Fiat 850
Fiat 850 Limousine - ein erschwinglicher Oldtimer - Fiat 850 Auto

Produkttyp: Fiat Autos

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Fiat 850 Limousine - ein erschwinglicher Oldtimer
Fiat 850

thicklizzie

Name des Mitglieds: thicklizzie

Produkt:

Fiat 850

Datum: 20.03.06, geändert am 23.03.06 (3415 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: handlich, geräumig, preisgünstig

Nachteile: unter Umständen Rost

Doch es gibt sie noch, wenn sie auch nur selten zu sehen sind: Fiat 850 Limousinen, entweder als N oder Spezial.
Das es sie noch gibt, grenzt schon fast an ein Wunder und liegt oft daran, das sich Veteranen, die die ersten 25 Jahre im sonnigen Süden zugebracht haben, sich doch noch nach Deutschland verirrten.

Den ersten dieser Sorte bekam ich im Sommer 1978. Sechs Jahre alt und 800 Mark teuer, mit der Ausstattung einer Schiebkarre begleitete er mich durch den Schneewinter '78/'79. Da nötigte er mir Respekt ab und wuchs mir ans Herz. Die dicken Daimler und BMW mit ihrem Hinterradantrieb und sooooo vielen PS streikten am laufenden Band - schon bei der kleinsten Steigung standen sie da wie Kraut und Rüben. Mein kleines Autochen war mit Heckmotor und Heckantrieb gesegnet und vor allem mit lächerlich dünnen Reifen in Motorradstärke. Um es kurz zu machen: in dem ganzen Katastrophenwinter blieb ich nur ein einziges Mal stecken, als ich mutwillig durch eine Schneewehe fuhr, um zu sehen, ob er die auch noch packt - das tat er nicht, bzw. erst, nachdem mein Beifahrer sich auf die hintere Stoßstange stellte um mehr Gewicht auf den Antrieb zu bringen, da gings denn doch.

Das große Problem dieser Fahrzeuge war und ist der Rost. Üblicherweise waren sie nach spätestens 8 Jahren durchgegammelt und kamen nicht mehr über den TÜV. Der Spider und auch das Coupe hatten durchaus Liebhaber, die ihr Fahrzeug von Anfang an gehegt und gepflegt haben, davon gibt es noch erheblich mehr. Die Limousine war nichts spektakuläres oder sportliches, und da machte sich kaum jemand die Mühe, den Wagen zu erhalten oder gar zu restaurieren. Die wenigen noch erhaltenen Exemplare verdanken ihre Existenz meist besonders günstigen Umständen.

Ich habe oft an meinen tapferen kleinen Fiat gedacht und mir vorgenommen, mir einen Oldtimer dieser Art zu kaufen. Jahrelang durchforstete ich die einschlägigen Zeitschriften und fand nichts. Internet war da noch nicht so verbreitet. Aber vor kanpp 4 Jahren fand ich einen vom Baujahr 1967 bei "mobile.de". Er stand zwar in Tübingen (700 km von uns entfernt), aber er sah gut aus (war die meiste Zeit seines Lebens Ausstellungsstück bei einem Fiat-Händler), und was wichtiger war: er hatte fast 2 Jahre TÜV. Wir fuhren also hin, und für 1000 Euro wurde er mein.

Die Überführungsfahrt nach Hause überstand er ohne Probleme, aber man braucht sehr viel Humor, um ein solches 34-PS-Wägelchen über 700 km Autobahn zu fahren. Er brachte ohne Probleme bei Vollgas ca. 130 km/h auf die Straße, aber das tat ich ihm nur selten an. Was ich schön fand: niemand hupte oder blinkte böse von hinten, wenn ich einen Lkw überholte, viele Autofahrer schauten mich sogar freundlich oder lächelnd an, wenn sie endlich an mir vorbeifahren konnten.

2 Jahre fuhr ich "Paulchen" (so nannte ich ihn) als Alltagsauto. Außer einer Reifenpanne hat er mir nie den Dienst versagt, nicht einmal bei tiefsten Minusgraden. Als der TÜV-Termin da war, rächte sich allerdings, das ich keine Garage habe - durchgefallen - und nur mit Riesen-Aufwand wieder herzurichten. Mir blutete das Herz.

Aber - Glückes Geschick - ich fand einen anderen bei Ebay, den ich für 804,- € ersteigerte, mit kanpp 2 Jahren TÜV. Sogar mit Halbautomatik (genannt Idroconvert) und 37 PS - ja, sowas gibt/gab es auch bei Fiat. Den habe ich noch ein wenig auf Vordermann bringen lassen müssen (Lackierung, Rostbeseitigung) aber dafür habe ich nun ein feines Auto, das ebenso zuverlässig vor sich hin werkelt wie Paulchen. Die Halbautomatik ist genial. Kuppeln entfällt, Schalten braucht man nur in Ausnahmefällen, und verbrauchen tut er gerade mal 7,5 Liter Normal. Als Oldtimer zugelassen kostet er weniger als 300 Euro im Jahr an Steuern und Versicherung - Herz was willst Du mehr.

Komfort darf man allerdings nicht erwarten. Die Lüftung hat 2 Stufen: "an" und "aus". Das gleiche gilt für den Scheibenwischer. Die Sitze haben den Charme von gut gepolsterten Küchenstühlen (sind aber trotzdem gar nicht mal so unbequem), und das Armaturenbrett ist sehr spartanisch ausgestattet. Laut Betriebsanleitung hat er eine Klimaanlage: die Dreiecksfenster vorne zum Ausstellen + die Heizung/Lüftung (was habe ich gelacht, als ich das las). Er ist handlich, übersichtlich und wendig, auch ohne Servolenkung, hat aber eine Straßenlage wie ein Tennisball, auf holprigen Strecke ist also etwas Vorsicht geboten.

Das dieser Wagen sich heutzutage noch problemlos im Alltag fahren läßt, liegt auch daran, das alle Erstzteile, die die Technik und die Karosserie betreffen problemlos im Fachhandel und bei Ebay zu bekommen sind, und zwar für wirklich günstig Geld. Ein Radbremszylinder kostet z.B. 2,95 €, Bremsbeläge kriegt man für etwa 10-15 € pro Satz usw. Einzig die Innenausstattung ist schwierig zu beschaffen, da ist man auf die hin und wieder auftauchenden Angebote bei Ebay angewiesen - dann heißt es zuschlagen. Zum Glück habe ich inzwischen für kleines Geld den Innenraum tipptopp in Ordnung gekriegt. Da muß man etwas Geduld haben. "Paulchen" dient mir fürs Erste als Ersatzteillager, wurde bisher dafür aber nicht gebraucht.

Die Technik ist zwar einfach, aber ich sehe das so: es ist nicht viel da, was kaputt gehen kann! Wenn ich mir die modernen Autos so ansehe und von den Besitzern das Gejammere über "spinnende" Elektronik höre, dann bleibe ich bei meinem Fiat 850 - mehr Auto brauche ich nicht. Aufgrund seiner Zuverlässigkeit, und weil er so pflegeleicht und preiswert im Unterhalt ist, kann ich ihn nur jedem Oldtimerfan empfehlen. Er ist so einfach konstruiert, das jeder halbwegs begabte Schrauber ohne Werkstatt auskommt.

Ein weitere Vorteil ist seine Geräumigkeit - ja, richtig gelesen. Bisher habe ich noch jeden Einkauf verstauen können, und sogar in den Urlaub sind wir damit schon gefahren (zugegeben Kurzurlaub) mit 2 Erwachsenen und einem sehr großen Hund. Das ist überhaupt so eine tolle Sache mit dem Hund. Wenn unsere Dicke (Neufundländergröße) mit soll, ziehe ich einfach den Beifahrersitz aus seinen Schienen (ist ganz leicht) und schon hätte ich Platz für ein Schaf, wenns sein müßte. Der Hund muß nicht springen, sondern kann gemütlich einsteigen und sich bequem in Reichweite von Frauchens Hand hinlegen. Herrchen sitzt auf der Rücksitzbank und hat enorm viel Platz, um die Beine auszustrecken.

Ich bleibe bei diesem genialen Auto und möchte kein anderes mehr. Dieses mal bin ich aber schlauer: der Wagen bleibt im Winter in einer Halle und ich werde ihn nur noch im Sommer vor der Haustür haben; mit Chance gibt es bald einen Carport vor der Tür, und so hoffe ich, das er mir noch viele Jahre Freude macht. Wenn ich es zu einer Garage gebracht habe, dann fahre ich ihn auch wieder ganzjährig, wenigstens bei trockenem Wetter.

Fazit: Als Zweitwagen ideal

Verarbeitung:    
Zuverlässigkeit:    
Fahreigenschaften:    
Ausstattung:    
Platzangebot: