
Produkttyp: Lada Autos
Neuester Testbericht: ... reinkommen und einen zum Fahren; dazu das Teil von der Wegfahrsperre). Keine Frage, der Lada ist ein Fahrzeug für Liebhaber. Andererseit... mehr
Der Familien-Kombi
Lada 111

Name des Mitglieds: Weserspucker
Produkt:
Lada 111
Datum: 23.07.01, geändert am 05.07.04 (1643 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Geräumig, flott, sparsam
Nachteile: Sicherheitsausstattung nicht komplett, Bremsen packen nicht kräftig genug
Und wieder einmal melde ich mich mit einem Fahrbericht über eines der neuen Lada-Modelle zurück (siehe Lada 112).
Alles fing so an: Da ich mich zunehmend mehr für Lada interessiere (seit der neuen Modelloffensive wohlgemerkt!), kutschiere ich so von Händler zu Händler. Der erste, bei dem ich den 112 probegefahren habe, war ja nicht gerade ein Musterbeispiel von Autohändler. Nun aber wollte ich natürlich vergleichen. Ich hatte ja in der Vergangenheit nichts mit Lada zu tun gehabt, kenne mich deswegen also auch nicht mit dem Händlernetz in meiner näheren Umgebung aus. Im Falle des Lada-Händlernetzes heißt "nähere Umgebung" ein Umkreis zwischen 40 und 80 Kilometern. Da ich 80 Kilometer nicht gern umsonst fahre, rief ich vorher bei dem Händler an. Übrigens wollte sich auch ein Kollege aus meinem privaten Freundeskreis ein Bild von Lada machen und bat mich, ihn mitzunehmen, was ich natürlich tat.
So begab es sich also, dass ich zu einer Probefahrt mit Ladas Kombi, dem 111, eingeladen wurde. Der Händler selbst war sehr leicht zu finden und befand sich gut sichtbar an einer Straßenkreuzung. Äußerlich machte er einen weit besseren Eindruck als der erste. Wenn er auch nicht mit einem edlen Autohaus vergleichbar ist, so war es doch ein beschaulicher Familienbetrieb, bei dem sich die Katzen auf dem Hof tummelten. Weitaus wichtiger ist jedoch die menschliche Seite: Was ist das für einer, möchte der mir sofort ein Finanzierungsangebot aufschwatzen (so wie der erste), wie werde ich informiert, usw. Nun, zunächst war keine Menschenseele weit und breit in Sicht. Ok, für 14:00 Uhr war die Probefahrt veranschlagt, ich verspätete mich um eine halbe Stunde. Hinzu kam, dass Betriebsferien waren und nur kleine Aufgaben im Betrieb bewältigt wurden. Doch dann tauchte jemand auf. Es war der Sohn von dem Herrn, mit dem ich den Termin ausgemacht habe. Er kam sehr freundlich auf mich zu, war sehr gesprächig und kompetent. Der Lada 111, ein übrigens sehr schöner Komb
i (es stimmt schon was im Prospekt steht: Zeitlos schön!), hier in gold-metallic, stand bereit zur Probefahrt. Der Händler öffnete mir zunächst alle Türen, Heckklappe und die Motorhaube, die, wie die Heckklappe, mit Hilfe von Gasdruckfedern öffnet, was ich als äußerst praktisch empfinde und von bisher keinem anderen Auto kenne. Man braucht somit keine Stange zum Feststellen der Haube. Ich konnte mir dann alles, wirklich ohne Druck, in Ruhe angucken. Ich rüttelte hier und da, griff zu der und der Schraube, um die Verarbeitungsqualität zu prüfen, doch ich konnte keine Mängel feststellen. Der Kofferraum war äußerst geräumig und ließ sich durch die teilbare Rückbank nochmals um einiges erweitern. Für Familien sind also schonmal die Platzverhältnisse absolut passend. Außer im Kofferraum ist auch im Rest des Wagens für Kind und Kegel (worunter auch die Beine zu verstehen sind *g*) Raum im Überfluß vorhanden.
Der Start des Motors beginnt mit dem Deaktivieren der elektronischen Wegfahrsperre. Ein am Schlüsselring angebrachter Sender wird vor einen im Armaturenbrett eingelassenen Empfänger gehalten und nach wenigen Sekunden bestätigt ein Piepton: Der Wagen kann gestartet werden. Ich hatte den Lada 111 8V mit 74 PS - klingt für eine 1.5-Liter-Maschine in einem Kombi nicht viel. Doch lest weiter.
Der Motor ist äußerst laufruhig, zeigt auch während der Fahrt keine negativen Auffälligkeiten. Eher eine positive: Durch die hohe Elastizität kann man im 5. Gang bei 1000 Touren fahren. Im Stadtverkehr bedeutet dies eine enorme Spritersparnis, die schonmal bei 7 Litern auf 100 Kilometern enden könnte. Soviel Sparsamkeit, gepaart mit einem erfreulich geringen Lärmpegel, sollten schon Respekt ernten.
Trotz "nur" 74 PS beschleunigt der Lada 111 erstaunlich flott, zieht gut ab und bleibt dabei, wie in einem Kombi zu erwarten ist, ruhig. Man kann im Verkehr mitschwimmen oder zu Überholmannövern ausarten - sich also immer der Situation anpassen. Naja...P
orsche hat da ja auch sein übrigstes dazugetan ;-)
In der Presse heißt es immer wieder: "Schlechte Verarbeitung, veraltete Technik". Diese Floskeln sind zweifellos auf das immerwährende Vorurteil von Lada zurückzuführen. Die Marke hatte in Deutschland nie einen besonders guten Ruf. Am Samara und vor allem am Niva wurde seit Jahrzehnten nichts verändert. Wohlgemerkt: Das war noch vor dem Konkurs von Eurolada, dem bis 1998 währenden Importeur. Dieser Fakt der technischen Rückständigkeit ist bis heute in vielen Köpfen hängengeblieben. In Köpfen von Menschen, die meist nichtmal einen neuen Lada 110, 111 oder 112 in Natura gesehen, geschweige denn, gesessen haben. Ich persönlich halte vom Niva ehrlich gesagt auch nicht sonderlich viel, aber er ist der beste Freund von Fangemeinden und Niva-Sympathisanten - warum auch nicht? Warum ich das sage? Weil Lada in der Tat was getan hat. Von technischer Rückständigkeit kann allein schon wegen der D3-Abgasnorm, die die Motoren erfüllen, nicht die Rede sein. Suchen wir mal weiter. G-Kat ist wohl eine Selbstverständlichkeit - auch bei den Ladas. Bosch Mehrpunkt-Benzineinsprizung - hat auch was, kann also auch nicht sein. Alle Ladas haben, im Gegensatz zu vielen anderen Autos, eine automatische Heizungsregulierung. Man stellt also an einem Drehknopf eine Gradzahl ein und das Gebläse pustet mit der nötigen Stärke die Luft in den Innenraum, bis die gewünschte Temperatur erreicht ist. Von technischer Rückständigkeit kann also erst einmal gar nicht die Rede sein. Wo Kritik durchaus berechtigt ist: Sachen wie gar ein Airbag, ABS oder Servo sind auch gegen Aufpreis nicht lieferbar. Zur Lenkung komme ich jedoch später noch. Und ein Airbag soll gegen Ende des Jahres lieferbar sein. Trotzdem ist es wohl in der Tat unverständlich. Vielleicht tröstet es ja den ein oder anderen, dass sonst alle Sicherheitsmerkmale wie Seitenaufprallschutz, Gurtstraffer, höhenverstellbare Gurte und höhenverstellbare Kopfstützen vorhanden sind.
Elektrische Fensterheber, Zentralverrieglung und Wegfahrsperre sind bei allen Ladas serienmäßig vorhanden. Nun sollte man meinen: Kombi und keine Servolenkung? Da artet der Stadtverkehr wohl in Muskeltraining um. Doch das stimmt gar nicht mal. Im Stand ist das Lenken verständlicherweise recht schwierig, doch sobald man fährt, benötigt man keinen Kraftaufwand mehr. Die Zahnstangenlenkung ermöglicht ein leichtes Kurvenfahren, der Wendekreis des 111s ist erfreulich gering, so dass auch Wendemanöver nicht weiter spektakulär enden (sofern man den Verkehr berücksichtigt *g*).
Das Schaltgetriebe ist insgesamt gut übersetzt, sehr elastisch und prima zu schalten. Hatte ich mich erst daran gewöhnt, dass der vierte Gang etwas weiter nach rechts versetzt wurde als bei meinem eigenen Auto, war auch diese kleine Hürde genommen. Von einer Hakeligkeit konnte keine Rede sein, war sie beim 112 auch nicht. Diesmal kam ich allerdings nicht in den Genuss, den Rückwärtsgang zu testen ;-)
Der Innenraum macht einen insgesamt guten und ordentliche Eindruck. Billiges Plastik habe ich nicht gesehen, das Armaturenbrett ist, wie das bei fast allen Autos der Fall ist, mit Kunstleder überzogen und wirkt dadurch hochwertiger. Alle Schalter und Bedienelemente sind logisch angeordnet, lassen sich während der Fahrt leicht bedienen und sind allesamt beleuchtet, auch die Fensterheberknöpfe zwischen den Sitzen. Die Beleuchtungshelligkeit lässt sich mit einem Drehrädchen einstellen. Das beleuchtete Handschuhfach ist außergewöhnlich groß und bietet Platz für kleine und große Dinge. Etwas flapsig angeklatscht wirken einzig und allein die Abdeckungen für die Schrauben der Haltegriffe am Dachhimmel. Berührt man diese nur mit den Fingern, kann man sie bewegen, drehen und auch mal fallenlassen.
Die Scheibenwischer geben nur bei nasser Scheibe ruhe - bei wenigen Tropfen rubbeln sie, dass man das Wort des Beifahrers oder der Beifahrer nur schlecht versteht. Dafür reinigen sie
andererseits auch wiederum zuverlässig und hinterlassen keine Streifen.
Mit der Außenspiegelverstellung bin ich nicht ganz klargekommen, das mag aber auch daran gelegen haben, dass ich das während der Fahrt versucht habe. Ich habe es trotz mehrmaligem Betätigen des Hebels nicht geschafft, einen optimalen Winkel einzustellen, irgendwie wirkten die Spiegel etwas widerspenstig. Dafür waren sie aber in einem grün getönt, was gegen Sonnenblendung eine ideale Abhilfe darstellt. Der Innenspiegel ist abblendbar, über ihm befindet sich eine Kartenleselampe.
Öffnet man eine der vier Türen, wird dies sowohl über eine Anzeige als auch mit einem akustischen Signal deutlich gemacht. Um die Anzeige herum verteilt sind allerhand Warnleuchten. Daneben die hörbar tickende Analoguhr. Ungewöhnlich für eine Autouhr, aber so nicht weiter störend.
Die Sitze sind angenehm weich gepolstert und bieten ein angenehmes Gefühl auch auf längeren Fahrten. Das "Rücksofa" möchte man am liebsten gar nicht mehr verlassen.
Und gerade der Preis ist natürlich ein höchst begehrter, den ein anderer Autoherstellter nicht im entferntesten anstreben könnte: Für knapp 18.000 DM bekommt man bei Lada einen vollwertigen Kombi mit so ziemlich allem drum und dran, wobei man zwischen einem 8V und einem 16V-Motor wählen kann. Für Familien, die in der Regel sowieso ein begrenztes Budget haben und sich sowieso kein Oberklasse-Van mit Bordcomputer und Videosystem leisten können, ist dies ein willkommenes und durchaus ernstzunehmendes Angebot. Und wenn man dann noch so einen Händler hat wie ich in diesem Fall, dann kann man sich wohl auch noch auf einen kompetenten Service und eine gute Beratung freuen.
Tja...alles in allem: ein tolles Ding! Was die Presse so zu mäkeln hat, sollte man einfach gar nicht weiter beachten. Ich frage mich mittlerweile sowieso schon: Wieso testen Autozeitschriften eigentlich noch Ladas? Ist doch klar, dass die immer schlecht bewertet werde
n. Einmal wegen dem verkannten Ruf der Marke selbst und einmal stecken da sicherlich auch finanzielle Gründe hinter, über die ich hier mal nicht weiter spekulieren sollte.
Es zeigt sich also immer wieder: Erfahrungen sind durch nichts zu ersetzen. Trotz dem Spott der Mitmenschen, den man erntet, wenn man sich für einen Lada interessiert oder einen fährt, ist nichts dabei, im Gegenteil: man hat einfach nur Fahrspaß pur und man fällt auf in der Masse. Und aus der praktischen Sicht: Man hat Platz und viele Möglichkeiten noch dazu.
Fazit: Der 111 bringts einfach. Erfahrungen anderer 111-Besitzer untermauern beispielsweise auch seine Weitstreckentauglichkeit. Für den Urlaub steht da also nichts mehr im Weg. Also: Was will man mehr?
Fazit:

