Fiat Seicento 0.9i.e.
Wendig, wirtschaftlich, witzig - Fiat Seicento 0.9i.e. Auto

Produkttyp: Fiat Autos

Neuester Testbericht: ... ausreichend aber keine echte Offenbarung. Parkplatzkonkurrenz gibt es immer weniger (früher mal Fiat 500/Mini - der echte), irgend jemand... mehr

Wendig, wirtschaftlich, witzig
Fiat Seicento 0.9i.e.

wildedreizehn

Name des Mitglieds: wildedreizehn

Produkt:

Fiat Seicento 0.9i.e.

Datum: 11.05.02, geändert am 11.05.02 (1081 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Klein aber trotzdem geräumig, wirtschaftlich und preiswert, ideales Stadtauto

Nachteile: ein paar liebenswerte und wenige ärgerliche Details

Wir besitzen seit Anfang 2000 einen Seicento als Zweitfahrzeug. Bewußt wählten wir den kleinen Motor mit 40 PS, da er im Gegensatz zum 1,1 l mit 55 PS noch anspruchsloser in der Wartung (z.B. Hydrostössel) und (subjektiv) nur unwesentlich "lahmer" ist (wenn schon klein, dann konsequent). Ausstattung: Zwei Airbags (abschaltbar auf Beif.seite), Gurtstraffer, Fensterheber elektr., Alufelgen (muß nicht sein, aber bei einem Preis von 50 Euro/Stück wenig teurer als Stahlfelgen. Diese für die Winterreifen benutzt) etc. Preis in einer Sonderaktion bei Fiat damals 14.000.- DM abzüglich 3.000.- DM für unseren schrottreifen Uraltkombi ohne Kat (in Österreich).
Zuerst die Nachteile, die eigentlich keine sind:
Oft wird über den kleinen Kofferraum gemäkelt. Dem muß man entgegenhalten, daß es sich um einen Kleinstwagen handelt, der auf eine Länge von ca. 3,30 Metern einfach nicht mehr Platz bieten kann. Ich kann eben keine Sandale kaufen und mich dann über mangelnde Wasserdichtigkeit beklagen.
Ein ehrlicher Vergleich gelingt mit Kleinwagen ähnlicher Proportionen. Und hier schneidet der Seicento hervorragend ab. Nimmt man als Beispiel einen Smart, so fällt sofort der Preis ins Auge. Knapp 20.000.- DM als Minimum (in Österreich), also um etliches mehr.
Der Platz: Bis zu fünf Personen darf man, vier sind auf Kurzstrecken passabel untergebracht vorausgesetzt, der Fahrer ist nicht 1,90 groß. Apropos, man kann den Fahrersitz mit einem kleinen Kunstgriff weiter als serienmäßig vorgesehen zurücksetzten. Auch Riesen kommen dann kaum mehr an die Pedale. Das Ein- und Aussteigen ist, im Gegensatz zu vielen anderen Autos, auch wesentlich größeren, sehr bequem. Die Sitze zwar hart, aber nicht unbequem. Mehr Seitenhalt bieten aber diejenigen der Sporting-Ausführung. Die Instrumentierung zeigt sich karg, aber ausreichend und zudem mit Pfiff. Die Warnlampe für den Sprit ist hysterisch und leuchtet viel zu früh auf. Ablagen sind genügend und vor allem große (in den Türen)
vorhanden.
In den Kofferraum passen zwei Getränkekisten oder zwei Klappkisten. Legt man die Rückbank um (getrennt umlegbar), so zeigt sich eine ansehnliche Ladefläche, in die (fast) noch ein Smart paßt. Na ja, vielleicht nicht ganz.
Der Motor gemahnt natürlich zur defensiven Fahrweise (was ja nicht schlecht ist), gibt sich aber akustisch unaufdringlich. In der Stadt und auf Landstraßen reicht die Leistung allemal aus, wenn man fleißig schaltet. Die Schaltung ist ziemlich hakelig, aber man gewöhnt sich dran. Die Bremsen haben mit dem geringen Gewicht überhaupt keine Probleme und sind sehr gut.
Die Karosserie neigt sich wegen der beachtlichen Höhe des Seicento (man sitzt mindestens so hoch wie in „normalen“ Autos) etwas in den Kurven. Die Federung ist von der harten Sorte, an den Komfort sollten also keine hohen Ansprüche gestellt werden. Dafür ist die Wendigkeit überragend (Wendekreis wie beim kürzeren Smart 8,8m) und bereitet vor allem in der Stadt eine diebische Freude. Unser Sei besitzt keine Servolenkung (gibt es gegen Aufpreis), ich habe sie aber auch noch nie vermißt. Im Winter macht der Kleine noch mehr Spaß. Die Traktion auf Schnee ist ausgezeichnet (gute Winterreifen vorausgesetzt), durch das geringe Gewicht kommt das Gefühl auf, die Fuhre im Griff zu haben. Die Heizung ist ausreichend aber keine echte Offenbarung.
Parkplatzkonkurrenz gibt es immer weniger (früher mal Fiat 500/Mini - der echte), irgend jemand läßt meist eine Lücke frei, die für "normale" Autos zu kurz ist. Mit dem Sei kein Problem (unter vier Metern reicht auch aus - ein Golf ist 4,10 lang!).
Das Wägelchen ist verzinkt, also keinerlei Rostprobleme mehr. Die Verarbeitung ist o.k., in Relation zum Preis sogar gut. Das Plastik, und heutige Autos bestehen zu großen Teilen daraus, ist zwar hart, macht aber einen relativ stabilen Eindruck. Überhaupt ist der Innenraum italienisch pfiffig, im großen und ganzen auch ergonomisch (der Aschenbecher unten ist ein
Witz, aber nur für Raucher ärgerlich). An den immer noch sichtbaren Blechpartien kann man sich stoßen, ein Gedanke an den Preis des Fahrzeugs läßt dies aber verschmerzen. Die Farbwahl der Innenausstattung überließ Fiat einem Farbenblinden (schwarzer Lack, knallblaue Türverkleidungen); einige Leute fanden das aber auch witzig. Die Stoßstangen sind bei unserem Modell nicht mit lackiert und erfüllen somit noch ihren eigentlichen Zweck. Die Außenspiegel sind viel zu klein (dies ist ein echtes Manko und sollte verbessert werden).
Technisch gab es bislang nichts auszusetzen, aber wir haben auch erst knapp über 20.000 km drauf. Der Verbrauch liegt um die 6 Liter. Das geht in Ordnung, da der Motor oft im Vollastbereich arbeitet. Die Unterhaltskosten wie Steuer, Versicherung und Wartung sind natürlich an der unteren Grenze angesiedelt.
Fazit: Wer einen wendigen, wirtschaftlichen und originellen Klein- bzw. Zweitwagen sucht, der dazu noch über ausreichende Transportkapazität bei Zweipersonenbetrieb verfügt, sollte den Seicento durchaus mal näher betrachten. Im Fahrzeug fühlt man sich nicht wie in einem Kleinstwagen, sieht man mal von der knackigen Federung ab. Die Vorteile in der Stadt sind gewaltig, lange Strecken lassen sich aber zu zweit durchaus auch bewältigen, sollten aber nicht der vornehmliche Einsatzzweck sein. Man darf sich für diesen Preis keine perfekte Qualität erwarten und über ein paar Kleinigkeiten großzügig hinweg sehen. Wer einmal einen Mini (den echten) gefahren hat, wird der Sei viel zu perfekt sein.
Zu guter letzt hält sich der Wertverlust bei dem Anschaffungspreis natürlich in engen Grenzen. Ein sympathischer Kleinwagen, der außerdem ein eher klassenloses Image besitzt und wie ich meine, eine Karosserieform, die aus dem heutigen Durchschnitt heraussticht. Aber über Geschmack läßt sich streiten.

Fazit: