Lancia Y 1.1
Edler Flitzer für kleines Geld: Lancia Y10 selectronic - Lancia Y 1.1 Auto

Produkttyp: Lancia Autos

Neuester Testbericht: ... lang) Relativ günstiger Verbrauch (6-7 Liter) Mit original Sportfahrwerk und 175er-Reifen (Serie: 135er!) sehr gute Strassenlage, sehr ... mehr

Edler Flitzer für kleines Geld: Lancia Y10 selectronic
Lancia Y 1.1

ventimiglia

Name des Mitglieds: ventimiglia

Produkt:

Lancia Y 1.1

Datum: 09.06.04, geändert am 11.06.04 (791 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: edle Ausstattung, niedriger Anschaffungspreis, spritziges Fahrverhalten

Nachteile: etwas zu harte Federung, lautes Fahrgeräusch auf der Autobahn

Edle Ausstattung, niedriger Anschaffungspreis, günstige Unterhaltskosten – wohl zu Unrecht ist der Lancia Y10 auf deutschen Straßen selten anzutreffen. Ein noch viel rarerer Exot ist der „selectronic“, die Version des Y10 mit stufenlosen Automatikgetriebe, die ich die Ehre hatte, vor ein paar Tagen fahren zu dürfen. Mein Freund Mauro konnte seinen Besitzerstolz einfach nicht für sich behalten und musste mich einfach mal Probe fahren lassen. Er wusste ja, dass er bei mir als eingefleischtem Lancia-Fahrer mit seinem gerade erst erstandenen Wagen ganz sicher Begeisterung auslösen würde, während die meisten seiner Bekannten, die eher auf PS-starke Autos deutscher Produktion schwören, nur müde abgewinkt hatten.

KLEIN, ABER FEIN

Mauros Y10 ist von 1996, sieht aber wie aus dem Ei gepellt aus, schließlich hatte er jahrelang in der Garage einer reichen, älteren „signora“ gestanden. Kein Wunder also, dass Mauros Y10 mit lächerlichen 40.000 km Laufleistung innen wie außen immer noch eine Augenweide ist. Anders als bei deutschen Autos Mitte der 90er Jahre regiert auf dem Armaturenbrett kein billiges Plastik, sondern gediegenes blaues Alcantara-Leder. Das gleiche Leder findet man denn auch auf den Sitzen wieder. Mauros Y10 verfügt außerdem über zwei Sonderausstattungen, die den edlen Charakter der Inneneinrichtung auch nach außen widerspiegeln: Eine etwas exzentrische, aber dennoch schick aussehende violette Metallic-Karosserielackierung und Leichtmetallfelgen auf 155er Reifen. Die breiteren Pneus kommen nicht nur der Optik, sondern auch der Fahrstabilität des Lancia-Winzlings entgegen.

KANTIGE KAROSSERIE

Die Karosserie gefällt durch ihre klare, kastenartige Linienführung. Fast kerzengerade schließt die Heckklappe, die im Gegensatz zum Rest der Karosserie nicht aus lackiertem Blech, sondern schwarzem Spezialplastik besteht, die Linienführung ab. Dadurch wird auch auf der kurzen Fahrzeuglänge von 3,43 m eine ideale Raumökonomie erzielt. Auf den Vorderplätzen fühlt man sich bis etwa 1,95 m Körpergroße wohl und auf den hinteren Sitzplätzen haben Menschen bis 1,85 m ein für Kurzstrecken erträgliches Raumgefühl. Die in der hintersten Stellung sehr knapp bemessene Beinfreiheit der Hinterleute kann erweitert werden, indem die Vorderleute mit ihren Sitzen ein wenig nach vorne rutschen.

COCKPIT MIT SINNVOLLEN DETAILS

Das Cockpit des kleinen Italieners lässt nur den Wunsch nach einem Drehzahlmesser offen, den man aber, da es sich ja um ein Automatik-Auto handelt, im alltäglichen Fahrbetrieb nicht weiter vermisst. Anstelle des Drehzahlmessers findet man mit den Kontrollleuchten für den Reifenluftdruck ein sicherlich sinnvolleres Detail. Ansonsten hat alles seinen von Fiat her gewohnten Platz: Der Wählhebel fürs Licht sitzt links, der Wählhebel für Scheibenwischer und –wascher rechts. Nicht gerade begeistern kann die zu hohe Position der zentralen Lüftungsdüsen, die man am besten so weit nach unten richten sollte wie möglich, um keine Netzhautentzündung zu bekommen. Auch das Autoradio liegt zu niedrig, so dass man, wenn man während der Fahrt an ihm herumfummelt, leicht den Blickkontakt zur Straße verliert.

Auf halbem Wege zwischen Radio und Sitzkante liegt der Schalthebel für das stufenlose Automatikgetriebe. Die so genannte „selectronic“ verfügt über die Positionen P (Parken), R (Rückwärtsgang), N (Leerlauf), D (normaler Vorwärtsgang) und L (niedrigerer Vorwärtsgang). Die Wählpositionen der Selectronic sind linear angebracht, weswegen die Übergänge von einer Position zur anderen durch Drücken auf einen Knopf ermöglicht werden, der in das obere Ende des Schalthebels integriert ist. Nur zwischen D und L kann man direkt hin- und herschalten.

FAHRVERHALTEN VON GEDIEGEN BIS SPRITZIG

Die Selectronic ist ein wahres Sahnehäubchen des Automobilbaus der 90er Jahre, wenn man bedenkt, dass man eine Automatikgetriebe bei deutschen Kleinwagen aus dieser Ära meist vergeblich sucht. Die stufenlose Automatik verleiht dem kleinen Lancia zusammen mit der zuverlässig arbeitenden Klimaanlage quasi Oberklassen-Niveau. Außer beim Anfahren arbeitet die automatische Schaltung absolut ruckfrei – eine Eigenschaft, die ich auch bei meinem Y, dem ab 1996 gebauten Nachfolger des Y10, zu schätzen gelernt habe.

Am Anfang kann sich der an Handschaltungen gewohnte Autofahrer nicht so schnell damit abfinden, dass er beim Einparken kein schleifendes Kupplungspedal mehr zum langsamen Herantasten hat. Am besten stoppt man den Vorwärtsdrang des kleinen Italieners durch leichtes Tippen auf die Bremse mit dem linken Fuß. Rummst es dann doch mal beim Parkmanöver, geht der Y10 unbeschadet aus der Karambolage hervor, denn zum Glück ist er mit unlackierten Stoßstangen ausgestattet. Ansonsten ist der Lancia dank kurzer und übersichtlicher Karosserie wirklich zentimetergenau einzuparken. Eine Servolenkung wird bei rund 750 kg Fahrzeuggewicht nicht wirklich vermisst.

Dass der linke Fuß krampffrei auf der Fußablage neben dem Bremspedal herumlümmeln darf, weiß man während der Rush-Hour in der Stadt zu würdigen. Vollkommen stressfrei wartet man ab, bis sich die Autokolonne vor einem bewegt, und tritt dann leicht aufs Gaspedal. Wenn die Blechlawine wieder zum Stehen kommt, bringt die kräftige und extra groß dimensionierte Bremse den Y10 zuverlässig zum Halten. Wird der Verkehr endlich flüssiger, macht das Fahren mit dem kleinen Italiener erst recht Spaß. Dann nämlich spielt der Lancia sein geringes Gewicht aus, spurtet den anderen Autos mit Handschaltung trotz seiner nur 50 PS weg und bringt Geschwindigkeitsliebhaber Mauro zum Lächeln. Man tritt das Gaspedal also entschieden durch und lässt es erst dann kurz los, wenn die gewünschte Geschwindigkeit erreicht ist. Die Selectronic schaltet in dieser kurzen Pause ohne jedes Geruckel hoch und lässt den Y10 im idealen Drehzahlbereich laufen.

LANDSTRASSE UND AUTOBAHN

Besonders wohl fühlt sich der Lancia auf Landstraßen – bei 80 bis 100 km/h gibt die Maschine keinen Mucks von sich. Auch Kurven sind für den Y10 trotz hoher Kastenbauweise kein Problem. Hier greift das straff ausgelegte Fahrwerk ein, das dann allerdings auch kleinere Straßenunebenheiten an die Insassen fast ungefiltert weitergibt. Die 155er-Reifen tun ihre Pflicht und halten den Wagen auch in zu schnell angefahrenen Kurven, die Mauro kurz erbleichen ließen, auf der Straße. Wer einen Y10 mit der serienmäßigen 135er-Bereifung kauft, sollte sich den Umstieg auf das breitere Format ruhig überlegen, auch wenn man die bessere Straßenhaftung mit höherem Spritverbrauch bezahlt.

Auf der Autobahn hat das Wägelchen meines Freundes seine Probleme, sobald es bergauf geht. Ab etwa 120 km/h empfand ich das Fahrgeräusch als einen kleinen Tick zu kernig, bei Tempo 150 ist eine lautstarke Unterhaltung aber noch möglich. Die Höchstgeschwindigkeit erreicht der Y10 nach langem Anlauf allerdings meist in eher ebenem Gelände, wobei die vorderen Passagiere auf ihrem Alcantara-Gestühl wirklich erstaunlich bequem sitzen und wohl auch längere Strecken zurücklegen könnten – dass das gehen dürfte, weiß ich noch aus meiner langjährigen Erfahrung mit dem 20 cm kürzeren Fiat Cinquecento.

ERSTAUNLICH GUTE VERARBEITUNG

Natürlich wirkt der zierliche Y10 bei weitem nicht so solide verarbeitet wie Polo, Corsa & Co., aber selbst bei Huckelpisten im Industriegelände ist kein Quietschen oder Klappern zu vernehmen. Die Sitze sehen auch nach acht Jahren noch so aus wie neu und geben genug Seitenhalt.

Anders als z.B. beim Fiat Panda, der lange Zeit das Schwestermodell des Lancia Y10 war, bevor er in Deutschland 1993 vom Fiat Cinquecento abgelöst wurde, ist Rost zumindest bei so einem gepflegten Modell wie Mauros Y10 kein Thema. Auch sich selbständig machende Teile im Armaturenbrett oder in der Türverkleidung sowie Knirschgeräusche im Getriebe gehören nicht zum Repertoire des Kleinen aus der Edelschmiede Lancia. Bis jetzt zeigt sich auch die Ölwanne, die bei einigen Fiat-Modellen zur Undichtigkeit neigt, von ihrer besten Seite.

Ein Auge sollte man nach Meinung eines mit Mauro befreundeten Mechanikers auf die Elektrik haben. Gerne verweigern elektrische Fensterheber oder Heckscheibenwischer ihren Dienst, da in Fiat-Fabriken Kabel und Steckverbindungen traditionell so nachlässig so eingebaut werden, dass sie in Kontakt mit Nässe kommen können. Zur Sicherheit kann man an den entscheidenden Stellen mit etwas Isolierband nachdichten.

BEI DEN KOSTEN IM MITTELFELD

Der Y10 selectronic ist zweifelsohne ein Schnäppchen auf dem Gebrauchtwagenmarkt. So blätterte Mauro für sein Schätzchen von 1996 mit Klimaanlage und 40.000 km Laufleistung gerade mal 2.000 Euro hin. Andererseits ist der Wagen so extrem selten in Deutschland, dass selbst in großen Online-Gebrauchtwagenbörsen wie mobile.de oder autoscout24.de fast nie mehr als ein Exemplar angeboten wird. Wenn möglich, sollte man sich für einen Y10 der zweiten Baureihe von 1993 bis 1996 – zu erkennen an den kleineren, trapezförmigen Scheinwerfern und dem geschwungenen Armaturenbrett – entscheiden, da diese sich gegenüber der ersten Generation als ausgereifter erwiesen hat und über den zuverlässigen 1,1-Liter-„Fire“-Motor verfügt.

Bei den Fixkosten gibt es sicherlich Wagen, mit denen man billiger unterwegs ist. Das Finanzamt schlägt mit jährlich XXX Euro Kfz-Steuer zu. Versicherungstechnisch gesehen ist der Lancia in die Haftpflichtklasse XX und die Teilkaskoklasse XXX bzw. Vollkaskoklasse XXX eingestuft. Dafür ist der Spritverbrauch mit circa 6,2 l/100 km (6,5 l/100 km in der Stadt, 5 l/100 km auf der Landstraße und 7 l/100 km auf der Autobahn) trotz Klimaanlage und Automatikschaltung ausgesprochen günstig. Teuer wird es dagegen im Fall eines Unfalls, da die Lancia-Vertragswerkstatt fast alle Teile erst aus „bella Italia“ importieren muss.

FAZIT

Der Lancia Y10 selectronic ist ein Auto für Leute, die gediegen unterwegs sein wollen, ohne großes Geld zu bezahlen. Für den Stadt- und Landstraßenbetrieb gedacht, können den Winzling auch Ausflüge auf die Autobahn nicht erschüttern. Der Wagen bietet viel Ausstattung für kleines Geld, ist aber auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt selten anzutreffen. Das stufenlose Automatikgetriebe schont nicht nur den linken Fuß und die Nerven, sondern vermittelt auch Fahrspaß. Die Klimaanlage ist ein sinnvolles Extra, da sich der kleine Innenraum aufgrund der großen Fensterflächen doch schnell aufheizt.

Fazit: