
Produkttyp: Opel Autos
Neuester Testbericht: ... als vorläufiges Ende des Autos bezeichnen (Ersatzteile sind rar und teuer) – wirklich interessant ist der Admiral B nur für Liebhaber und S... mehr
Viel Schatten - Viel Licht
Opel Admiral B

Name des Mitglieds: ranocty
Produkt:
Opel Admiral B
Datum: 04.11.04, geändert am 05.11.04 (3680 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Innen-Raum, Fahrwerk und Technik, Wertstabilität
Nachteile: Ersatzteilversorgung / Reparatur
Opel Admiral 2,8 H
Historisches:
In den 50er Jahre noch eine der meistverkauften 6-Zylinder Limousinen (Kapitän) wurde die KAD Baureihe der 60er und 70er immer mehr ins Abseits getrieben. Mag sein, es lag an ihrem zu amerikanischen Aussehen, mag sein es lag an ihren Dimensionen, mag sein, es lag simple und einfach am schlechten Image – die KAD B-Reihe, gebaut von 1969 bis 1978 war sowohl vom Innenraum als auch technisch gesehen mehr als gut – selbst Auto-Motor-Sport war Ende 1976 (also im 7ten Produktionsjahr) voll des Lobes für Fahrwerk, geräumigem Innenraum und Preis/Leistung für den damals getesteten Diplomat 2,8 E (in den letzten zwei Produktionsjahren Admiral Karosserie mit liegenden Hauptscheinwerfern).
Das Fahrwerk mit vorderer Einzelradaufhängung und hinterer DeDion-Achse (spezielle Achskonstruktion – einzeln aufgehängte Räder mit mehrfach Längs- und Querlenkern eingebunden) war der antiquierten Pendelachse von Mercedes meilenweit überlegen, und die Motoren waren zuverlässige Reihensechszylinder mit Leistung zwischen 132 PS (als 2,8 Liter Einfachvergaser) und 165 PS (später 160PS für den 2,8 Liter Einspritzer) – daneben wurde für den Diplomat als luxuriösen Überhammer ein 5,4 Liter V8 mit 230 PS angeboten – meines Wissens war der Diplomat damit 1969 die schnellste Limousine (ca. 215 km/h) auf dem deutschen Markt.
Mein Admiral:
Ein 2,8 H aus dem Jahr 1976, gekauft 1997, verkauft 1998, 6-Zylinder, 140 PS, 4-Gang Schalter, Spitze 177km/h, Beschleunigung 0-100 in etwa 12 Sekunden, Länge ca. 4,91m, Gewicht ca. 1480kg. Viel wichtiger: Ein Innenraum, für dessen Ausmaße selbst das Wort riesig neue Dimensionen erreicht: Hinterbänkler können getrost die Beine übereinanderschlagen, vorne kann man nur mit Mühe die Fensterkurbel auf der Beifahrerseite erreichen. Die Ausstattung war in meinem etwas "Karg", gerade mal ein Stereoradio, eine Anhängerkupplung, Teilleder (Stoff mit Lederseiten in Schwarz), Vinyldach, Schiebedach – das war’s... auf der Aufpreisliste standen seinerzeit auch elektrische Fensterheber, Niveauregulierung, Ledersitze, Klimaanlage, etc.
Auch die Farbe bei meinem war für heutige Verhältnisse grauselig: Gelb – Sonnengelb! Schwarzes Vinyldach, schwarze Innenausstattung.
Fahren mit dem Admiral:
Genauer sollte es „Cruisen“ mit dem Admiral heißen – weiches Fahrwerk, unproblematisch in Kurven, leider erwies sich die Hinterachse in hohem Alter als Problemfall – die Kunststoffbuchsen waren allseits ausgeschlagen und die über das Auto versteckten Schmiernippel waren vom Vorbesitzer mit Unterbodenschutz zugekleistert worden – das war auch letztendlich der Grund für den Verkauf meines Wagens.
Die Bremsleistung war eigentlich keine – bei vorderen Bremsklötzen, die auch in den VW Bus T2 mit 50PS passten, kann man keine Wunder erwarten – man sollte sich Zeit lassen – und von 100 auf 0 auch mal etwas mehr als 80 Meter - ansonsten war die Bremsanlage auf der Höhe der damaligen Technik mit belüfteten Scheiben- vorn und Trommelbremsen hinten. Der Verbrauch hielt sich erfreulicherweise in Grenzen: 12-13 Liter, auch bei forcierter Fahrweise nicht mehr als 15 Liter standen dem Dicken sehr gut (fragt mal einen Besitzer einer W116 S-Klasse).
Im Sommer halfen auch die „antiquierten“ Ausstellfenster und die „Fussraumklappen“ neben dem Schiebedach für mehr als nur angenehme Temperaturen.
Der Admiral ist die Augenfalle schlechthin – erst auf dem zweiten Blick erkennt der Laie, daß es sich nicht um einen Ami-Schlitten sondern um einen Opel handelt – auf ein Gespräch mit einem Neugierigen sollte man sich immer mal einlassen... Hin und wieder machte es auch Spaß, einen Pseudo-Gti an der Ampel stehen zu lassen – mit einem Leistungsgewicht von etwa 11 Kg pro PS kommt man auch heute noch schnell vom Fleck. Dank austauschbarer Technik haben sich einige Umbaufreaks einen modernen 3 Liter 24 V aus dem Senator/Omega eingebaut – man kann sich nur schwer vorstellen, welche Beschleunigungswerte dann auf die 1,5 Tonnen leichte Limousine zukommen (3,0i 24V: Serie 204PS).
Nachteile:
Alle alten Opel leiden meines Wissens noch immer unter einer schlechten Ersatzteilversorgung. Mercedes bietet selbst für ausgefallene Klassiker Ersatzteile ab Werk an, genauso BMW... Opel beruft sich da lediglich gerne auf seine „Tradition“, sorgt aber wenig für seine Anhänger. Motortechnisch sieht es noch gut aus, aber schon ein Auspuff kann einen nicht nur Geld, sondern auch ein paar Wochen Suche, und ein paar hundert Kilometer Fahrt kosten (selbst für ein Gebrauchtes Objekt). Guter Kontakt zu Clubs ist wichtig und notwendig. Einen Unfall mit einem Admiral kann man schon fast als vorläufiges Ende des Autos bezeichnen (Ersatzteile sind rar und teuer) – wirklich interessant ist der Admiral B nur für Liebhaber und Sammler – die Schwelle zum Oldtimer schon überschritten, ist eine Empfehlung für den Alltag nicht mehr auszusprechen – das bessere Auto ist hier der bessere Kauf. Rost an den klassischen Problempunkten sind auch hier anzutreffen und man muss dringend darauf achten, daß die Schmierstellen zugänglich und auch geschmiert wurden – ein Checkheft ist Gold wert!
Vorteile:
Robustes, technisch überschaubares Fahrzeug, mit einem heute „reinen Image“ (meinte man doch früher den Wagen im Rotlichtmilieu zuzuordnen) – hoher Fahrspaß, gelassenes Cruisen, viel Aufmerksamkeit Anderer bis hin zu neidenden Blicken, noch heute eine als komplett zu bezeichnende Ausstattung und viel, viel, viel Platz im Innenraum!
Kauftip:
Ein gut ausgestatteter 2,8 H oder 2,8 E mit Automatikgetriebe, Laufleistung bis 180000km mit wenigen Vorbesitzern (wenn jemand einen gepflegten Ersthandwagen auftreiben kann, soll er mir bescheid sagen J) – preislich sollte man sich mit einem Betrag jenseits von 5000 Euro anfreunden – für einen Diplomat V8 sollte man sich zudem noch ein bisschen Mehr zurücklegen – auch wegen der immensen Unterhaltkosten (20 Liter Sprit sind nicht untertrieben).
Fazit:
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