Honda Civic 1.8 VTi 5-Türer
Wolf im fleckigen Schafspelz - Honda Civic 1.8 VTi 5-Türer Auto

Produkttyp: Honda Autos

Neuester Testbericht: ... sind da logisch. Trotzalledem "zappelt" der Civic nicht wie ein nachträglich tiefergelegtes Auto über die Piste. Unebenheiten ... mehr

Wolf im fleckigen Schafspelz
Honda Civic 1.8 VTi 5-Türer

Pegasus1078

Name des Mitglieds: Pegasus1078

Produkt:

Honda Civic 1.8 VTi 5-Türer

Datum: 10.06.02, geändert am 01.06.04 (1086 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: hervorragender Motor, gutes Fahrverhalten, relativ günstig

Nachteile: nachlässige Verarbeitung

Als ich meinen Civic 1998 beim Honda-Händler stehen sah, da war mir sofort klar: Der isses!!! Man sollte nicht glauben, was ein paar Alufelgen, Perleffektlack, ein Heck-und Frontspoiler sowie 4 cm Tieferlegung aus einem eher schlichten Auto machen... So gab ich schweren Herzens meinen guten, alten Concerto mit 200000 km in Zahlung. Nach mittlerweile 60000 gefahrenen Kilometern hat sich meine Anfangseuphorie etwas gelegt. Aber der Reihe nach:

Ausstattung:
Da dieser Civic die Spitze der Modellpalette darstellte, beschränkte sich die Liste der Extras auf Sonderlack, Klimaanlage und später dann auch Sitzheizung.
Dafür brachte er bereits serienmäßig mit: elektr. Fensterheber rundum, elektr. Schiebe-Hubdach, elektr. verstellbare Außenspiegel (leider nicht beheizbar), Teilleder- Velourspolster, höhenverstellbarer Fahrersitz, ZV mit Fernbedienung, Alarmanlage, Wegfahrsperre, eine gute Audioanlage (auf Wunsch) mit 6 Boxen, Kassettenradio und CD- bzw. MD-Wechsler, ein höhenverstellbares Lenkrad, Servolenkung, Airbag für Fahrer und Beifahrer, Nebelscheinwerfer, Alufelgen, Scheibenbremsen rundum sowie ein Heckspoiler und eine Frontspoilerlippe.
Das Platzangebot ist vorn hervorragend und, wenn der Fahrer nicht gerade 2m groß ist, auch hinten für 2 erwachsene Personen reichlich. Dass man in einem Auto dieser Preisklasse aus High-Tech-Japan allerdings weder ein Thermometer, Klimaautomatik noch einen Bordcomputer bekommt, ist eigentlich ein Witz. Auch Getränkehalter oder Seitenairbags gab’s weder für Geld noch gute Worte.

Motor/Getriebe:
Ich glaube, dass ich nicht übertreibe, wenn ich sage, dieses Aggregat ist ein Sahnestück der Technik. Obwohl der Motor für 169 PS ein geradezu lächerliches Drehmoment von nur 166 Nm bei 6300 bereitstellt, ist das Auto alles andere als eine lahme Ente. 8,2 Sekunden bis 100 km/h sind keineswegs leere Versprechungen aus dem Prospekt. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 223 km/h angegeben. Diese habe ich jedoch e
rst nach einer langen Einfahrzeit von mehreren Tausend Kilometern schaffen können. Auf Anraten eines Freundes habe ich den Serienluftfilter durch einen Trichterfilter ersetzt. Das war meine beste Investition in dieses Auto. Was sich mechanisch und akustisch abspielt, wenn der VTEC-Ventiltrieb auf die scharfe Nocke umschaltet (bei 5000-6000U/min) und sich die Hände des ahnungslosen Mitfahrers in den Polstern verkrampfen ist einfach unglaublich. Mit einem infernalischen Röhren fängt der Motor nochmals an zu schieben, bis bei 8200U/min der Begrenzer einsetzt. Bei 140km/h kurz in den dritten Gang zurückgeschaltet und der drängelnde BMW-Fahrer bekommt nasse Augen... Einen Ölverbrauch habe ich bis jetzt auch nach längeren Vollgasfahrten noch nicht messen können.
Passend zum Motor sind die Schaltwege schön kurz gehalten, allerdings hakelt das Getriebe, eigentlich hondauntypisch, ein wenig. Schade auch, dass es keinen 6. Gang gibt..

Fahrwerk/Straßenlage:
Entsprechend den Fahrleistungen ist auch das Fahrwerk ausgelegt - keineswegs opatauglich. Im Vergleich zu den anderen 5-Türern dieser Baureihe ist das beschriebene Modell werksmäßig 4cm tiefergelegt. Komfortmäßige Einbußen sind da logisch. Trotzalledem "zappelt" der Civic nicht wie ein nachträglich tiefergelegtes Auto über die Piste. Unebenheiten und Bodenwellen stellen kein Problem dar. Über Pflasterstraßen und Buckelpisten quält er sich jedoch laut polternd. Dafür bietet er bei Ausweichmanövern und schnell gefahrenen Kurven ausreichende Sicherheitsreserven und ist jederzeit gut beherrschbar. Das Sperrdifferential der Antriebsachse tut ein übriges dazu. Überfordert scheint mir nur bisweilen die Bereifung, die mit der Dimension 195/55 R15 als werksseitiges Maximum ein wenig unterdimensioniert ist.

Qualität/Verarbeitung:
Mit Wehmut denke ich heute manchmal an die Zeiten mit meinem Concerto zurück. Dessen Materialanmutung lässt zwar keinen Vergleich mit dem Civic zu, dafür wirkte er a
ber auch nach 200000km noch neuwertig und wie aus einem Guss gefeilt. Das konnte man von dem Civic bereits nach 20000km nicht mehr behaupten.
Wie gesagt, alles sieht schick aus und fasst sich gut an, die Spaltmaße sind top und der Innenraum wirkt hochwertig. Das war’s dann aber auch schon. Alle außerplanmäßigen Werkstattbesuche bis jetzt hatten das meist erfolglose Suchen und Beseitigen irgendeines Poltergeistes zum Anlass. Bereits nach 5000km drangen aus dem Armaturenbrett knisternde und knarzende Geräusche. Sämtliche Türen knacken beim Anfahren und Bremsen in den Schlössern und die Heckklappe scheppert. Der Fahrersitz lockert sich immer wieder vom Gestell und rutscht dadurch ständig vor und zurück. Zudem sieht das (Kunst?)Leder der Lehne bereits aus, wie ein Beamtensessel vor der Pensionierung seines Daraufsitzenden. Ähnliches gilt für das Lederlenkrad. Die Kunststoffe, vor allem das Holzimitat, sind teilweise derart kratzempfindlich, dass bereits das Darüberfahren mit der Polsterdüse des Staubsaugers Scharten hinterlässt und die Verkleidung der B-Säule sieht dort, wo die Gurtschnalle hängt, aus, wie ein Katzenkratzbaum. Auch aus den Tiefen der Karosserie dringen fortwährend knisternde und knackende Laute an das Fahrerohr. Sämtlich Lager der hinteren Achse, Federbeine usw. wurden bereits getauscht, ohne dass tatsächlich Ruhe einkehrte. Von dort kommen ständig stuckernde, glucksende und klackende Geräusche. Kurz nach Ablauf der Garantie entdeckte ich am gesamten Fahrzeug Schadstellen im Lack, welche immer mehr werden. Vor allem auf dem Dach und am Heck bekommt die klare Decklackschicht punktuell und fingernagelgroß Risse, um schließlich abzublättern. Das sieht bei einem Perleffektlack natürlich grandios aus und ist ärgerlich beim Wiederverkauf. Diese „Macken“ gelten aber wahrscheinlich für alle Civic-5-Türer und sind nicht ausschließlich auf diese Modellvariante zu beziehen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die 3-Türer und das Coupe diese
vorgenannten „Krankheiten" nicht haben. Aber die kommen ja auch nicht von Rover...

Kosten/Sonstiges:
Trotz der Verarbeitungsmängel ist dieser Civic ein sehr zuverlässiges Auto. Pannen oder unvorhergesehene Reparaturen gab’s bis jetzt keine. Nach 45000km war ein neuer Satz Sommerreifen fällig, was für ein Auto dieser PS-Klasse durchaus akzeptabel ist. Auch der Verbrauch beeindruckt positiv. Gleitet man gemütlich über die Landstraße und im Stadtverkehr, begnügt sich der Motor mit 7,5-8 Liter Super. Erliegt man jedoch den süchtig machenden Drehzahl-Verlockungen des Motors oder ist auf der Autobahn zügig unterwegs, dann sind auch 13-14 Liter kein Thema. Da es von diesem Modell nicht allzu viele aber dafür immer noch relativ teure Exemplare gibt, braucht man auch hohe Haftpflichtbeiträge (Typklasse 18) nicht zu fürchten. Jedoch sind die Kaskotarife schmerzhaft teuer. Die Beiträge für die Vollkasko liegen bei einigen Versicherern auf Porsche-Niveau.

Fazit:
Wer ein sportliches und dennoch günstiges Auto sucht, ist mit diesem Civic bestens beraten. Er bietet viel Auto für verhältnismäßig wenig Geld und ist deshalb gerade für junge und sportliche Familien mit Nachwuchs interessant. Die Nachlässigkeiten bei der Innenraumverarbeitung sind tolerierbar. Notfalls macht man eben das gute Radio etwas lauter. Wer das nicht will, sollte lieber das 4-türige Coupe oder den 3-Türer wählen, da diese in Japan produziert wurden. Augenmerk sollte man nur dem Lack schenken, ob dieser evtl. die gleichen Makel wie bei mir aufweist. Dann kann eigentlich überhaupt nichts schief gehen.

Fazit: