Fiat 126
Fiat 126 mit Goggomotor - weniger Auto geht fast nicht - Fiat 126 Auto

Produkttyp: Fiat Autos

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Fiat 126 mit Goggomotor - weniger Auto geht fast nicht
Fiat 126

thicklizzie

Name des Mitglieds: thicklizzie

Produkt:

Fiat 126

Datum: 22.03.06, geändert am 22.03.06 (1451 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: billig im Unterhalt, keine Parkplatzsorgen

Nachteile: nur für Stadtverkehr geeignet, rostanfällig

Im Frühling 1984 wurde die Anschaffung eines Autos nötig, das meine Gelbörse möglichst wenig strapazierte. So fand ich bei einem Händler in Kiel einen 126er Fiat mit Goggomotor - ja, Ihr habt richtig gelesen, so etwas gab es zeitweilig.

Gebaut wurden diese Wagen für die Inhaber des alten Führerscheins Klasse 4, der auch für Autos galt, die weniger als 250 ccm³ Hubraum hatten. Nun, dieses kleine Schmuckstück hatte davon nur 249 aufzuweisen und verfügte über satte 13,6 PS, die mit Zweitaktermischung gefüttert werden wollten. Wenn ich mich recht erinnere (ist ja schon ein bißchen her) war er damals etwa 6 Jahre alt, in erstklassigem Zustand und kostete stolze 3500,- DM. Dafür war er aber in Steuern und Versicherung konkurrenzlos günstig. Billiger bekam man als Autofahrer unterhaltsmäßig kein Dach über dem Kopf. Und er war einfach niedlich. Zu den Platzverhältnissen und der Modellgeschichte haben andere Tester genug gesagt, das brauche ich hier nicht wiederholen.

Der Praxisbericht:

Da ich überwiegend allein in dem Wagen fuhr, störte mich das geringe Platzangebot nicht weiter. Ich wollte nur von A nach B (meist zur Arbeit) fahren können, und dafür schien mir das Wägelchen völlig ausreichend. Also kaufte ich ihn und war eigentlich auch ganz glücklich, bis wir im Sommer auf ein Dorf etwa 15 km außerhalb der Stadt zogen. Bis dahin war mir der Kleine lieb und teuer geworden, denn Parkplatzsorgen kannte ich nicht mehr. Der paßte in jede noch so kleine Parklücke, und das ist in der City jeder größeren Stadt ein enormer Pluspunkt.

Bis zum Umzug wurde der Wagen nur im Stadtverkehr gefahren. Besondere Beschleunigungswerte hatte ich nicht erwartet, konnte aber problemlos im fließenden Verkehr mitschwimmen. Nach dem Umzug rächten sich aber doch die 13,6 PS, denn ich mußte feststellen, das bei knapp 80 km/h Schluß war. Bergab und mit Rückenwind kamen wir auch mal auf 85, aber das ist für den Wagen schon ein recht beängstigendes Tempo, vor allem wenn man den Motor hörte, der in den höchsten Tönen jaulte.
Schlimm war es an Steigungen (in Kiel gibt es eigentlich keine enormen Steigungen, dacht ich, wurde aber eines Besseren belehrt). Wenn man die Steigung durch die Windschutzscheibe auch kaum sah, auf dem Tacho machte sie sich bemerkbar, nämlich durch eine maximale Geschwindigkeit von ca. 60-65 km/h. In "Extremfällen" waren es aber auch schon mal nur noch 50.

Nun, irgendwann lernte ich, ohne Geschwindigkeitsrausch zu leben und fand mich mit den Gegebenheiten ab. Immerhin schonte der Wagen meinen schmalen Geldbeutel und ich war mobil in einer Gegend, in der es keine brauchbaren Busverbindungen gab.

Und dann kam der Januar 1985 in Schleswig-Holstein. Wer sich nicht erinnert oder noch zu jung ist: es gab viiieeeel Schnee und es war elend kalt. Bis dahin hatte ich die "Standheizung", eine benzinbetriebene Zusatzheizung, nicht benötigt. Aber nun schlug die Stunde der Wahrheit. Sie funktionierte zwar, es dauerte aber sehr lange, bis sie Wirkung zeigte. Bis dahin war ich meist schon am Ziel angekommen - unter Zuhilfenahme eines Eiskratzers für innen. Das war erforderlich, damit ich überhaupt etwas sehen konnte, denn mein Atem sorgte in kürzester Zeit dafür, das sich auf der Frontscheibe Rauhreif niederschlug und gefror. Weil das Eiskratzen während der Fahrt sehr lästig war, ging ich dazu über, die Heizung eine halbe Stunde vor der Abfahrt in Betrieb zu nehmen - das funktionierte einigermaßen. Der Miniaturtank für die Heizung (ich glaube ca. 2 Liter, bin mir aber nicht sicher) mußte daher in sehr kurzen Intervallen wieder gefüllt werden - ich kaufte einen Reservekanister dafür.

Aber das muß man dem Kleinen lassen: er hat sich tapfer durch alle Schneewehen gekämpft. Nicht ein einziges Mal bin ich steckengeblieben! Und den Start hat er auch nie verweigert, egal wie kalt die Nacht gewesen ist.

Die heutige Situation als Oldtimer:

Wer einen der wenigen, noch verbliebenen 126er mit Goggomotor besitzt, wird mit den selben technischen Gegebenheiten fertig werden müssen, wie ich damals. Da die Technik insgesamt sehr simpel ist, hat ein halbwegs begabter Schrauber keine Probleme mit Reparaturen. Wer ein bißchen mechanisches Verständnis und nicht gerade zwei linke Hände hat, sollte in den meisten Fällen ohne Werkstattbesuch auskommen. Zudem hat man mit dem ewigen Erzfeind des Oldtimerbesitzers, dem Rost, zu kämpfen. Das Blech ist dünn und schnell durchgegammelt; vor allem auf den Unterboden und die Radläufe muß man sehr aufpassen. Gründliche Vorsorge verhindert da aber das Schlimmste und ist wärmstens zu empfehlen.

Die Ersatzteilversorgung ist sehr gut. Auf Schrottplätzen findet man immer wieder aufgegebene Exemplare, und auch über den Ersatzteilhandel ist in Sachen Technik und Blech das meiste noch zu kriegen. Das liegt einmal daran, das von diesen Wagen immer noch sehr viele in Italien und Polen unterwegs sind. Bei den Blechteilen spielt die Motorisierung ja keine Rolle, da paßt jeder 126er.

Zum Anderen hat Fiat (wie es heute ist, weiß ich nicht) lange Jahre eine sehr verbraucherfreundliche Ersatzteilpolitik betrieben, indem Bauteile eines Fahrzeuges im Nachfolger oder in anderen Modellen ebenfalls Verwendung fanden. Oft blieb die Bodengruppe und die wesentlichen Aggregate über Jahrzehnte hinaus immer dieselben. Einige Beispiele: Der Motorblock der ersten Fiat Uno Modelle ist der selbe, der schon im Fiat 850 verbaut wurde. Bremsbacken passen nicht nur für den Fiat 126, sondern auch für den 770er, 850er, 900er, 127er, 128er und den 133er, dieselben Radlager wurden im Fiat 600, 770, 850 Limousine, Coupe und Spider verbaut, die Bremsenentlüfter des 126ers passen auch in Fiat 127, 128 und Fiat Panda usw. usw. Mögen viele Autobesitzer auch über Fiat schimpfen - in diesem Punkt verdient der Konzern ein dickes Lob.

Diese kundenfreundliche Ersatzteilpolitik sorgt dafür, das die allermeisten Teile heute noch vom Händler nagelneu bezogen werden können. Leider gilt das nicht für die Innenausstattung, bei der man schon ein wenig Glück haben muß, um etwas gutes Gebrauchtes zu bekommen. Aber durch die großen Stückzahlen sind die Chancen durchaus gut.

Der Marktwert eines gut erhaltenen, oder womöglich sogar restaurierten Fiat 126 ist kaum feststellbar, da er als Oldtimer eigentlich noch gar nicht so richtig angesehen wird. Die Exemplare auf deutschen Straßen sind überwiegend Importe aus Ländern, in denen sie noch im ganz normalen Alltagseinsatz unterwegs sind. Die Exemplare mit Goggomotor sind extrem selten (sie wurden nur für Deutschland gebaut, soweit ich weiß), schon weil der Motor keine wirklich hohen Laufleistungen erreichte, meist deutlich unter 100.000 km. War der Motor hin, wurde meist das ganze Auto entsorgt, denn der Bedarf an diesen speziell für eine Führerscheinklasse gebauten Autos wurde schon aus demographischen Gründen immer geringer.

"Normale" 126er in gutem Zustand habe ich zu Preisen zwischen 1200 und 2000 Euro gesehen. Für einen Wagen, der Top-restauriert ist, würde ich maximal 3500 € ansetzen, dafür muß er aber auch in Spitzenzustand sein, sozusagen fast ladenneu. Zum Marktwert der Googomotor-Version kann ich leider nicht viel sagen, aber er liegt wohl ungefähr in der selben Preisklasse.

Eins ist sicher: mit diesem Wagen genießt man auf der Straße einen hohen Aufmerksamkeitsfaktor. Wer gerne 3 mal am Tag den Ausruf "Ist der süß!" hören möchte, kommt hier voll auf seine Kosten. EINEN Standardspruch des Publikums beim Anblick eines Oldtimers wird man allerdings niemals hören: Nach dreimaligem Klopfen auf den Kotflügel "DAS war noch Blech!" - aber "So einen hatte mein Vater (Onkel, Opa usw.) auch mal" hört man dafür umso öfter.

So, das wars für heute von der Oldiefront.

Fazit: Ein Auto nur für absolute Fans

Verarbeitung:    
Zuverlässigkeit:    
Fahreigenschaften:    
Ausstattung:    
Platzangebot: