Bentley Arnage Drophead 6.75l
Sanfte, spielerische Sinnlichkeit, kultivierte Wildheit und Lust und grenzenlose Hingabe... - Bentley Arnage Drophead 6.75l Auto

Produkttyp: Bentley Autos

Neuester Testbericht: ... nein man spürt regelrecht eine Feinmechanik dahinter. Leicht und doch satt...so lässt sich alles im Bentley bewegen und benutzen. ... mehr

Sanfte, spielerische Sinnlichkeit, kultivierte Wildheit und Lust und grenzenlose Hingabe...
Bentley Arnage Drophead 6.75l

B_Spit_H_43

Name des Mitglieds: B_Spit_H_43

Produkt:

Bentley Arnage Drophead 6.75l

Datum: 27.08.09

Bewertung:

Vorteile: Alle Erdenklichen

Nachteile: Ich kann mir das Auto nicht leisten

Das sind die Attribute mit denen dieses Fahrzeug, nein dieses Traumzeug, mal distinguiert und mal frech-dekadent kokettiert.

Doch will ich den Ereignissen nicht vorgreifen und fange mal ganz vorne mit der Geschichte an.

Warnhinweis:
Der Bericht ist eine Mischung aus Bericht, Eigenerfahrung und Kurzgeschichte. Das ist diesmal nichts für Tabellenfreaks ))
Die technischen Daten und die Ausstattungsdetails werde ich diesmal in Kapitel geordnet in den Text des Berichtes einfließen lassen. Ein Fahrzeug dieser Güteklasse kann und will ich nicht einfach so rein faktisch und trocken behandeln.
Es ist ein Fahrzeug höchster Güteklasse und ich stehe auf dem Standpunkt: Wer darüber etwas wissen will, der soll auch lesen. Die Faszination und die Würze gingen sonst verloren.

Vorgeschichte

In Hamburg habe ich einen guten alten Freund. Zuerst war er mein Kunde und ich sein Dienstleister, dann aber wurden wir wahre Freunde. Nicht im Sinne der heute im Business üblichen Hai-tai-tai-plastik-Psychologie, nein sondern unverfälscht und echt.
Der ist zwar in der Alterklasse unserer Großväter, aber bis vor einem Jahr nahm er rege am Wirtschaftsleben teil und von diesem Grand Senieur konnte man unendlich viel darüber lernen, wie man eine Firma so führt, dass Mitarbeiter treu bleiben, sich rundum wohl und behütet fühlen und wie man es schaffen kann Wohlstand zu erreichen ohne Neid zu erregen. Also einer aus altem Schrot und Korn, der nie ein Menschenführungsseminar oder Ähnliches besuchen musste, sondern einfach nur nach einem völlig natürlichen Gerechtigkeitssinn handelte und sich gleichermaßen der Höflichkeit wie auch seiner Verantwortung anderen gegenüber verpflichtet sah. Eine leider aussterbende Art von Unternehmern...

Er ist nun 73 und verkaufte kurz vor der Krise seine Firma. Seine Frau ist 68 und die beiden wollten endlich in den (Un)Ruhestand.

Der lang gehegte Lebenstraum von den beiden: Nach South Carolina ziehen, dort ein Haus am Meer haben und mit dem eigenen Bentley im Land umher fahren.
Nachdem alles in Deutschland ordentlich und redlich geregelt war fingen sie auch mit Planung und Ausgestaltung ihres, wie sie selber sagen, letzten Lebens an.

Kaufmann, wie er nun ist, wollte er keinen Bentley neu bestellen sondern ließ über den british car club alle Bentleyhändler in Europa nach einem passenden Fahrzeug absuchen. Zudem haben auch Bentleyhändler Wirtschaftskrise und so ließe sich sicher ein Schnäppchen machen....ich räuspere mich mal...Schnäppchen, die für unsereins immer noch unschluckbare Brocken sind!
Schmunzelnd erklärte er mir mal: also ich kann so was nur kaufen, weil es jetzt die Abwrackprämie gibt.
Ja neh iss klar...))) Ein Hanseat hat nun mal einen trockenen, aber herrlichen Humor.
Man fand einen Bentley, der dem Suchraster entsprach und so kommen meine Liebste und ich nun ins Spiel. Der Bentley des Begehrens stand in Rom. Wir wohnen aus beruflichen Gründen halb in Köln und halb in Mailand. Also rief unser Freund uns an und fragte nach, ob er uns darum bitten dürfte, dass wir den Wagen in Rom einer genauen Besichtigung unterziehen würden. Wenn alles tatsächlich so ist, wie man es ihm beschrieben hatte und das Original farblich so wäre wie auf den Foto's, die er uns noch zumailen würde, dann sollten wir die Kaufvollmacht nutzen, die er uns zufaxen würde und den Betrag könne er ja via Expressüberweisung zahlen. Da wird der Sachbearbeiter bei der Bank aber glotzen, dachte ich für mich.

Wir hatten zwar etwas völlig anderes vor, aber einem wirklich guten Freund kann man nichts abschlagen. So packten wir schnell was zusammen und düsten von Mailand nach Rom. Ähm...also wir schaukelten dahin, denn düsen darf man in Italien ja nicht ))

Besichtigung des Fahrzeugs

Da stand er nun: ein Bentley Azure T und somit aus der Arnage-Familie. Welch ein imposanter und doch zugleich höchst eleganter Anblick. Zum Glück waren wir vorher schon im Hotel und standen nun klassisch gekleidet mit frisch gepudertem Näslein da. Bei Bentley ist alles anders. Der Verkäufer brachte uns erst mal gekühlte feuchte Handtücher und zwei Champagner (so wie ich rauszuschmecken glaubte war es ein Baron Albert, den man nur vor Ort in der Champagne kaufen kann...nicht überteuert, aber wahrhaft edel).
Noch war der Wagen im Verkaufsraum und dort war es recht heiß, wegen den riesigen Glasscheiben. Während wir uns dem Getränk hingaben ließ er den Wagen in einen kleineren klimatisierten Schauraum schieben. Dann ging die Besichtigung auch schon los.

Belaberungen? Wortschwälle? Tenorarien aus Überzeugungsgewäsche? ...Nichts von alle dem und das in Italien! Dieser Mann war durch und durch römischer Gentleman oder tat zumindest so. Er stand etwas abseits und teilte uns lediglich mit, dass er für Fragen zur Verfügung stehe.

Der Wagen; moment mal...Der Wagen? Nein, das Geschöpf von Engelshänden trägt die Farbe Sunset-Red, der Kühlerrahmen ist in Wagenfarbe lackiert (gibt es auch verchromt, trägt aber fett auf), die Kühlerrippen bestehen aus Rautengeflecht in poliertem Edelstahl, dieses Metallgeflecht findet sich auch in den unteren Lufteinlässen wieder, die Scheinwerfer folgen dem klassischen Doppelscheinfwerfergesicht der Marke, sind nun aber ohne Zierrahmen.
Das macht die Front etwas "leichter" und angenehmer. Das Verdeck trägt ein sehr tiefes Burgund-Red.

Die Motorhaube wirkt wie ein tiefer Spiegel. Solche Perfektion in einer Lackierung kannte ich bislang nur aus meinen Träumen, dass es das auch real gibt machte mich ziemlich stumm und andächtig. In einer sanften gleichmäßigen Wölbung spannt sich die Haube über das darunter liegende Triebwerk. Vom Kühlerrahmen aus verläuft eine rundliche Charakterlinie konisch zur Windschutzscheibe hin. Sehr klassisches Design und dieser feinst ausgesuchte optische Verlauf kann man nur mit dem Wort Anmut annähernd erfassen.
Stellt euch vor, wie Motorhauben aussahen in der Vorkriegszeit. Genau daran sollen diese Linien erinnern. Konische Motorhauben und etwas tiefer daneben die Kotflügel.

Womit wir bei den Kotflügeln wären! Sie sind erst in der Motorhaube noch mit angedeutet und liegen tiefer. An den äußeren Enden schwingen sie sich jedoch wieder in einer fast schon scharfen Linie auf. So kann man die auch vom Lenkrad aus gut sehen und man weiß genau wo diese Prachtkarosse aufhört. Auch dies ist ein Designmerkmal vergangener Tage. Doch da ist nichts einfach so mal abgekupfert. Erstens sind das schon angestammte Designmerkmale seit spätestens mitte der 60iger Jahre und zweitens ist es wieder mal neu interpretiert. Raffiniert gemacht! Die Außenkanten sind auffällig und auch wieder nicht, sie wirken in angenehmer Weise antiquiert und auch wieder nicht. Sind einfach so da und doch eine Schmeichelei fürs Auge. Ach, sie sind einfach nur schöner als man sie sich je hätte selber erdenken können.
Und das alles in dieser satten roten Farbe. Ein Rot, das aufmerksam macht ohne zu stören. Ein Rot das einen gefassten, aber auch lebensfrohen Charakter ausstrahlt. Ein Rot schöner als Wein und aber keine Qual für die eitle Weiblichkeit, denn dazu den passenden Hut zu finden wird trotz aller Extravaganz dieser Farbe nicht schwierig sein. Es scheint, dass man sich bei Bentley bei jedem Einzelmerkmal eine Menge Gedanken macht.

Sehr erwähenswert ist die Kühlerfigur. Ein B mit herrschaftlichen, nahezu heroischen, Schwingen.

Die Seitenansicht

Der Blick beginnt am vorderen Stoßstangenmodul und schweift, in der Hoffnung, dass es nie ein Ende gäbe, langsam zum Heck dieses mondänen Cabriolets. Hier atmet alles an Formensprache und die besten Zutaten, der gesamten alten Welt.
Ist der Vorderbau noch streng geradlinig und fast schon wuchtig, beginnt schon ca. 15 cm eine bestens ausgearbeitete Chrakterlinie in der vorderen Kotflügelseite. Erst legt sich die Linie um den Radschnitt herum, dessen Form exakt folgend. Dann schwingt sie sich in einer
fast schon schlicht zu nennenden Steigung bis ca. 15 cm unter dem oberen, otpischen Rand der Karosserie auf. Von dort aus zeichnet sie die sogenannte Hüftlinie.
Erst völlig gerade verlaufend bis zum hinteren Ende der Tür, schwingt sie nun jenen Hüftschwung nach, der diesen Bentley so besonders schön macht.
Wie beschreibt man einen solchen, sanften aber unwiderstehlichen Hüftschwung?
Meine lieben Leser, bitte entschuldigt! Dafür finde ich kaum Worte!
Stellt man sich eine grazile, feingliedrige Dame (nein, nicht so ein Magersuchtmodell...eine wirkliche Dame! ) in einem sie umscheichelnden, aber keinesweg zu durchsichtigen oder gar nuttig anmutenden, dennoch aufs Höchste betörenden, Sommerkleid vor, dann kann man die fast schon erotisierende Sinnlichkeit dieses blechgewordenen Hüftschwungs am ehesten beschreiben.
Wie eine helenistische Göttin! Ja, das trifft es am Besten!

Meine Liebste, sonst gern mit liebfrecher Forzzelei einhergehend, betrachtet den Wagen ebenfalls stumm und staunend. Wir sind beide gleichermaßen fasziniert von der Vielzahl der Ausstrahlungen, die immer präsent aber nie aufdringlich sind.

Die Heckansicht

Die Rückleuchten tragen eine feine Chromumrandung. Nein hier ist nichts mit Kunststoffzierringen denen man Billig-Chrom aufgedampft hat. Hier ist alles echt und einfach aus bestem Material. Die Form der Rückleuchten überrascht. Erwartet hätte ich schmale senkrecht stehende Rückleuchten. Zum wirklichen Entzücken blieb man der veredelnden Schlichtheit und Eleganz treu, obwohl man nun rechteckige Rückleuchten geschaffen hat. Diese sind an den Ecken sehr schön gerundet und wirken im Auge so was wie ovalisiert rechteckig. Auch hier: Kaum in klaren Worten zu beschreiben.

Der Kofferraumdeckel ist für sich der dominierende Hinkucker am Heck. Er wölbt sich leicht in der Breite, wächst in der Länge über die Rückleuchten hinaus, um dann scharfkantig gezeichnet jäh hinab zur unteren Kofferraumlinie zu stürzen. Eine weitere Homage an längst vergangene Tage, die hier aber keineswegs altmodisch wirkt.

So!...wir sind erst mal ziemlich geplättet.

Wir sollen ja nicht nur bestaunen und vergleichen; wir sollen ja auch auf Fehlersuche gehen.
Das kürze ich mal ab: Am gesamten Wagen nicht die allergeringste Qualitätsschwankung in der Lackierung. Alle Spaltmaße der Karosserie, alle Übergänge von Kotflügeln zu Türen, zum Kofferraum, zur Motorhaube, zur Windschutzscheibe...alles mustergültig auf den Millimeter genau. Selbst im Gegenlicht finde ich nichts und auch die beliebte Peilung über die Charakterlinie blieb hier für den Fehlersucher erfolglos.

Tja...und das war erst die Außenansicht dieses Wagens! Der Verkäufer nickt anerkennend; hat er doch mit Argusaugen unsere Vorgehensweise beobachtet. Er bot zur Erfrischung zwei Cafè (also für uns Teutonen: Zwei Espresso) an. Gern sagten wir zu. In der kleinen Pause fragte er, ob wir die Kaufbevollmächtigten von dem Herrn aus Hamburg wären. Er wusste das natürlich schon längst, aber er wollte einfach ein nettes Gespräch beginnen. Wir bejahten dies und sagten auch, dass wir uns ein wenig komisch vorkommen, einen derart perfekten Wagen so hart unter die Lupe zu nehmen. Der Senore schmunzelnde und meinte: Ist normal, wenn man Auftrag von gute Freund hat.
Damit war jegliches Eis gebrochen. War mir auch lieber so!

Seid ihr bereit in eine andere Welt einzusteigen? Macht eure Leselust noch mit? Dann sollt ihr reich belohnt werden!

Formenbeschreibungen der Sitze etc. kann ich einfach nicht. Wir alle bei Dooyoo sind nicht als Schriftsteller geboren und, bitte verzeiht, es will mir einfach nicht gelingen.
Das gesamte Gestühl im Bentley besteht aus extremst hochwertigem Leder im Farbton Magnolien-Weiß. Das ist ein Weiß mit einem pastellocker und einem Hauch grün. In der Tat ist es wirklich jenes Weiß einer Magnolien-Blüte. Die Türverkleidungen, Armlehnen an den Türen und zwischen den Sitzen, die Verdeckabdeckung sind mit diesem Leder bezogen. An den Sitzen befinden jeweils zur Außenseite sehr formschöne Griffe zum Umlegen der Sitze. Polierters Edelstahl an den Rändern und den Innenseiten der Griffe, dazwischen wieder dieses Leder.
Selbst die Gurtschnallen und die Gurte selber sind in Magnolien-Weiß und obwohl sie aus Kunststoff und Stoff bestehen, hat man sich bei der Einfärbung so lange Mühe gegeben, bis kein Farbunterschied mehr zur Lederfarbe auszumachen ist. Wahre Perfektion!
Das Armaturenbrett trägt auf der Abeckung zur Windschutzscheibe hin die Farbe Fireglow-Red. Das Lenkrad ist zweifarbig in Fireglow und Magnolie beledert. Die Teppiche sind ebenfalls Fireglow-Red.
Dieses Rot verdient eine Atempause. Es ist ein tiefes dunkles Rot und doch scheint es so als es würde es daraus schwach glimmen oder glühen. Dunkelrot kann ja sehr abgeschmackt und langweilig aussehen im Auto...dieses nicht! Es wirkt vertrauensvoll, behütend und doch voller Feuer und Kraft.

Holz gibt es auch in diesem Auto. Das erwartet man bei einem ehrwürdigen Engländer ja auch geradezu. Es handelt sich um helles, freundliches Vogelaugen-Ahorn. Die oberen Türverkleidungen, der Armaturenträger und die Mittelkonsole sind damit verschönert worden.
Die farbliche Gesamtzusammenstellung ist einfach zum Schwelgen.
Ein dunkles oder ein sehr stark gemasertes mittelhelles Holz, wie meist von uns Deutschen geliebt, wäre hier ein absolutes No-Go gewesen.

Die Instrumente sind wieder sehr klassisch gehalten und die Zifferblätter wurden in Antikweiß gearbeitet. Das gibt diesem Innenraum zum Magnolienweiß und dem Vogelaugen-Ahorn den letzten Touch.

Die Lüftungsdüsen verdienen noch eine besondere Erwähnung. Sie werden nicht wie üblich mit einem Rändelrad oder einfach mir einem Griff an den Lammellen bedient. Nein, hier ist auch das viel besser gelöst. Den Luftdurchfluss regelt man vermittels einem verchromten Knöpfchen, das neben der Lüftungsdüse sitzt. Man zieht es heraus oder schiebt es wieder hinein, je nach Belieben eben. Welch ein Gefühl! Das ist nicht einfach nur so ein Schiebestift, nein man spürt regelrecht eine Feinmechanik dahinter. Leicht und doch satt...so lässt sich alles im Bentley bewegen und benutzen.

Uns entfährt ein erster Scherz. Anlässlich dieser phänomenalen Frischluftklappenverstellung sagt meine Liebste: Ein Auto, das dich behütet wie eine Burg, das sehr angenehm und leicht bedienbar ist verdient einen speziellen Werbespruch! Atomschlag vor der Motorhaube! Kein Problem! Die Frisur sitzt und die Lüftungsdüsen funktionieren einwandfrei...

Nach all diesen Eindrücken folgt die Pflicht, alles auf Fehler hin zu untersuchen. Wieder mal finden wir nichts! Nicht mal an den Umkettelungen der Teppiche finden wir den geringsten Fehler.

Wir dürfen den Motor starten (dazu später mehr) und wir testen alle Funktionen im Innenraum aus.
Klimaanlage: wie das ganze Auto, sanft und doch wuchtig. So schnell wirkte noch keine, die ich zuvor ausprobiert hatte.
Navi: extrem leichte Menüführung, schneller Rechner
Heizung: Ratz Fatz
Maximale Gebläseleistung: Wie ein starker Föhn, aber ohne nerviges Gebrummsummsel
Sat / TV-Empfang: Ruck zuck und kritallklares Bild
Telefoneinrichtung: na was denkt ihr? Ja! Angenehme und klare Wiedergabe
Soundanlage: Als Testmusikstücke habe ich mir zwei besondere ausgedacht.
Einmal Klavierstücke von Eric Satie die Gymnopedie aus dem Jahr 1888 und einmal von Prokofjew die Symphonie Nummer 1 in D-Dur aus dem Jahr 1916.
Mit diesen beiden kann ich raushören was eine Soundanlage schafft. Lautstärke und Bass können die heute ja eh alle, aber die Feinheit eines Klanges, das nuancierte Raumgefühl von Tönen, Phrasen und Passagen, das kann kaum eine Audioanlage.
Die hier schon! Fast wird es schon langweilig, denn ich find doch so gern Fehler!!!

Motor wieder aus und Zündung eingeschaltet lassen. Nun die Probe des elektrischen Verdecks. Tja, was soll ich sagen? Geräuschlos und perfektioniert gleichmäßig schließt es sich. Innen ist es mit einem safran-farbenen Himmel versehen...noch eine Schmeichelfarbe.

Draußen um die Ecke steht meine Alfa 159 Limousine in schwarz und ist bestens poliert. Auch ein extrem formschöner Wagen, aber langsam komme ich mir albern damit vor...

Nun zu den Sonderausstattungen außen und hurraaaaaaaa!!!!!

Jah, jah, jah!!! Habe ich gefunde einen die Fehlähr!! Das Auto hat anhand der mir vorliegenden Liste die falschen Felgen drauf! Diese hier sind 5-armig und ohne Zweifel erhaben schön. Aber falsch ist falsch! Mein Freund will die aus poliertem Edelstahl, die eine große Scheibe im Zentrum haben und durch 16 kleine Verbindungsarme mit dem äußeren Felgenrand verbunden sind.
Mit einem Siegesgrinsen rufe ich den Verkäufer herbei und teile ihm die niederschmetternde Gewissheit mit!
Aber er leidet gar nicht, er zuckt nicht mal mit der Wimper! Völlig ruhig sagt er: bitte untersuchen Sie den Wagen weiter oder machen Sie mit Ihrer bezaubernden Partnerin doch ein kleines Päuslein. Gern servieren wir Ihnen ein paar Kleinigkeit, die ich schon vorbereiten ließ und in der Zwischenzeit schaffe ich eine akzeptable Lösung des Problems, danke.
Was soll so einem selbstsicheren und geschliffenen Charmeur da schon sagen? Gekonnt ließ er mich nicht gegen eine Wand laufen, sondern bot mir eine ultrasanfte Landung unter Vermeidung jedweder Diskussionsfront an. Hm, soll ich ihn nun dafür bewundern oder hassen? Ich entscheide mich fürs Bewundern und lasse mir ein paar Meeresfrüchte mit deutschem! Riesling aus dem Rheingau schmecken.
Donnerlüttchen; selbst daran haben die gedacht, dass wir ja Deutsche sind und eventuell den italienischen Weißwein als zu schwach im Nachgang und zu stark in der Säure empfinden könnten!
Meine Liebste schmunzelt, denn sie sieht mich grübeln. Dann sagt sie: Ach Raton (das Kosewort für mich *rot wird* ), ich glaube diesmal musst selbst du mal zugeben, dass es wunderbarer nicht sein kann.
Sie hat ja Recht, aber muss sie das mit diesem lieben, aber dennoch siegessicheren Unterton sagen? Egal...sie hat Recht; so einfach ist das nun mal!

Genussvoll trinke ich noch einen klitzekleinen Schluck vom Rheingauer, da ist auch der Verkäufer schon zurück. Mit einer leicht schnalzenden Zunge erklärt er mir:
Also bei einem Bentleyhändler in Köln, wo sie ja eigentlich herkommen, lagern Reifen mit exakt jenen Felgen, die ihr Freund wünscht. Es ist für uns eine Selbstverständlich, und das erhalten Sie formell korrekt in schriftlicher Form, dass man Ihnen in Köln die Räder umsetzt. Sie müssen doch, wenn ich es richtig weiß, sowieso nach Köln und von dort aus nach Hamburg mit dem Wagen, ist es nicht so mein Herr?

Zacksazack! Die Punkte gehen an ihn! Woher weiß er eigentlich, dass wir eigentlich aus Köln sind? Wir hatten nur unsere milanesische Adresse bekannt gegeben. Wahrscheinlich hatte mein Freund ihm das erzählt; ist ja auch nicht weiter schlimm.

Ok so weit, nach einem kurzen Telefonat mit Hamburg ist alles geklärt. Ich unterschreibe als Bevollmächtigter den Kaufvertrag vor Ort, Herr Verkäufer freut sich über das Geschäft und alles Weitere regelt er direkt mit Hamburg.

Wir fuhren erst mal zurück zum Hotel, während der Fahrt vergeblich nach dickem Leder und genialst geplosterten Sitzen suchend, wir finden auch keine Fireglow-Rote Armaturenbrettabdeckung und das einzige Holz, das wir ausmachen können sind die Streichhölzer in meiner Tasche. Ich mag den Alfa aber trotzdem noch.

Gegen 20:00 ruft Hamburg an und gibt bekannt, dass die Summe in Italien angekommen sei. Die werden eine deutsche Zulassung und Zulassungsnummer besorgen und so kann der Wagen in einer Woche nach Deutschland überführt werden, wie geplant.

Wie geplant, das heißt, dass wir nächstes Wochenende am Freitagabend wieder nach Rom fahren und dann am Samstag mit dem Bentley nach Mailand, dann nach Köln und dann nach Hamburg. Ich freue mich irgendwie drauf ))

Soderle...jetzt könnte ich eine Bösewicht sein und aus der Fahrt einen zweiten Bericht machen, neh? Aber was solls! Quasi für lau und nur weil ich einige von euch schlichtweg mag gibt es nun Zugabe. Einverstanden?

Eine Woche später

Wir sind mit dem Zug von Milano nach Roma gefahren, werden am Bahnhof von Mister Verkäufer abgeholt. Also wir werden gebeten im Fond eines Bentleys aus dem Jahr 1952 Platz zu nehmen und uns wohlbehalten zur Vertretung volantieren zu lassen.

Unterwegs flüstert mir meine Ratoncita (ihr Kosenamen) spitzmäusisch zu: Aber gib ihm kein Trinkgeld, du Bauer! Das wäre ein wirklicher Stilbruch!
Tja so ist es nun mal, aber sie kriegt ihre Späßchen zurück; das ist bei uns so.
Tage zuvor rannte Ratoncita über die Flohmärkte an der Naviglia in Mailand. Dort gibt es Stände mit Hüten, wie man sie heute nicht mehr herstellt oder für die man normalerweise ein Vermögen zahlen würde. Sie fand einen mondänen weit ausladenden Hut in fast jenem Rot des Wagens. Ein großmaschiges Schleierchen fehlte auch nicht, die Kreuzungspunkte waren sogar mit minikleinen Strass-Steinen besetzt.

7 Euro fuffzisch, rief sie schon im Flur der Wohnung als sie nach Hause kam ))

Für mich brachte sie ein altweißes Seidenhalstuch mit und ein dunkelrotes Hemd mit weißen Armbündchen und weißem Kragen, dazu ein kleines Einsteckperlchen fürs Halstuch.
Oh weia, dachte ich, wir haben dieser Art schon eine Menge und wozu das viele Geld ausgeben? Sie aber legte eine Quittung vor und nach dieser hat sie meine Zusatzausstattung insgesamt für knapp 40 Euro gekauft. Sie beherrscht die Sprache perfekt und ist eine knallharte Verhandlerin.

Jedenfalls boten wir eine perfekte Show zum Auto und der Verkäufer war regelrecht entzückt. Hach, dachte ich, wenn du mich erst in meinem Yacht-Jäckchen mit den cremefarbenen Hosen sehen würdest und was erst wenn du wüsstest was meine liebe Maus unter ihrem Kostüm farblich passend...du würdest dich hier vor uns zu Grunde japsen!

Der Wagen stand draußen auf einem bewachten Parkplatz, wir standen daneben, nahmen Papiere, Schlüssel und Voll-kasko-Bestätigung entgegen und strahlten wie Honigkuchenpferde. Herr Verkäufer rief irgendwas seiner Sekretärin zu, diese lief los, kam wieder und in säuselndem Ton meinte er: Bitte Senore! Bitte! Ich möchte ein Foto machen, bitte!

Hui, dachte ich, ja klar warum nicht! Doch es kam anders als gedacht, ich wurde sanft zur Seite geschubst, die Sekretärin zog mich liebschauend am Ärmel, Herr Verkäufer stellte sich mit Stolz geschwellter Brust neben Ratoncita und Frau Sekretärin schoss das Foto.
Dolle Show!!! Ja ok, ich bin nun mal ausgesprochen teutonischer Bauart, für Italien viel zu groß und zu breit und halt ja einfach typisch Deutsch. Also nicht fototauglich in deren Augen.

Italiener und Deutsche; eine endlose Geschichte der Konkurrenz, der Kritik, die auf Kritikunfähigkeit trifft, aber auch eine Geschichte der Sympathie, der Gegenliebe, doch noch nie eine Geschichte der gegenseitigen Achtung voreinander. So kam, was in dieser Situation kommen musste!

Flugs schnappe ich mir die wirklich sehr gut aussehende Sekretärin unter allerlei italo-deutschem Kauderwelsch und Gestikulierens, drückte dem verdutzten Verkäufer die Kamera in die Hand, schnappte mir im rechten Arm meine Ratoncita, fasste die Damen um die Hüften und strahlte wie der deutsche Brauereigaul, dem man gerade mit Bier abgefüttert hatte.

Herr Verkäufer tat möglichst fröhlich, aber endlich, endlich konnte man mal in seinem Gesicht lesen. Er schnippte mit den Fingern und spielte besonders entzückt, viel zu entzückt, rief : Bella! Bellissima! , schoss das Foto und tat so als wollte er aus Glück die ganze Welt umarmen. Welch ein Schauspieler!
Den Wagen und seine Funktionen, wie man ihn fahren sollte und all so was konnte er uns leider nicht mehr erklären, die Termine, die Familie, der Samstag und ob es uns was ausmachen würde, wenn Herr Assistent sich um uns kümmern würde.

Gern, dachte ich, Hauptsache du bist wech! Wir setzten uns in den Wagen und ich begann mit wichtigen Einstellungen wie Sitze, Spiegel etc. Dabei zischte ich zufrieden: Hach, war ja klar, dass er dann sofort den Rückzug antritt der Feigling! So haben sie es damals in Jugoslawien und in Ostafrika auch gemacht!
Oho! Von meiner rechten Seite zischte es zwar leise, aber merklich scharf zurück: Rrrrraatonnn! Jezz iss edd awwer ma jood!
Ok, hatte ich auch verdient. Das war nun wirklich zu emotional.

Ich kürz mal ab. Herr Assistent kam an, erklärte uns ein paar Dinge und dann wollten wir auch schon los.

Erste Fahreindrücke

Anfahren mit dem Bentley ist kein Anfahren. Klingt nun komisch; ist aber so. Es ist ein Anschweben. Nein ich hab keinen Dachschaden vom Rausch der automobilen Schönheit bekommen. Es fühlt sich wirklich so an!
Runter vom Parkplatz und ein erster Druck aufs Gaspedal. Erst mal etwas verwundert, denn ich erwartete, dass der Wagen brachial nach vorne preschen wird.

Warum? Nun wir reden hier über einen V8 mit 6,75 litern Hubraum und 507 PS!!!
Ich verstehe! Das Gaspedal ist so eingerichtet, dass man im Stadtverkehr nicht versehentlich losdonnert und den Vordermann bis zur Stadtgrenze vor sich her schiebt.
Kraft genug dafür wäre ja da ))

Blick links, rechts, nach hinten...hihi...keine policia da und 300 Meter freier Raum. Ich will es doch mal wissen und drücke das Pedal nur ein wenig heftiger.

Was dann passiert ist wieder mal fremdartig gut. Laut Tacho sprintet der Wagen los als wäre es ein heißer 911 Porsche. Doch man spürt nicht viel davon.

2,7 Tonnen Cabrio werden absolut leichtfüssig und mühelos nach vorne katapultiert und der Fahrer wird durch rein gar nix vom Fahren abgelenkt. WOW! Dieses kleine Stückchen zeigt mir schon, dass ich es mit einem Engelsgeschöpf zu tun habe, dem der Teufel im Leib steckt.
Genau dies teile ich meiner Beifahrerin mit und füge dazu: ...als hättest du dieses Fahrzeug konstruiert, so sehr gleicht es dir.
Damit war meine Tagespunktekonto reichlich gefüllt ))

Der Wagen beschleunigt trotz seinen 2,7 Tonnen Gewicht in 5,5 Sekunden von Null auf Hundert. Ja, ihr habt richtig gelesen!

Der Verbrauch ist, wie sich noch herausstellen sollte, auch existent. Englisch snobistisch formuliere ich es mal so: Der Verbrauch ist ca. 10 % niedriger als erwartet, und ziehe höfisch eine Augenbraue etwas hoch.

Also laut Werksangabe liegt das innerorts so bei 25 Litern, Überland und bei sanfter Autobahnfahrt so bei 12 und im Schnitt so bei 16. Genauer muss man das gar nicht wiedergeben. Denn die Realität sieht manchmal schlimmer aus als erwartet wie auch besser als gedacht.

Mal im Ernst, wer knappe 400.000 Euro (ohne einige Extras und Sonderwünsche aus dem Muliner-Package, die sich noch im dem Wagen finden wie Kühlfächer etc liegt der Preis so um 365.000 Euro) leisten kann, dem ist der ein oder andere Liter mehr einfach schnurz.

Der Motor wurde im Jahr in seiner Ursprungsform im Jahr 1959 entwickelt. Danach gab viele Evolutionsschritte an diesem Triebwerk .
Daraus wurde ein V8 -Motor mit Leistungsdaten wie 507 PS, 800 Nm, die bereits bei 2.000 Umdrehungen anliegen und den 2,7 Tonnen - Wagen mühelos auf eine Spitzengeschwindigkeit von 288 km/h treiben (offen 276 km/h).
Also der passt wirklich nicht in einen Smart!
So was ist seiner Rasse nach auch kein Sparwunder. Wenn ich aber den Leistungsvergleich sehe zwischen 8 Liter im Schnitt bei 130 PS und 16 Litern bei 507 PS ist es wiederum wieder ein Beweis für die ausgesprochene Wirtschaftlichkeit des Bentley-Triebsatzes. Wenn auch das Wort Wirtschaftlichkeit hier ein wenig seltsam klingen mag.
Alles eine Frage der Relativierung und persönlichen Sichtweise.

Fahrbericht

In Rom werden wir angehupt und es wird uns zugewunken. Der Wagen, der mondäne 7,50 Eruo-Hut, den jeder für ein extravagantes Designerstück hält, das ist es was in Italien gefällt. Es erinnert die Leute an die Zeiten, als es dort noch ein dolce vita gab. Davon wird heute noch viel erzählt, aber die Italiener haben das schon Ende der 50iger Jahre verloren. Auch wenn sie es auf keinen Fall zugeben wollen. Mittlerweile sind es ziemliche Spießer geworden und die Offenheit trifft man nur noch selten. Dazu muss ich auch sagen, dass wir uns dort nicht in Touristengebieten bewegen sondern ganz normal als Arbeitskräfte. Fahren wir mal nach Rimini (brauch man aber nur einmal) sieht das wie dolce vita aus, doch gehört es dort einfach zur Touri-Show und außer Touri's hat dort niemand dolce vita...

Umso mehr stechen wir im römischen Stadtverkehr hervor; eine zur Illusion gewordene Zeit verkörpernd und ebenso oberflächlicher wie falscher Beweis, dass es doch noch die große Zeit gäbe.

Wir halten in der Nähe des Regierungspalastes an. Komisches Gefühl; Berlusconi hat nen A8, der gegen diese englische Trutzburg eher billig wirkt. Wir gehen Eis essen und zwar in jener Nebengasse beim Regierungspalast, die man im Reiseführer nicht findet und dort gibt es das wahrhaft beste Eis Italiens. Den Wagen lassen wir einfach auf der Parke stehen. Offen!
Erstens kein Problem beim Alarmsystem des Wagens und zweitens (das werdet ihr nun nicht glauben) werden Oldtimer und sehr schöne klassische Autos in Italien nicht angerührt.
Sie gehen hin, schauen und begutachten, sie nehmen ihre Kinder bei der Hand oder heben sie hoch, damit sie reinsehen können und sie achten darauf, dass dem Auto nichts Schlimmes widerfährt.
Das hätte man so nicht gedacht, oder? Wir machten diese Erfahrung schon oft, wenn wir im
Oldtimer in Mailand oder sonst wo in Italien unterwegs waren.

Wir haben unser Eis und schlendern zurück zum Parkplatz. Au weia, was ist denn da los???

Als erstes sehen wir zwei Beamte der Policia Nationale und deren Fahrzeug, dann eine kleine Menschenansammlung. Wir nähern uns etwas aufgeregt. Doch was passiert?
Nö, alles im Grünen Bereich. Man ist sich sicher, dass eine Berühmtheit zu Besuch bei der Regierung ist und egal wer auch immer es ist, möchte man ein Autogramm.
Die Polizei wurde nervös, weil sich die Leute um das Auto drängten und mischte sich ein, damit nichts vorkommt, das Ärger machen könnte.
Wir staunen nicht schlecht! Bislang kannte ich italienische Polizei, egal welche, nur als ziemlich verschlagen und unfair mir gegenüber (mir = das absolute Teutonengesicht mit der Nazi-Deutscher-Figur). Läufe von Maschinenpistolen, die mir schon an den Kopf gehalten wurden, während man meine Papiere überprüfte, erpresste Geldleistungen, damit ich keine Anzeige erhalte (ohne was getan zu haben) ...das kannte ich schon eher.
Aber die Polizei als Wächter für ein von mir pilotiertes Auto? Das war mir neu!

Die Enttäuschung war groß beim Publikum, als klar wurde, dass wir zu dem Wagen gehörten und nun wahrlich keine Berühmtheiten sind. Aber unsere Kleidung beeindruckte und vor allem der Hut meiner Liebsten zum Kostüm löste stumme Bewunderung bei den Damen wie auch bei den Herren aus. Ich Super-Teutone war wieder mal aus dem Rennen. Trotz meines Einsteckperlchens im Halstüchlein...ich wollte dringlichst Richtung Autobahn!

Plötzlich wurde ich angesprochen von einem der Polizisten. Aha, also doch ...es geht nun doch wieder los, dachte ich schon, doch weit gefehlt. Wer ich denn sei und was ich so machen würde. Es juckte mich der Pelz zu sagen: och, große Geschäfte, mal dieses, mal jenes; andererseits jetzt den deutschen Mafiosi zu mimen war sicher eine sehr blöde Idee.
Ich sagte ihm die Wahrheit: Consultante di Economia. Dass ich aus Deutschland bin musste ich ja nicht erst erwähnen, hrrrmm.

Meine Hand wurde heftig geschüttelt und der Polizist begrüßte mich sehr laut und wieder handschüttelend: Gute Tagg, professore!
Alle Köpfe drehten sich zu mir um, brav lächelte ich zurück und winkte ein wenig, wünschte allen einen wunderbaren Tag und wäre am liebsten im Boden versunken.

Dann wurde meine Liebste gefragt wer sie denn sei und was sie machen würde. Sie antwortete nicht wahrheitsgemäß, denn sie wollte nicht in Konflikt mit ihrem Arbeitgeber geraten und verriet auch nicht ihren wahren, echten Vornamen. Der war in Deutschland mal ein Modename, aber in Italien bis vor ca. 20 Jahren nur für adelige Damen reserviert. Das hätte ja was gegeben und aus der Befragung wären wir nie wieder rausgekommen.

Sie deutete auch an, dass wir in wichtigen und dringenden Geschäften hier in Rom wären, das wir über alles lieben (ok, nicht völlig gelogen) und wie sehr stolz wir sind hier in der ewigen Stadt sein zu dürfen, wir uns aber langsam auf den Weg machen müssten, um nicht zu spät zu unserer Verabredung zu kommen.

Das hat geklappt, dachte ich, aber wieder mal habe ich mich in Italien getäuscht. Die Frauen baten darum sich mit der hübschen Seniora vor dem Wagen ablichten zu lassen. Mannmannmann...schon wieder! Also drückte mir immer wieder eine Dame eine Digicam oder ein Handy in die teutonischen Pranken und ich fotografierte unter allerei Begeisterungsanfällen. Schwupps...schon war ich wie Mister italienischer Verkäufer!

Als die Damen durch waren, fragten die Herren sehr höflich an, ob sie auch dürften.
Das gefiel mit schon besser als die freche Überrumpelung in der Bentley-Verretung und ich sagte zu.
Also wieder mal...knips, knips,knips. Am Ende kamen noch die Polizisten dran und ich dachte, dass wir nun endlich weiter kommen würden.

Diese Rechnung machte ich aber ohne die Damen! Zwei von Ihnen sprachen mit meiner Liebsten und diese nickte ihnen freundlich zu. Dann kamen die Damen zu mir und lächelten mir mitten ins Herz. Diese dunklen Augen und diese meist sehr schön geschnittenen Gesichter. Wie soll man sich da von der brüsken Seite zeigen können?

Nun sollte ich mich vor das Auto stellen, damit diese beiden Damen sich mit mir fotografieren lassen konnten. Fand ich das Geknipse eben noch als zeitraubend und langweilig fing ich nun doch an, na ja, sagen wir, ein wenig mehr Gefallen daran zu finden.

Knips, knips und schwupps Damenwechsel, knips, knips ...hat Spaß gemacht. Sehr verwundert war ich, dass ich zum Abschluss von beiden auf die Wangen geküsst wurde.
Hey, hey, hey...und das mir!

Nun ließ man uns des Weges ziehen. Die von mir erdachte Horrorvision, dass die Polizei evtl. noch das Geleit machen wollte, blieb gottlob aus.

So ließen wir die ewige Stadt hinter uns und rollten auf der Autobahn mit 120 km/h Richtung Milano. Wunderschöne Landschaften genießend und bei bester Laune.

Ich fragte meine Liebste plötzlich: Sag mal, sollten wir nicht doch mal heiraten?
Und wie immer bekam ich zur Antwort: Klar, aber wer will uns denn jetzt noch?

Das geht noch! Ich hörte auch schon mal nach dieser Frage die bös klingende, aber lustig gemeinte kölsche Redewendung darauf: Schatzemann! Isch glööv, isch muss ma brechen!

Nun gut...während wir darüber reden über das wie und wann und uns doch immer wieder beim ob- überhaupt- nötig wieder finden suckelt der Bentley schmatzend vom kostbaren Nass in seinem Tank.

Da man Samstag in Italien nie vor Streikwellen der Tankwarte sicher sein kann beschließen wir den Wagen noch mal voll zu tanken; man weiß ja nie.

350 km haben wir nun schon zurück gelegt. Austesten konnte ich den Wagen nicht. Wie auch? Dass Lenkung und Bremsen zu dem Tadellosesten gehören, das ich je bedient habe muss man, so glaube ich, mittlerweile gar nicht mehr erwähnen.

350 km, die sich anfühlten, wie 50 km...als würden die Sitze einen tragen. Rumpelchen von den Stoßdämpfern? Harte Windgeräusche wenn man offen fährt? Zugluft im Innenraum? Vergesst es! Welcher automobile Unbill euch auch einfallen mag: Hier gibt es ihn nicht.

Der Tankwart am Autogrill sieht uns heran rollen. Seine Augen sagen uns: Glaub ich nicht!
Wir begrüßen ihn sehr freundlich und beschwingt, er fragt ob er volltanken soll, wir bejahen, er will die Frontscheibe putzen, aber da iss nix zum putzen! Bei der Geschwindigkeit klatscht da offenbar nix dran. Ist auch dies eine bewusste Konstruktionsüberlegung? Ich weiß es nicht; nur wird es mir fast schon unheimlich ))

Wir zahlen, geben dem Tankwart ein gutes Trinkgeld und trinken im Autogrill erst mal zwei Cafe (Espresso sagen wir Teutonen dazu; das ist aber falsch...). Auch das ist immer das Selbe! Ich bestelle: due Cafe, prego; die Italiener hören überdeutlich meinen Akzent sehen mir ins Teutonenauge und fragen: Espresso?? ...ich bin jedes Mal am Boden zerstört! Da habe ich endlich gelernt, dass ein Espresso in Italien eine normaler kleiner Kaffee ist und gebe mir Mühe...da werde ich immer wieder gefragt: Espresso??? Das ist als würden sie sagen: Vergiss es deutscher Doofmann; Du wirst das eh nie lernen!

Aber jetzt passt mal auf! Sage ich bewusst, um ihnen den Spaß zu lassen: due Espresso! , kriege ich die trockene Antwort: Si! Due Cafe! ...das Cafe dann sehr betont und deutlich als Cafeeeh ausgesprochen. Es ist zum Auswachsen!

Wir zuckeln weiter Richtung Milano und machen da erst mal zu Hause eine Rast. Melden nach Hamburg durch, dass alles in Ordnung ist und berichten von unseren Erlebnissen. Das Gelächter am anderen Ende kommt von Herzen und wir sollen uns Zeit lassen.

Der nächste Tag

Morgens schnell Mails checken, im Internet ein paar Kommentare hinterlassen, in der Firma anrufen und dann geht es auch schon weiter.

Wir nehmen den Weg nach Köln unter die Räder. Es läuft wie geschmiert! Keine Fotosessions mehr, keine Staubildung und die spontane Idee einen Stopp am Comer See einzulegen.

Wir verwerfen den Gedanken, denn wir müssen nun wirklich schauen, dass wir Kilometer machen. 908 bis zu unserer Haustür in Germania. Es ist Sonntag und in der Schweiz kann es leicht zu langen Staus kommen. Dafür gönnen wir uns den St. Gotthardt. Nicht durch den Tunnel, nein oben drüber muss es gehen.

Welch ein Gefühl in diesem Wagen diese Alpenstraße zu genießen. Enge Kurven sind kein Problem und das bei der Masse des Wagens. Bergauf Gasgeben ist eine pure Lust! Die Drehzahl bleibt dabei stets moderat. Die Sonne streift immer wieder anders durch das Auto und das Spiel aus sehr geschmackvollen Farben macht klar: Der Abschied wird schwer, sehr schwer! Doch bin ich meinen Freund sehr dankbar für das Vertrauen und die Möglichkeit mal eine lange Reise in so einem wundervollen Fahrzeug machen zu können.

Oben auf dem höchsten Punkt des Passes halten wir mal an. Das Panorama haben wir schon öfters gesehen, aber es ist jedes Mal überwältigend.

Die Natur selber ist unübertreffbar; nicht mal ein Bentley kommt da dran.

In diesen Träumen und unserer engen Umarmung könnten wir nun lange verharren. Aber der Weg ist noch weit.

Es geht weiter Richtung Basel. Den Grenzübergang durchfahren, atme ich auf. Endlich deutsche Autobahn! Wenn auch nur das erste Stück freigegeben ist und dann wieder endlose Kilometer lang 120 km/h als Geschwindigkeitsbegrenzung gilt.

Frisch aufgetankt nehmen wir das schnelle Stück in Angriff. Hossa was für eine Beschleunigung! Doch selbst beim schnellen Spurt bleibt das Auto ganz ruhig und gelassen. Stress? Nicht hier in einem Bentley! Die Bahn ist glücklicherweise einigermaßen frei und mit Leichtigkeit überschreiten wir die 200 er Marke. Aber es hört einfach nicht auf!
Der Bolide zieht unvermittelt gleichmäßig kraftvoll weiter. Bei 230 muss ich aufhören. Gelbe Nummerschilder vor mir. Der Klassiker; auf der Überholspur mit 130 ohne wirklich überholen zu wollen. Für geübte Vielfahrer eine Sache, die uns einfach nicht in den Kopf will.
Also wieder zuckeln und da ist auch schon die Geschwindigkeitsbegrenzung. Doch selbst das nimmt man in diesem Auto gelassen. In jeder Geschwindigkeit ist er ein purer Genuss.

Da fragt mich meine Ratoncita: Sag mal. Der Rolls Royce und der Bentley sind sich doch meist sehr ähnlich oder gar gleich. Warum gibt es denn die beiden Marken so eng beieinander?

Hach! Männerstunde! Ich erkläre: Nun, der Rolls Royce ist ein Wagen in dem man sich fahren lässt. Der Bentley ist der Sportlichere und den fährt man selber. Es wäre also ein Stilbruch einen RR selber zu bewegen und so fand Bentley einen Markt bei finanziell hoch potenten Käufern, die selber fahren wollen.

Ratoncita: Mir wäre ein Bentley auch sonst lieber als ein RR.

Ich: Aha und warum?

Ratoncita: So wie du sagst muss man in einem RR doch einen fahren lassen und das wäre mir als Frau nun wirklich sehr unangenehm!

Schallendes Gelächter im Cockpit)) Ach ja, man kann sich im offenen Wagen problemlos unterhalten, aber das habt ihr euch sowieso schon gedacht.

So frozzeln wir weiter, reden über das Leben, die Welt, die verschiedenen Kulturen und eh wir es wirklich wahr haben können sind wir auch schon, frei von jeglicher Fahrbelastung und jeglichem Stress, ganz in die Nähe von Köln geglitten.

Zu Hause angekommen stellen wir den Motor ab, schauen uns an, lächeln, schnappen das Gepäck und verkrümeln uns in unserem kleinen Reich. Gekocht wird selbst und über Auto's reden wir kein Wort mehr.

Der übernächste Tag.

Wieder die Mails, die Anrufe...ja, das Übliche eben. Dann mit kleinem Gepäck nach Hamburg. Zuvor aber noch bei der Kölner Bentleyvertretung vorbei und die Räder tauschen lassen.
Wieder mal Service vom Feinsten. Wir kommen an und alles ist schon parat. Während wir einen kleinen Plausch mit dem Chef halten und feststellen, dass wir uns kennen, uns aber wieder aus den Augen verloren hatten, ist der Wagen auch schon wieder bereit.
Die Kontakte sind aufgefrischt und nächsten Karneval habe ich eine Verpflichtung mehr; ok, Business-Anbahnungen opp Kölsch; altbekannt und stets funktionell, wenn man diese spezielle Mentalität versteht.

Auf nach Hamburg! Die zwei werden schon warten und sehr gespannt sein. Wieder mal haben wir Glück. Das Wetter ist klasse und die Bahn läuft ganz gut. Es tritt bei mir ein seltsamer Effekt ein. Stellenweise ist die Bahn so was von frei, aber ich trete nicht sonderlich aufs Gas. Gerade mal 140 oder 160 und dann lass ich es auch gut sein und pendele mich weiter bei 130 ein. Dieses Dahingleiten hat mich voll im Griff. Ganz leise säuselt der Wind, die Liebste und ich sind sehr entspannt und wir freuen uns einfach über die Zeit, die wir zu selten füreinander haben.

In Hamburg am Ziel angekommen werden wir feierlich empfangen. Die Beiden stehen da mit jeweils einem dicken Blumenstrauß in der Hand. Wir umarmen uns und ich übergebe die Schlüssel und die Papiere. Er drückt mir einen kleinen Kranz in die Hand. Darauf steht: Teilnehmer der Ralley Rom-Hamburg. Wir lachen und beglückwünschen die Beiden zu einem derart gut ausgesuchten Fahrzeug.

Die beiden Frauen gehen schon mal ins Haus und ich bleibe mit meinem Freund draußen beim Wagen.

Er: Werden uns wohl in Zukunft nicht mehr so oft sehen, was?
Ich: Liegt doch an Dir du alter Reiseonkel!
Er: Stimmt, ich kann Stillstand nicht leiden. Das war Segen und Problem in meinem Leben und ist es noch.
Ich: Ja, kommt mir bekannt vor. Ich habe morgen übrigens einen Termin in Berlin und muss heute Abend noch nach Köln zurück. Ich will mit meinem Mädchen noch mal zu Hause zusammen sein.
Er: Versteh ich gut. Ihr entbehrt euch oft und kämpft zusammen, damit es voran geht.
Ich: Deine neuen Eigentümer sind übrigens gut ausgesucht. Sie haben mich damit beauftragt, das soziale Versorgungswerk für die Mitarbeiter in deinem Sinne zu pflegen und weiter auszubauen.
Er: Glückwunsch alter Klinkenputzer...hähä! , und gibt mir einen Knuff.
Ich: Tja, du hast es ja nötig oller Pfeffersack was?
Er: Warum hast du denn meine Firma nicht gekauft? Du wärst mir lieber gewesen.
Ich: Och ...mir fehlte dazu die ein oder andere Million, weiß du? Und hätte ich meinen Bänker um ein solches Darlehen gefragt, hätte er mich sicher entmündigen lassen. ))
Er: Ja so ist das mit diesen Erbsenzählern. Sie verleihen Regenschirme und wollen sie zurück haben wenn es regnet. Ich habe die nie gemocht!
Ich: Aber die mögen dich! ))
Er: Wie hat dir der Wagen gefallen?
Ich: Ach gut, der ist aber nichts für mich. Zwischen ihm und mir liegen viele viele Euronen))
Er: War bei mir auch mal so. Kann alles werden. Geh'n wir rein, du willst dich sicher frisch machen.

Tja, so sind unsere Gespräche. Wir hatten alles Wesentliche durch und waren gespannt ob bei den Frauen vielleicht noch die Begrüßung im Gange war.
Ach seid mir nicht böse, all ihr lieben weiblichen Geschöpfe, hin und wieder muss auch mal ein klitzekleinbissel geneckt werden dürfen. ))

Wir blieben nur eine Stunde. Abschied ist auch für mich etwas, das ich nicht gut kann. Ich meine nicht den Abschied von dem Wagen. Das war leicht, denn in ihm entstand eine neue Triebkraft und neue, völlig neue Ziele wurden gesetzt. Das Auto selbst war nun nicht mehr wichtig.

Mein guter Freund wird in drei Tagen nach Amerika einschiffen; wir werden uns am Telefon hören, aber erst mal länger nicht sehen. Die Beiden Alten stehen da Hand in Hand, als wären sie gerade frisch verliebt. Sie haben diesen Blick aus dem grenzenlose Zuversicht, guter Wille und große Liebe spricht. Es ist zum sentimental werden.

Das spürt auch er und er meint: Na denn man tau tschong! Du musst los nach Köln, du fauler Sack! Aber weißte was? Wir hatten nie Kinder, doch wenn wir welche gehabt hätten, dann hätten wir gern einen Sohn gehabt, der so ist wie du!

Pamm, das saß mitten ins Herz! Ratoncita kämpfe sehr mit sich, um nicht zu weinen.

Ich blickte meinem Freund fest ins Auge und sagte:
Du, wir können über eine Adoption reden! Aber nur unter einer Bedingung!

Er: Aha, und welche wäre das, du alter Basarkrämer, heh?

Ich: Ich allein erbe das Auto! Ok?

Er: Niemals! , und zu seiner Frau gewand: Weißt du, ich hasse Kinder!

Wir lachten und umarmten uns für längere Zeit das letzte Mal.
Im Zug sehen Maus und Mäuschen lange aus dem Fenster und schweigen. Mir ist plötzlich nicht mehr nach Witzen.
Mein größtes Glück sitzt mir gegenüber und ich sehe ihr Gesicht im Fenster des Zuges.
Fast so als würde ich diese Frau gerade eben erst entdecken und dennoch kenne ich sie genau.
Ich schaue sie an und schaue sie an und schaue sie an und schau...

Fazit: Wäre es möglich würde ich sieben Sterne vergeben!

Verarbeitung:    
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Fahreigenschaften:    
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Platzangebot: