
Produkttyp: Jaguar Autos
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Gorgeous
Jaguar XK 4.2L V8 Cabrio

Name des Mitglieds: herbb
Produkt:
Jaguar XK 4.2L V8 Cabrio
Datum: 20.02.08
Bewertung:
Vorteile: Luxuscabrio mit exzellenter Verarbeitung
Nachteile: hohe Kosten
"Gorgeous", so betitelt Jaguar die Werbeclips des neuen XK...
summer of ´69, Hwy.101, Oregon Coast:
Der Stipendiat aus Österreich darf mit seinem Traumauto, einem Jaguar XKE seines Art Teachers in British Racing Green, an der atemberaubenden Küstenstraße Hwy 101 fahren, die Brecher des Pazifiks rollen herein, die Luft ist jodiert und ich steppe auf den Pedalen, um die unsynchronisierte erste mit Zwischengas bei Laune zu halten....
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Wie schon im Titel angedeutet stand diese GT-Forderung offenbar an der Spitze des Lastenhefts für Designer und Konstrukteure des XK, "großartiges Reisen" ist ein Versprechen, das für uns - neben Dingen wie Vollalubauweise, Offenfahrtauglichkeit und luxuriöser Komplettausstattung - primär zum Kaufentscheid beitrug. Natürlich haben wir den großen Bruder des vorhandenen SLK, den SL, getestet, der zog aber bei der Wertung "value for money" eindeutig den Kürzeren, mit einem weiteren Kandidaten, dem 6er Cabrio von BMW konnten wir uns wegen des unmöglichen Bangle Designs nie anfreunden. Maßgeblich war also die maximale Reisetauglichkeit und die fanden wir beim Jaguar auf Grund des zusätzlichen Stauraums (sprich Not-Rücksitze) besser, denn das Offenfahren zu zweit mit Zusatzgepäck - in unserem Fall sehr oft zwei pralle Golftaschen - war schon beim SLK unmöglich und ist es auch beim SL, deren Metalldächer beim Versenken nur knappe 200 Liter brauchbaren Stauraums übrig lassen. Eine erwachsene Person lässt sich auf dem Rücksitz transportieren, wenn der Beifahrer mit seinem Sitz nach vorn rückt, eine Fernfahrt ist aber illusorisch und hinter einem normal gewachsenen Fahrer könnten höchstens Kleinkind oder Hund Platz finden - mit Kniefreiheit gegen null...
Jetzt mag jemand fragen, warum wir nicht schon a priori an den Erwerb eines XK gedacht hatten, doch 2004 war das Vorgängermodell XK8 noch lange nicht so zuverlässig wie jetzt der mit allerlei Awards überhäufte Neue. Nicht unwichtig für die Entscheidung pro Jaguar waren der großzügige Rabatt von 17% auf den Kaufpreis von Euro 118000 (inkl. der wenigen Extras, 20% MWSt und 16% NoVA) und zusätzlich die Rücknahme des Altfahrzeuges SLK 350 zu einem mehr als fairen Preis. Es ist halt doch ein Unterschied, wenn eine Marke mit allen Mitteln um Neukunden kämpft - ja kämpfen muss, denn Konzernmutter Ford möchte derzeit bekanntlich Jaguar neben Land Rover und vielleicht auch Volvo als schöne Braut herausputzen und profitabel abstoßen wie einst Aston Martin im Jahr 2002. Es mag also nicht verwundern, wenn in absehbarer Zukunft ein indisches Konglomerat namens Tata oder der russische Oligarch Deripaska ihr noch nicht vorhandenes internationales Renommee mit dem Erwerb einer englischen Traditionsmarke aufpolieren wollen. Inzwischen erfolgte der Zuschlag an die Inder, fuer die die Katze wohl am oberen Ende der Produktliste stehen wird, unten soll es ja ein schlankes Auto fuer Euro 1700 Auto geben, allerdings nur fuer den asiatischen Markt...
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Sommer 2007, Wachauer Bundestraße, linkes Donauufer:
die Jungfernfahrt mit dem aktuellen Nachfolger des legendären XKE führte uns vom Händler in Wien in dieses idyllische Tal, wir genossen den unnachahmlichen Geruch und die Anmutung des elfenbeinfarbenen Leders, ertasteten zur weiteren haptischen Verzückung das kontrastierende Charcoal-Leder sowie das Pappelholz an Armaturen, Konsole und Armauflage und hielten uns dabei brav an das Einfahrgebot, das Fahren bei wechselnder Geschwindigkeit und verschiedenen, nicht zu hohen Drehzahlen empfiehlt und hatten schon beim ersten Stopp Zores, als mein Weib monierte, dass das eben versperrte Auto nach wie vor offen sei. Es stellte sich heraus, dass sie mit dem Zweitschlüssel in ihrer Handtasche zu nahe an den Funksensor geraten war, der sonst für "keyless entry" sorgt und natürlich beim Annähern die Tür wieder lautlos entriegelt hatte ;-)
Mit leichtem Entsetzen konstatierte ich die völlig verdreckten Carelia 19´´ Alu-Räder, denen der Bremsstaub arg zugesetzt hatte.
Diese lächerlichen Zwischenfälle ließen uns sofort nach dem 320 Seiten starken und in verständlichem Deutsch abgefassten Manual für den Jaguar Owner greifen, der Abrieb erwies sich wie vermutet als vollkommen normal und nach und nach erschlossen sich die mannigfaltigen Geheimnisse der großen Katze.
Inzwischen sind sowohl Fahrer- als auch Beifahrersitz doppelt programmiert, Spiegel- und Lenkradeinstellungen sind in die Memory integriert und das Abrufen der individuellen Einstellung erfordert lediglich das Tippen auf eine nummerierte Taste, wodurch die komplette Serie der Stellmotoren in Aktion tritt und bis in die letzte Lordosenstütze den feinporigen Ivory Ledersitz an den Körper schmiegt, man wundert sich sogar ob dieser Armee von elektronischen Heinzelmännchen warum gerade eines für die Einstellung der Kopfstützen von den Erbsenzählern gestrichen wurde.
Der Sitzkomfort ist jedenfalls fantastisch und lässt keinen Wunsch offen, ob aufblasbare Seitenführung oder verlängerbare Schenkelauflage, hier werden alle denkbaren Voraussetzungen für stundenlanges, entspanntes Fahren garantiert. Auch die Klimaautomatik, die - einmal über den Touchscreen auf angenehme 21° programmiert - zugfrei arbeitet und mit Gebläseunterstützung auch einen extrem aufgeheizten Innenraum in wenigen Sekunden herunterkühlt, trägt das Ihre zum Fahrkomfort bei, der schon beim Rangieren aus einer Parklücke beginnt, wenn der Seitenspiegel runter schwenkt und den Blick auf den Randstein ermöglicht - die teuren Aluräder wissen es zu schätzen. Dabei unterstützt der Parkassistent, dessen Sensoren die Distanz zu Hindernissen akustisch und visuell auf dem Screen anzeigen, meiner Meinung nach ein Must bei den wenigen Extras, die es bei diesem Auto gibt, vor allem, weil bei geschlossenem Dach die Sicht nach hinten sehr eingeschränkt ist.
Der rote Startknopf - Stichwort keyless go - wird bei gleichzeitig getretener Bremse gedrückt und schon erwachen 298 PS im grollenden V8 zum Leben, der Funkschlüssel kann dabei in der (Hosen)Tasche verbleiben oder in ein passendes Fach unter der Armlehne gesteckt werden, wenige Meter nach dem Wegfahren verschließen sich die Türen und die Katze gewinnt geschmeidig an Fahrt. Überraschend für uns war die Erkenntnis, dass Fahrt- und Windgeräusche vom aufwändig ausgeführten Stoffdach ebenso gut gefiltert wurden wie im mit einem Metallfaltdach versehenen Mercedes.
Der Fahrkomfort setzt sich fort mit einer ruckfrei schaltenden Sechsgangautomatik, die in Tests sogar über die neueste 7G von Mercedes gestellt wurde, ein Fahrwerkprogramm namens CATS sorgt für eine hervorragende Straßenlage, indem es 3000x pro Sekunde Faktoren wie Querbeschleunigung, Straßenzustand oder Bremsverzögerung berechnet und entsprechend die Dämpfung regelt, man schwebt geradezu über Querrillen, Schienen oder andere Unebenheiten im Fahrbahnbelag!
"Dach auf" heißt die Devise so oft es möglich ist, die Mechanik wird am besten im Stand auf ebenem Untergrund per dauerhaftem Knopfdruck aktiviert, bis per Gong der Offenstatus angekündigt wird, das Ganze dauert kaum 20 Sekunden und ich bin schon am Nachforschen, ob ein findiger Zubehöranbieter ein ähnliches Komfortmodul für den XK anbietet, wie ich es in meinen SLK installiert hatte, welches one touch Funktion bot und auch eine Dachöffnung aus bis zu 30 Metern Distanz ermöglichte.
Eine naheliegende Frage drängt sich nun mit der Windverwirbelung beim Offenfahren auf: braucht es ein Schott oder braucht es keines?
Einmal ohne probiert gelangt man zur Erkenntnis, dass man offen ohnehin nur bis 100 kmh fahren sollte und das ist im Jaguar ohne Komfortbeeinträchtigung möglich, außerdem entstellt das wenig ästhetische Schott den Gesamteindruck der stilistisch aufregenden Karrosse erheblich.
Zur Navigation möchte ich anmerken, dass wir schon sehr verwöhnt waren vom Comand DVD System, das Mercedes einsetzt. Auf einer einzigen Silberscheibe sind hier die Daten von fast ganz Europa gespeichert und die Aktualität wurde durch jährliche Updates auch garantiert. Das System von Jaguar übertrifft in der Detailfülle - man kann vorab spezifische Dinge wie Hotels, Tankstellen und andere Sonderziele einprogrammieren - bei weitem jenes von Mercedes, allerdings um den Preis, dass man manchmal je nach Europaregion die DVD wechseln muss, dafür ist die optische Auflösung Richtung weisend und die Möglichkeit, die Strecke gleichzeitig durch Bildschirmteilung in verschiedenen Maßstäben sowie in 3-facher Routenwahl zu betrachten vorbildlich. TMC (Verkehrsnachrichten mit Stauanzeige) ist selbstverständlich.
Eine Bluetooth Schnittstelle inkl. Freisprecheinrichtung ermöglicht den Einsatz eines Mobiltelefons, leider sind nicht alle Modelle kompatibel, Jaguar entschuldigt dieses Manko - das für mich als jubilado keines darstellt - mit dem ständigen Überangebot an technischen Neuerungen und der Problematik, passende Software zu installieren.
Bei exotischen Sportwagen, wie es der XK nun einmal ist - in Österreich werden knapp 50 pro Jahr zugelassen, in Deutschland ein paar hundert -, stellt sich unweigerlich die Frage nach der Alltagstauglichkeit. Für uns ist sie höher als beim etwas kleineren Vorgänger, dazu gehört neben dem oben erwähnten größeren Raumangebot, dass er mit einem Reserverad kommt, während die beim SLK gewählte Tirefit Variante nur eine absolute Notlösung bei einer Panne bot. Wir hatten bereits einmal das "Vergnügen", nach einer selbst verschuldeten Reifenpanne - Riss an der Flanke nach Bordsteinkontakt - mit dem Ersatzrad, das nicht einmal die halbe Dimension der normalen Räder hat und bis maximal 80 kmh gefahren werden darf, unterwegs zu einer Werkstätte zu sein, mit dem Tirefit wäre diese Panne nicht zu reparieren gewesen!
Ärgerlich war auch der Umstand, dass ein Lämpchen des Begrenzungslichts bereits nach einem Monat den Geist aufgab und man mir dafür Euro 1,92 in Rechnung stellen wollte, ein wohlmeinender Hinweis meinerseits, dass das wohl ein Scherz sei, ließ den KD-Berater seinen Chef konsultieren und nach kurzer Zeit mit roten Ohren und einer überschwänglichen Entschuldigung zurückkehren.
Die Kompetenz des Servicepersonals ist ein großes Fragezeichen, so war man schon bei diesem Miniproblem nicht in der Lage, die Frage zu klären, warum der Defekt nicht von der on board Diagnose angezeigt wurde. Ich habe zwar gewusst, dass das Servicenetz - vor allem in meiner Zweitheimat Spanien - dünn ist, aber wenigstens lässt einen die europaweite 24/7 Hilfe ruhig schlafen.
Man mag den Spritverbrauch bei einem Achtzylinder beklagen, ich bin mit den bisher erzielten 10,2 Litern sehr zufrieden, allerdings fahre ich kaum in der Stadt, großteils über Land und bin mir auch klar darüber, dass ein flottes "Autobahnhatzerl" mit 17 und mehr Litern "belohnt" wird...
Mittlerweile - bei km Stand 10000 - musste einmal die volle Leistung ausgereizt werden: so geschehen auf einer leeren, brandneuen Kuestenautobahn in der Provinz Murcia, ca. 255 zeigt der Tacho als die Elektronik eingreift, es rauscht zwar im Gebaelk, aber die Karosse liegt dermassen satt und souveraen auf der Strasse, dass das Adrenalin erst gar nicht einschiesst...
Höchst erfreulich ist auch die Transparenz von Jaguar bei den Serviceintervallen: alle 16000 km oder einmal im Jahr ist eine Wartung fällig mit derzeitigem Fixpreis von Euro 348,70 inkl. Material, Arbeitszeit und MWSt., neben der im Vergleich zu deutschen Premium-Marken ohnehin schon großzügigen Garantiezeit von drei Jahren sind in den Wartungsgesamtkosten von Euro 2500 für die ersten sechs Jahre auch noch diverse Pollen- und Luftfilter enthalten.
Ein kleines Problem trat bei der Kaskoversicherung des Fahrzeugs auf, die üblicher Weise keine Autos im sechsstelligen Eurobereich akzeptiert, nachdem wir dort aber ein Bündel anderer Versicherungen laufen haben wurde in Kulanz eine Jahresprämie für Haftpflicht und Teilkasko mit Euro 1600 (Selbstbehalt Euro 400) angeboten, darin waren aber nicht weniger als fünf Rabatte inkludiert. Darüber hinaus wird für diese Jahresprämie das Zuckerl einer Vollkasko geboten, sobald man sich 50 km vom Wohnsitz wegbewegt, auch ein bis zu 31 Tage dauernder Urlaub im Ausland ist damit voll abgedeckt.
Datenblatt:
V8 Motor 4.2 L Hubraum mit 298 PS
Max. Drehmoment 411 Nm bei 4100 rpm
Autom. Sequentielles 6-Gang Getriebe mit Schaltwippen und Sportmodus
0-100 kmh in 6,3 sec.
Spitze 250 kmh (abgeregelt)
Die im Vergleich zu deutschen Fabrikaten reichhaltige Serienausstattung enthält u.a. eine nietverklebte Alu-Monocoque Karosserie mit Alu-Tonneau-Cover, Bi-Xenons, Park Distance Control hinten, das erwähnte CATS Fahrwerk, Klimaautomatik, Keyless Start, Sitzmemory und ein Navi-System (über einen 7" Touchscreen bedienbar)
Die wenigen Extras, die wir bestellten waren: 19""Leichtmetallräder mit 245/40 bzw. 275/35 Dunlop S1 Reifen, Keyless Entry, Pappelholz und 16-fach verstellbare Luxussitze.
Darüber hinaus gehende technische und ausstattungsmäßige Details sind unter dem Link XK auf den Webseiten www. jaguar.com oder www.jaguar.de abzufragen, in diversen Online Foren ist der neue XK leider stark unterrepräsentiert, dort treffen sich eher Daimler und XJS Enthusiasten beim Bemitleiden gemeinsamer Motorenprobleme oder dem Suchen nach begehrten Ersatzteilen wie Kettenspannern oder Leaper Kühlerfiguren in Edelstahl...
* Zum Titel hier noch das Urteil des Fachjournalisten Peter Eck (mid):
"Trotz des tollen Designs und des wunderbaren V8-Motors ist auch der neue XK kein echter Sportwagen im Sinne eines Jaguar E-Type. Coupé und Cabriolet erfüllen eher den Anspruch an ein Gran-Turismo-Fahrzeug, also einen sehr sportlichen Reisewagen. Der Jaguar XK ist eine Katze, deren scharfe Krallen man als Fahrer nur bei Bedarf - etwa für einen Überholvorgang - kurz aufblitzen lassen möchte, um anschließend wieder das tiefe Grummeln des Antriebs bei gemäßigter Fahrt zu genießen. "
Genauso wollen wir es halten, möge der "gorgeous red cat" (nein, sie heißt nicht "Garfield") ein langes Leben beschieden sein.....es müssen ja nicht gerade neun sein.
Fazit: gorgeous!
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