
Produkttyp: Mazda Autos
Neuester Testbericht: ... absolviert. Und ich denke dass ich noch lange Freude an ihm haben werde. Motor ist top, nur etwas zu hoher Spritverbrauch. ca. 12-15 Liter... mehr
Alltagstauglicher Sportler
Mazda RX-8 141 KW

Name des Mitglieds: Tomato
Produkt:
Mazda RX-8 141 KW
Datum: 02.07.08
Bewertung:
Vorteile: Fahrspass, Optik, Einzigartig
Nachteile: der Durst...
In Zeiten der Ölknappheit ist die Anzahl der Fahrer, die bereit sind ein Auto mit hohem Verbrauch zu kaufen deutlich gesunken. Meistens haben diese Fahrer dann auch einen entsprechend dicken Geldbeutel, sind also das Klientel von Porsche oder Ferrari.
Mazda hingegen hat den Schritt gewagt und einen "Schlucker" für die weniger betuchte Kundschaft auf den Markt geworfen. Um es vorweg zu nehmen: Der realistische Verbrauch ist - je nach Fahrweise - zwischen 11 und 13 Litern anzusiedeln. Bei ruhiger Fahrweise - etwa langen Autobahnfahrten im Bereich der Richtgeschwindigkeit ist aber auch ein Verbräuch von unter 10 Litern möglich.
Doch zugegeben: Es ist nicht wirklich einfach mit diesem Wagen "vernünftig" zu fahren. Bereits der "kleine" RX-8 mit seinen 141KW, bzw. 192 PS hat einen Drehzahlbereich bis knapp an die 8000 Umdrehungen. Und es macht einen Heidenspass den Drehzahlbereich auszunutzen.
Doch zunächst will ich das Herz des Autos beleuchten, dass für diese Drehzahlorgien verantwortlich ist: Es handelt sich um einen Wankelmotor. Im Gegensatz zum üblicherweise verbauten Hubkolbenmotor wird der Kreiskolben in einer kontinuierlichen Drehbewegung angetrieben. Wie der Hubkolbenmotor arbeitet auch der Wankelmotor nach dem Viertaktprinzip. Geistiger Vater des Wankelmotors ist Felix Wankel, der wohl berühmteste Vertreter der NSU Ro80.
Derzeit baut nur Mazda (wirtschaftlich Erfolgreich) noch Fahrzeuge mit Wankelmotor. Während der Vorgänger RX-7 preislich jedoch noch in Konkurrenz zu Porsche und Co. aufgestellt war ist der RX-8 preislich im Mittelklassesegment angesiedelt:
Realistische Neuwagenpreise liegen bei ca. 30.000 EUR in der Topausgestatteten Variante. Ein richtiges Schnäppchen kann
man machen, wenn man einen Gebrauchtwagen kauft. Wie bei Sportwagen üblich ist der Werteverlust in den ersten Jahren gewaltig:
Ein guter zwei Jahre alter Gebrauchter kann bereits für deutlich unter 20.000 Euro erstanden werden.
Auch wenn Mazda den RX-8 nicht als Sportwagen, sondern als Sportcoupé verkauft: Die Sportgene überwiegen doch deutlich.
Neben der bereits genannten Drehfreudigkeit führen das relativ geringe Gewicht und die fast gleichmäßige Gewichtsverteilung
zu einer echten Spaßmaschine. Die möglichen Kurvengeschwindigkeiten sind (bei trockener Fahrbahn) fast schon abartig zu nennen, die Bremsen greifen knackig zu und die Beschleunigung im oberen Drehzahlbereich macht süchtig.
Im unteren Drehzahlband kommt der RX-8 etwas schmalbrüstig daher, doch da hält man sich ohnehin nicht lange auf, wenn man sich erst einmal an den Wagen gewöhnt hat. Eher schon hört man das "Piep" aus dem Bordcomputer, welches den Fahrer daran erinnern soll hochzuschalten. Kein Wunder: Der RX-8 beschleunigt derart gleichmäßig forsch, das man schlicht nicht das Gefühl hat, die Drehzahlgrenze zu erreichen. Wer das "Piep" ignoriert bekommt allerdings den Begrenzer in Form eines gefühlten Hammerschlags in den Rücken zu spüren.
Der mit einem Kammervolumen von 1,3 Litern (merke: Hubraum gibt es beim Wankelmotor nicht) garadezu mickrige Motor ist aber nicht die einzige Besonderheit am RX-8. Da ist zum einen die runde Form mir den erhöhten Radkästen. Sicher: Über Design lässt sich streiten, aber ich habe mich auf Anhieb in diesen Wagen verliebt.
Bei Liebe setzt ja bekanntlich das Hirn aus und so habe ich den bereits erwähnten Verbrauch ignoriert und stattdessen die hinteren Selbstmördertüren bewundert. Diese öffnen sich "falsch herum" und machen Platz für die hinteren Passagiere. Was zuvor wie ein Zweisitzer wirkte entpuppt sich dem (oft vorhandenem) staunenden Publikum urplötzlich als Viersitzer. Es ist in der Tat ein besonderes Erlebnis durch das Auto komplett ohne B-Säule zu schauen.
Zugegeben: Die hinteren Plätze sind nichts für Riesen, aber deutlich besser als so manche "Pseudositze" wie etwa im TT.
Wer aber die korrekte Länge besitzt, kann es auch hinten sehr bequem einige 100km aushalten - wenn er denn keine
Platzangst hat. Da die hinteren "Selbstmördertüren" von den vorderen Türen arretiert sind können diese nicht von Innen
geöffnet werden. Die extrem kleinen Fenster tun ein Übriges zum "Ich komm hier nie wieder lebend raus" - Gefühl. Eine
sportliche Fahrweise kann das dann natürlich noch verschlimmern.
Vorne hingegen haben auch sehr lange Fahrer und Beifahrer Platz. Das Fahrwerk ist im übrigen sportlich aber nicht
zu hart, so dass auch lange Autobahnetappen angenehm zu bewältigen sind. Die Sitze sind bequem und bieten einen
hervorragenden Seitenhalt. Für heiße Tage gibt es eine Klimaautomatik serienmäßig an Bord, die überdies noch mit einem
hervorragenden Pollenfilter ausgestattet ist. Für Allergiker wie mich ein wahrer Segen.
Zudem ist der RX-8 recht alltags tauglich. Es gibt sogar eine Anhängerkupplung im Zubehörprogramm. Der Kofferraum fasst fünf Kisten Bier und auch ein paar IKEA-Schränke musste mein Wagen schon (im Innenraum) transportieren. Auch ein kompletter Norwegenurlaub mit viel Gepäck stehen auf der Habenseite. Von einem Kombi ist der Wagen natürlich doch recht weit entfernt, die Geländegängigkeit ist auch eher begrenzt, wie ich leidvoll auf einem Campingplatz mit versteckten Baumstümpfen erfahren musste. Auf Norwegens Strassen mit 80km/h Geschwindigkeitsbeschränkung leistete sich der Wagen im Übrigen nur ca. 8 Liter auf 100 km/h.
Alte Kinderkrankheiten wie vom RO80 bekannt des Motors hat der moderne "Renesis" Wankelmotor nicht. Der Ölverbrauch ist nicht deutlich höher als bei einem Hubkolbenmotor, an Reparaturen gab es bisher nur ein paar ärgerliche Roststellen, die auf Garantie getauscht wurden und ein neuer Satz Zündkerzen. In den USA bietet Mazda bereits eine 8-jahres-Garantie auf den Motor, ob Europa in einen ähnlichen Genuss kommen wird ist noch unklar.
An Unterhalt kommt neben den hohen Spritkosten noch eine relativ teure Versicherung, dafür aber eine sehr günstige Steuereinstufung hinzu. (Der Wankel wird wie ein LKW - nach Gewicht - besteuert). Ein ebenfalls nicht unerheblicher Kosten sind die recht teuren 18-Zoll reifen, die sich bei schneller Fahrweise des Hecktrieblers schnell abnutzen.
Fehlen zum Abschluss noch ein paar technische Daten:
(Werksangaben)
max. Drehmoment: 220Nm (bei 5000 U/min)
Vmax: 223 km/h
0-100 km/h: 7,2s
Leergewicht: ca. 1400 kg
Was bleibt also unterm Strich? Der RX-8 ist ein alltags taugliches Spassmobil mit Gänsehautgarantie für Individualisten. Sämtliche Ängste in Sachen Haltbarkeit haben sich als unbegründet herausgestellt, allerdings will der Wagen pfleglich behandelt werden: Regelmäßige Wartungen und Kontrollen sind also Pflicht.
Wären da nicht die hohen Spritkosten und die damit verbundene schlechte Ökobilanz wäre es das perfekte Auto. Andererseits bin ich auch relativ froh ein Auto zu fahren, das nicht jeder fährt.
Es war eben schon immer etwas teurer einen besonderen Geschmack zu haben. Auch nach 50.000km "wankeln" würde ich kein anderes Auto mehr kaufen. Und wenn, dann nur einen Wagen mit Wankelmotor.
Ja, dieser Bericht klingt fast wie eine Liebeserklärung, aber wenn die Liebe auch nach Jahren noch so frisch ist, ist das Lob verdient... :)
Fazit: Nie wieder ein "normales" Auto
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