
Produkttyp: Renault Autos
Neuester Testbericht: ... Auto so schnell und so gründlich klar wurde. <b>Der Alltag II - Raum- und Platzangebot</b> Der Renault Megane bietet auf... mehr
Ein guter Allrounder
Renault Mégane 1.4 16V Cabrio

Autor-Name: RoedeBaer
Produkt:
Renault Mégane 1.4 16V Cabrio
Datum: 08.07.10
Bewertung:
Vorteile: Geringe Unterhaltskosten und geringer Spritverbrauch, Raumangebot, Wintertauglichkeit
Nachteile: Keine gute Sicht nach hinten bei geschlossenem Verdeck
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<i>Das Megane-Cabriolet wird seit 1997 von Renault durchgängig produziert. Einen ersten Modellwechsel gab es 2000 (eher ein Facelift als ein echter Modellwechsel), einen zweiten 2003 (Megane II), den vorerst letzten 2009 (Megane III).</i>
<b>Vorgeschichte, Unterhaltskosten und Einstandsreparaturen</b>
Ich habe mir vor ca. 9 Monaten die 1.4 Liter Version des Megane Cabrios gekauft. Es handelt sich hierbei um das 2000er Modell - also das Modell nach dem ersten Facelift - mit 72tkm Fahrleistung.
Mittlerweile habe ich die erste heftige Wintersaison und etwa 20tkm hinter mich gebracht, die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings und die Hitze dieses Sommers erlebt. Großstadt, Landstraße, Autobahn - alles war dabei, ebenso die Raumausnutzung, die durchaus auch einmal 4 Insassen aushalten musste (und das bei 7 Stunden Autobahnfahrt).
Aber der Reihe nach: Kaufentscheidend waren neben der gefälligen Form vor allem die Unterhaltskosten, die gerade in der Versicherung deutlich günstiger ausfallen als etwa für Golf Cabrio, Ford Eskort, Opel Astra und Co. Ich habe jetzt leider nicht die genauen Zahlen zur Hand, kann aber sagen, dass mein Audi 80 sowohl in den Steuern als auch in der Haftpflichtversicherung deutlich teurer gewesen ist.
Eine voll ausgeprägte - wenn auch im Fußraum knapp bemessene - Rückbank und der überraschend große Kofferraum trugen ihr Übriges zu meiner Entscheidung bei.
Bald nach dem Kauf standen die ersten Reparaturen an: Die Spurstangen mussten vorne auf beiden Seiten erneuert werden, ebenso wie die Wasserpumpe und der Zahnriemensatz. Wasserpumpe und Zahnriemensatz waren turnusmäßig eh fällig, da tat es nicht weiter weh, dass die Wasserpumpe pünktlich zum Austauschtermin den Geist aufzugeben begann. Dieser Tausch ist beim Megane übrigens alle 120tkm bzw. alle 5 Jahre dran.
Der einzige Rost am Megane sitzt nach knapp 11 Jahren am äußeren Auspuffendtopf sowie an einem quer unter dem Fahrzeugboden verlaufenden Stabilisator, der für 30 Euro komplett ausgetauscht werden konnte. Ansonsten war und ist das Auto topfit.
<b>Der Alltag I - Motor und Fahrleistung</b>
Die 95 Pferdestärken der 1.4 Liter-Maschine treiben das Auto nicht gerade zu Höchstleistungen an. Flottes Fahren ist zwar problemlos drin, sobald man aber auf der Landstraße bei Tempo 90 mal eben fix jemanden überholen möchte, wünscht man sich doch schon ein paar Pferdchen mehr.
Dafür hält sich der Spritverbrauch in erfreulichen Grenzen: In der Stadt komme ich bei normaler Fahrweise auf etwa 6,5-7 Liter, lange Landtraßenausflüge drücken den Verbrauch schon einmal deutlich unter die 6 Liter-Marke, und auf der Autobahn kommen auch selten mehr als 7-7,5 Liter zusammen - bei einem Reisetempo zwischen 140-160km/h.
Im Handling ist der Wagen völlig unproblematisch, allein die Rücksicht durch die doch arg zerkratzte Kunststoffheckscheibe (offensichtlich von einem meiner Vorbesitzer heftig mit den Eiskratzer malträtiert) ist suboptimal. Dafür zickte der Megane kein bisschen herum - nicht einmal bei den heftigen Minusgraden des letzten Winters.
Wenn ich es genau betrachte, hatte ich noch nie ein dermaßes wintertaugliches Auto wie dieses Cabrio: Die Heizung gehört zum Besten, was ich bislang erleben durfte - hohe Wärmeleistung bei extrem kurzer Vorlaufzeit. Dank der Heizung lässt es sich übrigens auch an trockenen Herbsttagen bei Temperaturen um 12° Celsius noch gemütlich offen cruisen.
Der Motor sprang stets zuverlässig an, Eis ließ sich problem- und kraftlos von der Kunststoffheckscheibe entfernen (vorsicht mit Eiskratzern!), das Verdeck (übrigens von Karman in Deutschland hergestellt und in vielen Teilen baugleich mit den Modellen VW Golf und Ford Eskort) hielt dicht, und ein Vereisen der Frontscheibe von innen - wie bei meinem Audi 80 und diversen anderen Autovorgängern - habe ich nicht einmal ansatzweise entdecken können.
Eine nette Erfindung stellt der "Heckscheibenfön" dar: Die Kunsstoffheckscheibe verfügt natürlich über keine eingebaute Heckscheibenheizung, dafür gibt es ein extra zuschaltbares Gebläse, das das hintere Transparent-Plastik tatsächlich zuverlässig von Beschlag befreit. Gleichzeitig spendet es etwaigen Fond-Mitfahrern Wärme und Trost.
Auch wenn dieses Gebläse vielleicht seltsam anmutet - es verrichtet klaglos seinen Dienst und stellt somit weit mehr als nur ein Gimmick dar. Ich wage sogar zu behaupten, dass meine Heckscheibe in noch keinem anderen Auto so schnell und so gründlich klar wurde.
<b>Der Alltag II - Raum- und Platzangebot</b>
Der Renault Megane bietet auf den vorderen Sitzen jede Menge Platz. Auch Menschen jenseits der 1,90m dürfen hier auf reichlich Bequemlichkeit hoffen.
Die Kopfhöhe zum Dach ist auch bei großen Personen nicht beengt, Arm- und Beinfreiheit sind für meinen Geschmack vorbildlich. Da habe ich bei anderen Cabrios schon Schlimmeres erlebt.
Der Stauraum des Kofferraums fällt erstaunlich großzügig aus. Mehrere Getränkekisten sind kein Problem, sind flache Bierkästen dabei, passen auch schon einmal 4-5 Kisten auf einmal hinein. Der Kofferraum ist an der Oberseite abgestuft. Dort, wo das Verdeck im Wageninnern verschwindet, ist die Kofferraumdecke deutlich abgesenkt, so dass darunter vielleicht noch an die 40cm Platz verbleiben. Trotz dieser Einschränkung bot mein alter Audi 80 hier deutlich weniger Stauraum - nicht zuletzt aufgrund dessen unglaublich mieser Raumnutzung.
Der Fond ist so ein Thema für sich: Die Rückbank ist eine vollwertige Rückbank, auf der es sich auch wirklich bequem sitzt, wenn denn nur genügend Beinfreiheit vorhanden wäre. Bei einem Fahrer mit einer Körpergröße von 1,90m+ fällt das nach vorne Rutschen zugegebenermaßen ziemlich schwer. Für kürzere Strecken geht es jedoch - und selbst die Ochsentour mit 2 Jungteenagern auf der Rückbank über eine Autobahnstrecke von knapp 700km haben wir überlebt. Bequem wäre allerdings anders gewesen. Dafür hat der bereits erwähnte Kofferraum mit etwas logistischem Talent das komplette Gepäck für 4 Leute aufgenommen (2 Sporttaschen, ein Hartschalenkoffer, 2 City-Rucksäcke, 2 prall gefüllte Stoffbeutel und diversen Kleinkram wie Kuschelkissen, Nahrung etc. - um noch einmal das mögliche Packvolumen etwas näher zu beschreiben). Bei anderen gelegenheiten wurden von mir u.A. transportiert: 2 Computer (Midi-Tower) nebst 2 großen Röhrenmitoren (17"), Ein Fahrrad (im Fußraum des Fonds), 3 Ikea-Regale (das lange Paket fuhr auf dem Beifahrersitz mit) sowie 2 Erwachsene Insassen inklusive Gepäck für 14 Tage.
<b>Die Königsdisziplin: Das Offenfahren</b>
Kommen wir nun zum eigentlichen Grund, weshalb man sich normalerweise ein Cabrio anschafft, nämlich dem offen durch die Gegend cruisen.
Das elektrische Verdeck ist mit einem Handgriff zu entriegeln, anschließend drückt man für etwa 20 Sekunden eine Teste im Wageninnern - und schon verschwindet das Verdeck sauber in seinem Schlummerkästchen. Sehr Ampelfreundlich. Allerdings muss der Wagen dazu stillstehen, die Handbremse angezogen sein und der Motor laufen.
Ist das Verdeck erst einmal offen, kann man den freien Blick nach oben genießen und sich von der Sonne braten lassen.
Die vorderen Dreiecksfenster fallen beim Megane dieser Baureihe recht groß aus und lassen sich auch nicht öffnen. Sieht optisch zwar nicht so schön aus, dient allerdings durchaus dem zugfreien Fahrspaß. Apropos zugig: Mit geschlossenen Fenstern kann man selbst ohne Windschott mit Tempo 140-160 auf der Autobahn fahren (habe ich gerade erst am letzten Wochenende erlebt, da das Thermometer unerträgliche 35° anzeigte) - allerdings hatte ich vorsichtshalber Watte in den Ohren. Auf der Landstraße kann man hingegen nahezu zugfrei unterwegs sein. Tempo 100 macht den Passagieren auf den vorderen Plätzen jedenfalls nichts aus. Ganz anders sieht es auf der Rückbank aus: Hier wird man bereits in der Innenstadt ordentlich durchgepustet; die hinteren Fenster bieten allerdings auch kaum Windschutz.
Mit offenen Fenstern (die lassen sich bis auf die A-Säule komplett herunterfahren) zieht es im Innern schon deutlich mehr. Stadt oder Landstraße kann man allerdings auch "komplett offen" gut genießen.
Als Zubehör gibt es von Renault und anderen herstellern passende Windschotts, die - soweit ich das verstehe - allerdings die hintere Sitzbank unbenutzbar machen (zumindest, wenn man selbst größer als 50cm ist), da es in Schulterhöhe quer über den Fond gesteckt wird.
Ein weiteres Zubehörteil stellt die sog. Roadbox dar, die sich bei ausgebauter Sitzbank quasi als Chassi-Verlängerung in den Innenraum einbauen lässt. Hierdurch wird der Raum hinter den vorderen Sitzen komplett zugemacht, die Karosserie wird gleichsam verlängert, so dass aus dem Megane ein reinrassiger Zweisitzer wird. Die Roadbox ist innen hohl und dient als zusätzlicher Kofferraum, der durch eine großzügige Rollklappe an der Vorderseite zugänglich ist.
Der Motor verhält sich bei meinem Megane auffällig unauffällig und leise, so dass ich anfangs an der Ampel regelmäíg Zwischengas geben musste, um zu prüfen, ob er überhaupt noch läuft. Schade für alle Freunde des gepfegten Rennorgelsounds, gut für diejenigen Naturfreunde, die beim Fahren gerne auch einmal die Grillen zirpen hören möchten.
<b>Negatives:</b>
Hm, ich tue mich zugegebenermaßen etwas schwer damit. Ein klarer Minuspunkt ist die offensichtlich recht kratzeranfällige Heckscheibe. Dass man den Knopf zum Verdeck öffnen permanent gedrückt halten muss, bis das Dach im Kasten ist, ist ebenfalls auf Dauer etwas nervig (20 Sekunden können echt lang werden). Auch könnte der Fond etwas mehr Beinfreiheit vertragen, aber dann müsste man das Auto vermutlich auch gleich 20cm länger bauen. Der Moter dürfte gerne etwas mehr Durchzugskraft besitzen, im Zweifelsfall ist mir allerdings ein niedriger verbrauch wichtiger. Reichen tut die Leistung allemal.
Das war's dann auch schon.
<b>Fazit:</b>
Das Megane Cabriolet der Baujahre 1999-2002 ist ein zuverlässiger Begleiter durch das ganze Jahr und für beinahe alle Gelegenheiten. Es ist reise- und wintertauglich, überzeugt durch geringe Unterhaltskosten und kann auf kürzere Distanzen auch einmal 4 Personen an Bord nehmen. Der Wochenendeinkauf lässt sich mit ihm ebenso gut erledigen, wie der Transport von Gegenständen, die auch ein durchschnittlicher Kleinwagen aufnehmen könnte.
Der Motor der 1.4 Liter-Version dürfte gerne etwas spritziger und Leistungsfähiger sein, dafür belohnt er mit einem angenehm niedrigen Spritverbrauch.
Mein Megane hatte bislang noch keine einzige Panne, keine winterlichen Startschwierigkeiten (trotz bereits drei Jahre alter Batterie), bleibt selbst bei Eis und Schneematsch auf der Autobahn stets sicher in der Spur (mit Ganzjahresreifen) und hat einfach noch kein einziges Mal rumgezickt. Von Rost ist bislang weit und breit nichts zu sehen.
Sinnvolles Zubehör bzw. Ausstattungsvarianten stellen Windschott und Roadbox dar, eine Klimaanlage dürfte auch offen bei hohen Temperaturen gut tun (ich habe leider keine), eine Sitzheizung ist selbst bei der Lederausstattungsvariante nicht nötig (auch wenn meine Freundin das anders sieht - sie hat zwar nie auf ihrem Sitz gefroren, aber sie liebt Sitzheizungen prinzipiell). Servolenkung, ABS, 4 Airbags, elektrische Fensterheber und Spiegel, eine Lenkradfernbedienung fürs Radio, eine sich automatisch ausfahrende und versenkende Antenne sowie 15" Alufelgen gehören - soweit ich weiß - zur Serienausstattung.
Es gibt sicherlich sportivere Cabrios zum Spaßhaben, ob die allerdings auch soviel "Mehrwert" wie der Megane bieten, vermag ich nicht zu beurteilen.
Ich würde mir den Megane als alltagstaugliches Cabrio jedenfalls jederzeit wieder zulegen.
Fazit: Klare Kaufempfehlung!
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