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Produkttyp: Renault Autos
Neuester Testbericht: ... haben. Rückblickende Beurteilung: Wir waren immer sehr zufrieden. Das Auto hat uns nie im Stich gelassen (einmal mussten wir die a... mehr
Das dieselnde Wohnzimmer
Renault Scénic 1.9 dCi

Name des Mitglieds: Bagheera
Produkt:
Renault Scénic 1.9 dCi
Datum: 13.02.02, geändert am 26.08.04 (1542 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: sehr guter Motor, sehr sparsam, pfiffige Ideen, gutes Raumangebot
Nachteile: französische Verarbeitung, teigiges Feeling an der "Benutzerschnittstel le"
Zunächst einmal möge man mir verzeihen, daß ich Teile dieses Artikels aus meinem (gekrönten) Artikel "Hoher Schnuffelfaktor" über den Scenic 1,6 16V übernommen habe, aber es handelt sich nun mal um das gleiche Fahrzeug mit nur einem Unterschied - dem Motor. Dieser Unterschied ist jedoch so gewichtig daß ich nicht umhin komme nochmals eine Meinung zu verfassen...
Der Scenic ist heute aus dem Straßenbild nicht mehr wegzudenken. Der VW-Bus T3 ist tot und Scenic, Multipla, Sharan, Evasion und Co. sind seine Erben. Daß der Scenic in dieser Riege mit einem besonderen Charme daherkommt ist nicht zu leugnen und auch die Tatsache, daß er aus dem heutigen Straßenbild nicht mehr wegzudenken ist beweist, daß Renault hier einen großen Wurf gelandet hat. Das Sahnehäubchen für dieses Modell ist aber erst kürzlich aufgetragen worden: der Common Rail Dieselmotor. Doch dazu später.
Design
Nun sicher, über Geschmack läßt sich streiten. Sicherlich wird niemand in 30 Jahren einen Scenic als automobilen Klassiker bewundern. Die Form ist alles andere als zeitlos aber dennoch auch nicht gerade langweilig. Positiv sind vor allem die großen Scheinwerfer die eine sehr gute Ausleuchtung gewähleisten. Auf jeden Fall kommt die Gestalt des Scenic der Ei-Form und somit dem optimalen Verhältnis von Innenraum zu Oberfläche recht nah. Und das kommt vor allem dem Raumgefühl zugute.
Innenraum
A propos Raumgefühl - Das ist nun wirklich hervorragend. Platz ist auf den vorderen Sitzen reichlich vorhanden, die Sitzposition überaus angenehm, die Rundumsicht dank zahlreicher Fenster optimal (daher der Name Scénic). Die Hebel und Schalter des Scenic schalten satt und liegen gut in der Hand. Dennoch ist das ganze recht gewöhnungsbedürftig. Die Steuerung für Heizung und Lüftung ist viel zu tief angebracht. Wer so groß ist wie ich muß sich fast zurücklehnen um sie samt Skalen vollständig zu sehen. Deren Drehschalter dosieren zwar recht fein, sind
aber leider recht fipsig anzufassen. Sehr lästig, da die Heizung sehr Gas-abhängig heizt. Eine längere Steigung und man meint aus dem Augenwinkel die Lüftugsdüsen rotglühen zu sehen. Am nächsten längeren Gefälle wünscht man sich sie täten es wieder. Die gegen Aufpreis lieferbare Klimaautomatik ist daher absolutes Pflichtprogramm. Dann kann es einem letztlich auch egal sein, daß sie viel zu teif in der Mittelkosole sitzt, einmal eingestellt braucht man sie so bald nicht wieder.
Völlig unverständlich leider auch die Steuerung der Umluft. Während in der älteren Version des Scenic noch ein Knopf dafür zur Verfügung stand, muß man nun besagten fipsigen Drehschalter für die Gebläsestärke bedienen. Dieser bietet vier Lüftungsstufen ohne (nach rechts drehen) und vier mit Umluft (nach links drehen). Ausgesprochen beknackt. Wer nach einer Fahrt durch Stuttgart auch nach dem Heslacher Tunnel nicht mit geschwärztem Antlitz ankommen möchte darf also wieder zur Lüftungssteuerung tauchen. Eine gute Abhilfe bietet auch hier die Klima-Automatik, die für diese Funktion wieder einen Druckknopf zur Verfügung stellt bzw. die Funktion sogar teilweise automatisch steuert.
Sehr sympatisch wird das Auto nicht nur durch die zahlreichen Ablagefächer (zwei Riesenfächer in den Türen, eines mit Deckel auf dem Armaturenbrett, ein kleines Handschuhfach, drei gekühlte Dosenhalter mit Deckel vor dem Ganghebel, Schubladen unter den Sitzen, Brillenfach über der Fahrertür, Fächer im Boden hinter den Vordersitzen, Schubladen unter den Sitzen, Pompardou-Taschen, Getränke-Fächer über den hinteren Stoßdämpferdomen, zwei Fächer in der Kofferraumseite und mindestens noch drei Fächer die ich bis heute nicht gefunden habe) sondern auch durch das recht kommod gestaltete Interieur in bunten Farben und mit einer ansprechend genarbten Kunststoffoberfläche. Kein anderes Auto vermittelt so sehr das Gefühl im Wohnzimmer auf Reisen zu sein: Plüschsitze und Tische an den Rückenlehnen der Vordersitze
tun das ihre - es fehlen wirklich nur noch Ohrensessel. Hier ist Wohlfühlen angesagt, dies ist kein deutscher Business-Bomber und daher wird aus rasen hier reisen. Schade nur, daß die Sitze doch recht weich sind, was rückengeschädigten Fahrern auf Dauer doch aufs Gemüt schlägt. Auch hier gibt es Abhilfe: die Lendenwirbelstütze ist ein zweites unverzichtbares Extra, welches man am besten einmal auf Maximum ausfährt und dann nie wieder anfaßt.
Praktisch ist auch die Hutablage, die sich in einer niedrigeren Postion ebenfalls einhängen läßt (wie wir sehen ist dies also keine Innovation des Chrysler PT Cruiser) und die Heckscheibe, die sich bei manchen Modellen getrennt von der Heckklappe öffnen läßt und so die Möglichkeit eröffent, auf Reisen kleine Gegenstände auf der Hutablage abzulegen ohne daß das gesamte Gepäck aus dem Kofferraum purzelt. Und nicht zuletzt ist somit die Gefahr gebannt, daß die Heckscheibe aufgrund von Karosserieverwindungen springt, wie das bei vielen anderen Modellen von Renault der Fall ist. Die Sitze lassen sich sehr einfach zusammenlegen, hochklappen und mit Spannern arretieren. Der mittelere Rücksitz läßt sich auch als Tisch verwenden. Damit die Gurte nicht verklemmt werden oder unter der Sitzbank verschwinden hat man sich auch hier ein gutes System ausgedacht, das man zugegebenermaßen aber erstmal kapiert haben muß. Störend ist das viel zu geringe Gewicht der Kunststoff-Heckklappe. Diese muß man stets mit enormem Schmackes zuschlagen, damit sie überhaupt am Schloß ankommt und nicht vorher schon wieder den Rückwärtsgang einlegt und hochschnappt.
Auf langen Strecken gefällt die niedrige Lenkradposition, die ein sehr entspanntes Fahren ermöglicht. Schade nur, daß sich die Lenksäule nicht auch in der Länge verstellen läßt. Unangenehm fällt auf, daß der Ganghebel recht weit vorne positioniert ist und daß großgewachsene Menschen die gigantischen Sonnenblenden nicht verwenden können, da diese nach dem Herunterklappen den Fahrer bi
s zu den Brustwarzen herunter beschatten und somit die Sicht nach vorne gänzlich unterbinden. Zum Trost gibt es aber ein Fach für die Sonnenbrille.
Motor und Fahrwerk
Der Common Rail Dieselmotor von Renault verdient höchsts Lob. Er zeigt auf imposante Art und Weise, daß die Common Rail Technik die Turbodiesel-Technik völlig abgehängt hat. Der Motor ist akustisch angenehm unaufdringlich. Das Drehmoment steht von Anfang an in ausreichendem Umfang zur Verfügung. Wer geplagt von TDI-Turbolöchern in den dCi umsteigt wird dies erfreut zur Kenntnis nehmen. Auch im Kaltlauf wirkt der Motor nicht betont lustlos wie das bei manchen anderen Fabrikaten der Fall ist, allerdings läßt er sich erst im Warmen Zustand so richtig niedertourig fahren. Wer im Kaltlauf im Stadtverkehr den 5. Gang bemüht, reitet Rodeo. Warm ist das dann kein Problem mehr. Der Motor zieht ohne auffällige Drehmoment- oder Akustik-Unregelmäßigkeiten bis ca. 4.500 U/min durch und macht dann recht schlagartig schlapp. Dies reicht jedoch für eine Höchstgewschwindigkeit von über 180 km/h auf die der Scenic zielstrebig zusteuert und die er auch mühelos bergan bergab zu halten vermag. Der Verbrauch hält sich dabei in sehr akzeptablen Grenzen. Im Stuttgarter Stadtverkehr hat der Scenic schon einen Schnitt von 4,5 l/100 geschafft, auf der Autobahn liegt er um die 7,5 l/100. Auf die Dauer bildet sich ein Schnitt von ca. 6,5 Litern bei sportlicher Fahrweise heraus. Das läßt sich mit gezügeltem Gasfuß und Geduld sicherleich noch deutlich reudzieren. Dies gehört jedoch nicht zu meinen Stärken. Wem die Werte zu hoch erscheinen dem sei zum Vergleich gesagt, daß der 90 PS TDI im Golf IV in meinen Händen fast 8 Liter im Schnitt verbraucht.
Etwas schlabbrig wirkt das Schaltgestänge. Man kann während das Fahrens zusehen, wie der Ganghebel je nach Gasstellung durch den Innenraum wandert. Manchmal meint man, den Hebel fest in die Hand nehmen, ihn nach oben ziehen und das Gestänge einmal kräftig
durchschütteln zu müssen. Aber was soll's, es funktioniert und wenn es 20 Jahre lang schlabbert, ist das auch in Ordnung. Wer ein französisches Auto kauft muß auch die französische Mentalität akzeptieren, die sich auf den Scenic definitiv übertragen hat. Schulterzucken - C'est la vie... Das gilt auch für meine knarzende Hintertür.
Etwas ärgerlicher ist da die Tatsache, daß das Handling der Pedale und des Ganghebels nur als sehr teigig beschrieben werden kann. Man meint ständig die Züge einmal fetten zu müssen. So läßt sich das Gaspedal nur in kleinen teigigen Abschnitten bewegen und der Ganghebel schmiert eher durch die Gassen als das er gleitet. Speziell im 5. Gang "brennt" er auf längerer Autobahnfahrt geradezu fest. Das Auto hätte ein besseres Feeling verdient.
Ebenfalls typisch Renault ist das Fahrwerk. Dieses ist gekennzeichnet von enormem Schluckvermögen ohne Nachwippen, sehr gutem Geradeauslauf aber auch dramatischer Seitenlage, die aber auch bei höheren Kurvengeschwindigkeiten stets ungefährlich bleibt. Jedenfalls für das Fahrzeug - nicht so sehr für den Innenraum. Ist aber halb so schlimm, schließlich findet sich auch ein Fach für Kotztütchen. Oder man muß eben doch zivilisiert fahren.
Die Preise für das Fahrzeug sind wie bei fast allen Renaults ausgesprochen fair. Man erhält dafür eben einen Wagen, der ohne den letzten Schrei der Elektronik auskommt. Das Gute an der Sache aber ist: man vermißt trotzdem nichts.
Fazit:

