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Produkttyp: Mercedes-Benz Autos
Neuester Testbericht: ... deutliche Vorteile, da man dort die Sitze platzsparend und flach im Kofferraumboden versenken kann. Darüber hinaus ist die Montage der hin... mehr
Insgesamt enttäuschend
Mercedes-Benz Vaneo

Name des Mitglieds: tham
Produkt:
Mercedes-Benz Vaneo
Datum: 07.01.03, geändert am 07.01.03 (3117 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Viel Platz, Umfassende Sicherheitsausstattung
Nachteile: Hoher Preis, Schlechte Verarbeitung, Schlechter Fahrkomfort
Acht Monate hatten meine Frau und ich das zweifelhafte Vergnügen, einen Mercedes Vaneo zu fahren. Aufgrund des Image von Mercedes als Qualitäts-Autohersteller entschlossen wir uns im Herbst 2001 (vor der Markteinführung), den Vaneo ohne vorherige Probefahrt aus dem Prospekt zu bestellen - ein Fehler, den wir heute nicht mehr begehen würden.
Bekannt sind die hohen Preise, insbesondere für die mangels Basisausstattung zahlreichen Extras. Kein Witz: Wer ein Reserverad statt elektrischer Luftpumpe und Klebetube will, muss 26 Euro extra bezahlen. Auch die Funk-Zentralverriegelung, selbst bei den meisten Kleinwagen inzwischen Basisausstattung, kostet beim Vaneo heftige 230 Euo Aufpreis.
Wir trösteten uns damit, als Gegenleistung ein qualitativ hochwertiges Fahrzeug zu erhalten. Das war ein Trugschluss.
Bei der um 8 Wochen verspäteten Auslieferung wurde der Wagen ohne das bestellte Trenn-Netz geliefert. Begründung: Weil wir den Vaneo als 7-Sitzer bestellt hatten, waren im Kofferraum oben Haltegriffe angebracht. Diese zu entfernen und dafür eine Halterung für das Netz anzubringen, sei nicht möglich, wurde uns nach der Reklamation vom Hersteller beschieden. Die Folge: Der Kofferraum ist aus Sicherheitsgründen nicht bis zum Dach nutzbar, damit hat der Vaneo gegenüber z.B. einem Peugeot 307 SW, einem Opel Zafira oder ähnlichen Kombis und Kompaktvans keinen effektiven Raumvorteil!
Dazu kommen Konstruktions- und Verarbeitungsmängel. Hier unsere persönliche Mängelliste:
- Auf der Rücksitzbank sind die Gurtschlösser zu tief eingelassen und überdies beweglich, so dass das Anschnallen von drei Kindern mit Kindersitz zur 10-minütigen fingerbrechenden Tortur wird.
- Die Gasfedern der Kofferraumklappe haben so viel Druck, dass Mann/Frau beim Öffnen des Kofferraums rasch zurückspringen muss, um einen Kinnhaken zu vermeiden. Beim Schließen wiederum ist ein mittlerer Liegestütz nötig.
- Koffer- und Fahrgastraum sind mit billigem
Nadelfilz ausgekleidet. Jeder Brösel hängt darin wie eine Klette fest, so dass statt Staubsaugen mühseliges Staub-Herausklauben angesagt ist
- Die "kinderleicht ein- und auszubauenden" Sitze sind so schwer, dass der Umbau vom 5- zum 7-Sitzer lediglich für einen kistenschleppengewöhnten Handwerker problemlos machbar ist.
- Der koreanische Eindruck des vielen billigen Hartplastik im Armaturenbrett wäre noch zu verkraften, wenn sich nicht das Handschuhfach dank eines joghurtbecherstarken Plastik-Verschlüsschens bei der Fahrt durch ein Schlagloch von selbst öffnen würde. Auch im Kofferaum löste sich dank mickriger Steckverbindung die seitliche Kunststoffablage schon beim geringsten Vorbeistreifen mit der Reisetasche.
- Der Fahrkomfort entspricht dem eines Armeelasters, ebenso wie die unserem Eindruck nach eher virtuell vorhandene Servolenkung. Nach einer längeren Fahrt auf nicht ganz ebenen Straßen sind die Insassen reif für die Rückenmassage, dafür spart man sich nach dem Einparken dank wohltrainierter Armmuskeln den Besuch im Fitnessstudio.
- Trotz der kompakten Außenmaße ist der Vaneo unübersichtlich, so dass Einparken nur mit Einparkhilfe oder nach Gehör möglich ist.
- Echte Sicherheitsrisiken sind die immense Seitenwindempfindlichkeit und die schwachen Bremsen, die bei einem Bremsmanöver im vollgepackten Zustand auf der Autobahn für eine unvergessene Schrecksekunde gesorgt haben. Außerdem reagiert der Vaneo mit "Schwimmgefühl" auf Spurrillen.
- Die Motorisierung ist in der von uns gefahrenen mittleren Version mit 102 PS nicht gerade rühmlich, dazu kommen hohe Verbrauchswerte - bei Kurzstrecken rund 11 Liter pro 100 km.
- In den 8 Monaten mussten wir 5 Mal in die Werkstatt. Die Gründe: Rückrufaktion (Doppelbesuch, weil das Teil trotz Voranmeldung nicht vorrätig war), ein Mal
wegen einer sich lösenden Schiebedach-Dichtung, ein durchgebrochener Blindschalter (das komplette Armaturenbrett ist übrigens witziger
weise von einer Fiat-Tochtergesellschaft...), ein falsch montierter Hebel am Beifahrersitz. Zwar eher Kleinigkeiten, aber trotzdem zeitraubend und ärgerlich.
- Die Türdichtungen an den Schiebetüren sind so montiert, dass Kinder beim Einsteigen praktisch darauftreten müssen. Dadurch werden sie schon nach ein paar Wochen aus der Halterung gerissen und verformt, so dass der Käufer eigentlich schon bei der Auslieferung einen Gutschein für die halbjährliche Erneuerung dieser Teile erhalten sollte. A propos Schiebetüren: Wenn der Vaneo leicht bergab geparkt wird, löst sich die schwere Tür manchmal unvermittelt aus ihrer Arretierung und wird beim Herausnehmen des Kleinkindes zur Guillotine.
- Die Mobilitätsgarantie (bei Garantiereparaturen Abholen und Bringen des Autos inkl. kostenloser Ersatzwagen) durchzusetzen erforderte beim Händler einen regelrechten Verhandlungsmarathon. Erst als ich ihm die Pflichten aus dem Verkaufsprospekt vorlas, funktionierte dieser Service.
Mittlerweile haben sich die Probleme wohl schon herumgesprochen, denn als wir uns angesichts dieser Erfahrungen von dem Vaneo trennten, gelang der Verkauf nur nach heftigstem Wertverlust.
Fazit: Der hohe Preis des Vaneo ist angesichts der dürftigen Verarbeitungsqualität in keinster Weise gerechtfertigt. Von unseren bisherigen Autos (Renault 9, Renault 19, Volvo V 40) war der Vaneo zumindest angesichts des Kaufpreises mit Abstand das schlechteste. Die Qualität etwa eines Volvo (vor allem im Innenraum) scheint für Mercedes in dieser Klasse unerreichbar zu sein. Inzwischen fahren wir einen (deutlich günstigeren und besser ausgestatteten) Peugeot 307 SW, der uns vor allem in Sachen Fahrkomfort und beim Einparken wesentlich mehr Freude macht. Dessen Qualität erscheint nach dem Eindruck der ersten beiden Wochen gut, lässt sich aber jetzt noch nicht endgültig einstufen.
Fazit:
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