
Produkttyp: Chevrolet Autos
Neuester Testbericht: ... denke also nicht, daß die Vorgeschichte den Wagen verschlissen hat. Einige Mängel (Zylinderkopfdichtung, Wasser im Fahrzeug) sind typische ... mehr
Der Preis für Individualität kann auch zu hoch sein
Chevrolet Beretta

Name des Mitglieds: CaptFreestyle
Produkt:
Chevrolet Beretta
Datum: 01.03.02, geändert am 01.03.02 (525 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Motor und Getriebe perfekt, sehr geräumig, individuelle, gute Optik
Nachteile: geringe Zuverlässigkeit, unbequem zu fahren, Servicewüste in Deutschland
Als ich die GTZ beim Händler sah, hat mich dieser Wagen doch sehr fasziniert. Sie stach aus der Masse der heute umherfahrenden Autos optisch heraus und
strahlte Individualität aus. Auch waren die Fahrleistungen auf dem Papier sehr überzeugend: 180 PS, Spitze: 230 km/h. Das Platzangebot war sehr großzügig und die Sitze sehr bequem. Die Inneneinrichtung war eher spartanisch, aber sehr interessant gestaltet. Überzeugend auch der Preis: 9000 DM für 93000 km, Baujahr 1991. Dazu Extras, die bei Amerikanern schon lange Serie sind: Klimaanlage, Tempomat (wer ihn denn braucht). Vom Stil her war der Wagen nicht typisch deutsch, aber auch nicht typisch amerikanisch. Also reingesetzt und eine Probefahrt gemacht: nach Deklarierung einiger Mängel (Kühlwasserthermostat defekt und Motor bockte - Vorzeichen ?) wurden diese behoben und ich nahm den Wagen.
Zu den Fahrleistungen ist zu sagen: atemberaubend ! Der 4-Zylinder-Motor ist sehr durchzugsstark und die "redline" liegt bei 7200 Rpm. 180 PS aus 4 Zylindern können einfach temperamentvoller freigesetzt werden als aus 6 oder gar 8, besondern bei hohen Geschwindigkeiten. Tatsächlich fuhr das Geschoß denn auch seine versprochenen 230 km/h. Der 5. Gang ist schön lang übersetzt, um hohe Geschwindigkeiten mit niedrigen Motordrehzahlen fahren zu können.
Allerdings ist der Wagen etwas für Kämpfernaturen. Die Kupplung geht schwergängig und die Lenkung ist irgendwie schwammig und etwas zu direkt. Bei hohen Geschwindigkeiten von 200 km/h ist das auf Autobahnkurven eher schwierig zu beherrschen. Aber man ist ja noch jung. Die Schaltung ist hervorragend und die Gänge "fluppen" nur so herein.
In der Stadt fährt sich der Wagen besonders durch di
e harte, schwergängige Kupplung eher lästig. Man muß stets mit etwas mehr Gas anfahren als normalerweise nötig, was den Benzinvebrauch treibt. Der Spritverbrauch bei zügiger Fahrweise ist eher gering. 8 Liter/100 km bei 150 km/h im 5. Gang für längere Zeit auf der Autobahn. In der Stadt schnellt der Verbrauch dann schnell auf 12-13 l. Kein Auto zum bequemen Einkaufen oder um schnell Besorgungen zu machen. Im übrigen läßt auch die Bremswirkung etwas zu wünschen übrig. Auch hier muß richtig draufgetreten werden - selbst mit neuen, gut eingebremsten Belegen ! Kritik auch an den schwachen Funzeln: Die Scheinwerfer sind klein und innenliegend und leuchten die Fahrbahn und insbesondere die Fahrbahnränder nur sehr schwach aus. Mit Fernlicht gehts, da Fernlicht und Abblendlicht dann zusammen leuchten (getrennte Scheinwerfer). Also eher etwas für einsame Highways in USA und nicht Autobahnen in Deutschland, wo auch nachts noch so einige Autos fahren, die nicht geblendet werden wollen.
Also: Für laue (mondhelle) Sommernächte und freie Fahrt auf Landstraßen und Autobahnen ein wundervolles Auto zum Reisen und Cruisen mit viel Spaß durch herausragende Fahrleistungen. Aber: kein Alltagsauto, da in der Stadt auf dem Weg zum Einkaufen oder zum Job eher unbequem und unpraktisch und unhandlich. Eher ein Fun-Car also.
Fun-Car gilt auch für die Serviceleistungen: Vertragswerkstätten scheiden aus - Horrorpreise a la Opel (Endschalldämpfer: 350 Euro; Katalysator: 1000 Euro ! Absoluter Wucher). Also zu kleinen Ami-Spezialisten oder Teile schicken lassen und selbst einbauen. Nachteil bei der ganzen Sache: sehr zeitaufwendig. VW oder Ford-Händler gibt es haufenweise über Stadt und Land verstreut. Einfach mal eben auf dem Weg zu Arbeit vorbei, Auto abstellen und abends wieder abholen. Nicht so mit der GTZ, da Amis hierzulande eben Raritäten sind. Man muß sich also "kümmern". Das die Verarbeitung trotz guter Optik an weniger auffallenden Stellen einfach ist, ist hie
r von Vorteil - vieles kann einfach selbst gewartet und repariert werden: "plug´n´ drive"-Prinzip. Wer dafür aber keine Lust oder Zeit hat, kanns vergessen oder muß tief in die Tasche greifen.
Also: Servicewüste in Deutschland, Wartung zeitaufwendig oder teuer - Sie haben die Wahl.
- nach ca. 3000 km war die Zylinderkopfdichtung hinüber - Motorüberholung war fällig (Kühlwasser gelangte ins Motoröl - schmieriger Schleim machte sich bis ins hinterste Lager breit)
- dann etwas später: Lichtmaschine defekt - nachts auf der Autobahn
- alle 20000 km waren beide Hinterreifen aufs äußerste innenseitig abgefahren - nicht behebbar
- der Wagen gewöhnte sich an, immer leicht nach links zu ziehen - Lenkung verschlissen
- Wasser gelangte bei Regen in den Innenraum - aufwendige Leckbeseitigung
Dann Finaler Rettungsschuß: auf einmal fuhr der Wagen nicht mehr schneller als 80 km/h und ein Blick auf die Wagenunterseite offenbarte, daß der Katalysator rot glühte und sich ein Loch in den Metallmantel des Kats gebrannt hatte.
Übrigens: der Wagen wurde vom Vorbesitzer (50 - 60 Jahre) immer den Winter über abgemeldet. Ich denke also nicht, daß die Vorgeschichte den Wagen verschlissen hat. Einige Mängel (Zylinderkopfdichtung, Wasser im Fahrzeug) sind typische Krankheiten - Beretta-Webseiten geben Aufschluß darüber.
Da mir das alles zu teuer und unpraktisch war, habe ich den Wagen dann abgestoßen und fahre jetzt ein anders Auto.
Fazit: Der Wagen hat zwar sehr gute Fahrleistungen und ist bequem und geräumig. Für den Alltagsgebrauch in Deutschland ist er unpraktisch, da die Handhabung (Lenkung, Bremsen, Licht) unbequem ist. Auch ist die Servicelandschaft schlecht. Wer ein Auto aus eher praktischen Gründen braucht und hohe Anforderungen an Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit stellt, ist sehr schlecht bedient. Also ist die Beretta GTZ eher ein Fun-Car und Wochenendfahrzeug. Man muß mit dem Auto bei
m Fahren "arbeiten" und sich "kümmern".
Die Verarbeitung und Qualität läßt auch sehr zu wünschen übrig. Das kostet Zeit und Geld. Das Fahrzeug ist nur etwas für Liebhaber und Ami-Schlitten-Fans (aber es ist ja gar kein richtiger Ami, wird gesagt !). Tja, wer ein Fun-Car will, das einen individuellen Touch hat und dennoch alltagstauglich ist, findet bei anderen Herstellern zuverlässigere Modelle, die diese Dinge in sich vereinen. Wenn wenigstens die Verarbeitung besser wäre: aber das ist wohl typisch amerikanisch - warum verkauft sich denn sonst BMW und Mercedes in Amerika so horrend gut.
In diesem Sinne: Finger weg, wenn ihr keine eingefleischten Fans oder Fanatiker seid.
Fazit:
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