Lada Niva
Diesen Russen muss man(n) mögen... - Lada Niva Auto

Produkttyp: Lada Autos

Neuester Testbericht: ... und kaufte den Wagen Papi ab. Der Wagen musste schließlich vom Hof. Gegenüber dem 76er Modell wurde der Wagen in einigen sehr wesentl... mehr

Diesen Russen muss man(n) mögen...
Lada Niva

max

Autor-Name: max

Produkt:

Lada Niva

Datum: 11.03.10

Bewertung:

Vorteile: Günstig im Preis und Unterhalt, einzigartiges Fahrgefühl, sehr praktisch und ziemlich unkaputtbar

Nachteile: schlechte Verarbeitung und dadurch im ersten Jahr häufige Werkstattbesuche zwecks Nachbesserungen

Test- und Fahrberichte zum Lada Niva sind schon was Merkwürdiges. Vor allem wenn Details genannt werden, die zeigen, das sie der Tester einfach aus den Fahrzeugpapieren abgeschrieben hat. Und genau das funktioniert beim Lada überhaupt nicht. Aber der Reihe nach.

Ich fahre seit fast genau zwei Jahren einen Lada Niva. Erworben als Neufahrzeug hat er mit mir zusammen mittlerweile knapp 50 000 km zurückgelegt. Soviel zu der Legende, ein Niva wäre kein Langstreckenfahrzeug. Eine der ersten größeren Touren nach dem Kauf ging nach Schottland und nach drei Wochen durch den Norden der Britischen Insel waren 8000 Kilometer mehr auf dem Tacho und ich hatte meine bisher einzige ernsthafte Panne, die ein Weiterfahren unmöglich machte, überstanden. Ein Keilriemen war gerissen! Sein penetrantes Quietschen hatte ich lange versucht zu ignorieren, also selber schuld kann man nur sagen. Der Pannenhelfer von der Royal Automobile Club konnte sich zwar nach einem Blick unter die Motorhaube den Kommentar: "Oh, very antique!" nicht verkneifen, aber nach dem er eine Weile in seinem Fundus gewühlt hat, fand er einen passenden Keilriemen und hat für umgerechnet 5 Euro den Schaden behoben.

Dieses Erlebnis steht symptomatisch für ein Leben mit dem Lada Niva. Wirklich tot zu kriegen ist er kaum und es geht immer irgendwie weiter. Trotzdem sollte einiges beachtet werden.

Die Verarbeitungsqualität ist wirklich unbeschreiblich! Genau aus diesem Grund sollte ein Niva nur bei einem Fachhändler in der Nähe erworben werden. Zum einen werden die regulären Importwagen von Lada Deutschland mit solchen Dingen Holraumkoservierung versehen und man hat zumindest zwei Jahre Garantie (jetzt sollen es sogar 3 Jahre sein) Die Garantiezeit wird auch benötigt. Die zugegeben schlampige Verarbeitung sorgt immer wieder dafür, dass die Werkstatt nacharbeiten muss. Ich habe Sachen wie ein überdrehtes Gewinde am Gastank, undichte Getriebegehäuse, defekte Motorelektronik oder einen lockeren Schalthebel erlebt. Alles keine Dinge weswegen ein Niva stehen bleibt! Spinnt die Elektronik (die übrigens nicht von Lada sondern von Bosch ist!) dann läuft der Motor unrund und irgendwann schaltet er auf Notbetrieb um. Dann läuft er wieder normal, nur die gelbe Warnlampe leuchtet und die Abgaswerte verlassen den Euro4-Bereicht. All diese Dinge wurden in meiner Werkstatt als Garantiefälle behoben und tauchten danach auch nicht wieder auf. Sicherlich ein Hinweis auf eher mangelhaften Zusammenbau im Werk als auf grundlegende Fehler in der Konstruktion. Also die Garantiezeit nutzen um Verarbeitungsmängel beseitigen zu lassen.

Wichtig: Alle 10 000 km sollte der Lada zur vorgeschriebenen Inspektion und zwischendurch sollte auch immer mal Motoröl nachgefüllt werden.

Wer sich einen Lada neu kauft, sollte unbedingt was zur Rostvorsorge tun. Meine wichtigsten Zutaten waren Konservierungsfett, eine Dose schwarzen Rostschutzlack und eine Dose in der Wagenfarbe. Gleich am Anfang sollte man auf eine Bühne fahren, notfalls geht es auch wie bei mir, sich einfach drunter zu legen und alle schwarzen Teile nochmal mit der schwarzen Rostschutzfarbe nachstreichen. Der Lack ist beim Niva überall äußerst dünn aufgetragen und gerade bei den schwarzen Teilen fängt der Flugrost schon am Tag der Auslieferung an zu blühen. Bei der Karosserie ist das Problem eher, das Kratzer und andere Beschädigungen des dünnen Lacks ebenfalls zu Rost führen, deshalb immer gleich mit entsprechender Farbe ausbessern. Alle beweglichen Teile am Auto, welche aus Metall sind, sollten ordentlich eingefettet werden. Die ganze Übung nimmt mal ein Wochenende in Anspruch, aber danach halten sich auch die Rostproblem in engen Grenzen. Das einzige Metallteil was offensichtlich keine Rostanfälligkeit besitzt, ist die Stoßstange. Obwohl dort bei mir an einigen kleinen Stellen der Lack vollkommen abgeplatzt ist (kommt davon, wenn man mit Bergstiefeln auf der Stoßstange rumturnt), ist das Metall dort auch nach einem Jahr noch völlig blank. Wahrscheinlich bestehen diese Teile (Materialstärke ca. einen halben Zentimeter!) aus Edelstahl und können gar nicht rosten.

Was die Ausstattung angeht, so sollten schon ein paar Verbesserungen zur Standartvariante gewählt werden. Absolut empfehlenswert ist eine Autogasanlage. Die kostet zwar mind. 2500,- Euro Aufpreis, dafür tankt man in Zukunft für ca. 60 Cent pro Liter. Der Mehrverbrauch hält sich auch in Grenzen. Zwischen 11 und 12 Liter auf 100 km liegt der Gasverbrauch. Umgerechnet auf einen Benzinpreis von zur Zeit 1,40 Euro, fährt man damit in der Kostenkategorie eines 5 Liter Benzinautos. Und damit wird der Lada wirklich ein preiswerter Geländewagen, zumal die Versicherungsklassen für ihn auch am unteren Ende der Skala liegen.
Desweiteren empfehlen sich andere Reifen. Die russischen Originalreifen haben zwar ein eindrucksvolles Profil, sind aber mit einer Breite von 175 weder für die Straße noch für das Gelände wirklich geeignet. Die 215er Stahlfelgen mit amerikanischen M&S Reifen sind hingegen sowohl für die Straße als auch für das Gelände eine gute Wahl.
Alles andere ist Geschmackssache und abhängig von der Frage, wieviel Geld man ausgeben will. Mein Niva hat mit Gasanlage, anderen Reifen, Dachgepäckträger, Anhängekupplung (bis 1900 kg Anhängelast!), Servolenkung und Autoradio usw. knapp 15 000,- Euro gekostet.

Mal ein paar Worte zu den Fahrleistungen. Die immer wieder in Testberichten erwähnten 137 km/h Höchstgeschwindigkeit hat von den Testern offensichtlich keiner ausprobiert. Erstens ist an dem Tacho gar nicht abzulesen wo genau 137 liegen soll und zweitens geht der Niva bei entsprechendem Anlauf auch locker auf 150 km/h. Nur Spass macht das nicht unbedingt, denn zum einen ist es ziemlich laut und zum anderen ist ein weiches, hochbeiniges Geländefahrwerk nicht unbedingt für solche Geschwindigkeiten ausgelegt und entsprechend ist dann natürlich auch die Straßenlage. Als spritsparende Reisegeschwindigkeit sind 100 km/h zu empfehlen, wer mehr Geld ausgeben will kann auch 120 - 130 km/h fahren. Im Ausland erreicht man damit das erlaubte Maximum, in einigen Ländern wie z.B. Norwegen sind 80 km/h oder auf wenigen Straßen 90 km/h eh die erlaubte Höchstgeschwindigkeit. Insofern spielt es auch keine Rolle, dass der Niva keine 200 schafft.
Auch auf längeren Strecken ist der Niva durchaus empfehlenswert. Sowohl der Fahrer als auch der Beifahrer haben deutlich mehr Bewegungsfreiheit als in vielen Mittelklassewagen, deren Innengestaltung eher an das Cockpit eines Kampflugzeuges erinnert. Der Lada ist da eher wie ein Kleintransporter. Die großzügige Verglasung und die kleinen Säulen sorgen für gute Rundumsicht und für Raucher gibt es drei Aschenbecher. Bei Geschwindigkeiten um die 100 km/h ist auch die Geräuschkulisse erträglich und schneller fahren Reisebusse auch nicht. Und bei denen behauptet ja auch niemand, die wären nicht für längere Fahrten geeignet.

Das Platzangebot im Kofferraum ist größer als es auf den ersten Blick aussieht. Durch nahezu rechtwinklige Bauweise lässt sich eine Menge Gepäck unterbringen und auf längeren Urlaubstouren zu zweit ist der Bereich der hinteren Sitzplätze ebenfalls als Gepäckraum nutzbar. Ganz praktisch für den Urlaub ist auch noch ein Dachzelt. Damit hat man immer einen komfortablen Schlafplatz parat und ist in der Geländegängigkeit nicht so eingeschränkt wie mit einem Wohnanhänger.

Fazit
Der Lada Niva ist sicherlich nicht ein Auto für jeden Geschmack. In seiner Grundkonstruktion ist er immerhin über 30 Jahre alt und kaum verändert worden. Auf alle Fälle sollte man eine gewisse Toleranz gegenüber kleinen Macken mitbringen und sich nicht scheuen auch mal selbst das Werkzeug zu benutzen und kleinere Mängel zu beheben. Der Lada ist definitiv ein Auto an dem man selbst schrauben kann! Während modernere Fahrzeuge selbst zum wechseln der Glühbirnen in die Werkstatt müssen, kann beim Lada noch sehr viel selbst erledigt werden. Tips und Tricks gibt es auf einschlägigen Homepages.
Ersatzteile sind extrem billig. Viel kaputtgehen kann auch nicht und gerade der letzte Winter hat gezeigt wie praktisch so ein Auto ist. Kein steckenbleiben auf ungeräumten Straßen, russische Heizung für mollige Wärme selbst bei offenem Fenster, laut Handbuch ist er zugelassen bis - 45 Grad. Na und das hat auch dieser Winter nicht geschafft. Und jetzt, wo das Tauwetter die Schlaglöcher freilegt und die Kommunen kein Geld für die Reparatur der Straßen haben, ist ein Geländewagen auch nicht zu verachten.
Im Unterhalt ist der Niva sehr preiswert und mit Gasanlage sind auch die Kraftstoffkosten völlig in Ordnung. Außerdem beträgt die Reichweite mit Gas- und Benzintank gut 800 km. Also auch für Urlaubsreisen in dünnbesiedelte Gebiete geeignet.
Im Stadtverkehr ist die kurze und übersichtliche Bauweise sehr praktisch. Zum einen passt man mit 3,70 Meter Länge in fast jede Parklücke und zum anderen sieht man auch genau wo das Auto anfängt und wo es aufhört.
Neben seinem günstigen Anschaffungspreis für einen vollwertigen Geländewagen ist es natürlich auch das im wahrsten Sinne des Wortes "ursprüngliche" Fahrgefühl was den Lada Niva fast einzigartig macht. Und dieses Fahrgefühl muss man erlebt haben.

Für jeden der einen Niva wirklich kennenlernen will, sei eine Probefahrt dringend empfohlen. Danach ist eines gewiss: Entweder man verliebt sich in das Auto oder man kann damit überhaupt nix anfangen. Dazwischen gibt es nichts!

Fazit: ein Auto für praktische Leute und für Liebhaber, ein Oldtimer mit Charme

Verarbeitung:    
Zuverlässigkeit:    
Fahreigenschaften:    
Ausstattung:    
Platzangebot: