Mercedes-Benz SLK 350
besser als Sex (manchmal) - Mercedes-Benz SLK 350 Auto

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Produkttyp: Mercedes-Benz Autos

Neuester Testbericht: ... zum Auto sowie eine Fülle von Testberichten der Fachpresse und Erfahrungsberichte von unzähligen Eignern abrufbar. Nachsatz: U... mehr

besser als Sex (manchmal)
Mercedes-Benz SLK 350

herbb

Name des Mitglieds: herbb

Produkt:

Mercedes-Benz SLK 350

Datum: 22.02.08

Bewertung:

Vorteile: spritziges Metalldachcabrio

Nachteile: teure Anschaffung

Besser als Sex (manchmal)
Mit diesem Aufmacher schmückte sich die Titelseite einer Ausgabe der österreichischen "Autorevue" - eine monatliche erscheinende Publikation, die sich mit philosophischen Gedanken über das Fahren und einer ordentlichen Portion schrägen Humors wohltuend anders als die üblichen knochentrockenen Fachmagazine präsentiert.

Objekt des Schreibers Begierde war ein Coupé-Cabriolet von Mercedes-Benz mit einem sogenannten Variodach aus Metall - eben der brandneue SLK 350 (R 171).
Ich habe dieses Auto, nachdem ich mich fast schon für einen bayrischen Z4 entschieden hatte, im November 2003 "blind" bestellt, d.h. vorreserviert, weil die eigentliche Bestellung erst ab Anfang 2004 möglich war.

Warum ich das tat? Nun, wenn man sich die Wartezeiten von über zwei Jahren beim Vormodell R 170 in Erinnerung ruft, wird man diesen Schritt verstehen, trotzdem musste ich noch immer mehr als sieben Monate darauf warten und die letzten Wochen wurden zur Qual, da der Sommer sich schon dem Ende zuneigte, aber Ende August 2004 war es dann endlich soweit.
Die Sonne strahlte auf den metallisch roten Lack, der sich bernsteinrot nennt, und ich konnte es kaum erwarten, mit der Fernbedienung das Dach zu öffnen und vom Hof des Händlers zu fahren, die sonst übliche Einweisung ersparte ich mir durch selbst erworbene Kenntnisse im Vorausstudium per Online-Bedienungsanleitung.

Die erste Ausfahrt wollte ich auf meiner üblichen Teststrecke am Wiener Kahlenberg unternehmen, fuhr dann jedoch wie in Trance durch die inneren Bezirke Wiens, holte meine Frau ab, verließ Wien Richtung Osten und bummelte mit gemächlichen 70 kmh auf kaum befahrenen Landstraßen dahin, spielte mit der Navigation, indem ich ein Ziel eingab, das dann aber auf anderem Weg anpeilte, das GPS ließ sich nicht täuschen und berechnete sofort die neue Route mit den veränderten Koordinaten, mein liebend Weib war sichtlich "impressed" und auch erleichtert, zumal sie von mir schon des Öfteren bei krassen Navigationsfehlern mit üblichem Kartenmaterial gescholten wurde.
Einschub: Erfahrungen im spanischen Ausland haben gezeigt, dass in manchen abgelegenen Gegenden zuwenig Details in die digitale Kartendarstellung eingearbeitet wurden, daher ist neuestes Druck-Material unterstützend hilfreich. Die Software von NavTec erfährt alljährlich ein Update, der Preis von DB liegt allerdings über der Euro 200 Marke, bei Ebay lassen sich ein paar Scheine sparen.

In meiner Euphorie beim Offenfahren - dieses Cabrio war in 35 Jahren Autobesitzes mein erstes überhaupt - hätte ich bald den Tank leergefahren, denn es ist ja bei den Händlern üblich, gerade einmal ein paar Liter in den Tank von Neuwagen zu füllen, letztendlich rannen fast 65 Liter Eurosuper durch den Stutzen bis der Zapfhahn abschnappte. Der Verbrauch bei dieser Bummelfahrt lag unter 10 Litern, ein angenehmes Faktum, weil man ja beim jetzt neu bestellten 2+2 Sitzer mit 8 Zylindern selten weniger als 12 Liter Verbrauch registrieren wird.
Genug des Schwelgens über die ersten Fahrerlebnisse, die Fragen wie "Was kann er? Wie geht er? Welche Macken treten auf? Was kostet das Ding?" harren der Beantwortung. Auf Fragen nach Wirtschaftlichkeit, Ladevolumen, Versicherungsklasse und detaillierte Unterhaltskosten gehe ich nicht ein, denn sie stellen sich bei diesem Auto (das so "nötig wie ein Kropf" ist wie wir in Österreich sagen) meiner Meinung nach nicht.

Das schon erwähnte liebend Weib - beruflich ein Leben lang Sklavin von Buchhaltungs- und Kostenrechnungszahlen gewesen - stand natürlich dieser teuren Anschaffung (D: Euro 43k, A: Euro 52k, aber nackt!) Natur gemäß skeptisch und ablehnend gegenüber, aber sie hatte im Grunde keine Chance, da ich voraus schauend ihrem iberischen Immobilienprojekt zugestimmt hatte und sie daher beim Projekt "Rentenspielzeug" bar jeden Einspruchsrechts war ;-)
Diese Situation nützte ich skrupellos aus, indem ich die Sonderausstattungsliste rauf und runter orderte - lediglich die bei der eingeschränkten Sicht empfehlenswerte Einparkhilfe habe ich vergessen -, wer will schon in einem bei Mercedes üblichen Nacktmodell zum Grundpreis herumkurven.....ergo: als Saldo standen da unten Euro 67k, drei heiße Rabattprozente gingen davon ab und als Drüberstreuer gab es edle Fußmatten.

Das hört sich ja nicht gerade nach extrem harten Preisverhandlungen an, die waren aber ohnehin obsolet, da diverse Händlerbesuche die Erkenntnis brachten, dass der Generalimporteur all seine Händler auf die 3% eingeschworen hatte (übrigens: in D war in der Hitze der ersten Bestellwochen so mancher mit 0% Rabatt von dannen gezogen, weil er so besonders geil aufs neue Modell war).
*****
Einschub für Technikfreaks

zweisitziges 3,5 l Sechszylinder Cabrio mit Variodach
200 KW (272 PS)
Beschleunigung 0-100 in 5,9 sec (6,1 manuell)
Höchstgeschwindigkeit 250 kmh (abgeregelt)
7-Gang Automatik (spart nicht nur Sprit sondern in A auch einen NoVA Prozentpunkt!)
Mischbereifung 225/45/ZR17 vorn und 245/40/ZR17 hinten
COMAND Navigation mit Europa DVD, der Player dazu befindet sich im Kofferraum, sodass gleichzeitig Musik CDs oder DVDs oder MP3 gehört werden können. Film DVDs werden beim Fahren ausgeblendet.
Klimaautomatik
Sportfahrwerk
Bi-Xenon Scheinwerfer
Ledersitze
Parameterlenkung (passt sich Geschwindigkeit automatisch an)
Und noch einige weitere Goodies wie Regensensor, Sitzmemory, Dachfernbedienung, Diebstahlssicherung und nicht zuletzt die technische Weltneuheit namens Airscarf, einem Warmluftgebläse im Nackenbereich, das das Offenfahren auch bei kühleren Temperaturen ermöglicht.
*****

Inzwischen ist die Einfahrphase lang vorbei, womit die Drehzahlen beim Beschleunigen schon die 4500 rpm überschreiten dürfen, die brandneue 6-Zylinder Maschine macht Freude, für den sonoren Klang und das Auspuffgeräusch bemühte man sogar eigene Sound-Techniker!
Der Motor hängt sehr gut am Gas, wirkt erst im Bereich der 6000er Marke unangenehm und im Zusammenspiel mit der revolutionären 7-Gang Automatik, die beim Hoch- und Runterschalten auch Gänge überspringt, werden überaus sportliche Fahrleistungen geboten. Übliche Probleme eines Automaten beim Bergfahren sind nicht vorhanden, ein erfreuliches Faktum im Vergleich zum "unbeholfenen" Siebener, man kann sich also die Wipptasten am Lenkrad für manuelle Eingriffe in den "Powertrain" sparen...
Erstaunlich die Mühelosigkeit, mit der man im Nu 100 kmh (!) schneller ist als das erlaubte Limit, auf einer absolut einsamen Autobahn zwischen der Extremadura und Lissabon "wollte ich es aber wissen": 259 lautet die magische Ziffer, bei der meiner abregelt, ein Tempo, das widersprüchliche Gefühle erweckt.

Bei entsprechender Sorglosigkeit ist der Lappen dann wohl für einige Zeit unter Verschluss...
Das Fahrwerk ist sportlich straff, Bandscheibengeschädigte werden wohl jeden Kanaldeckel umkurven müssen, es lässt aber durch wenig Seitenneigung angenehmes Kurvenfahren mit GoKart-Feeling zu, wovon man bisher nur zu träumen wagte. Die Bremsscheiben sind gelocht, die Anlage packt gnadenlos zu wenn nötig.

Serienmäßig sind 17 Zoll Alu-Räder mit Pirelli Zero Rosso in der Dimension 225 vorn und 245 hinten montiert, die hinteren Reifen waren bei 27k Kilometern hinüber und wurden durch Dunlop SP Sport Maxx (je Stück Euro 188, Montage inkl.) ersetzt, die vorderen haben noch gut 5 mm Profil.
Dass ein Cabrio mit sich in den Kofferraum faltendem Metalldach (die Show dauert 22 Sekunden) ein geringes Ladevolumen hat ist als gegeben hinzunehmen, im Zubehörhandel gibt es bereits Millimeter genau angepasste Bordcases, die den vorhandenen Raum (offen 200, zu 300 Liter) optimal nutzen. Durch Verzicht aufs Ersatzrad und der Bestellung der Alternative "Tirefit", einem Notreparatursystem, lassen sich noch zwei zusätzliche Aktenköfferchen verstauen.

Ein Lapsus, den ich den Erbsenzählern anlaste, ist die am hinteren linken Kotflügel montierte Billigststabantenne, die eines Fahrzeugs dieser Preisklasse einfach unwürdig ist, noch dazu muss man sie bei jedem Waschstraßenbesuch demontieren. Die SL Antenne wäre viel schöner, allerdings entfällt bei dem Stummel jeglicher Radioempfang. Wie man hört arbeiten Techniker bereits an einer neuen Lösung, die aber auch nur vorsieht, die Kombiantenne für Funk und Radio zu teilen und letztere aufwändig in die vordere Stoßstange zu verlagern. Eine neue, nur 19 cm lange Kurzantenne wird es erst beim Facelift im März 2008 geben.
Wenn ich schon am Kritisieren bin frage ich mich, was den für die Plastiklandschaft im Innenraum Verantwortlichen bei der Materialauswahl eingefallen ist. Wenn man nämlich den schwarzen Kunststoff am Armaturenträger oder im Türbereich mit bloßen Fingern berührt, macht das hässliche weiße Flecken, die nur mit Mikrofasertüchern wieder zu beseitigen sind! (Besonders originell die werksseitige "Lösung": ab sofort wird bei der Auslieferung gratis solch ein Microfasertuch gereicht!). Die neuesten Modelljahrgänge besitzen bereits ein Material, das nicht so empfindlich ist.

Weiters ist der Strumpfüberzug von einem Windschott ein Armutszeugnis, dessen brüchige Befestigung schlicht skandalös. Eine Acrylvariante ist jetzt endlich erhältlich, allerdings als saftiges Extra für fast Euro 300.
Dieses Originalschott von DC scheint die effizienteste Lösung zu sein, man muss aber leider mit einem Manko leben, nämlich dass sich bei Nachtfahrten Instrumente und Navi-Schirm darin spiegeln :-(

Erfreulich ist umso mehr die Tatsache, dass die SLK Endabnahme in Bremen besonders engagiert zu Werke gehen dürfte, bisher klappert nichts, in der Waschstrasse ist alles dicht, die Bedienelemente funktionieren klaglos und bestärken das Gefühl, ein hochwertiges Fahrzeug zu lenken.
Eine kürzliche Rückfrage ergab auch, dass bei meinem Modell derzeit keine geheimen Aktionen im Rahmen eines Service wg. Nacharbeiten an der Dachmechanik oder einem Stoßdämpferaustausch vorgesehen sind. Da aber im Moment kaum ein Hersteller vor solchen Rückholaktionen gefeit ist, rechnete auch ich stets mit dem ominösen Brieflein, habe aber zum Glück nie eines erhalten....

Eine aesthetische Verbesserung stellte das Ueberkleben der Serienschuerze mit einer neuen Frontspoilerlippe in Wagenfarbe (www.piecha.com) dar, diese Lösung war zu einem Viertel des Preises einer offiziellen Niederlassung zu bekommen und sah zwar optisch gut aus, die "Tieferlegung" um weitere zwei Zentimeter zwang mich aber zum Rückwärtsfahren in die Garage :-(

Ein paar laestige Kratzer an den Stoßstangen - wg. der Unuebersichtlichkeit beim Rangieren - haette ich wie erwähnt mit der Anschaffung einer Park-Distance-Control vermeiden koennen.

Nach 11 Monaten (17T km, die ich mit dem Dickschiff sonst in 18 Monaten abspulte) ist die Freude am bernsteinroten Flitzer ungetrübt, er hat mich großteils durch die Iberische Halbinsel getragen und mit lediglich zwei kleinen Elektronik-Störungen (Fehlanzeigen des Bordcomputers) kaum genervt.
Update 13.7.05: der Fahrersitz bekam einen komplett neuen Unterbau und neues Leder wg. einer Scheuerstelle. (Garantiearbeiten).

Update 22.3.06: bei 22T km laeuft das "Werkel" weiter hervorragend, eine neue Navi-Software erwies sich als ungemein brauchbar, inzwischen wurde die Erfassung der GPS-Daten auch auf Staaten wie Griechenland, Tschechien, Slowakei und Ungarn erweitert. Laut Bordcomputer habe ich meinen ersten Servicetermin auf 26T km "ausgedehnt" bekommen, musste wohl an meiner schonenden Fahrweise liegen ;-)
Update 2.5.06: dieses erste Service bei Km-Stand 26T kostete ca. Euro 500, davon fielen 170 Euro auf die Arbeitszeit, der Rest bestand aus neuer Bremsflüssigkeit, 3 Filtern und 8 Litern hochwertigen Öls.

Update 28.5.06: bei einem wg. Steinschlags erfolgten Tausch der Windschutzscheibe "vergisst" die Werkstatt, den notwendigen neuen Regensensor miteinzubauen, der Ärger über die dadurch erforderliche "Handbedienung" des Intervallschalters war dementsprechend....
Das lästige Haltenmüssen des Druckknopfs bei der Dachöffnung fällt nun weg, ein Komfortmodul, das am CAN-Bus in 20 Minuten installierbar ist, ermöglicht nun eine Fernbedienung, die diesen Namen auch verdient. Dieses Gimmick von MSpeed lässt jetzt auch ein Öffnen während der Fahrt zu, das Limit ist dabei bis 50 kmh programmierbar. (Kosten mit Einbau Euro 320).

Update 19.11.06:
still going strong ;-)
musste nur aufpassen (und abklemmen), wenn ich das Fahrzeug laengere Zeit abstellte, das Modul frass naemlich im Standby ordentlich Strom

Letztes Update 07/07/07 (wg. Neuwagenkaufs): bei Km Stand von 42T scheint das Auto seine besten Jahre vor sich zu haben, es klappert und knarzt nichts, wer noch halbwegs gute Bandscheiben hat, wird trotz der Härte des Sportfahrwerks ein Offenfahren genießen, das in dieser Klasse unerreicht ist, siehe Vergleichstests der Fachpresse mit Nissan 350Z, Porsche Boxster, etc...
Der overall Spritverbrauch des Sechszylinders ist mit 10,5 Litern o.k., beim Bummeln auf andalusischen Küstenstraßen kommt man durchaus mit 9 Litern aus.

Der Wertverlust ist im Gegensatz zum Vorgänger sehr groß, nach knapp drei Jahren bieten die österreichischen Händler maximal Euro 30k. (Zur Erinnerung: NP mit vielen Extras Euro 67k)
Nun nichts wie los in die Schauräume oder besser zuerst online auf www.mercedes-benz.de seinen Traum SLK konfigurieren und dann eine ausgiebige Probefahrt absolvieren.

Eine Fülle von Detailinfos finden sich auch auf der Fan-Seite www.mbslk.de, dort sind unter dem Link R171 akribisch zusammengestellte Informationen zum Auto sowie eine Fülle von Testberichten der Fachpresse und Erfahrungsberichte von unzähligen Eignern abrufbar.

Nachsatz:
Um zur Beurteilung der anfangs gestellten Behauptung bezüglich der Qualität des Sex zurückzukehren, müsste ich wissen, wie jener des Schreibers aussieht, der dort einräumt, dass der SLK 350 "manchmal" bessere Performance biete. Für mich selbst verneine ich diese Frage, denn was kann schon besser sein als guter Sex, der SLK ist es sicher nicht, aber ob ein SLR oder Scaglietti nicht doch.....

Fazit: siehe Ueberschrift

Verarbeitung:    
Zuverlässigkeit:    
Fahreigenschaften:    
Ausstattung:    
Platzangebot: