Citroën Visa
Häßliches Entlein - Citroën Visa Auto

Produkttyp: Citroën Autos

Häßliches Entlein
Citroën Visa

Autistic_Cucoo

Name des Mitglieds: Autistic_Cucoo

Produkt:

Citroën Visa

Datum: 02.01.01, geändert am 02.01.01 (347 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: -

Nachteile: -

Gestern hatte ich die Möglichkeit, den Citroen Visa eines Bekannten zu fahren. Dies riss einige „alte Wunden“ auf, denn bis mich ein völlig unerwarteter Geldsegen großväterlicherseits vor etwa 2 ½ Jahren in die Lage brachte, ein Citroen Xsara Coupe zu erstehen, war ich selbst für ungefähr drei Monate stolzer Visa-Fahrer – und meinen Visa vermisse ich selbst heute noch manchmal.

Die Visa-Bauhreihe löst irgendwann Mitte der 80er Jahre die legendäre Ente (2CX) endgültig ab, das Design ging hand in hand mit der „Schuhkarton-Philosophie“, der die Citroen-Designer damals anhingen. Neben anderen, rückblickend ziemlich hässlichen Autos wie dem BX (Xantia-Ahne) und dem ZX (Xsara-Vorläufer) schufen sie auch das Blechkleid des Visa.

Die neue Karosserie wurde allerdings einfach auf die vorhandene Enten-Technik aufgesetzt. Damit ist der Visa eigentlich nichts anderes als eine hässlichere Version der Ente – neues Design auf der alten technischen Basis.

Mein Visa war zum Kaufzeitpunkt (1998) 8 Jahre alt und hatte knapp 70 000 Kilometer auf der Uhr. Es war allerdings kein „normaler“ Visa, sondern die exklusivere Ausführung „Visa Club“ – über die Unterschiede kann ich euch aber nichts erzählen ;-). Die Tankuhr war kaputt, so dass ich vorsichtshalber alle 300 Kilometer tanken gefahren bin. Die Lüftung hatte irgendwo ein Loch und blies Abgase in den Innenraum, die Nutzung verbot sich damit bis zur Reparatur von selbst (glücklicherweise war es ein milder Frühling *g).

Für den Preis von 900,- DM bekam ich aber trotzdem ein fahrbereites kleines Auto mit noch ganzen 2 Jahren TÜV, und das war ja eigentlich alles, was ich wollte.

Als Fahranfänger war der Umstieg vom neuen 120-PS-Turbodiesel-Golf auf den alten 44-PS-Benziner natürlich nicht der leichteste. An Viergangschaltung, Choke und den extrem langen Kupplungsweg musste ich mich schon einige Zeit gewöhnen. Dann gab es aber Fah
rspaß pur.

Mit 44 PS kann man erst gar nicht zum Raser werden, denn obwohl das Autochen nur ungefähr 700 kg auf die Waage bringt, ist der Motor nicht gerade der drehfreudigste. Mit modernen Maschinen ist er nicht zu vergleichen, eher mit einer alten Vespa. Für den Stadtverkehr reicht es aber allemal, und sicherer ist es für den Anfänger auch.

Der Fahrspaß kommt also nicht durch den Geschwindigkeitsrausch – es ist das ganze Auto selbst. Ein Visa fährt sich halt genau wie eine Ente, am meisten Spaß machen dabei Kurven, da die gesamte Karosserie ententypisch mitschaukelt.

Natürlich hat ein Visa auch genügend Nachteile. Autobahnfahrten kann man vergessen, 130 km/h schafft er nur bergab, außerdem wird es im Innenraum unerträglich laut. Das Platzangebot ist ziemlich gut mit „knapp“ zu beschreiben. Bei niedrigen Außentemperaturen gerät das Anlassen zur Geduldsprobe und Gas-Pump-Orgie. Der Verbrauch liegt trotz niedrigem Gewicht und geringer PS-Zahl bei ungefähr 8 Litern. Wie alle älteren Citroenmodelle neigt das Auto zum „sauen“, soll heißen, er verliert Öl, und das nicht gerade wenig. Die Bremsen sind nicht die besten, auf ABS und Bremskraftverstärker muß man natürlich auch verzichten, was aber nach ein wenig Eingewöhnung keine Probleme mehr macht.

Es mag sein, dass sich bei mir ein paar nostalgische Gefühle in die Bewertung einschleichen. Trotzdem halte ich den Visa immer noch für ein ideales Anfängerauto. Er ist einfach ungemein robust und verzeiht so manchen Fahrfehler. Ein gut erhaltenes Exemplar für ein paar hundert Mark ist meiner Meinung nach ein ganz guter Kauf und eine perfekte Übergangslösung, bis ein „richtiges“ Auto ansteht.

Fazit: