Citroën SM
Citroen SM - Genie und Wahnsinn nahe beieinander... - Citroën SM Auto

Produkttyp: Citroën Autos

Neuester Testbericht: ... auf einer zweispurigen Strasse möglichst lange neben mir herzufahren, um den SM begutachten zu können... AUSSTATTUNG: Der I... mehr

Citroen SM - Genie und Wahnsinn nahe beieinander...
Citroën SM

Testeimer

Name des Mitglieds: Testeimer

Produkt:

Citroën SM

Datum: 23.05.00, geändert am 01.06.00 (818 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: einmalige Optik, einmaliges Fahren

Nachteile: sehr kapriziöse Technik, nichts für Anfänger!

Als Citroen-Fan träumte ich lange Zeit davon, irgendwann mal einen SM zu besitzen - da bin ich sicher nicht der einzige. Der Versuch, diesen Traum in die Tat umzusetzen, hätte auch fast geklappt. Gescheitert ist die Geschichte letztendlich an der Technik dieses Autos. Ich traue mir schlichtweg nicht zu, die ständigen Defekte und Wehwehchen unter Kontrolle zu behalten.

Ich werde also weiterhin davon träumen, möchte Euch aber zumindest einen Eindruck von einer längeren Fahrt vermitteln, die diesen Traum bekräftigt hat:


ERSCHEINUNGSBILD:

dieses Fahrzeug sieht so fremdartig aus, dass alle Augen auf ihm ruhen. Wer den SM nicht kennt, sollte unbedingt mal auf den unten angebenen Webseiten nachschauen. Ich habe schon oft erlebt, dass dieses Fahrzeug sehr unterschiedliche Emotionen hervorgerufen hat...
Die Form ist auch aus heutiger Sicht noch absolut zeitgemäss und wurde in dieser Konsequenz nie wieder erreicht. Der SM wurde Opfer seiner Zeit: die Ölkrise hat nach nur 12.920 Fahrzeugen im Jahr 1975 für ihn das Ende bedeutet. Mit vorsichtigem Gasfuss reichen ihm durchschnittlich 13 Liter auf 100km, es können aber auch 18 werden, wenn man es denn wünscht... Mit seinem damaligen Neupreis von über DM 30.000,-- war er teurer als alle vergleichbaren Fahrzeuge, was ihm in Verbindung mit der völligen Überforderung der Werkstätten und einem schnell erworbenen schlechten Ruf zusätzlich geschadet hat. Citroen war einfach nicht in der Lage, das Fahrzeug anständig zu supporten, wie es auf neudeutsch heisst.
Für die französische Regierung wurden 2 SM zu 4-türigen Cabrios umgebaut, von denen zumindest einer bei der jüngsten Ernennung des Ministerpräsidenten noch zum Einsatz kam.

Aus jeder Perspektive wirkt der SM schlichtweg überzeugend und hat während der Fahrt des öfteren für staunende Blicke, freundliches Winken aber auch Irritation gesorgt. Ein XM-Fahrer ist mir spontan bis zur nächsten Ampel gefolgt und wollte wissen, ob er den
SM kaufe könne (Optisch sah er auch wirklich aus wie aus dem Laden - kein Wunder bei nur 23.000km Laufleistung in 27 Jahren...).

Spätestens beim Gasgeben an der Ampel hat sich auch der letzte Fussgänger umgedreht, denn der Motor klingt einfach unglaublich - ich kenne keinen Sechszylinder, der einen ähnlichen Sound produziert!

Ich hatte übrigens vorher noch nie erlebt, dass wildfremde Leute einem plötzlich zuwinken, den erhobenen Daumen zeigen oder versuchen, auf einer zweispurigen Strasse möglichst lange neben mir herzufahren, um den SM begutachten zu können...


AUSSTATTUNG:

Der Innenraum ist eher knapp geschnitten, die Kopffreiheit reicht mir gerade so (bin 1,92m gross). Die Aussenlänge von ca. 5 Metern verschwindet zu einem grossen Teil im Vorderwagen.

Die Sitze lassen sich vielfach verstellen, die Sitzhöhe lässt sich sogar vorn und hinten getrennt einstellen. Die serienmässige Lenksäulenverstellung hilft, eine optimale Sitzposition zu finden. Man sitzt sehr bequem, die Übersichtlichkeit leidet aber unter der schlechten Sicht nach schräg hinten (aber wir wollen ja auch vorwärts fahren, oder?).

Die Rücksitze sind zwar vorhanden, Beinfreiheit aber nicht. Es ist halt ein Coupé und keine Limousine.

Die Serienausstattung ist für damalige Zeiten sehr umfangreich. Klimaanlage, elektrische Fensterheber, die unnachahmlich direkte Servolenkung und die grosszügige Instrumentierung zeigen, dass es sich beim SM um ein teures Luxusfahrzeug handelt.


TECHNIK:

Die Lenkung ist übrigens einer besonderen Erwähnung wert: das Lenkrad ist (wie die Instrumente) von ovaler Form, bis zum Anschlag ist es gerade mal eine dreiviertel Umdrehung in jede Richtung. Sinn der Sache war, eine bei langsamer Fahrt leichtgängige Lenkung zu haben, die sich progressiv bei zunehmender Fahrgeschwindigkeit verhärtet. Die erste geschwindigkeitsabhängige Lenkung war geboren, lange bevor irgendein anderer Herstelle
r etwas ähnliches auch nur angedacht hatte. Die Lenkung zentriert sich selbständig, wenn sie in eingeschlagener Stellung losgelassen wird; zwei der sechs Frontscheinwerfer folgen hydraulisch gesteuert dem Lenkeinschlag und leuchten Kurven aus, bevor man sie durchfährt. Eine weitere Idee, die erst heute wieder aufgegriffen wird.

Die Beleuchtungsanlage wurde in Deutschland erst nach langem Kampf genehmigt, da die Lichtstärke höher war als hier zugelassen. Die ersten SM wurden daher mit zwei abgedeckten Scheinwerfern zugelassen. Die durchgehende Glasfront vor den Scheinwerfern und dem Kennzeichen sorgt auch heute noch bei mancher Polizeikontrolle für Ärger, ist aber letztendlich zugelassen worden. In USA wurde der SM aufgrund der dort erforderlichen "sealed-beam-Scheinwerfer" zeitlebens mit einer entstellenden 4-Augen-Front verkauft.

Der Maserati-Motor war anfangs nur mit 3 Doppelvergasern lieferbar, die später durch eine elektronische Einspritzanlage ersetzt wurde. Feine Sache, solange sie funktioniert! Die Vergaser abzustimmen, erfordert den Typ von Fachmann, der nach Gehör und Gefühl arbeiten kann und nicht bloss den Diagnosestecker aufsteckt...
Der Hubraum von 2,7 Litern war die in Frankreich höchstmögliche Grösse, um extreme Steuerauflagen zu vermeiden. Zu diesem Zweck wurde ein Maserati-V8 um zwei Zylinder gekürzt. Der ungewöhnliche Winkel von 90 Grad bei einem Sechszylinder-V-Motor ist leider nicht sehr schwingungsarm, was letztendlich zum einmaligen Klangerlebnis beiträgt.

Wenn ich mal viel Zeit habe, schreibe ich noch was zur genialen Hydropneumatik - dann insbesondere zu ihrer Komplexität im SM.

FAHRLEISTUNGEN:

Wer spricht noch von Fahrleistungen, wenn beim Fahren das Radio und jede Unterhaltung ausbleiben, um dem Klang des fantastischen Maserati-Leichtmetalltriebwerk zu lauschen? Mit 178 PS ist der Einspritzer gut motorisiert, auch wenn die Elastizität in den unteren Drehzahlbereichen eher mässig ausfällt.
Er will halt gedreht werden - eine Tugend, die nicht recht zum Charakter dieser Sport-Sänfte passen will. In den höheren Drehzahlregionen ab 4.000 Umdrehungen fühlt er sich hingegen pudelwohl und reagiert spontan auf jeden Gasstoss. Die Endgeschwindigkeit von 228 km/h wollte ich nicht antesten, da mir der Respekt vor dem Fahrzeug dieses verbot. 160 km/h waren schnell genug... Hat man sich erst einmal an die Servolenkung und das spontane Ansprechen der Hochdruckbremse gewöhnt, möchte man nicht mehr aussteigen. Die Kurven sind dann auch irgendwann nicht mehr so eckig und die Bremswege wieder im normalen Bereich.



FAHRWERK:

Als langjähriger Citroen-Fahrer schwöre ich auf das hydropneumatische Fahrwerk, das schlichtweg bequem und zuverlässig ist. Der SM ist sehr weich und gut gedämpft, der lange Radstand trägt seinen Teil zum hohen Reisekomfort bei. Es ist immer wieder ein einmaliges Gefühl, über einen Bahnübergang zu schweben, und ihn nicht zu spüren. Wie auf Samtpfoten bewegt der SM sich dahin. Kein Vergleich zu moderenen hydropneumatisch bzw "hydraktiv" gefederten Citroens - dazwischen liegen Welten! Es ist tatsächlich sehr schwer zu beschreiben, wie sich dieses Fahrzeug "anfühlt"! Der "deutsche" Autofahrer bevorzugt halt eine gewisse Straffheit und Härte im Fahrwerk. (Ich will dazu lieber nicht mehr schreiben, da ich inzwischen aus beruflichen Gründen Mercedes fahre...)



FAZIT:

Wären da nicht die ständigen Macken, hätte ich eine Garage und viel viel Ahnung von seiner Technik - ich hätte ihn gekauft, den SM. Interessenten sollten sich beeilen, denn der Bestand in Deutschland ist knapp geworden - zwar noch dreistellig aber mit fallender Tendenz. Gute Fahrzeuge sind in Sammlerhand und vor verbastelten kann man nur warnen. Sind hingegen genug Zeit und Geld vorhanden, wünsche ich viel Spass mit einem absolut einmaligen Auto, das es so nie wieder geben wird. Ich habe die Hoffnung aufgegeben, von Citroen jemals wi
eder ein Auto zu sehen, das zumindest so gewagt aussieht wie der XM, als er 1989 erschien und dabei so solide ist wie ein Xantia jüngerer Bauart.



DEUTSCHSPRACHIGE RESSOURCEN: (Auszug)

http://www.andre-citroen-club.de (Andre-Citroen-Club)

http://home.t-online.de/home/c.mohn/ (Citroen-SM-Club Deutschland e.V.)

http://www.ds-online.org (wie der Name schon sagt...)

(Angaben ohne Gewähr!)

Fazit: