
Produkttyp: Audi Autos
Neuester Testbericht: ... nur eine Kombination gab, also wenig PS mit Basis Ausstattung, viel PS mit Luxus-Aussattung. Den Audi 100 L der hier drüber s teht gab es ... mehr
Der Mercedes für "Arme"
Audi 100 L

Name des Mitglieds: Necromanca
Produkt:
Audi 100 L
Datum: 21.03.01, geändert am 26.03.01 (342 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: 20% günstiger als der Mercedes 200, geringerer Verbrauch als damals üblich, komfortable Straßenlage, recht schnell
Nachteile: "Fahrer mit Hut"-Image, rostete leicht (wie viele Autos damals)
Es war das Jahr 1968 als unser Opel Rekord A mit 1,5l Motor und 55PS in die Jahre kam, nach einigen unvermeidlichen Wasserpumpen kam mein Vater auf die Idee vielleicht doch mal ein "gescheites" Auto zu kaufen. Tragisch war nur, daß er sich nicht zwischen Mercedes 200 und 200 D entscheiden konnte. Es handelte sich bei diesen Modellen um den heute als /8 bekannten Wagen, der Vorläufer des W123. Ich selbst habe dieses Modell noch 1980 als Taxi gefahren und wenn der 200 D auch nur wenig (55)PS hatte, es war ein sehr solider Wagen der auch mit hoher km-Leistung nirgends klapperte. Sein riesiger Kofferraum war rollstuhltauglich, im Taxi-Bereich vor Kombi- und Minivan-Welle ein Riesenvorteil. Den W123 habe ich später selber privat als 240 D gefahren, er hatte bereits deutlich weniger und auch schlechter zu beladenden Stauraum.
Nun aber zurück zum Audi 100, der kam im Winter oder Frühjahr 1969 zum ersten Mal zum Händler, nie wieder habe ich Staus beim unterschreiben von Kaufverträgen in dieser Form erlebt, Probefahrten fanden mit 4 Interessenten auf den Passagierplätzen statt, nach ca. 1000m war man wieder zurück und durfte die Unterschrift leisten, kaufen wollte ihn eigentlich jeder, der da war.
Audi war damals noch nicht Audi NSU, sondern gerade erst ein paar Jahre DKW frei. Der Motor dieses Autos war noch mehr vom früheren Besitzer Daimler-Benz geprägt, man hatte ein Agreement, das Mercedes keine Wagen unter 2 Liter baute, Audi keine ab 2 Liter. Bald darauf hieß es dann ja auch Audi NSU und dann VAG. Dieser sogenannte Mitteldruckmotor im Audi hatte 1,8 l Hubraum und drei Leistungs- und Ausstattungsstufen, wobei es immer nur eine Kombination gab, also wenig PS mit Basis Ausstattung, viel PS mit Luxus-Aussattung. Den Audi 100 L der hier drüber s
teht gab es erst viel später mit einem anderen Motor. Alle hatten damals schon Frontantrieb, im Gegensatz zum Mercedes mit Motor vorn, Antrieb hinten.
Also hier die Typen (alle mit trapezförmigen Rechteckscheinwerfern):
Audi 100: 80 PS erkennbar durch fehlende Chromleisten an der Seite
Audi 100 S: 90 PS eine Chromleiste auf der Gürtellinie
Audi 100 LS: 100 PS zusätzlich Chromränder an den Radausschnitten
Der hier abgebildete Audi 100 GL kam erst später und hatte die Doppelscheinwerfer und 112 PS aus 1,9 Liter
Der Audi hatte zumindest mit 80 PS keine Liegesitze, dafür Lenkradschaltung mit immerhin 4-Gängen. Wir mußten auch 4 Türen extra bestellen. Die Schaltung in der Mittelkonsole kostete 75 DM, die Türen ca. 550 DM.
Alle Audi 100 hatten bereits 165/80 SR 14 Gürtelreifen, wahrscheinlich aber noch keine Stahlgürtelreifen. Es gab eine Uhr, einen großen Tacho mit Tageskilometerzähler, ein Kombiinstrument und eine breite Leiste aus afrikanischem Edelholz quer über das Armaturenbrett. Licht gab es noch ohne H4-Birnen, ein Vergaser sorgte bei allen 3 für die Gemischaufbereitung, Sicherheitsgurte oder gar Verbundglas gab es auch noch nicht serienmäßig. Die Karroserie erinnerte stark an den /8 Mercedes, die Seitenansicht war genauso aufgeteilt, der Kofferraumdeckel etwas steiler - aber mit sehr ähnlichen Rückleuchten. Nun ja, von vorn war es aber ein Audi - ohne Frage.
Warum nun Mercedes für "Arme"? Ganz einfach, er war grenzenlos günstig. Der 200er kostete über 10.000 DM der Diesel noch mehr. Der Audi 100 gerade mal 8.000 DM, immerhin 20% weniger bei durchaus ähnlicher Ausstattung. Selbst der 100 LS war noch günstiger, bei besseren Fahrleistungen.
Wer einen Audi 100 erwarb zeigte schon damals, daß er rechnen konnte und keinen Wert auf einen Stern auf der Haube legte.
Unser Wagen war recht spartanisch ausgestattet, außer dem genannten Dingen gab es kein Zubehör. Zu ersten Mal sah ich i
hn ziemlich genau vor 22 jahren, als ich mit dem Bus von der Hannover Messe zurückkam (da war es noch gemeinsam mit der CeBit). Das war ein Unterschied zu dem alten Opel. Das Auto war leicht cremigweiß und hatte beigefarbene Sitze. Es sollte auch das erste Auto werden, mit dem ich allein gefahren bin. Meinen Fiat bekam ich ja mit leichter Verspätung (s. anderer Bericht Fiat 850 Sport Coupé).
Meine Eltern waren stolz auf diesen Wagen, wie wäre das erst mit dem Mercedes gewesen? Er fuhr 156 Spitze (der Opel hatte nur 134 geschafft), zu dieser Zeit war das durchaus noch schnell, er brauchte nur Normal-Benzin - aber mein Vater gönnte ihm immer Super, der Liter lag noch um 59,9 Pfennig das war gemessen am damaligen Netto-Einkommen aber auch nicht wenig. Dieser Wagen verbrauchte also knapp 10 Liter Benzin im Durchschnitt, weniger als der schwerere Mercedes, weniger als Ford und Opel, soweit ich mich erinnere. Wir hatten ihn ca. 5 Jahre, bei 70 - 80.000 km verkaufte mein Vater seine Autos immer. Der Nachfolger war ein zweitüriger Audi 100 GL im gleichen iberischrot, wie auf dem kleinen Bild hier oben. Hier gab es bereits Drehzahlmesser, Stahlgürtelreifen (immer noch 165/80 SR 14) und der Wagen lief fast 180 mit seinen 112 PS. Er hatte ein langes 4-Gang Getriebe, der 4. Gang war fast schon ein Schongang. Bergab bin ich nach Tacho über 200 km/h gefahren, aus Angst um die Reifen die nur bis 180 vorgesehen waren, aber nie besonders lange. Dieser Wagen hat im Harbst 1973 bereits 13.000 DM gekostet. Ich denke er hat auch um die 10 Liter verbraucht, immer noch mit Vergaser, aber er war bereits mit Kopfstützen, Automatikgurten vorn und Halogendoppelscheinwerfern ausgestattet, Drehzahlmesser gab es in diesem Modell auch serienmäßig, bei Verbundglas bin ich da nicht so sicher.
Servolenkung, ABS und Ähnliches waren aber noch reine Utopie.
Auch dieses Fahrzeug blieb 5 Jahre bei uns. Der nächste Audi 100 war der mit der neuen Karosserie und er hatte bereits den 5-
Zylinder Motor mit Einspritzung und 136 PS. Es war der Audi 100 CD, da gabs fast alles serienmäßig, was man Ende der 70er so kaufen konnte. Stereoradio, Schiebedach, Metalliclack, Zentralverriegelung, Servolenkung, 4 Kopfstützen, Nebellampen. Sogar zwei kleine Kissen in Polsterfarbe mit CD-Aufdruck waren dabei, ein Gimmick das sich bald auf der Hutablage wiederfand.
Es war der reinste Audi-LUXUS! Allerdings stieg der Verbrauch auf ca. 13 Liter im Durchschnitt. Nur dieser Wagen gehört wegen seiner Form (gewisssermaßen Audi 100 II) eigentlich nicht mehr in diese Rubrik. Der Preis war wesentlich höher, irgendwo deutlich über 20.000 DM.
Ich habe alle diese Wagen gerne gefahren, ich kannte ja noch keinen 190er oder die C-Klasse. Unser W123 war damals noch nicht gebaut, es war auch nur ein Erbstück. Ich glaube aber das dieser Mercedes-Touch der frühen Audi 100 Modelle meine Vorstellung von Autos stark geprägt haben. Audis von heute faszinieren mich nicht mehr, weder die äußere Form noch das Innendesign geben mir etwas. Ich bin zum Mercedesfahrer aus Überzeugung geworden, ich hoffe nur ich kann mir immer wieder mal einen leisten wenn es an der Zeit ist zu wechseln. Ein Audi ist ja heute ähnlich teuer wie ein Mercedes, egal ob es der A4 oder der A6 ist.
Fazit:

