Ford Galaxy 2.3i
Das flinke Raumwunder - Ford Galaxy 2.3i Auto

Produkttyp: Ford Autos

Neuester Testbericht: ... Der ganze Motor mit Elektronik musste ausgetauscht werden. Ich bin mit dem Auto auch schon bis Ungarn und zurück gefahren. Das ware... mehr

Das flinke Raumwunder
Ford Galaxy 2.3i

GordonFreeman

Name des Mitglieds: GordonFreeman

Produkt:

Ford Galaxy 2.3i

Datum: 18.02.01, geändert am 19.02.01 (1709 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Wertigkeit, Raumangebot, Fahrleistungen

Nachteile: Verbrauch, Anzeigen

Bei meinem Focus handelt es sich zwar um ein gutes Auto, aufgrund seines frühen Produktionsdatums kurz nach der Vorstellung im Herbst 1998 muss er aber hin und wieder in die Werkstatt. Diesmal war ein Rückruf betreffend des Airbagsystems an der Reihe (betrifft aber nur die ersten Modelle). Für meine Leser bei dooyoo hat dies aber einen positiven Nebeneffekt: Ich konnte jetzt schon die halbe Modellpalette von Ford Deutschland als Ersatzauto kennen lernen. Nach KA (Bericht folgt noch), Fiesta und Puma war diesmal der Galaxy als 2,3i Trend an der Reihe. Mondeo II, Cougar, Ranger, Explorer und Windstar fehlen mir noch. Mein Focus muss übrigens noch mal zum Wechsel eines Airbag-Kabelstrangs in die Obhut meines Händlers. Vielleicht bekomme ich dann mal den neuen Mondeo... .

> Karosserie / Innenraum:

In schönem Pacific-Grün-Metallic steht der verschmitzt dreinguckende Minivan nun vor mir. Das Facelift im Jahr 2000 hat ihm sichtlich gut getan. Während der VW Sharan meiner Meinung immer noch nicht eindeutig als VW identifizierbar erhielt der Galaxy nun das gleiche Familiengesicht wie schon Focus und Mondeo II. Da die Kundschaft eines Minivans aufgrund der Preisklasse wohl schon etwas gesetzter ist, hat man dem Minivan den New Edge Look auch nur in den gleichen homöopathischen Dosen verabreicht wie dem neuen Mittelklasse Zugpferd Mondeo.

Mit Erfolg: die dreieckigen Scheinwerfer in Klarglasoptik mit Scheinwerfermodulen, die an Fotoobjektive erinnern, der Kühlergrill im Mesh Look und die Rückleuchten in Juwelenoptik lassen das neue Modell interessanter erscheinen als der nüchterne Vorgänger mit seinen Rechteckleuchten. Im Gegensatz zu KA, Puma und Focus dürfte aber keine erbitterte Diskussion über das Design entbrennen.

Die Leuchtkraft der Scheinwerfer konnte mich allerdings nicht hundertprozentig überzeugen. Während der Raum unmittelbar vor dem Galaxy immer recht gut ausgeleuchtet ist strahl das Abblendlicht nur recht wenig in die Ferne. Da
s für Trend und Ghia gegen einen Aufpreis von 842,00 € (1642,00 DM) erhältliche Xenonlicht ist also eine Überlegung wert.

Im Innenraum, wo früher eine rundliche und gemessen am Preis eher billig wirkende Plastiklandschaft mit einem fragwürdigen Materialmix aus matten und glänzenden Kunststoffen dominierte, werden Galaxy und Sharan nun endlich dem Standart, den VW mit dem Passat gesetzt hat gerecht. Nach früheren Harplastikinnenräumen und einem mutig gestylten (aber sehr ergonomischen) Focus Innenraum hat Ford diesen Stil erfolgreich in sein neues Flaggschiff der PKW Palette, den genialen Mondeo II übertragen.

Edle, teilweise genoppte Kunststoffoberflächen und Einlagen im Alulook lassen das Interieur sehr gediegen wirken, in diesem Punkt ist das Deutsch-Deutsche Van Trio Spitze in dieser Klasse. Ford konnte durch eine dem KA entliehene Uhr, einigen Aluintarsien im Lenkrad und Instrumentensatz und ein paar witzig abgerundeten Schalter dafür sorgen, dass der Galaxy nicht so sehr technisch unterkühlt daherkommt wie Sharan und Alhambra. Silikongedämpfte Haltegriffe am Dach und der solide Handschuhfachdeckel sorgen für eine gute Haptik.

Auf der Oberseite des Armaturenbretts finden sich auch noch ein paar eingelassene Ablagen für Krimskrams. Zusammen mit den anderen Ablagen, etwa in der Türverkleidung, gibt es viel Platz, wo man allerlei Dinge verlegen kann.

Die grüne statt blaue (Sharan) bzw. rote (Alhambra) Cockpit Beleuchtung mit roten Zeigern ist unaufdringlich und sehr Augenfreundlich, die Ford Lösung ist vielleicht die langweiligste aber auch Beste. Die Schalter sind sinnvoll angeordnet und sollten jedem VW Fahrer bekannt vorkommen. Witzig finde ich als Indikator die zweifarbigen LEDs: ein nicht aktivierter Schalter leuchtet grün, bei eingeschalteter Funktion in amber.

Hauben und Türen sind sehr exakt eingepasst und schliessen mindestens so satt wie bei einem Mercedes. Die Karosserie konnte sich auf erfolgreich Knist
ergeräusche bei Schlaglöchern verkneifen. Dass man es mit einen Gemeinschaftsprodukt aus Köln und Wolfsburg, welches in Portugal vom Band läuft und nicht mit einem Toyota zu tun hat merkt man aber an ein paar Mängeln in der Detailverarbeitung: eine Alueinlage in der Tür war etwas schief eingebaut und der Softlack der inneren Türgriffe blätterte grossflächig ab (mein Testwagen hatte erst 5600 km!). Reines Hartplastik sieht wohl nicht so schön aus und fasst sich nicht so angenehm weich an hat aber wohl eine wesentlich längere Halbwertszeit.

Die vielgelobte Anbringung der Anzeigen vor dem Lenkrad konnte mich auch nicht überzeugen. Einerseits wurde der obere Teil des an Golf IV und Passat erinnernden Instrumentensatzes vom Lenkrad abgedeckt (bin auch nur 1,80 m gross, wie sieht das erst ein 2 m Mensch ?) und die Augen müssen relativ weit von der Unterkante zu Tacho und Co wandern, was ablenkt (einen ansonsten hilfreichen Drehzahlmesser hätte man sich fast sparen können, da man sowieso nicht zum Ablesen kommt). Da ich die nur kurz hinter der Windschutzscheibe angebrachte Analoguhr besser ablesen konnte als den Tacho ist eine Lösung wie beim Renault Espace oder noch besser wie beim Toyota Previa mit seinen Analoganzeigen ergonomischer (auch wenn das Autotester immer wieder anders sehen). Springt hier doch bitte mal über euren Schatten.

Ebenfalls störend sind die (VW typisch) viel zu tief angebrachten Heizungsregler; besonders mit der aufpreispflichtigen Climatronic wird die Bedienung dank rund 12 gleich geformten Tasten und Mickerdisplay zum Problem. Die serienmässige manuelle Klimaanlage ist dagegen sehr wirksam und hält auch im Winter die Scheiben schnell beschlagfrei. Nützlich sind dann noch die Heizungsregler für die Rücksitzpassagiere und das zusätzliche Defrostergebläse für die Heckscheibe. Eine Dual Zone Klimaanlage (getrennt regelbare Temperatur für Fahrer und Beifahrer) gibt es leider auch nicht gegen Aufpreis.

Ein absolutes Muss ist di
e geniale Frontscheibenheizung, zusammen mit beheizten Scheibenwaschdüsen für 170,00 € (332,00 DM). Sie hält auch bei kaltem Motor die Scheibe frei von den letzten Eisresten und Kondenswasser. Warum bietet nur Ford dieses Extra bei fast allen Modellen an? Dank der Heizung muss man weniger kratzen (und verlängert damit die Lebensdauer seiner Scheibe). Die Drähte sind bei Gegenlicht zwar leicht sichtbar, stören aber weit weniger als (zwangsläufig entstehende) Kratzer.

Auf der ganzen Linie überzeugen können dagegen die Sitze des Minivans. Sie sind schön straff gepolstert und mit atmungsaktivem Stoff bezogen. Bei Trend und Ghia kann man die Vordersitze um 180° drehen, ausserdem besitzen sie ausklappbare Tischchen mit Cupholdern an der Rückseite. Die Kopfstützen sind für mich ausreichend hoch. Ein empfehlenswertes Extra für den Trend sind die Sportsitze mit verbessertem Seitenhalt. Serienmässig werden bei Ambiente und Trend 5 Exemplare geliefert, gegen Aufpreis kann man noch einen 6. und 7. Sitz, teilweise auch mit integrierten Kindersitzen, ordern. Dank in den Boden eingelassenen Halterungen kann man zahlreiche Variationen ausprobieren. Im Ghia gibt es wahlweise mit 6 oder 7 Sitzen (der Sechssitzer hat in der Mitte 2 Komforsitze mit Mittelarmlehne anstelle von 3 kleinen Exemplaren. GordonFreeman

Das Raumangebot ist, wie bei einem Minivan nicht anders zu erwarten mehr als opulent. Vorne und hinten bietet der Galaxy ein verschwenderisches Raumangebot. Der grosse Kofferraum mit seiner niedrigen Ladekante kann durch ein Abdeckrollo vor neugierigen Blicken geschützt werden. Wenn man sich an die etwas hohe Sitzposition und das vantypisch etwas flach stehende Lenkrad gewöhnt hat möchte man aus dem Familientransporter gar nicht mehr heraus.

Da die Heckscheibe recht hoch und der Galaxy gross ist sollte man auf jeden Fall zur Einparkhilfe vorn und hinten für 470,00 € (919,24 DM) greifen. Da die Front nicht einsehbar ist hilft die Einparkhi
lfe hier ebenfalls.

Serienmässig sorgen vier Airbags und pyrotechnische Gurtstraffer für den Schutz der Passagiere. Nachdem der Sharan und Galaxy im Euro NCAP Crashtest nur durch abschnitten haben die VW und Ford Techniker die Karosseriestruktur modifiziert. Windowbags und Sidebags für die zweite Reihe fehlen noch genauso wie ein Dreipunktgurt für den Mittelplatz in der zweiten Reihe, ein Beckengurt muss genügen.

> Motor / Getriebe:

Ford bietet für den Galaxy zahlreiche Motorisierungsvarianten an: als Benziner gibt es einen 2,0i DOHC 16V mit 85 kw (115 PS), den 2,3i DOHC 16V mit 107 kw (145 PS) und einen von VW entliehenen, recht durstigen 2,8i VR6 mit 150 kw (204 PS). Die Dieselfahne halten die von VW gelieferten 1,9l Pumpe Düse TDI Motoren mit 66 kw (90 PS) oder dank Turbolader mit variabler Turbinengeometrie 85 kw (115 PS) hoch.

Der 2,0i und 2,3i wird dabei mit einem Fünfgang Schaltgetriebe (Ford MTX 75) kombiniert, beim VR6 und den Dieselaggregaten kommt eine Sechsgangschaltbox von VW zum Einsatz. Den 2,3i kann man auch mit einer Vierstufenautomatik ordern, für den 2,8i und 85 kw TDI gibt es einen Fünfgangautomat mit Tiptronic Modus.

Gefahren bin ich wie gesagt einen 2,3i mit Schaltgetriebe. Das angenehme, gut zur Charakteristik des Vans passende Aggregat hat genau 2295 ccm Hubraum. Gemäss seiner Abstammung aus der Zetec Motorenfamilie sitzt auf dem Graugussblock ein Leichtmetallzylinderkopf in dem sich zwei Nockenwellen drehen welche 16 Ventile betätigen. Das maximale Drehmoment von 205 Nm steht bereits bei 2500/min zur Verfügung.

Nun im Einzelnen: Nur beim Kaltstart hört man ein leichtes Nagelgeräusch aus dem Motorraum, danach ist der 2,3i recht leise. Die Kraft bereits aus niedrigen Drehzahlen gibt es nicht nur auf dem Papier sondern auch in der Praxis. Ein Rennwagen ist der Galaxy aber trotzdem nicht. Mit 145 Pferden ist der 1725 kg schwere Van vielmehr gut motorisiert. Wer sich gerne auf der Autobahn be
wegt sollte sich also den 2,0i oder den kleinen TDI besser nicht antun.

Ob der bei VW und Seat angebotene 1,8i 20 V Turbo auch so gut zu einem Van passt wie Fords grosser Sauger? Wer Spass haben will kommt um den VR6 wohl nicht herum, kann sich aber an der Tankstelle dann die Quittung holen.

Mangels Bordcomputer konnte ich den Verbrauch meines Galaxy leider nicht genau feststellen, 10 l Eurosuper auf 100 km dürften es aber trotz verhaltenem Fahrstil doch gewesen sein. Für Vielfahrer ist der 85 kw TDI also eine gute Alternative. Wer aber ein Familienauto mit maximal 15000 km Fahrleistung im Jahr sucht findet im 2,3i aufgrund der niedrigeren Fixkosten wohl der beste Kompromiss.

Ganz so spritzig wie mein Focus mit seinen 115 PS will der Galaxy zwar nicht beschleunigen, gemessen an der Grösse ist er aber trotzdem recht leichfüssig. Die Höchstgeschwindigkeit liegt laut Ford bei 196 km/h, ausprobiert habe ich es nicht. Ich finde es beeindruckend was ein Van heute so alles kann.

Beim Getriebe kann ich es nicht verstehen, warum VW beim 1,8T nicht auch auf die Ford Transmission setzt. Die gut abgestufte Fünfgangschaltbox mit Seilzugbetätigung kann nämlich begeistern: Die Schaltwege sind sehr kurz, trotzdem ist es aber sehr leichtgängig (aber nicht zu leichtgängig, sondern al dente). Zusammen mit dem kurzen Schalthebel eine ideale Kombination (ein noch besseres Getriebe fand ich bisher nur im Honda H-RV). Automatikfans werden also einiges verpassen. Da der Sauger ein breites Drehzahlband besitzt ist im Gegensatz zu den TDIs ein Sechsganggetriebe kein Muss.

> Fahrwerk / Lenkung:

Die Vorderräder des VW/Ford Vans sind an unteren Dreiecksquerlenkern mit Federbeinen und einem Querstabilisator aufgehängt. Hinten kommen Schräglenker, Miniblock Schraubenfedern und ebenfalls ein Stabi zum Einsatz.

Das Fahrverhalten ist auch sehr gutmütig. Trotz fehlendem ESP (Ford bietet beim 2,3i nur gegen Aufpreis ASR an) kann man den G
alaxy kaum aus der Ruhe bringen. ESP gibt es bei VW für alle Modelle (in Deutschland) serienmässig, bei Ford derzeit nur als Extra für die TDI Modelle und serienmässig beim 2,8i.

Störend sind nur bei schnellerer Fahrt auf einer etwas welligen Autobahn mit leichten Kurven Wankbewegungen (die Dank hoher Sitzposition gut zur Geltung kommen). ESP hilft aber hier definitiv nicht.

Bei der Fahrwerksabstimmung hat Ford gute Arbeit geleistet. Grosse Stösse und Fahrbahnunebenheiten werden gut absorbiert. Nur kleine Stösse und leichtes Stuckern dringt in den Innenraum vor. Es ist aber ein guter Kompromiss zwischen Komfort und Sportlichkeit, für ein Auto mit über 700 kg Zuladung hervorragende Arbeit.

Die Lenkung erfordert genauso wie Kupplung und Bremse nur sehr niedrige Bedienkräfte. Leider ist sie etwas schwammig (es ist ein Van). Man kann den Galaxy aber immer noch ausreichend exakt um Kurven treiben, ich war von der Handlichkeit des Dickschiffs positiv überrascht.

> Preise / Fazit:

Drei fast identische Minivans, nur Ausstattung, Design und das Motorenprogramm differieren. Den Galaxy 2,3i Trend gibt es ab 25825,00 € (50509,31 DM). GordonFreeman

Interessant sind die Preisunterschiede zwischen Ford, Seat und VW, ich liess zur besseren Vergleichbarkeit Galaxy Ghia, Seat Alhambra und VW Sharan Comfortline, jeweils mit 85 kw TDI gegeneinander antreten. Alle Modelle sollten ESP, Metallic Lack, 16" LM Räder, ein Monochrom Navigationssystem, eine Einparkhilfe, sechs Komfortsitze, Sitzheizung, beheizbare Windschutzscheibe, Xenon Licht, elektrisch ausstellbare Fenster und Klimaautomatik haben. Voila, der Galaxy kostet 33615,00 € (65745,23 DM), der Alhambra 35050,00 € (68551,84 DM), allerdings ohne Einparkhilfe und hintere elektrische Fensterheber da bei Seat nicht im Angebot, und der Sharan 35418,00 € (69271,59 DM). Image hat also seinen Preis. Während der Marktführer in Deutschland naturgemäss VW heis
st werden europaweit mehr Galaxys abgesetzt. Der Wiederverkauf dürfte bei beiden sehr gut sein, so dass sich das Ford oder Seat Logo nicht als wertmindernd erweisen dürfte. Ford ist nur nichts für Allradfreaks, einen 4x4 bieten nur Seat und VW. Bei Seat kann man allerdings die Ausstattung nicht so vielfältig kombinieren wie bei Ford und besonders VW, ausserdem gibt es zwischen Seat und VW bei dieser Modellreihe ausnahmsweise so gut wie keinen Preisunterschied.

Ein nicht ganz billiger aber guter Minivan also. Dank dem grossen Facelift hat die gute Basis von VW und Ford noch spürbar an Reife hinzugewonnen und ist immer noch einer der besten Minivans in seiner Klasse. Im Gegensatz zu Opel mit seinem unsicheren Sintra haben die Nachzügler Ford und VW eine interessante Alternative zum Original Renault Espace im Programm. Interessant wäre jetzt höchstens noch Toyotas neuer Previa 2,4 als Vergleich.

Written by GordonFreeman 18.01.2001 (andreas.adelsberger@topmail.de)

Fazit: