
Produkttyp: Renault Autos
Neuester Testbericht: ... "Pickerl" mehr bekommen und der Tank halb voll ist (Schnüff) Das war das erste Auto mit dem ich mit 16 auf einem Verkehrsübungs... mehr
Er hielt mich fit...
Renault 21

Name des Mitglieds: Sarkania
Produkt:
Renault 21
Datum: 30.06.01, geändert am 30.06.01 (1476 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: VIEL Platz, sparsam, hat Power
Nachteile: keine Servo, nicht immer der bravste
Er war, wenn man das Fahrschulauto (3er BMW) abzieht, das erste Auto, dass ich selber gefahren bin. Und das drei Jahre lang regelmässig, bis wir ihn 1999 im Alter von 12 Jahren mit 170.000 Kilometern um 10.000 Schilling/1430 DM verkauft haben.
Heute bleibe ich stehen, sobald ich einen roten Renault 21 Nevada GTS sehe, und schau mir die Frontpartie an. Wenn sie verzogen ist, würde ich eine Nachricht hinter der Windschutzscheibe hinterlassen. Ich würde ihn gerne einmal wieder fahren, nur eine Runde drehen, ob ich noch meine Muskeln habe und ob er noch der alte ist oder sich, wie ich, verändert hat.
Was nun das besondere an ihm war und warum ich ihn manchmal vermisse, gibt's hier zu lesen.
Wem mein Geschwafel am Nerv geht, kann sich darauf beschränken, mein Schlussfazit zu lesen, da ist das wichtigste nochmals zusammengefasst.
DIE OPTIK
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Ein Kombi, der sich durch abgerundete Ecken und eine sehr gerade Linienführung auszeichnet. Damals war noch nicht das Zeitalter der Minivans, deshalb war er auch nur weniger als einenhalb Meter hoch. Dafür aber mit Dachreling, zwei praktische Metallrohre rechts und links, die fast über die ganze Dachlänge reichten und sich wunderbar zum Dachträgerbefestigen eigneten. Die Stossstangen aus dunkelgrauem Plastik sind zwar nicht ästhetisch, haben aber einen gewaltigen Vorteil: bei solchen Autos kann man noch vorsichtig nach Gehör einparken. Ich bin deshalb auch kein Fan von einer lackierten Stossstange, das ist an sich schon ein Widerspruch in sich, die Stossstange ist ja ursprünglich unter anderem zum sanften "Angitschen" beim Einparken gedacht. So kann man enge Parklücken viel leichter bewältigen.
PRAXISTEST
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Nachdem der gute Alte keine Servolenkung hatte, war das ein gutes Armtraining beim Ausparken und in den Kurven. Ich hab noch nie ein Auto gefahren, dass sich dermassen schwergängig lenken liess. Als ich eines Tages mit einem Auto mit dem Wu
nderding Servolenkung gefahren bin, hätte ich das Auto in der nächsten Kurve fast in einen Baum gerammt, weil ich an der Lenkung, wie ich es gewohnt war, anzog wie ein Berserker. Mein kleiner Mazda hat auch keine Servolenkung, und der Ford Escort von einem Freund von mir, aber das war alles nichts im Vergleich. Da spürte man noch, dass man fährt, da spürte man das Gewicht und die Power!
Power hatte er, mit 90 PS konnte er die gute Tonne, die er hat, mit Leichtigkeit beschleunigen. Einfach ein Traum. Der Verbrauch bei dieser Power liegt beim Hersteller bei maximal 9 Litern (Stadt). Unser betagter Herr hat am Ende immer noch um die sensationellen 7-8 Liter geschluckt, mit 4 Personen und halbvollem Kofferraum, hauptsächlich auf Autobahnstrecken.
Ansonsten bog er sehr laufruhig um die Kurven, und lag ausgezeichnet auf der Strasse. Die Schaltwege waren, wie es sich bei einem Kombi gehört, eher lang -er ist ja kein Sportwagen. Rückwärtsgang ist wie bei allen mir bekannten Renaults links neben dem ersten, und man muss dazu eine Lasche an der Unterseite des Hebels hochziehen.
Einparken war ein gewaltiger Kraftakt, und Lücken, in die ein 4,6 Meter langes Gefährt ohne viel hin und her reinpasst, sind ja rar. Dafür muss ich sagen, dass ich ihn gut überschauen konnte. Hinten hab ich immer ein Problem mit dem Schätzen, aber beim Nevada war das ganz einfach: Heckscheibe = Ende des Autos.
Irgendwie ist's deprimierend, von ihm in der Vergangenheit zu schreiben, ich hoffe ja doch, dass er noch lebt. Also schreibe ich lieber in der Gegenwart weiter.
Innen gibt's Platz ohne Ende, reichlich Beinfreiheit in beiden Reihen und einen riesigen Kofferraum. Wir sind schon mal zu sechst in dem Wagen gefahren, nicht ganz legal mit mir im Kofferraum, aber ich hatte wahnsinnig viel Platz und bin dort auch recht bequem gesessen.
Grosse Seitenfächern in den Türen, ein grosses Handschuhfach, ein Kassettenfach, in das sich locker 20 Kassetten
stapeln liessen - platzmässig eben ein richtiges Paradies. Der Kofferraum ist aufgrund der niedrigen Ladekante (auf der Höhe des Kofferraumbodens) leicht zu beladen. Einzig und allein die notwendige Radverkleidung macht den Kofferraum "uneben" auf der Seite. Was mir abging, war eine Kofferraumabdeckung. Vielleicht ist die nur bei einem Vorbesitzer abhanden gekommen, aber ich hab nie eine Vorrichtung zum Einhängen eines Deckels gefunden, deshalb nehme ich an, das ist serienmässig nicht dabei.
TIPP: Wer eine Handtasche im Auto von aussen sichtbar herumliegen hat, und die wird gestohlen, erntet von der Polizei als erstes ein "das war fahrlässig von ihnen". Deshalb Taschen immer verstecken! Selbiges gilt für kostbare Autoradios: wenn möglich, immer die Frontplatte abnehmen.
Ich staune, wenn ich daran denke, dass dieses 1987er Baujahr schon einiges an Luxus zu bieten hat. Ein Heckscheibenwischer (der bei unserem allerdings kaputt ist, neuer Motor hätte damals 3.000 Schilling/430 DM gekostet, hat sich nicht rentiert), Zentralverriegelung mit Fernbedienung (ein eckiger kleiner schwarzer Schlüsselanhänger), elektrische Fensterheber vorne, automatischer Choke natürlich (wenn noch wer weiss, was das ist...;-) )...
Der Fahrersessel war natürlich mechanisch mit der Hand zu verstellen, aber dafür nicht nur nach vorne und nach hinten, auch die Sitzneigung (bzw. Höhe, wie man's nimmt) liess sich verstellen. Das vermisse ich bei vielen Autos, ich sitz gerne hoch, um den Überblick zu bewahren. Dafür liess sich das Lenkrad nicht umstellen.
Allerdings war 1987 noch kaum die Rede von ABS, Airbag, Seitenaufprallschutz, Klimaanlage,...
Das Armaturenbrett ist sehr übersichtlich. Links Drehzahlmesser, rechts Tachometer, dazwischen Tankuhr und Öltemperaturmesser. Übrigens ist die Hupe (heute leider fast nirgends mehr) links am Lichtschalter, man muss hineindrücken, dann tutet er. Sehr praktisch, bei unserem Megane finde i
ch, wenn ich wütend bin, die winzigen Hupknöpfe am Fahrerairbag nie. :-( (Finde es überhaupt paradox, einen Hupknopf aufs Lenkradinnere zu verlegen. Wer greift da schon jemals hin?)
Die Motorhaube von vielen Renaults geht übrigens von der Windschutzscheibe her auf. Hier auch. Ich hab schon amüsiert Leuten zugesehen, wie sie verzeifelt vorne versucht haben, die Motorhaube aufzubekommen. ;-)
ZAHLEN UND FAKTEN
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Unser guter war Baujahr 87, Renault 21 Nevada GTS
Leistung_________66kw / 90 PS
Hubraum________1721 ccm
Spitze__________185 km/h
Von 0-100_______10,7 sec
Länge/Br/Hö_____4,645 / 1,717 / 1,430 Meter
Kofferraum______930 Liter
Vb 90/120/Stadt___5,1/6,5/9
Getriebe_________5-Gang
Gewicht_________1,06 t
Neupreis 1987 :-)__177.200 ATS/ 25.300 DM
MACKEN/PERSÖNLICHKEIT
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Mit zunehmenden Alter gewinnt ein Auto an Persönlichkeit und Macken. Dem widme ich hier ein eigenes kleines Kapitel, denn unser alter Herr hatte da schon einige Launen, als seine Kilometerzahl in Richtung 200.000 ging.
Wir haben ihn etwa 8 Jahre besessen, die letzten drei davon bin hauptsächlich ich am Steuer gesessen und kann so von Fahrerseite aus einiges berichten. Die Defekte, über die ich berichte, haben sich in etwa drei Jahren ereignet, so zwischen Kilometerzahl 120.000 und 170.000. Mag jetzt schlimm klingen, man bedenke aber, dass er damals schon ein alter Herr war und mein Vater nicht gerne in die Werkstatt gefahren ist. Dieser Teil ist vielmehr zur Unterhaltung als als ernsthafte Kritik gemeint.
Getriebe
An kalten Tagen war es manchmal fast unmöglich und nur mit Gewalt möglich, den Rückwärtsgang reinzubringen. Auch sprang des öfteren der erste Gang beim wegfahren raus, obwohl er fest eingelegt war. Das wurde von uns als eine Macke akzeptiert und niemals repariert.
Lichtmaschine
Die hatte einen defekt, da musste man oft mit
dem Hammer (!!!) draufschlagen, dann lief sie wieder perfekt. Musste dann ausgetauscht werden.
Kühlsystem
Dieses Leiden liess mein Vater nur ungern und nach einem Jahr ärgern reparieren. Der Wagen hatte ein Problem mit dem Kühlsystem. Das hiess: beim Bergauffahren auf längeren Strecken wurde er sehr schnell sehr heiss.
Tipp:
Wenn bei eurem Auto einmal ein rotes Lämpchen von der Temperatur leuchtet: aber sofort, wirklich sofort: rechts ran, stehenbleiben, Warnblinkanlage an, Pannendreieck aufstellen, Motorhaube auf, warten bis er abkühlt oder gleich den Pannendienst rufen...
Einmal hat mein Vater das Licht ignoriert. Tja, dann kam plötzlich eine RIESIGE Dampfwolke aus dem Motorraum. Rien ne va plus, wie's dann bei Renault so schön heisst. Es gibt ja den ÖAMTC. Die Reparatur war sehr teuer.
Aja, nachdem wir aber lange mit kaputten Kühlsystem gefahren sind, hab ich schon einige Techniken entwickelt, um ein Überhitzen des Motors zu verhindern. Wenn der Zeiger der Temperatur in Richtung roten Bereich geht und man keine Lust hat, stehenzubleiben, dann Lüftung auf höchste Stufe, Fenster auf, Heizung volle Pulle. Die heisse Luft aus dem Motorraum wird dann ins Innere geleitet, der Motor kühlt ein wenig ab. (Hat wunderbar im Stau funktioniert, denn den mochte Nevadachen überhaupt nicht. Wie oft bin ich gefahren und hab hypnotisiert auf das rote Lämpchen gestarrt und gebetet, dass es nicht beginnt zu leuchten....) Wie oft sind wir schwitzend im Sommer bei laufender Heizung gefahren, damit unser Auto keinen Hitzekollaps bekommt...
Kupplung
Nichts besonderes, aber die musste auch mal ausgetauscht werden. Ich kann mich nur erinnern, wie mir dann anfangs der Wagen an jeder Kreuzung beim Wegfahren abgesoffen ist, weil der Haltepunkt plötzlich ganz woanders lag...
Ansonsten gab es nur die üblichen Reparaturen, mal ein Bremsklotz hier, mal ein Lämpchen dort. Das mit dem Kühlsystem wurde eine sehr teure Reparatur, obwohl wir dam
als schon längst nicht mehr zur Renaultwerkstatt gingen, sondern zu einer, die für diesselbe Arbeit etwa ein Viertel verlangte.
Heut erkenne ich ihn an einem verzogenen Kühlergrill links, da bin ich meiner Schwester dankbar, die einmal die Garageneinfahrt nicht erwischt hat, denn so erkenne ich ihn wieder. (Das Ausbessern würde mittlerweile ein Vielfaches seines Geldwertes kosten...)
Also von überhitztem Motor, davon, dass mir der Motor abstirbt, wenn ich an der Ampel stehe (ist am Schluss auch oft passiert), dass ich oft wegen der Werkstättenfaulheit meines Vaters nur mit mehr Beten als Geschick ans Ziel kam, da kann ich sagen: das Autofahren war damals noch ein Abenteuer und das Auto hatte eine starke Persönlichkeit. Damals hab ich geflucht, heut muss ich drüber lächeln. Vielleicht kaufe ich mir eines Tages einen Käfer und bastle selber ein wenig herum...
VOR- NACHTEILE
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NACHTEILE
* gibt's ja fast keine ;-)
VORTEILE
* Auto mit Persönlichkeit ;-)
* Armmuskeltraining, da Lenkung sehr schwergängig ;-)
* ein Auto für "richtige" Männer, kein ABS, keine 3. Bremsleuchte, kein Airbag ;-)
* Platz und Stauraum ohne Ende
* relativ geringer Verbrauch, wenn man Alter und Leistung bedenkt (ca. 8 Liter)
* erstaunlich viel Power, Power, Power mit 90 PS
* übersichtliche Karrosserie
* Luxus wie ZF mit FB, Heckscheibenwischer schon vorhanden
FAZIT
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Unser Renault 21 Nevada war vielleicht kein Schmuckstück und hatte so seine kleinen Macken. Aber bei recht geringem Verbrauch hat er mich nichtsdestotrotz voller Kraft und Energie fast immer ans Ziel gebracht. Ich hab noch nie in einem Auto soviel Platz und Ablagefläche gesehen (Minivans zählen nicht...) und aber noch nie von einer Werkstatt gehört, die dermassen viel für Reparaturen verlangt wie eine Renaultfachwerkstatt.
Aber ich gebe es zu, wenn ich ihn heute irgendwo wiedersehe
, hätte ich ihn gerne zurück. Im Moment sollte er einen Geldwert von etwa 2.000-3.000 (ca 360 DM) Schilling haben, wenn er gut gepflegt worden ist.
Fazit:


30.06.01
das nenne ich eine Meister-Meinung ! Patrick.