
Produkttyp: Ford Autos
Neuester Testbericht: ... durch ein hochschalten in den höchstmöglichsten Gang um die Drehzahl zu reduzieren und Benzin zu sparen (das kann sogar schon ein Golf I... mehr
Er fuhr Ford und kam nie wieder
Ford Mondeo 2.0i 16V Schrägheck

Name des Mitglieds: thunderbird.elite
Produkt:
Ford Mondeo 2.0i 16V Schrägheck
Datum: 30.07.02, geändert am 30.07.02 (1907 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Preiswert, gut ausgestattet, gemütlich und sportlich
Nachteile: Unzuverlässigkeit in Person, Massiver Wertverlust und unverkäuflich, Automatik unfahrbar
Zum Ford-laufen dieses Auto. Viel mehr als Laufen bleibt einem damit auch nicht übrig. Nach zwei dieser Fahrzeuge aus dem elterlichen Fuhrpark kann ich Stammtischsprüche wie "Er fuhr Ford und kam nie wieder" oder "Ford ist Mord" durchaus nachvollziehen.
Im Prinzip ist das Auto gut durchdacht, man sitzt bequem, die Ausstattung ist gut, der Preis ist niedrig. Auch finden sich so exotische Gimmicks wie ein Münzhalter für Pfandmünzen für den Einkaufswagen.
Daß die Ford-Ingenieure viel anfangen zu denken, selten aber ihre Gedanken zu Ende führen zeigt die reichhaltige Ausstattung die teilweise absolut disfunktionell ist. So gibt es in der Abdeckung des Kassettenfaches in der Mittelkonsole einen Becherhalter serienmäßig. Die Abdeckung liegt im offenen Zustand jedoch so schief auf dem Polster der Rückbank auf, daß in dem darin integrierten Becherhalter wohl kaum ein Becher stehen bleiben wird.
Eine Kleinigkeit mag man meinen, der Rest von dem Auto ist jedoch eine ähnliche Fehlkonstruktion
"Ford - Besser ankommen" - so lautet der aktuelle Werbeslogan. Mag stimmen, fühlt man sich auch anfangs noch recht geborgen in dem Auto. Bis dann die ersten Probleme ankommen. Da lacht man nur noch über "besser ankommen", ist froh, wenn man überhaupt noch ankommt.
Zwei der ersten Mondeos kenne ich, beide haben sich als sehr unterhaltsam erwiesen, vorausgesetzt man hat den nötigen Humor, um derart katastrophalen Qualitätsverhältnissen gegenüberzutreten.
Der erste ist ein Mondeo Fließheck vor dem Facelift mit einem 136PS starkem 2.0 Liter 16V Motor und Automatik-Getriebe. Der Wagen zieht supergut, macht keinerlei komischen Geräusche, dafür ist mir absolut unverständlich wie man bei 136PS noch Trommelbremsen hinten verbauen kann (selbst der Golf 3 GT mit 90PS hat schon rundum Scheiben!) und es liest sich die Defektliste unheimlich unterhaltsam:
- Mehrfach Probleme mit Poltern an der Hinterachse
- Klimaanlage defekt
- Bremsscheibe vorn gerissen
- Bremszylinder hinten undicht
- Alles an Lagern ausgeschlagen was ausschlagen kann
- Motor geht unvermittelt aus
- Lichtmaschine defekt bei 100TKM
- Ölpumpe defekt, massiver Ölverlust bei 110TKM
- Exitus bei 130TKM durch kapitalen Motorschaden (Zylinderkopfriß)
Der zweite ist ein Modell nach dem Facelift, wieder ein 2.0 16V dieses mal mit 131PS auch wieder Automatik. Das Ding zieht wie ein altersschwacher Gaul und läßt sich problemlos von jedem 75PS Audi 80 überholen. Die Defektliste ebenfalls unterhaltsam.
- Mehrfach Probleme mit Poltern an der Hinterachse
- Lichtschalter korrodiert, Ergebnis ist, daß sporadisch die Tachobeleuchtung - und noch schlimmer: Die Rückleuchten - gemeinsam ausfallen (immerhin weiß man, bei Ausfall der Tachobeleuchtung Nebelschlußleuchten einschalten)
- Diverse Lager ausgeschlagen
- Motor geht unvermittelt aus
- Antriebsstrang wummert
- Windgeräusche Kaliber "Steife Briese"
- Bordcomputer spinnt rum, läßt ständig Warnleuchten leuchten obwohl alles in Ordnung ist
- Auspuff verloren bei 80TKM
- neuerdings (aktueller KM-Stand um die 86TKM) kommt von vorne links ein Poltern und Knarzen (begleitet von Vibrationen die man auch im linken Fuß fühlt wenn man ihn auf dem Fußpodest liegen hat), was einem das Gefühl gibt, der Wagen würde jeden Moment in der Mitte auseinanderbrechen.
Bei beiden Autos gilt es zu bemängeln, daß sich die Automatik einen ziemlichen Unsinn zusammenschaltet. Vergleich: Jedes normale Automatikfahrzeug reagiert auf die Aktion 'vom Gas gehen und wieder Gas geben' durch ein hochschalten in den höchstmöglichsten Gang um die Drehzahl zu reduzieren und Benzin zu sparen (das kann sogar schon ein Golf II aus den 80er Jahren). Die Ford-Automatik reagiert darauf mit folgendem Ritual: Bei Gas weg auf Leerlaufdrehzahl abfallen, beim Gasgeben ein Gang Kickdown (sprich runterschalten und
Drehzahl erhöhen), kurz "auskuppeln" (natürlich kuppelt eine Automatik ja nicht richtig aber der Motor dreht unvermittelt hoch ohne Kraft an den Drehmomentwandler weiterzugeben), mit einem lauten Knall und einem starken Ruck wieder "einkuppeln", in einem niedrigen Gang und dann runterschalten in den hohen Gang.
Ein Trost ist, daß wenigstens die Schaltgetriebe sehr angebehm sind.
Außerdem noch zu den Platzverhältnissen im Fließheck, während es vorne sehr angenehm und geräumig ist, müssen Personen über 1,80m auf den hinteren Sitzen in die "Emoticon-Haltung" gehen, sprich den Kopf um 90° schief legen ;-)
Von dem schier katastrophalen Wertverlust und dem absolut unmöglichen Wiederverkauf fange ich lieber garnicht erst an.
Als (berechtigter) Fan von Audi und Honda bleibt mir nur noch ein Fazit: Über Ingolstadt und Japan lacht die Sonne, über Köln Niehl lacht die ganze Welt.
Fazit:
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