
Produkttyp: Fiat Autos
Neuester Testbericht: ... kaputt gehen kann! Wenn ich mir die modernen Autos so ansehe und von den Besitzern das Gejammere über "spinnende" Elektronik hör... mehr
Die Jugendsünde: Fiat 850 Sport Coupé
Fiat 850

Name des Mitglieds: Necromanca
Produkt:
Fiat 850
Datum: 01.02.01, geändert am 13.02.01 (9106 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: damals sehr schneller, kleiner Flitzer
Nachteile: rostete schnell, hoher Verbrauch für den kleinen Motor
Vielleicht haben wir deshalb auch später den auch in diesem Jahr auf den Markt gekommenen Mercedes SL (R107) gekauft, der unerfüllte frühe Cabriowunsch...
Nun in einem Autokatalog, der nach Preisen sortiert war gab es im vorgesehen Kostenrahmen nicht viel was in Frage kam. Das einzige Modell, welches alle meine Erwartungen erfüllte war der Fiat 850 Spider mit 52 PS. Leider gab es da einen Haken, er war etwas zu teuer! mit ca. 8.500 DM war das Auto gut 1.000 DM über dem, was Eltern und Großeltern freiwillig gespendet hatten. Ich ging damals noch aufs Gymnasium, 12. Klasse also eigenes Einkommen Fehlanzeige.
Alles quengeln in der Art, was sind denn schon 1.000 Mark für dieses Gefühl an Freiheit und Abenteuer (das mit dem Abenteuer sagte ich natürlich nicht). Nun die 1.000 Mark kamen irgendwie nicht herbei.
Also mußte ein Kompromiß her, einen 1303 wollte ich nicht, schon gar nicht in einer Stadt mit unzähligen VW-Arbeitern die alle einen hatten. Der NSU TT galt auch als sportlich, aber er war mir im wahrsten Sinne des Wortes zu feurig denn die brannten gern einmal ab. Der Preis wäre auch sehr hoch gewesen, aber die Marke war in Ordnung - mein Vater hatte nämlich den ersten Audi 100.
Audi hieß da nämlich noch Audi NSU.
Also kam ich wieder auf Fiat, denn der 1,9 l Opel Rallye-Kadett stand auch außer Frage. Wenn schon kein Cabrio, dann eben das Coupé dachte ich mir. Es sollte gelb sein, Positano-Gelb genauer gesagt. Also wurde für 6.310 DM ein ebensolcher Fiat mit schwarzen Kunstledersitzen bestellt, nicht das man eine Auswahl gehabt hätte es gab ihn nur mit schwarzen Sitzen. Was aber nicht kam war mein gelber Fiat, immer wieder wurde ich ver
tröstet. Am Ende sagte ich egal, dann nehm ich halt den roten der schon da steht.
3 Tage nachdem ich den eher weinroten Fiat zugelassen hatte, kam natürlich der gelbe in den Laden...(er stand noch lange da rum)
Überhaupt Extras, es gab einfach keine damals - nicht mal metallic Lack. Man konnte unter 5 Farben wählen: rot, gelb, hellblau, dunkelgrün, weiß.
Die Auststattung war für heutige Verhältnisse merkwürdig:
Kunstleder Sitze
Holzlenkrad (sah zumindestens so aus)
Drehzahlmesser
4-Gang Getriebe
Doppelscheinwerfer (hier schon beide in 5 1/4 Zoll Durchmesser - KEIN Halogen)
5x13 Zoll Stahlfelgen mit Michelin 150x13 SR Stahlgürtelreifen
2-Klang Hupe
Scheibenbremsen vorn
mehr nicht.
Es gab
KEINE Gurte
KEINE Bremskraftverstärkung
einen kat-losen 2-Stufenvergaser
KEIN Verbundglas, erst recht nicht getönt
KEINE Radioeinbauöffnung, geschweige denn ein Mono-Radio
NUR ein Außenspiegel, in Italien hatte man nicht mal den!
KEIN Tankschloß, aber gegen geringe Gebühr konnte man ein Schloß für den Motorraum kaufen (da war auch der Tankdeckel drin)
KEINE Kopfstützen
Von modernerem Sicherheitszubehör ganz zu schweigen.
Nachgerüstet:
nicht aufrollbare 3-Punkt Sicherheitsgurte
Monoradio mit 5 Stationstasten (Grundig) ähnlich dem damals beliebten Blaupunkt Frankfurt (L-M-K-U-U), also Langwelle, Mittelwelle, Kurzwelle, 2x UKW
federnde Stahlantenne, war eigentlich hier verboten
4 Halogen H-1 Einsätze aus dem Fiat 124 Sport
(der hatte die gleichen Scheinwerfer)
das Schloß für den Motorraum
diverse Aufkleber (um Sportlichkeit vorzugaukeln)
Technik:
903 ccm 4-Zylinder Heckmotor, 3-fach gelagerte Kurbelwelle, Heckantrieb
52 PS, max. 6400 rpm
Verbrauch 9 Liter Super (mit Blei, damals 0,639 DM)
30 l Tank
4-5 l Ölinhalt (weiß ich nicht mehr genau)
2-Kreis Bremssystem ohne Bremskraftverstärker
Vmax ca. 150 km/h, al
so deutlich schneller als ein Käfer, fast so schnell wie ein Opel Rekord oder eben der 80 PS Audi 100 von meinem Vater.
Probleme:
Das Auto hatte nur ein Problem, aber ein heftiges! Bei ca, 23.000 km brach das 2. der 3 Kurbelwellenlager, mit nur einem war der Motor nicht mehr bereit noch sinnvolle Arbeit zu leisten. Also lag ich zwei Tage vor Weihnachten nachts um 22:00 Uhr kurz vor der Ausfahrt Hammelburg auf der Autobahn, zum Glück in der Luftwaffenuniform eines gerade die Grundausbildung beendenden Flieger einfach. Nette Eltern eines anderen, mir vollkommen unbekannten Soldaten schleppten mich in eine Werkstatt nach Bad Kissingen, ich durfte bei ihnen übernachten und am nächsten Tag klärten wir den Reparaturauftrag, danach brachten sie mich noch zum Bahnhof. Zu Hause angekommen bestellte mein Vater noch bevor wir zu Hause waren einen damals ganz neuen Audi 80 GL mit 85 PS, der Fiat war ihm zu unsicher geworden. Mit dem neuen Motor fuhr ich den Fiat noch bis ca. 30.000 km. Aber der Audi war ja 170 km schnell und das schlug die 150 km des Fiat bei weitem. Den Audi hatte ich nur 10 Monate, er wurde von einem VW-Bus voll gerammt und mir passierte nur durch Zufall nichts. Der Fiat war da bereits beim Audi-Händler und der 2. Audi 100 (GL 112 PS) meines Vaters konnte 3 Tage später in Neckarsulm abgeholt werden. Es war ein wildes Jahr damals.
Trotzdem werde ich diesen kleinen Fiat nie vergessen, sein Motor wird leicht verändert immer noch in den Seicento eingebaut, der Panda hatte ihn auch.
Da diese Autos sehr rostanfällig waren, gibt es heute kaum noch welche. Mit 30 Jahren würden sie aber als echte Oldtimer gelten.
Fazit:
Weitere Testberichte: im Bereich Auto

