einfach nicht möglich. Dazu kamen einige äußerliche Schäden, die ich dem Saab durch ein paar kleine, von mir verschuldete Unfälle zugefügt hatte.
Die Klimaanlage fiel ungefähr nach 4 Jahren aus. Der Kostenvoranschlag für die Reparatur 1.800,- Euro. Es musste ohne gehen. Irgendwann fiel auch die Sitzheizung des Fahrersitzes aus (die beim Beifahrersitz ging bis zum Schluss). Verzicht! Die Antenne fuhr nicht mehr ein. Weiterer Verzicht! Der arme Saab krankte und brachte uns trotzdem noch immer tapfer von A nach B. Als sich die Kupplungsautomatik dann vor 3 Jahren verabschiedete, dachten wir schon, das war es jetzt, hätten wir doch die Kosten für eine neue nicht tragen können. Unser Kfz-Mechaniker überlistete unsere durch Schweißen...
Auch der Benzinverbrauch stieg ins unermessliche. In der Stadt lag er zuletzt bei ca. 15 l pro 100 km. Ich selbst dachte schon oft über ein Fahrzeug mit einem geringeren Verbrauch nach, aber irgendwie hingen wir an unserem "Luxusauto" mit dem individuellen Design. Mein Lebensgefährte noch mehr als ich, aber den entscheidenden Satz: "Jetzt reicht es!", brachte ich eben nicht über die Lippen. Ein Motorschaden im Juli diesen Jahres nahm ihn mir dann ab!
Der Saab 900 war ein wundervolles Auto, als noch alles funktionierte. Leistungsstark und lange Zeit stabil. Immerhin war er schon 11 Jahre alt, als er anfing richtig zu kranken. Im Nachhinein war es aber trotzdem der totale Wahnsinn ihn zu kaufen, dazu einen Kredit aufzunehmen und ihn so lange zu halten! Ein Luxus, der bröckelte und den wir uns eigentlich nicht leisten konnten und in Zukunft auch nicht mehr leisten werden.
Fragt ihr mich heute, ob ich mir noch mal einen Saab kaufen würde, würde ich zwar trotzdem mit Ja antworten, aber nur wenn ich das nötige "Kleingeld" für die Anschaffung in bar auf den Tisch legen könnte und das Familieneinkommen so hoch wäre, dass die notwendigen Wartungskosten aus der Portokasse bezahlt werden könnten.
Fazit: Wenn man ihn sich leisten kann ja, aber nur fürs Auto arbeiten gehen - Nein!
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31.07.09
KV und LG :o)