Porsche Cayenne
Cayenne S- Ein Fazit - Porsche Cayenne Auto

Produkttyp: Porsche Autos

Neuester Testbericht: ... irgendwie für den Großteil der Elektronik-Ausfälle verantwortlich ist. Das ist zwar nur eine Vermutung, aber andere Cayenne Fahrer ha... mehr

Cayenne S- Ein Fazit
Porsche Cayenne

LordC

Name des Mitglieds: LordC

Produkt:

Porsche Cayenne

Datum: 27.03.04

Bewertung:

Vorteile: Bullige Optik, Traumhafte Fahrleistungen (für einen SUV), Einziger Familienporsche

Nachteile: Gigantischer Verbrauch, Hohe Werkstattkostet, (Noch) unzuverlässige Elektronik

Hallo community,

nach längerer Abstinenz melde ich mich wieder mit einem Testbericht über den Geländeporsche Cayenne S zurück.
Faszination Super Sport Utility Vehicle. Der schnellste "Geländewagen" überhaupt wartet mit den Fahrleistungen eines Sportwagens auf. Der 4.5 liter V8 mit 340PS stellt in meinen Augen die ideale Synthese zwischen dem letzten Grad der Vernunft und Fahrspass dar. Ich hatte den Wagen nur für ein paar Tests und muss gestehen dass ich hoch gespannt war.
Ein Geländewagen von Porsche? Familienkutsche? Unsportlich? Tempo 242 "im ersten Stock"?!
Das sind die Gedanken die jedem durch den Kopf gegangen sein dürften als sie erstmals von diesem Monster erfahren haben. Doch mal wieder weit gefehlt. Wer die Porsche Entwicklungsabteilung kennt der weiß dass es oberste Priorität war etwas einzigartiges zu schaffen, ein SUV der seinesgleichen sucht und nicht finden wird. Sowohl fahrtechnisch als auch von Komfort etc. Und das ist gelunden, soviel vorweg.

Ich nehme also den Wagen in Empfang, lasse mich seinen Features vertraut machen. Mein Blick fällt auf eine mächtige Silhouette die Kraft und Anmut in einem ausstrahlt. Am Heck: Zwei riesige Endrohre und der eindeutige Schriftzug "Cayenne S". Und dass dieses S dort nicht ohne Grund steht das erfuhr ich spätestens beim ersten Autobahnstück...
Doch zuerst steige ich vorsichtig ein, Neugier macht sich breit. Äußerst bequem präsentiert sich der Wagen mit seinen vollelektrischen Sätzen, jeder Menge Platz, großen Kofferraum etc. etc. Die Mittelkonsole ist breit und beinhaltet einen riesigen Tiptronic-Schalthebel, die Pedale sind stilecht mit Alu überzogen. Höchst edel, lautet mein erster spontaner Gedanke.
Die Sitze sind bequem, bieten aber keinerlei Seitenhalt. Mir waren sie jedenfalls zu breit...
Und wenn das Auto entsprechend bewegt wird dann braucht man diese Features wie Seitenhalt, gute Sitzposition etc., soviel ist klar. Ich fühl mich da jedenfalls im engen Sportsitz eines Boxster S oder des Carrera viel wohler.

Dem Techniker der mich einweist scheint es besonders die Luftfederung mit allen Variationen angetan zu haben. Und als mir das keyless-go-system erklären will, das fahrzeug verlässt, ich aber innen ein paar knöpfe drücken soll passiert es zum ersten Mal: *wusch* Das Fahrzeug senkt sich ab, rien ne va plus. Der Cayenne nimmt keinerlei Befehle mehr an, startet nicht mehr, Federung ausgefallen und und und. Ein Fluchender Techniker hastet zum obligatorischen Laptop, den Fehlerspeicher auslesen und die entsprechenden Sicherungen wieder auf Vordermann zu bringen. Ich kann mich eines Grinsens nicht erwehren, denn mir ist ja schon vieles passiert, aber dass ein Porsche schon auf dem Parkplatz des Entwickkungsgeländes den Geist aufgibt ist doch eine Premiere. Und ich habe hier schon viele Autos vom Hof gefahren....
Meine Theorie lautet jedenfalls dass die Bordelektronik nicht gut mit dem unsäglichen Keyless-go zusammenarbeitet und dieses unausgereifte System irgendwie für den Großteil der Elektronik-Ausfälle verantwortlich ist. Das ist zwar nur eine Vermutung, aber andere Cayenne Fahrer haben mir ähnliche Phänomene berichtet und dass diese bei Personen, die sich ihr Fahrzeug ohne dieses System bestellt haben deutlich seltener auftritt.
Meine Empfehlung lautet jedenfalls: Schmeißt dieses unausgereifte Etwas sonstwo hin, aber in einen Porsche gehört es nicht. Schon gar nicht wenn es nicht richtig funktioniert.
So groß und schwer wie der Schlüssel ist kann ich die Tür nämlich genauso gut manuell entriegeln....
Übrigens ist dieses Problem mit dem keyless-go nach wie vor existent, nach dem was ich gehört habe. Porsche hat es also seit Markteinführung nicht in den Griff gekriegt....

Nach 15-20 Minuten funktioniert alles wieder, mein peinlich berührter Techniker erklärt mir noch die Fahreigenschaften der riesigen 19-Zoller, nur zur Sicherheit...
Dann gute Fahrt gewünscht, den stationären Zündschlüssel (links vom Lenkrad natürlich!) umgedreht erwacht der V8 zum Leben. Mit einem unnatürlich zahmen Sound, wie ich finde. Doch das brüllen beginnt bei über 3000 U/min, ich kann da jeden beruhigen dem beim flüstersound beim anlassen einen Schreck bekommen hat. ;-)
Ich fahre mein Monster also vorsichtig vom Hof, kurve ein bisschen durch Stuttgart um den Motor warm zu kriegen. Erst bei ordentlicher Betriebstemeratur lenkt mich das gute Navi Richtung Autobahn. Ich fahre also mit knapp 80 km/h auf, sehe einen LKW direkt neben mir. Wär doch gelacht wenn ich nicht noch vor den käme!!! Und mit diesem Gedanken legt der "S" souverän los, die Beschleunigung drückt mich leicht in den Sitz, ich laufe schon fast auf den nächsten LKW auf als ich am Ende der Einfädelspur mit 140 in die Mitte ziehe.
Jetzt will ich wirklich wissen was der Cayenne auf der linken Spur leistet. Dort ist nämlich der Platz eines jeden Porsche, das kann mir wohl jeder bestätigen. Ich warte bis die nerviger 120er-Tafel endlich fällt und gebe Gas. Ich "drücke" ein paar "normale" PKWs weg, die meisten machen freiwillig Platz. Das Porsche-Gesicht bei über 200 km/h immer noch direkt im Rückspiegel zu haben ist eben doch zuviel für die Meisten Mitfahrer. Der Cayenne reagiert spontan, nimmt Gas auf, dreht bereitwillig hoch. Die schlecht platzierten Tiptronic Wippen (wie groß waren bitte die Hände des Konstrukteurs?!) brauche ich nicht, nur ein paar Mal zur Probe. Jedoch stellen sie sich als absolut überflüssig heraus, die Automatik harmoniert ganz ausgezeichnet.

Als mich dann allerdings bei eingetragener Höchstgeschwindigkeit eine Windböhe erwischt und ich kräftig gegenlenken muss damit der Cayenne nicht auf die mittlere Spur gedrückt wird werde ich etwas vorsichtiger und wünsche mich schnell wieder in meinen tiefen, engen Boxster S zurück über den diese Böhe anstandslos hinweggezogen wäre. Die Erfahrung einmal 240 mit einem SUV gefahren zu sein, die sollte jeder Mal machen. Doch wer sich diesen Zustand dauerhaft gönnen will der sollte ein Paar dinge klar machen:

1. größte Vorsicht auf hohen Brücken wo der Wind die riesige Seite des Cayenne erfassen könnte.
2. Aquaplaning-Risiko hoch 10 bei diesen riesigen "Schlappen". Wasser auf der Straße ist der größte Feind des Cayenne sobald es in den Risikobereich geht.
3.Man sollte schon etwas versiert sein und wissen was das Fahrzeug verträgt. Gerade in Punkto Kurvengeschwindigkeit und unsichere Wetterverhältnisse. Roll-over-risk lässt sich bei dieser Wagenhöhe eben doch nie ganz ausschließen.
[so zumindest meine rein subjektive Beobachtung...]

Dann nähert sich irgendwann meine Ausfahrt, Zeit den Rückflug anzutreten und sich die Landstrasse . vorzunehmen. Ich werfe also einen Routinemäßigen Blick auf die Verbrauchsanzeige und mich trifft fast der Schlag: 23,9 (!!!) Liter stehen durchschnittlich zu Buche! Da bleibt einem schon mal kurz das Herz stehen und man ist nur froh dass man den Sprit in diesem Fall nicht selber zahlen muss.

Ich will mich nicht über Sinn und Unsinn solcher Verbrauchswerte auslassen, denn es ist klar wieso sie zu Stande kommen: Wer dem riesigen Motor die Leistung abfordert, ständig Beschleunigungsorgien fährt und damit Sportwagen jagt der lässt halt 25l durch. Ich bin sicher dass man den Wagen mit vorsichtigem Gasfuß auch mit 15l bewegen könnte, aber dann wäre es immer noch viel. V.a. da man dann das Gaspedal nur streicheln darf. Mit meinem privat-Boxster S bin ich noch schneller und Verbrauche bei dieser Fahrweise nicht mehr als ~14l.
Wer zum Cayenne Turbo (450PS) greift der hat ungefähr die Fahrleistung eines Boxster S, allerdings mit steinzeitlichen Verbrauchswerten weit jenseits der 30l. Porsche-Käufer sind zwar keine armen leute, aber fast jeder hat irgendwo seine persönliche Schmerzgrenze. Und die dürfte bei Vielen eben erreicht sein wenn man auf 250 km fast 70l Sprit verbrennen kann. Diese Werte klingen unglaublich, sind aber gemessene Tatsachen für den 4.5l Biturbo.

Zur Motorenpallete noch Grundsätzlich: Der 3.2 V6 (250PS) ist zu schwach für dieses Monster und verdient den Namen Porsche in meinen Augen nur bedingt. Der 4.5l V8 mit 340 PS wäre dann meine Empfehlung. 4.5l mit 450 PS ist wohl die größte Spritschleuder der Menscheitsgeschichte und bevor mich sich für über 100000€ dieses Fahrzeug kauft sollte man sich vielleicht überlegen schlicht und ergreifend zu den "gefechtserprobten" Sportwagen wie dem Carrera zu greifen. Da bekommt man höhere Fahrleistung bei einem wesentlich moderateren Unterhaltspreis.

Mein Eindruck vom Cayenne S war also zwispältig. Auf der einen Seite sehr gute Fahrleistungen, eine Faszination die kein anderes SUV je erwecken könnte usw. Dem gegenüber steht der exorbitante Verbrauch, Elekotronikprobleme und einige unausgereifte Features. (Ich sage es euch: Probiert das Keyless go aus und ihr wisst erstmal wie genervt man von einem Porsche sein kann...)

Ich war leider nicht autorisiert mit den Cayenne ein bisschen ins Gelände zu gehen, auch wenn es mich gereizt hätte. Man hört mittlerweile so viel Gutes über die Geländeeigenschaften und dass der Cayenne sich auch als echter Off-roader präsentieren kann. Wundern würde es mich jedenfalls nicht, denn den Straßentest hat er mich bravour bestanden. (Sofern er fährt, ich hatte noch einen ähnlichen Ausfall wie oben genannt am nächsten Tag...)

Ergo: Ich denke jeder muss für sich selber wissen ob der Super-Geländeporsche für ihn in Frage kommt. Eine explizite Empfehlung gebe ich dafür nicht, dafür hat der unausgereifeste Sprößling der Porsche AG einfach noch zu viele Nachteile.
Wer die Entwicklungshistory des Boxster verfolgt hat der wird zustimmen müssen dass dieses Auto um Längen besser geworden ist mit den Jahren. Ein Jahr 2003 3.2 S ist kein Vergleich mit dem schwachen 2.5l bei Markteinführung, man denkt man sitzt in komplett unterschiedlichen Fahrzeugen. Diesen Vergleich bringe ich deshalb um zu zeigen wie Porsche die Produktlinie pflegt und auf Vordermann bringt, mit den Jahren. Und sollte das auch mit dem Cayenne passieren so sehe ich eine goldene Zukunft für das dritte Standbein meines Lieblingskonzerns.
Wer sich allerdings momentan (in Deutschland) einen Cayenne V8 leistet für den rollt der Tantwart alsbald den roten Teppich aus. Lediglich die verhältnissmäßg günstige Typklasse 25/26 (VK/TK) entschädigt dafür ein bisschen.

Fazit: