
Produkttyp: Renault Autos
Neuester Testbericht: ... auch der Wert von 6,4 Sekunden für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h. Das Fahrwerk ist Renault gelungen. Mit seinem Mittelmotor theor... mehr
Der neue aus Frankreich
Renault Clio Sport V6 24V

Name des Mitglieds: Druss
Produkt:
Renault Clio Sport V6 24V
Datum: 23.11.00, geändert am 31.01.01 (3138 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Toller Schnitt, flottes Aussehen, Preis nicht überheblich
Nachteile: ein paar Details
Les voitures à vivre, so hiess der bisherige Werbeslogan von Renault. Jetzt will die französische Marke keine „Autos zum Leben“ mehr bauen.
Creatures d`automobiles will man nun sein. Da wagt man zu fragen: Was sonst? Mit dem Clio Renault Sport V6 – der offiziell genau so und in dieser Reihenfolge bezeichnet werden soll – haben die sonst so innovativen und immer seriösen Franzosen ein Fahrzeug geschaffen, das auch sonst einige Fragen offen lässt.
Fast immer wenn, so ein Fahrzeug überhaupt auf der Rennstrecke auftaucht, war da zuerst eine Vergangenheit als Strassenfahrzeug und erst dann die Entwicklung zum Renngerät. Beim Clio V6 ist es umgekehrt.
Seit 1999 rennt ein Mittelmotor-Rennwagen mit einem 285 PS/210 kW starken 3-Liter-V6 um die „Clio-Trophy“, erst jetzt kommt auch noch die zivile Version auf die Strasse. Zivil, allerdings, ist am Clio Renault Sport V6 wenig. Die Optik mit all den Spoilern, Lufteinlässen und Verbreiterungen drückt absolut kompromisslose Sportlichkeit aus – schön ist das nicht; wer an andere Fahrzeuge solche Verkleidungen klebt und nietet, wird von seinen Mitmenschen höschstens belächelt.
Unter der Motorhaube, die sich konzeptionsbedingt hinter dem Fahrer und folglich viel Platz raubend im Innenraum befindet, arbeitet ein 3-Liter-V6 mit 230 PS/166 kW und einem maximalen Drehmoment von 300 Nm bei 3750 U./min. Auf den ersten Blick scheinen diese Werte nicht gerade das Mass aller Dinge zu sein für einen dermassen aggressiv auftretenden Sportwagen, doch immerhin verrichten sie ihren Dienst mit einem sehr ansprechenden Geräusch – und trotz der doch 1335 Kilogramm Leergewicht des ausschließlich zwei Personen vorbehaltenen Franzosen auch sehr effizient. Davon überzeugt auch der Wert von 6,4 Sekunden für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h.
Das Fahrwerk ist Renault gelungen. Mit seinem Mittelmotor theoretisch nicht ganz einfach zu beherrschen, gibt sich der Clio V6 in
der Praxis sehr gutmütig, der Grenzbereich liegt zumeist über der Mutgrenze. Ausserdem ist der Kraftmeier doch ganz komfortabel gefedert; auch auf den nicht immer erstklassigen französischen Landstrassen. Die Bremsen sind den Fahrleistungen angemessen. Auch der Sitzkomfort ist ansprechend: Ich würde mir bei diesem Fahrzeug allerdings wünschen, dass das Lenkrad nicht nur höhenverstellbar sonder auch längsverstellbar wäre, kommt es doch gerade bei einer sportlichen Fahrweise entscheidend auf die Sitzposition an. Sonst ist die Inneneinrichtung mit den Leder-Sitzen, den aus dem normalen Clio bekannten Armaturen sowie den sportlich gelochten Pedalen recht, aber nicht dermassen anregend, wie man sich das in einem Sportwagen doch wünschen mag.
Mehr Dinge noch würde ich mir wünschen:
Der vorne liegende Kofferraum ist winzig, die riesige Fläche über dem Mittelmotor lässt sich leider nicht als Ablage nutzen, weil sie zu stark geneigt und rutschig ist. Ausserdem ist das Sechsganggetriebe, das aus dem im nächsten Sommer präsentiert werdende Avantime stammt, sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Unpassend abgestimmt ist es, hakelig ist es, zu lang sind die Schaltwege. Man fragt sich, weshalb nicht das vorhandene sequenzielle Getriebe aus dem Trophy-Clio für den zivilen Gebrauch abgestimmt wurde. Gebaut wird der Clio V6 im schwedischen Uddevalla in Zusammenarbeit mit „TWR“ (Tom Walkinshaw Racing), der britischen Kleinserien-, Tuning- und Formel-1-Schmiede (Arrows), die in der Vergangenheit nicht nur für positive Schlagzeilen gesorgt hat.
Man kann also manch ein Fragezeichen hinter den Clio Renault Sport V6 setzen. Trotzdem dürften die Franzosen keine Schwierigkeiten haben, die geplanten rund 2000 Exemplare jährlich abzusetzen, ist doch der Preis von ca. 75.000 DM für dieses voll ausgestattete Fahrzeug sein wohl überzeugendstes Argument. Und natürlich bietet er trotz gewissen Schwächen ein sehr hohes Mass an Fahrspass.
Fazit:

