
Produkttyp: Fiat Autos
Neuester Testbericht: ... war das komplette Dach anstelle Rot, Rosa. Und auch günstige Repararturen in Fiat Werkstätten sind eher selten, da fast alle Fiat Händle... mehr
Pflegebedürftiger Charakterwagen
Fiat Cinquecento

Name des Mitglieds: sdeichsel
Produkt:
Fiat Cinquecento
Datum: 29.04.02, geändert am 30.04.02 (1137 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Wendig, Schnell, Sparsam
Nachteile: Klein, laut, Fällt dauernd was ab
Eigentlich habe ich seit März diesen Jahres (2002) meinen Cinquecento Sporting abgegeben. Seit 6/1995 besass ich diesen Wagen und habe damit 130.000 (!) Kilometer zurückgelegt. Ich war damit in Kiel und in Venedig, sowie allem, was dazwischen lag.
Der Wagen ist mit seinen 55 PS unerhört flott unterwegs. Wer sparen will, der nimmt das teure Leichtlauföl, mit dem ich selten über 6 Liter verbraucht habe (jedenfalls mit Sommerreifen). Frühes Schalten vorausgesetzt.
Wer das gute Super Plus nahm, der konnte nochmals weniger verbrauchen - mehrfach, aufgrund von Skepzis ausprobiert, doch immer mit dem gleichen Ergebnis.
Die Federung existiert eigentlich nicht wirklich, doch dafür hat man eine Straßenlage, die ihres gleichen sucht.
Der Wagen hatte keine Servolenkung, was ein gutes Gefühl für die Straße gab - hat kein anderes Auto mit Servo je erreicht.
Der Platz im Innenraum ist ein Kapitel, welches nicht wirklich interessant ist, sonst hätte man sich diesen Wagen nicht gekauft. Er ist sehr gut für zwei Personen geeignet, der Kofferraum kann durch das Umklappen der Rücklehne auf ergiebe Größe gebracht werden.
Da nicht viel drin ist, kann sich auch nicht viel aufheizen - eine Klimaanlage braucht man selbst im Sommer (Wohnort Heilbronn) nicht.
ABS, Seitenaufprall oder gar Airbags brauch ich nicht zu erwähnen, die waren nämlich nicht vorhanden - dafür sind die Sicherheitsgurte serienmäßig rot.
Die Ablage (Handschuhfach) a la Panda ist enorm praktisch (einfach reinwerfen) und schön groß.
Wertgegenstände gehören aber nicht dorthin.
Charakter:
Der Wagen lebt, wie ich es nach 7 Jahren und 130Tkm sagen darf. Er benötigt Pflege - das Kühlwasser und das Öl will regelmäßig kontrolliert und nachgefüllt werden. Wer das vergisst, der bekommt den Groll des Cinquecento zu spüren !
Der Wagen ist laut, sehr laut - auf der Autobahn war mit meinem Modell eine Unterhaltung unmöglich, aber seit die alle 2 Jahre verrottende Auspuffanla
ge vom Händler nur durch ein Schweißgeräte auszutauschen war, passte nicht mehr alles so, wie früher.
Wer auf der Autobahn schnell fuhr, der verbrauchte Öl, konnte den Zeiger des Tachos bei lang übersetztem 5 Gang jedoch senkrecht (!) nach unten stellen (> 180).
Der Drehzahlmesser sagte schon, wo der rote Bereich beginnt - pech, wenn der Tacho nur bis 180 reicht.
Die süßen Reifen waren H-Reifen, was heißt: Bis 210 km/h geeignet ...
Gullideckel waren die natürlichen Feinde des Sporting, selbst schelcht geflickte Strassen, mitunter sogar topfeben wirkende Strecken donnerten durch die Karrosserie.
Der Lack war so dünn aufgetragen, dass vorne am Fahrzeug immerwieder Lack absplitterte.
Doch Wunder: Die Karre rostete auch dort nicht. Das hat Fiat jetzt scheinbar im Griff.
Die Türen, insbesonder die Beifahrerseite, fielen niemals willig ins Schloss. Die Heckklappe dafür umso besser - einmal flog die Scheibe bei mäßigem Schließen heraus ...
Glühbirnen hat er nur so gefressen, ob hinten oder vorne, doch das hörte irgendwann auf. Ich kann bis heute nicht sagen warum, aber vielleicht hat die ausgewechselte Lichtmaschine etwas damit zu tun.
Zuverlässigkeit:
Bis 100.000 Kilometer habe ich so ziemlich alles einmal ausgetauscht (bis auf den Motor und die vorderen Stoßdämpfer) - sogar die Stoßstange musste aufgrund ungenügender Lackierung ausgetauscht werden.
Danach war der Wagen zuverlässig - übrigens hat mich der Wagen nie im Stich gelassen. Bis auf die Zeit, wo der Drehzahlsensor nicht mehr wollte. Da habe ich immer anschieben müssen oder an leichtem Gefälle geparkt. die 730kg sind auch alleine leicht angeschoben, wenn es auch nur leicht abfällig ist. Rein springen, 2. Gang rein Zündung an und Kupplung kommen lassen. Kurzes Rucken und der Wagen war da. Irgendwann hatte ich es satt und habe den Wagen zur Werkstatt gebracht.
Danach sprang er bei -23°C genauso an, wie bei +35°C. Im Winter wollte der Wagen jed
och nicht wirklich warm werden. Erst in der Stadt, wo der kalte Fahrwind fehlte, kam er auf Temperatur.
Die Zylinderkopfdichtung war aufgrund eines defekten Kühlers nach 60 Tkm hinüber. In Italien konnte ich nur noch mit 110 km/h fahren, um die Temperatur nicht in den roten Bereich wandern zu lassen. Auf einer Bergtour in Österreich habe ich das Kühlwasser leergefahren (!) - am nächsten Tag habe ich daher etwas nachgefüllt und den Wagen bei der Werkstatt angemeldet. Nichts desto trotz musste ich an diesem Tag nach Mainau fahren - hat er mir nicht weiter übel genommen ...
Seit dem hat er immer ein wenig Kühlwasser haben wollen, doch es hielt sich stark in Grenzen.
Die Lichtmaschine, die Stoßdämpfer hinten, alles ging mal kaputt, doch die Batterie musste ich erst im Winter 2001 das erste mal austauschen.
Fazit:
Ein Auto zum liebhaben, es kann einen Menschen aber auch zum Wahnsinn treiben.
Je älter er wurde, desto besser - wahrscheinlich, weil alle Teile einmal gegen bessere ausgetauscht wurden.
Wer ihn jedoch vernachlässigte, auch im fortgeschrittenen Alter, der wurde bestraft.
Fazit:
Weitere Testberichte: im Bereich Auto


02.05.02
Habe diesen Bericht mit grosser Anteilnahme gelesen, nannte ich doch bis vor kurzem einen Cinquecento sechs Jahre lang mein eigen. Zwar nicht die Sporting Version, aber vieles habe ich ähnlich erlebt. So wurde auch der Kühler kaputt und nachfolgend die Zylinderkopfdic htung. Trotz Austausch lief er weiter heiß, als alle in Frage kommenden Teile ergebnislos ersetzt waren tauschte ich ihn ganz aus. Liebe Grüsse - Margit