Ford Taunus 12 M
Ford 12 M P 4 - ein robuster Kamerad - Ford Taunus 12 M Auto

Produkttyp: Ford Autos

Neuester Testbericht: ... mal abgesehen (heute weiß ich, das das mit regelmäßiger Schmierung hätte verhindert werden können), bis der Rost auch diesen Ford... mehr

Ford 12 M P 4 - ein robuster Kamerad
Ford Taunus 12 M

thicklizzie

Name des Mitglieds: thicklizzie

Produkt:

Ford Taunus 12 M

Datum: 23.03.06, geändert am 23.03.06 (2083 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Der Motor ist nicht totzukriegen

Nachteile: Rost - was sonst

Mein erstes Auto! Da stand er beim Händler: Baujahr 1966, babyblau, bieder, mit Lenkradschaltung und neuem TÜV. 1200 DM sollte er kosten, das war aber auch das Äußerste, was ich ausgeben konnte. Mangels Alternativen in der Preisklasse auf dem Gebrauchtwagenmarkt wurde er mein, und mit ihm begann ich mein Dasein als Autofahrerin. Doch zunächst will ich eine allgemeine Beschreibung abgeben.

Gebaut wurden diese Fahrzeuge seit 1962, sie markierten das untere Ende der Modellpalette von Ford. Je nach Motorisierung hatten sie 40 bis 55 PS, ab 1964 sogar 65 PS, waren nicht allzu üppig ausgestattet, taugten aber mit ihrem guten Platzangebot in Innenraum allemal als Familienkutsche in Zeiten, in denen der Besitz eines Autos noch nichts Selbstverständliches war. Der Kofferraum war ziemlich geräumig und faßte das gesamte Gepäck für die Italienreise oder den Campingurlaub ziemlich problemlos. Es gab ihn als Limousine, Coupe oder Kombi. Die Technik war überwiegend simpel, aber seeeehr robust, wovon ich gleich ein Beispiel geben werde.

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Praxisbericht:

Mit diesem Auto fuhr ich also herum, allerdings wurden meine allmählich sich verbessernden Fahrkünste durch keinerlei technische Kenntnisse getrübt. Das hatte Folgen.

Eines schönen Sommertages fuhr ich nach Hause und stellte bei der Ankunft fest, das es unter der Motorhaube qualmt. Ich öffnete die Haube und entschied: das Auto braucht Wasser. Das Auffüllen des Kühlwassers konnte ja nicht so schwierig sein, kein Grund um sachkundige Hilfe zu bitten. Ich besorgte mir also eine Flasche Leitungswasser und befüllte mein Vehikel. Als der Motor meiner Ansicht nach genügend Zeit gehabt hat, sich abzukühlen, machte ich mich auf den Weg zu meinem damaligen Freund. Beim Bremsen an der ersten Ampel ging der Motor aus und wollte auch nicht wieder anspringen. Nach kurzem Überlegen entschied ich, das es wenig Sinn hätte, die Batterie leerzuorgeln, sondern es wohl angebracht wäre noch etwas Wasser aufzufüllen.

In einem Geschäft besorgte ich mir also eine Flasche mit Wasser und füllte nach. Etwa 3 Kilometer weiter ging der Motor beim Bremsen wieder aus. Nun war aber im direkten Umkreis keine Möglichkeit, an Wasser zu kommen, zu sehen, also stand ich da am Straßenrand mit offener Motorhaube und überlegte, was nun zu tun wäre. Nach kurzer Zeit hielt ein freundlicher Autofahrer an und fragte, welchen Kummer ich denn mit dem Auto habe. Ich schilderte ihm die jüngste Vergangenheit. Dann kam die Frage, wo ich das Wasser denn wohl reingeschüttet hätte - nach meiner Antwort schlug er die Hände über dem Kopf zusammen. Ich hatte den Öleinfüllstutzen benutzt!!!!!!!

Nachdem er mich darüber aufklärte, das das keine gute Idee gewesen ist (und ich mich gewaltig schämte), schleppte er mich zu meinem Freund mit dem dringlichen Rat, sofort das Öl zu wechseln. Das taten wir dann auch umgehend, sogar 3 mal, nur zur Sicherheit. Und was soll ich sagen: der Motor hat die ganze Sache (immerhin wurde er ca. 10 km mit mehr Öl als Wasser gefahren) anstandslos hingenommen und in der Folge keinerlei Probleme verursacht.

Überhaupt hat der Wagen, während ich ihn fuhr, mir kaum Schwierigkeiten bereitet. Er sprang in der Folge jederzeit problemlos an, hatte aber zwei Schwächen: zum ersten blühte die Karosserie schon wenige Monate nach dem Kauf an jeder nur denkbaren Stelle wie eine Frühlingswiese. Massenweise tauchten häßliche kleine Roststippen auf. Zweitens waren die Achsgelenke mit schönster Regelmäßigkeit verschlissen, was sich bei Kurvenfahrten in lautem Knacken äußerte. Wie ich später erfuhr, ist das bei diesen Modellen ein durchaus übliches Leiden. Den Achsgelenken war nur mit Hilfe einer Werkstatt beizukommen. Den Rost habe ich in mühseliger Kleinarbeit mit Schmirgelpapier und roter Rostschutzfarbe selbst behandelt, was dem Wagen den Namen "Masernauto" eintrug. Für eine anschließende Neulackierung reichte das Geld nicht, und es hätte sich auch nicht gelohnt, weil der Rost immer wieder an anderen Stellen auftauchte.

Nachdem der Tüv uns zu geschiedenen Leuten gemacht hat, kaufte ich mir übrigens noch einen alten 12 M, diesmal in weiß. Den Wagen fuhr ich ohne jede Beanstandung, von den Achsgelenken mal abgesehen (heute weiß ich, das das mit regelmäßiger Schmierung hätte verhindert werden können), bis der Rost auch diesen Ford nach etwa einem Jahr dahinraffte.

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Die heutige Situation als Oldtimer:

Der 12 M ist enorm selten geworden. In der Zeit, als die nicht dem Schrotthändler zum Opfer gefallenen Wagen um die 15 Jahre alt waren, hielt sie kaum jemand für attraktiv genug, um sie zu restaurieren. Die Oldtimerszene war noch jung und kaprizierte sich vorwiegend auf die spektakuläreren Modelle. So überlebten nur wenige dieser Brot-und-Butter Autos, für die ich persönlich ein Faible habe. Vor allem die Kombis sind superselten, weil sie damals fast nur von Handwerkern gekauft, und von ihnen verheizt wurden. Wenn sie für den Betrieb nicht mehr tauglich waren, wollte sie auch niemand anders mehr haben. Die wenigen verbliebenen Wagen erfordern umfangreichen Rostschutz. Blechteile, vor allem Kotflügel, sind kaum noch zu bekommen und müssen daher sorgsam gehätschelt werden.

Wie schon in meinem Erfahrungsbericht angedeutet, sind technische Probleme eigentlich nur bei wenigen Bauteilen zu erwarten. Die Achsgelenke sind ein Schwachpunkt, bei dem regelmäßiges Abschmieren Abhilfe bringt; ein anderer, den ich noch nicht erwähnt habe, ist der häufig enorme Ölverlust durch schlechte Dichtungen. Viele Technik-Teile sind oft noch vom Händler zu beziehen, einiges schlummert noch in den hintersten Ecken der Ersatzteillager großer Werkstätten. Auch auf Teilemärkten wird man oft noch fündig - die robuste Technik hat die Karosserien meist bei weitem überlebt. Da kommt einem zustatten, das etliche Teile vom 15 M und 17 M auch passen (waren das noch Zeiten, als die Bauteile nicht innerhalb eines Modelljahrgangs zwei mal geändert wurden, wie es heute üblich ist).

Schläuche und Gummiteile, die im Original auch meist längst dahingegangen sind, kann man in manchen Spezialbetrieben nachfertigen lassen, vorausgesetzt, man hat ein Muster, nach dem gearbeitet werden kann. Wirklich schwierig wird es bei dem Ersatz der Sitzbezüge, die nach so langer Zeit meistens traurig aussehen. Originalstoffe sind nicht mehr zu bekommen, mit viel Glück ergattert man einen Scheunenfund als Teileträger, der noch brauchbare Sitze hat, da haben meist zwar die Mäuse ihre Nester im Innenleben der Sitze eingerichtet, aber den Schaumstoff kann man problemlos ersetzen. Stoffe, die zwar nicht original Ford, aber im Design der Sechziger Jahre sind, können eine halbwegs annehmbare Alternative sein. Da sollte man aber schon sehen, das das Design wenigstens halbwegs den Originalbezugsstoffen nahekommt.

Die Preise für den Ford 12 M liegen für gut erhaltene oder restaurierte Exemplare bei etwa 7000 €. Unrestaurierte Wagen mit einigem Handlungsbedarf sind für etwa 2000 € zu haben.

Übrigens: nicht das jemand denkt, ich handle mit Oldtimern - die Preisangaben, die ich hier für die verschiedenen Oldtimermodelle mache, entnehme ich meistens der "Motorklassik". Bei einigen Fahrzeugmodellen beobachte ich die Preise, die bei Ebay oder mobile.de erzielt werden, auch genauer. Ich beschreibe aber grundsätzlich nur Fahrzeuge, die ich aus eigener Erfahrung hinreichend kenne, und da sind im Laufe der Jahrzehnte so einige zusammengekommen. Meist erwarb ich die Wagen mangels Masse im Geldbeutel im schon betagten Zustand. Heute will ich so alte Autos fahren, weil das sehr viel mehr Spaß macht, als die modernen Kutschen, zu denen ich demnächst auch noch meine Bericht abliefern werde.

Ich hoffe, Ihr hattet Spaß beim Lesen, und noch mehr hoffe ich, das vielleicht jemand auf den Geschmack kommt und sich entschließt so ein schönes altes Auto vor dem Verfall zu retten.

In diesem Sinne - bis zum nächsten Bericht

Fazit: Rettet die letzten 12 M - sie sind es wert

Verarbeitung:    
Zuverlässigkeit:    
Fahreigenschaften:    
Ausstattung:    
Platzangebot: