Renault Laguna 1.8 16V
Das Zündschloß sucht man vergebens - Renault Laguna 1.8 16V Auto

Produkttyp: Renault Autos

Neuester Testbericht: ... abhält ist die Tatsache, dass bei beinahe jeder Reparatur zunächst Aussagen kommen "Wir rufen mal bei Renault an, ob die das ... mehr

Das Zündschloß sucht man vergebens
Renault Laguna 1.8 16V

whb

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Produkt:

Renault Laguna 1.8 16V

Datum: 21.05.01, geändert am 10.07.04 (1933 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: siehe Text-jede Menge

Nachteile: siehe Text-keine nennenswerten

ACHTUNG!!! Dies ist tatsächlich ein objektiver Bericht, auch wenn der Verfasser dieser Zeilen das hier beschriebene Fahrzeug als Renault-Verkäufer hauptberuflich feilbietet. Möge der eine oder andere Leser auch subjektive Sympathien zu erkennen glauben, sei denen dann doch eine Probefahrt mit besagtem Produkt empfohlen, um sich selber eine Meinung zu bilden. Wer mag, kann sich hier schon mal eine virtuelle Testrunde gönnen.

Das Zündschloß sucht man vergebens. Auch dauert es eine Weile, bis man dauerhaft einen passenden Platz in Jacken- oder Hosentasche für die Key-Card gefunden hat, welche im neuen Laguna nicht nur den Zündschlüssel ersetzt, sondern zudem die Fernbedienung für die Zentralverriegelung und einen Datenspeicher für diverse feste und temporäre Informationen beinhaltet. Bei den Versionen mit Keyless-Entry-and-Drive braucht man bei aktivierter Komfortfunktion nur mit der Karte in die Nähe des Wagens zu kommen, um ihn dann mit einer Berührung des Türgriffs zu öffnen. Entfernt man sich vom Auto, verschließt es sich mit einem kurzen Bestätigungshupen von selber. Auch gewöhnt man sich sehr schnell an das Start-Stopp-Procedere per Drucktaster, selbst wenn beim Abschalten des Motors öfter mal der gewohnt motorische Griff hinter das Lenkrad erfolgt, um den nicht vorhandenen Zündschlüssel abzuziehen.

Es ist die einzige gravierende Umstellung, die der neue Laguna von seinem Chauffeur in der Fahrzeugbedienung verlangt. Alle anderen Neuerungen spielen sich zum Großteil im Verborgenen ab und sind erst dann zu erkennen, wenn sie benötigt werden. Einzig die Reifendruckkontrolle leistet permanent ihren Dienst und sorgt dafür, daß der Fahrer bei ungleicher oder falscher Füllmenge im Pneu umgehend über diese sicherheitsgefährdende Tatsache informiert wird. Ab der Privilége-Ausstattung sorgt zudem eine nette aber bestimmt klingende Damenstimme für zusätzliche Aufmerksamkeit. Bisweilen blinkt und tönt es auch mal ohne Grund, wenn sich ein Drucksensor dem Sa
voir-vivre hingibt und Arbeit Arbeit sein läßt. Es bleibt zu hoffen, daß unsere hiesigen Mechaniker diese Clochards noch während der Garantiezeit durch fleißige Lieschen ersetzen, damit das Deutsch- Französische Verhältnis ein freundschaftliches bleibt.

Ich setzte mal voraus, in unserem Fahrzeug ist alles bestens. Ein kurzer Druck auf den Startknopf und der Anlasser dreht sich, bis der Motor anspringt. Hören kann man allerdings nicht viel, da die Geräuschdämmung im Innenraum hervorragend ist. Wer sich vergewissern will, ob das Triebwerk zum Leben erwacht ist, lasse seinen Blick in Richtung Drehzahlmesser schweifen, der dann den Beweis des zum Leben erwachten Aggregates liefern wird. Freuen wir uns auf gut abgehangene 120 PS, legen den ersten Gang des mit recht langen Schaltwegen versehenen, dafür aber leicht schaltbaren Getriebes ein und.... werden dann doch ein wenig enttäuscht. Die angegebene Leistung steht erst bei höheren Drehzahlen und nur in einem ziemlich schmalen Drehzahlband zur Verfügung. Zudem wird beim Ausdrehen des Motors die Geräuschkulisse trotz der schon erwähnten Schallschutzmaßnahmen recht brummig.

Verzichten wir halt auf schwarze Spuren im Asphalt, die eh durch die serienmäßige Antischlupfregelung verhindert worden wären und verhalten uns wie anständige und zivilisierte Bürger. Der Wagen verschluckt sich kurz (was bei den darauffolgenden Anfahrmanövern durch ein wenig beherzteres Gasgeben eliminiert wird) und zieht dann ganz brav und ohne zu mucken bis zum nächsten Schaltpunkt hoch. So richtig wohl fühlt sich der Motor auf der Autobahn, wo er den Wagen zwischen 120 und 150 km/h über den Asphalt ziehen kann. In diesem Leistungsbereich sorgen dann auch diverse Befehle der elektronischen Steuerung an die Einspritzanlage und die drehzahlabhängige Verstellung der Einlaßnockenwelle dafür, daß der immer kostbarere Tankinhalt nicht gar so schnell in vom D4-Kat zu reinigende Abgase umgewandelt wird. Ein Langstreckenverbrauch bei zügiger F
ahrweise ohne Brems- und Beschleunigungsorgien zieht einen Durchschnittsverbrauch von 6 bis 8 Liter auf 100 km nach sich. So sind durch den 70 l Tank Reichweiten von knapp 1000 km möglich.

Diese langen Strecken lassen sich ohne größere Ermüdungserscheinungen zurücklegen. Die Sitze sind in allen Ausstattungsversionen angenehm ausgeformt und nicht zu hart oder zu weich- im sportlichen Dynamique mit verstärktem Seitenhalt und in den Versionen Privilége und Initiale komfortorientiert. In letzterer Variante sogar serienmäßig mit Lederausstattung. Eine gute Ergonomie durch die vielfältigen Verstellmöglichkeiten von Lenkrad und Fahrersitz ergeben für Führerscheininhaber jedweder Statur eine gute bis perfekte Sitzposition. Das dicke lederummantelte Lenkrad liegt gut in der Hand und auch die Armaturen sind übersichtlich angeordnet und geben keine Rätsel auf. Auf der Rückbank geht es dann doch ein wenig kompromißbehaftet weiter. Ist der Platz zwischen Sitz und Vorderlehne auch für Langbeiner noch großzügig ausgelegt, stoßen Sitzriesen sehr schnell an den Dachhimmel. Weilen des öfteren lange Kerls im Fond, sollte man lieber zum Kombi Namens Grandtour greifen.

Souverän und sicher hält das Fahrwerk den Kontakt zur Straße. Lenkbefehle werden präzise an die Vorderräder weitergegeben und auch der Geradeauslauf ist hervorragend. Provozieren wir auf unserer kleinen Runde einen Abstecher in den Grenzbereich dieses Autos, merken wir, wie gewagt das Fahrmanöver sein muß, um das serienmäßige ESP in den Regelbereich zu bekommen. Bodenwellen, Querrinnen und andere Unebenheiten werden hervorragend glattgebügelt und nur verhalten an uns Insassen weitergegeben. Dabei bleibt der Wagen jederzeit neutral und zeigt zudem durch sanftes Untersteuern, daß wir jetzt doch ein wenig forsch in die Kurve gefahren sind. Einen großen Dank an die Fahrwerksingenieure, ist ihnen doch fast so etwas wie die Quadratur des Kreises geglückt.

Was jetzt kommt, dürfte nur Fahrern von Spor
twagen oder High-Tech-Limousinen aus dem über 100.000,-DM-Bereich bekannt vorkommen: Die enorme Verzögerung beim Bremsen. Üben wir das erst einmal, nachdem wir uns vergewissert haben, daß kein anderes Fahrzeug hinter uns ein Heckverformungsrisiko darstellt. Ein kurzer Tritt auf das mittlere Pedal und bissig wie ein Kettenhund packen die Bremszangen zu. Der serienmäßige Bremsassistent sorgt zudem dafür, daß eine Vollbremsung immer das bestmögliche Ergebnis erzielt, vor allem dann, wenn der Fahrer mangels Übung zu zaghaft auf die Bremse tritt. Alle Journalisten, die den Laguna bis jetzt getestet haben, bescheinigen der Bremsanlage zudem eine enorme Standfestigkeit.

Solche Testfahrten können trotz großem Komfort recht anstrengend sein und man gerät schnell ins Schwitzen. Kann allerdings auch sein, daß die Sonne unseren Wagen mit einem Gewächshaus verwechselt. Wie gut, daß alle Laguna serienmäßig mit einer Klimaanlage ausgestattet sind. Optional bei Authentique und Dynamique sowie serienmäßig bei Privilége und Initiale ist die unbedingt zu empfehlende Klimaautomatik mit getrennter Regelung für linke und rechte Seite, Schadstoffsensor und einem Sensor für die Sonneneinstrahlung, damit die Kühlluft auch effizient verteilt werden kann. Die Bedienung erfolgt ganz einfach durch Drücken und/oder Drehen, was auch blind erfolgen kann, da die Bedieneinheit selbst recht tief angeordnet ist. Hat man das Keyless-Entry-and-Drive-System und elektrisch verstellbare Sitze bzw. das Initiale-Modell geordert, merkt sich die Klimaanlage (auch das Radio und der Fahrersitz und selbst der linke und rechte Außenspiegel) die letzte gewählte Einstellung und stellt sie bei der nächsten Fahrt sofort wieder zur Verfügung, so wie einem als Stammgast in einem guten Restaurant die gewohnten Getränke und Speisen serviert werden.

Nachts sorgen auf Wunsch Xenonscheinwerfer (serienmäßig im Initiale) für eine gute Ausleuchtung der Straße und auch die Armaturenbeleuchtung ist mehr als ang
enehm. Ein weißes Licht mit leichtem Blauschimmer verhindert ein allzu schnelles Ermüden der Augen und ist selbstverständlich auch in der Helligkeit dem gewünschten Grad anzupassen. Lampen im Fußraum und an den Türverkleidungen sorgen dafür, daß beim Aussteigen gefährliche Tretminen oder Bananenschalen erkannt werden können. Lesespots, deren Sinn und Funktion zu beschreiben ich mir hier gerne verkneifen möchte, für vorn bei allen und hinten bei den zwei besseren Ausstattungsvarianten, bei denen auch der Innenspiegel automatisch abblendet, sind natürlich mit an Bord.

Elektrische Fensterheber für vorne und hinten, ab Privilége mit Einklemmschutz, gibt es ebenfalls serienmäßig. Nur an der Basis müssen die Fondpassagiere kurbeln, wenn dem Käufer der Aufpreis zu hoch oder zu schade ist.
Beim Grundmodell fehlt auch die Mittelarmlehne in der Rückbank, welche zudem ein kleines Fach für Krempel und zwei Getränkehalter bietet. Kleinkram kann man in diesem Wagen sowieso reichlich unterbringen, da es viele Ablagen und ein großzügig bemessenes Handschuhfach gibt. Der Kofferraum zeigt sich dagegen nur durchschnittlich. Möge der eine oder andere Fahrer vor einer Urlaubsreise seine Gefährtin davon überzeugen, daß sie in nur sehr wenigen Sachen wirklich gut aussieht und sie keinesfalls drei, sondern nur einen Koffer braucht, dann wird der Platz schon reichen. Konkret steht ein Volumen von 430 l nach VDA-Norm zur Verfügung, die dem Umsteiger von der unteren auf die obere Mittelklasse kein Kopfzerbrechen bereiten dürften.

Der Urlaubsort selber kann ruhig etwas weiter weg oder ein wenig luxuriöser sein, da der Laguna einem das Geld nicht aus der Tasche zieht. Nur alle 30000 km oder alle zwei Jahre ist eine Inspektion vorgesehen. Nimmt man noch die gesparte Differenz zu Passat, A4 oder ähnlichem mit dazu, kann man sich für bis zu fünf Jahre oder bis zu 150000 km absichern. Im Renault-Komfort-Service, kurz RKS genannt, sind ALLE vorgeschriebenen Wartungsarbeiten un
d Verschleißreparaturen inklusive Verbrauchsmateriel enthalten. Nur die Reifen, die Gebühren für Haupt- und Abgasuntersuchung sowie Glas- und Karosserieschäden sind nicht abgedeckt. Ein solches System in dieser Form ist einzigartig und nur bei Renault zu bekommen- übrigens schon viele Jahre lang und für alle Modelle.

Ich hoffe, die kurze Probefahrt hat allen gefallen und den einen oder anderen neugierig auf das Fahrzeug in echt und 3 D und in Farbe gemacht. Informationen zu Preisen, Ausstattungsvarianten und technischen Daten stehen unter www.renault.de als PDF-Dokument zur Verfügung. Ich gebe hier den Grundpreis für die Privilége-Version bekannt, da es bis jetzt das am häufigsten nachgefragte Modell ist.
Es sei mir noch gestattet, ein kurzes Resümee zu geben:
Franzosen können tolle Autos bauen. Das wissen viele Leute schon recht lange. Seit dem neuen Laguna, der zudem als erstes Auto überhaupt beim NCAP-Chrashtest fünf von fünf möglichen Sternen erhielt, dringt diese Nachricht auch in Welten vor, die nichts von der Existenz anderer Autobauer außerhalb Stuttgarts, Wolfsburgs, Ingolstadts und Münchens geahnt haben.

Fazit: