Renault Scénic RX4 2.0 16V
Wer braucht den? - Renault Scénic RX4 2.0 16V Auto

Produkttyp: Renault Autos

Neuester Testbericht: ... hoch dreht und auch auf der Autobahn ab 140 recht laut wird. Zu bemängeln habe ich bei dem Auto nichts, AUSSER (;-) das "Kühlfach&... mehr

Wer braucht den?
Renault Scénic RX4 2.0 16V

whb

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Produkt:

Renault Scénic RX4 2.0 16V

Datum: 21.11.00, geändert am 22.11.00 (1103 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: hoher Fahrkomfort,große Variabilität,komplette Ausstattung

Nachteile: viel zu lang übersetzter 1.Gang,relativ hoher Verbrauch,hoher Geräuschpegel über 130 km/h

Lifestyleautos sind nach meiner Definition Fahrzeuge, die nicht so sehr durch ihre Ausgewogenheit und Alltagstauglichkeit glänzen, sondern ihren Besitzern das Gefühl des Besonderen vermitteln sollen. Für einen Hersteller wie Renault, der großen Wert auf Zweckmäßigkeit und Funktionalität legt, ist es also ein schwieriges Unterfangen, ein Modell in dieser Kategorie anzubieten, ohne den beschriebenen Werten untreu zu werden.

Nun steht er da, etwas martialisch mit der bulligen Seitenverkleidung aus Kunsttoff, dem Reserverad an der Heckklappe und dem hochbeinigen Fahrwerk - der Scenic RX 4. Irgendwie sieht er schon gut aus, diese Mischung aus Minivan und Offroader. Schau ´mer mal, wie er sich fährt.

Nach dem Öffnen der Tür strömt erstmal ein beißender Neuwagengeruch an das empfindliche Riechorgan des von Renault angestrebten Trendsetterkunden, welcher erst nach ein paar Wochen allmählich verfliegt. Macht nichts, das Leben ist halt hart und dafür brauch ich einen Allrader. Thront man dann auf dem Fahrersitz in erhabener Höhe, kommt so etwas wie Überlegenheit auf, die nur Geländewagenfahrer kennen.
Motor starten, ersten Gang einlegen und losfahren - "Hab ich mich verschaltet?". Nein, der erste Gang ist drin. Haben die Renault-Ingenieure die Getriebeübersetzung unter Valiumeinfluß abgestimmt? Von Durchzug oder gar Temperament keine Spur. Als würde man im zweiten Gang anfahren, so lang ist die kleinste der fünf Stufen übersetzt. Mehr Gas, mehr Drehzahl und er bewegt sich doch. Die anderen 4 Zahnradpaare entschädigen dann doch mit gutem Kraftschluß bei optimalem Drehmoment.

Stichwort!

Drehmoment hat der Motor schon recht gut zu bieten, immerhin 188 Nm, allerdings bei einem Drehzahlniveau, welches nicht so recht zu einem rauhen Geländegesellen passen will. Also doch nur ein Boulevardkreuzer? Eine Testfahrt in leichtem Gelände gibt hier Klarheit. Das Fahrwerk ist toll! Leichtfüßig und gut von der Karosserie entkoppelt bezwin
gt es Waldwege und Schotterstraßen ohne daß man Komfort vermißt. Der Allradantrieb schaltet sich nur dann automatisch per Visco-Kupplung zu, wenn es an den Antriebsrädern Schlupf gibt. Auch auf der Straße macht der RX 4 eine gute Figur. Etwas straffer abgestimmt als der "normale" Scenic und nur durch die grobstolligen M+S - Reifen akustisch leicht getrübt, zieht das Auto auf dem Asphalt seine Bahn. Die etwas indirekte Lenkung und die hohe aber unbedenkliche Seitenneigung hat er mit seinem zivilen Bruder gemein.

Öko - Fundamentalisten tun allerdings gut daran, keinen Blick auf die Verbrauchsanzeige im serienmäßigen Bordcomputer zu verwenden. Fast 12 Liter im Stadtverkehr bei normaler Fahrweise sind zwar übliche Werte für Allradfahrzeuge, für einen vernunftorientierten Van jedoch eindeutig zu hoch. Über Land und auf der Autobahn pegeln sich die Werte dann um die 9 Liter ein.

Richtig gut ist die Ausstattung, vor allem in der Luxusversion. Klimaautomatik, Leder, Mittelarmlehne, 4 Fensterheber und, und, und sind serienmäßig verhanden. Bei einem Kaufpreis von fast 50.000,-DM kann dies auch als selbstverständlich angesehen werden. Die Türverkleidungen aus grauem Kunststoff wirken mit der eingesetzten Lederapplikation jedoch recht deplaziert. Hier hat Renault doch an der falschen Stelle gespart.

Ab 130 km/h muß ich das Radio lauter machen. Nicht so sehr wegen der Abrollgeräusche, sondern wegen des knurrigen 2 Liter 16V-Aggregates mit 139 PS. Im Laguna, im Espace und im Megane recht gut gedämmt, hämmert es im RX4 vollen Sound an die Ohren der Fahrgäste. Nichts, woran man sich nicht gewöhnen kann, jedoch bei einem Auto mit hohem Komfortanspruch recht ärgerlich. Trotz allem macht das Fahren in diesem Auto riesen Spaß. Vor allem die Nutzbarkeit des Van-Konzeptes wurde nicht eingeschränkt, sondern zum Teil noch verbessert. Die Hecktür öffnet seitlich, nachdem die Heckscheibe elegant in die Höhe schwenkte. Meine 1.60 m große Kollegin hatte a
llerdings große Mühe, die Scheibe wieder zu schließen, da sie nur schwer an diese herankommt. Für größere Zeitgenossen ist das allerdings kein Problem. In der Hecktür befindet sich noch ein Netz zum Verstauen von Kleinkram und ein Haken zum Anhängen von Rucksack, Einkaufstasche oder anderen Utensilien nach Wahl. Die Variabilität der Rücksitze ist auch geblieben, ebenso wie die reichhaltigen Ablagen im gesamten Innenraum, bei denen man schon ein gutes Gedächtnis braucht, um alles wiederzufinden.

Bleibt die Frage, für wen so ein Auto der passende Begleiter ist. Ideal für Menschen, die öfter abseits befestigter Straßen unterwegs sind und die dennoch viel Platz brauchen, sich aber keinen "echten" und entprechend preisintensiven Geländewagen kaufen möchten oder können - so sehe ich selber die Zielgruppe. Wer kauft das Auto wirklich? Großstadtbewohner, die das Besondere mögen (unglaublich viele Frauen fragen nach diesem Modell!!!) und für die das einzige Gelände die Auffahrt zur Reihenhausgarage ist. Kann sein, daß es in bergigen Gefilden etwas anders aussieht, das kann ich als Flachlandpreuße jedoch nur schwer beurteilen.

Zum Schluß noch etwas zu den Kosten. Den Verbrauch erwähnt ich bereits. Die Schadstoffeinstufung ist Euro 3, das heist 10,-DM pro 100 ccm. Die Versicherungseinstufung ist bis auf die Teilkasko sehr günstig: Typklasse 15 in der Haftpflicht, die 20 in der Voll- und die 30 in der Teikasko.
Eine Kaufempfehlung kann ich nur eingeschränkt geben, da das Auto selber zwar recht ordentlich ist, aber gemäß dem Einsatzzweck nur wenigen Käufern wirkliche Vorteile bietet. Vieles kann der normale Scenic besser und vor allem preiswerter als der RX4 - aber wer will schon immer vernünftig sein!

PS: Der angegebene Preis bezieht sich auf die Version RX4 2.0 16V Luxe.

Fazit: