Porsche Boxter
Ich Steppenwolf fahre und fahre - Porsche Boxter Auto

Produkttyp: Porsche Autos

Neuester Testbericht: ... dann nur am Rande und auch nur, weil ich so gerührt war, als die Augen meines Freundes anfingen zu strahlen, sobald wir dem Objekt der B... mehr

Ich Steppenwolf fahre und fahre
Porsche Boxter

keinerwillse

Name des Mitglieds: keinerwillse

Produkt:

Porsche Boxter

Datum: 20.01.08, geändert am 20.01.08 (645 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Ist wie Motorradfahren für Senioren

Nachteile: Hoher Benzinverbrauch

.... Die Welt liegt voll Schnee,
Vom Birkenbaum flügelt der Rabe,
Aber nirgends ein Hase, nirgends ein Reh!
In die Rehe bin ich so verliebt,
Wenn ich eins fände!
Ich nähm's in die Zähne, in die Hände,
Das ist das Schönste, was es gibt.....
(frei nach Hermann Hesse)


Vorgeplänkel (frei nach Viertelchen) bzw. "Die Keinerwillse-KFZ-Historie"

Wer meine Historie kennt, wird schmunzeln. Frau Keinerwillse ist sicher mehr der Gruppe "Bescheiden" denn der Gruppe "Neureich und Schicki" zuzuordnen. Klein und sich ihrer Möglichkeiten bewusst hat Frau Keinerwillse einst mit einem Polski-Fiat 126 mit stolzen 23 PS ein Zeichen gesetzt. Schon damals wurde meine Affinität zur Geschwindigkeit publik. Bei langanhaltender Abwärtsstrecke und entsprechenden Windverhältnissen entlockte ich meinem Polski Fiat exakt stolze 126 km/h (ob daher der Name kommt?) auf meiner Lieblingsstrecke. Da die Geschwindigkeit erst am Ende des Berges an den Stadttoren erreicht werden konnte (von 0 auf 126 in ca. 2,5 Minuten!), herrschte am Gipfel der Geschwindigkeit leider schon wieder eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h. So erinnere ich mich an manche Nacht, an der ich - unten angekommen - mit Blitzen und "Wow, Höchstgeschwindigkeit!"-Jubeln" von der Polizei empfangen wurde.
Noch heute wird Frau Keinerwillse bei Freunden und Familie mit jenem stattlichen Voiture in Verbindung gebracht. Schmuck war der Kleine mit seinen schwarzen Ledersitzen und dem Dach, dass von innen mit hellem Teppichboden ausgekleidet war.

Später konzentrierte sich die Fahrerkarriere von Frau Keinerwillse auf einen kleinen Franzosen. Die berüchtigten "3 F´s" - Ford, Fiat, Franzosen - habe ich nie ganz durchbekommen, denn vor 5 Jahren entschied ich mich dann für das totale Fahrzeug-Aus. Da ich in der Innenstadt wohnte, hatte ich permanent mit paarungswütigen Mardern, ungehemmten Karrosserieverkratzern und streikfixierten Autobatterien zu kämpfen. Bewegt hatte ich mein Auto zuletzt kaum. Da Supermarkt, Arbeitsstelle und Freundeskreis fußläufig erreichbar war, gabs da auch wenig Anlass dazu. Und als eines Abends die Polizei vor meiner Türe stand, um mir mitzuteilen, dass binnen der letzten Monate eine Baustelle um meinen Peugeot errichtet wurde und ich jetzt die letzte Gelegenheit zum Wegfahren hätte, wenn das Fahrzeug nicht Teil eines Mehrfamilienhauses werden sollte, entschied ich mich entnervt zum Verkauf.


Hüte Dich vor Männern mit einem gelben Auto!

Wie wählt man solch ein Voiture aus? Männer mögen das nach Drehzahl und technischen Daten machen. Frauen sind zufrieden, wenn die Farbe und das Design stimmt.
Die Farbe des Fahrzeugs kann auch zum Killerkriterium werden und noch zu gut erinnere ich mich an meine Schwester, die mit süßen 18 Jahren ein Auge auf den Fussball-Dorf-Torwächter geworfen hatte, aber sofort von meiner Tante mit dem Ausruf "Der hat ein gelbes Auto, das geht nicht" zurückgepfiffen wurde. Ein gelbes Auto.... nee, da waren Lügen und Seitensprünge doch schon vorprogrammiert! Wo kommen wir denn da hin? Oder war die Farbe des Fahrzeugs unseres Fussballhelden etwa sogar der Grund für die Wahl meiner großen Schwester?
Die Wahl unser neuen Familienkutsche hat mir mein Freund höchstpersönlich abgenommen, der erklärte es auf einmal zur Samstagsbeschäftigung mich von Porsche zu Porschehändler zu schleifen (wohlgemerkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln). Da standen wir da und betrachteten die kleinen schnuckeligen Boxter wie andere die Eisbären in der Wilhelma.

Damit kommen wir zu einer der wichtigsten Fragen: Hat ein Auto etwas mit Emotionen zu tun?. Bislang betrachtete ich ein Auto sehr italienisch. Ein Gebrauchsgegenstand, das Vorankommen war wichtig, denn was bringt schon ein Auto, dass nicht fährt?. Schönes Design (Polski Fiat mit Ledersitzen! Sagt doch schon alles...) gehörte aber auch dazu und schon der sonst so sachliche Tom Wühli kam ins Schwärmen, wenn er von dem geschwungenem Hinterteil seines Audi TT´s berichtete. D. h. ja, Emotionen und Automobil liegen nah beisammen. Und wer vermittelt mehr Emotionen als ein Porsche? Vielleicht ist gar "Leidenschaft" das richtige Wort?


Kommen wir zur Sache, Schätzchen!

Ein Vernunftskauf? Nein, das war es fürwahr nicht.
Mitentschieden? Wenn dann nur am Rande und auch nur, weil ich so gerührt war, als die Augen meines Freundes anfingen zu strahlen, sobald wir dem Objekt der Begierde gegenüberstanden.
"Er", das ist ein Porsche Boxter, 3 Jahre ist der gute alt und bei unserem ersten Kennenlernen hatte er keine 25.000 km auf dem Buckel. Der Farbton, schwarz metallic, lässt ihn nobel nordisch kühl erscheinen. Was vielleicht auch daran liegt, dass der Boxter nicht in der Schwabenmetropole Stuttgart sondern in Finnland produziert wird. Zumindest habe ich das bei meinen zahlreichen Besuchen auf den Porschehauptversammlungen so mitgenommen.

Der Name "Boxter" ist übrigens ein Kunstwort, das sich aus der ersten Silbe des Wortes Boxer und der zweiten Silbe des Wortes Roadster zusammensetzt.

Ein Schwächling ist unser Porsche fürwahr nicht. 168 kW bzw. 228 PS nennt er sein Eigen. Da hat der Herr Porsche wohl nach dem Motto "Darfs ein bisschen mehr sein" gebastelt.
Denn wenn ich mir überlege, dass mein armer alter Fiat mit seinen 23 PS stolze 126 gefahren ist, dann stehen die 228 PS im Verhältnis zur Höchstgeschwindigkeit mit 251 k/h doch gar nicht so gut da. Doch schneller wollte ich sowieso nicht fahren, ich will mich ja nicht beklagen.

Nette Features wie Tiptronik, ABS, Alarmanlage, Lederausstattung, Leichtmetallfelgen, Sitzheizung, Klimaautomatik, 18 Zoll-Alufelgen runden das Gesamtpaket ab.
Doch wenn ich ehrlich bin, verstehe ich von all diesen Daten rein gar nichts und könnte nicht einen einzigen Vorteil auflisten, den ein 18 Zoll Reifen gegenüber einem 17-Zoll-Reifen oder gar geschweige denn der 19-Zoll-Variante gegenüber bietet.

Als wir vom Verkäufer den Schlüssel überreicht bekommen haben, fühlte ich mich leicht eingeschüchtert. "Design" das kannte ich schon von meinen Möbeln in meiner Wohnung und meiner Espressomaschine in der Küche. Aber dieses Designstück war nicht nur zum Anschauen und Putzen gedacht, das wollte auch gefahren werden. Und traute ich mir das überhaupt zu?


Technisches Geplänkel

Von 0 auf 100 schafft unser Boxter lt. seinen Kenndaten innerhalb von 7,1 Sekunden. Von 0 auf 160 benötigt er 16,4 Sekunden und von 0 auf 251 kmh wird nirgends erwähnt und ich hatte bislang noch keine Veranlassung es zu versuchen geschweige denn zu messen.

Es handelt sich um einen Mittelmotor-Roadster mit einem Sechszylinder-Porsche-Saugermotor. Was auch immer das ist, aber es ist halt so.

Sein Hubraum beträgt 2.687 cbm. Mir wäre ehrlich gesagt lieber, wenn sein Kofferraum etwas größer und der Hubraum dafür kleiner wäre, aber das ist ein anderes Thema. Unser gutes Stück ist mit einem Hinterradantrieb ausgestattet und wenn man ihn auf die Waage stellt, dann werden einem (ohne Frau Keinerwillse drinnen) 1.275 kg angezeigt. Der von Porsche publizierte angegebene Kraftstoffverbrauch beträgt 9,7 Liter/100 km. Meine Eigenerfahrung liegt mehr bei 12 Litern und das erscheint mir angesichts der Umweltdebatten als fast nicht gesellschaftsfähig.
Obwohl er solch Benzinschleuder (mind. 98 ROZ, da muss das ganz teuere für 1,409 EUR rein!) ist, versöhnen seine C02-Werte mit schlappen 233 g/km. Dadurch wird ihm die grüne Feinstaubplakette verliehen und bei Städten muss er nicht draußen bleiben wie Hunde etwa beim Spielplatzeingang.

Erwähneswert ist auch der gute Sound der Porsche-Soundanlage. Stellt euch mal Kreislers "Ich bin ein herrliches Weib-Gesang" vor bei 200 km/h. Ein Genuss!

Wer Interesse an mehr technischen Details hat, kann diese gerne hier einsehen:
http://www.porsche.com/all/media/all/boxster/987/ 01_bo_start_engine.mp3


Sind Sie sportlich? Klar, denn ich fahre einen Sportwagen!

Somit wird meine Sportlichkeit endlich auch nicht mehr in Frage gestellt. Die Gebühren für den Fitnesstudiobesuch erübrigen sich ab sofort.

Irgendwann war es soweit. Ich konnte mich nicht mehr drücken und musste die erste Alleinfahrt mit dem Boxter wagen.

So fing alles an:
http://www.porsche.com/all/media/all/boxster/987/ 01_bo_start_engine.mp3

Den Tränen nahe und die Ledersitze voller Schweiß lavierte ich den Boxter durch die feindlichen Tiefgaragenpfeiler ins Freie. Puh das Schwierigste war geschafft.

Für die Autofahrer auf der rechten Spur muss sich mein erster Kundenbesuch wohl so angehört haben:
http://www.porsche.com/all/media/all/boxster/987/ 03_bo_drive_past.mp3

Die erste Fahrt war sehr bewegend. Bislang war der Boxter ein Fahrzeug, an dem ich mich erfreute, weil es schön war zu sehen, wie mein Freund sich so sehr an dem Fahrzeug erfreute. Für mich war das Auto mehr ein Fortbewegungsmittel und auch ein klein wenig eine Last (Besitz verpflichtet). Da war auch dieses Gefühl von Respekt so viel Wert kaputtfahren zu können.
Doch wie ich dann auf meiner ersten Alleinfahrt dahinglitt, das sonore Schnurren im Hintergrund, das kurze Aufbäumens vor dem Beschleunigen in Form von Zurückschalten in Kombination mit den bewunderten Blicke der Spaziergänger auf der Straße, da platzte ich fast vor Stolz.
Ein bisschen war mir dieser Stolz auch peinlich, war ich jetzt etwa so etwas wie ein Snob? Ist Porschefahren nicht purer Hedonismus? Gehört so etwas nicht bestraft? Da würde ich gerne euere Meinung in der KS dazu hören.
Darf man dieses Auto zu Kundenbesuchen überhaupt mitnehmen, ist vor Kunden der vernünftige, tiefstapelnde Carsharing-Opel-Corsa-Leihwagen nicht viel geschickter?

Sei es wie es sei, bei dieser ersten Alleinfahrt, da habe ich mich verliebt. Ich fuhr dahin und fühlte mich wie einst mit 16 als ein Steppenwolf, der alleine durch die Welt fährt. Wir wurden eine Symbiose, wir wurden eins. Ich Steppenwolf fahre und fahre, die Welt liegt voll Schnee. Die Nacht konnte ich nicht schlafen und im Traum erschien mir immer wieder das sonore "Brumm-Brumm", wie man es hier hören kann:
http://www.porsche.com/all/media/all/boxster/987/ 02_bo_start_and_accelerate.mp3
Der Boxter und ich, wir sind uns näher gekommen.


Die Kosten

Naja, ein Schnäppchen war die Anschaffung sicher nicht. Wenn man aber bedenkt, dass die meistens gefertigten Porsche´s noch immer auf der Welt ihren Straßen unterwegs sind, dann kann man vielleicht den hohen Ankaufspreis durch geringen Werteverlust wieder wett machen.
Die KFZ-Versicherung für unser Gefährt ist zumindest unglaublich günstig. Weit unter 300 EUR für die KFZ-Versicherung, ca. 650 EUR all inclusive, d.h. Versicherung, Teil- und Vollkasko. Da hätte ich bedeutend mehr erwartet.
Die Unterhalts-/Reparaturkosten fürchte ich, da fehlen aber bislang die Erfahrungswerte. Zum Glück haben wir das Fahrzeug mit Garantie gekauft.
Teuer ist sicher der Benzinverbrauch. Etwas mehr als 12 Liter und das bei teuerem Super Plus mit mind. 98 ROZ. Da zahle ich alleine für Benzin schon fast so viel wie bisher für die Leihgebühr incl. Benzin meines bisherigen Opel Corsas. Da wir aber sicher zu den Wenigfahrern gehören, wird das nicht so sehr ins Gewicht fallen.
Kosten sind eine Sache, Fahrspaß ein anderer. Und solange Boxterfahren uns Glückgefühle als Zusatznutzen vermittelt, denken wir noch lange nicht ans Verkaufen.


Schlußwort

Drei Monate gehört der Porsche nun zu unserer kleinen Familie und langsam gewöhne ich mich dran, dass wir ab sofort zu dritt sind. Am liebsten würde ich ihn abends bei uns im Wohnzimmer parken, dann bräuchte ich kein Sofa mehr und könnte vom Boxter aus Fernsehen schauen. Und auch nachts könnte ich mal kontrollieren, ob es ihm gut geht und ob er nicht abhanden gekommen ist. Leider halten mich die 5 Stockwerke bis zum Wohnzimmer regelmäßig davon ab, denn seine 1.275 kg sind nun doch etwas viel zum Tragen.


Der Boxter als Steppenwolf

Und nun trab ich und träume von Rehen,
Trabe und träume von Hasen,
Höre den Wind in der Winternacht blasen,
Tränke mit Schnee meine brennende Kehle,
Trage dem Teufel zu meine arme Seele.

Fazit: Emotion pur!

Verarbeitung:    Verarbeitung
Zuverlässigkeit:    Zuverlässigkeit
Fahreigenschaften:    Fahreigenschaften
Ausstattung:    Ausstattung
Platzangebot:    Platzangebot