
Produkttyp: Nissan Autos
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Daddy SUV (Terrano I (WD21))
Allgemein zum Nissan Terrano

Name des Mitglieds: CarFanatikR
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Allgemein zum Nissan Terrano
Datum: 22.10.09, geändert am 22.10.09 (733 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: auch heute noch schick, relativ zuverlässige Technik, gute Eigenschaften als Zug- u. Geländefz.
Nachteile: rostanfällig, wenige gute Exemplare am Markt, schlechte Ersatzteilsituation, V6 aufwändig
Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben. Gut, ein wahres Opfer war der Terrano der 1. Generation (WD21) nun gerade nicht, schließlich verkaufte er sich hierzulande recht gut; aber für die Sports-Utility-Vehicle-Welle war dieses Fahrzeug dann doch etwas zu früh dran.
1988 war's, als Nissan den Terrano in Deutschland eingeführt hatte - ein Jahr zuvor war der Ableger des Nissan Pick Up (D21) in den USA als Pathfinder auf den Markt gekommen. Der deutsche Käufer mit partiell "ab"wegigen Ambitionen mußte zunächst auf den 3.0 V6 mit 145 PS verzichten, konnte aber dafür auf einen 2.7l-Turbodiesel mit 97 PS zurückgreifen, wenn ihm die ansonsten angebotene 2.4l-Benziner mit 101 oder 125 PS nicht zusagten. 1988 und 1991 wurde eine relativ kleine Anzahl Terrano mit dem V6 vom Hersteller aus den USA importiert und per Einzelabnahme für den deutschen Markt zugelassen; daneben kamen auch ein paar Grauimporte aus privater Hand in Deutschland an.
In Deutschland war der Terrano ausschließlich mit Allradantrieb erhältlich, in Nordamerika gab es ihn (als Pathfinder natürlich) alternativ auch mit nur mit Hinterradantrieb.
Die Nissan-Designer bemühten sich beim Terrano um ein betont sportives Styling. Natürlich hätte eine durchgängige Seitenscheibe von der B- zur C-Säule der Rundumsicht etwas besser getan, aber die Unterteilung mit einem kleinen dreieckigen Segment (welches sich zudem ausstellen ließ) und der großen rautenähnlich geformten Scheibe zusammen mit der verhältnismäßig niedrigen Dachlinie nahm der seitlichen Ansicht die Wuchtigkeit herkömmlicher Geländefahrzeuge und verlieh ihr sportliche Dynamik. In der Front- und Heckansicht unterschied sich der Terrano allerdings kaum von seinem Arbeitstier-Bruder Pick Up.
Bis 1991 blieb es beim Dreitürer als einzige Karosserievariante, mit dem kleinen Facelift wurde auch der wesentlich konventioneller gehaltene Fünftürer angeboten.
Der Innenraum präsentierte sich im Layout wie beim Pick Up, allerdings wurden hochwertigere Bezugsstoffe und Teppiche verwendet. Deutlich besser war die Ausstattung der importierten V6, die unter anderem an den serienmäßig getönten Seiten- und Heckscheiben zu erkennen waren - die hatten u.a. eine Geschwindigkeitsregelanlage und ab und an sogar eine Klimaanlage an Bord, von den kleinen Komfort-Goodies wie den elektrischen Fensterhebern mal abgesehen.
Sowohl Nissan als auch der freie Zubehörhandel boten viele Accessoires an, um den jeweiligen Terrano zu individualisieren, vom Zierstreifen bis hin zum Bullenfänger. Je nach Geschmack und Geldbeutel ließ sich der Terrano vom Boulevard-Styler bis hin zum echten Malocher ausstaffieren.
Darüber hinaus bot Nissan eine "Freeway" genannte Edition an, die im wesentlichen mit speziellen Anbauteilen ausgestattet war.
Die Verarbeitung eines Terrano fiel gegenüber den Modellen der PKW-Sparte schon ab, war aber immer noch guter Durchschnitt. Auch die Technik bereitete zumindest im Neuzustand kaum Schwierigkeiten, was dem Terrano damals gute Noten in der allgemeinen Zuverlässigkeit eintrug.
Man durfte sich nicht von der schicken Optik des Terrano nicht täuschen lassen: unter dem Blech steckte immer noch das Fahrwerk des Pick Up, und in dessen Lastenheft hatten weder Komfort noch Sport die oberste Priorität. Dementsprechend rustikal fiel auch das Fahrverhalten aus, welches sportliche Ambitionen im Keim erstickte und den Begriff Komfort eher als marginal definierte. Dafür konnte man aber - im Gegensatz zu vielen heutigen SUV - mit dem Terrano auch ernsthaft Gelände in Angriff nehmen, ohne die Befürchtung zu hegen, von einem Freund mit einem "richtigen" Geländewagen von einer feuchten Wiese gerettet werden zu müssen...
Auch das Interieur präsentierte sich, abgesehen von den US-Importen, eher spartanisch. Für das Auge und die Haptik gab es nur wenig, und speziell erwachsene Hinterbänkler mußten schon eine gewisse Leidensfähigkeit vorweisen können, wenn es auf längere Touren ging, da das Karosserielayout und die dadurch erzwungene Sitzbankgestaltung keine wirklich entspannte Sitzhaltung zuließ (das "nach hintern klettern" war beim Dreitürer auch keine rechte Freude). Also reiste man besser nur zu zweit und legte die Rückbank um oder baute sie aus, um den dadurch entstandenen großen Laderaum auszunutzen. Dank Allradantrieb und solider Leiterrahmenkonstruktion ließ der Terrano große Anhängelasten zu, was insbesondere die Freunde des Pferde- und Wassersports zu schätzen wußten.
Daß man vor 20 Jahren die verfügbare Leistung noch als gegeben hinnahm und nicht auf xhundert-PS-Motoren baute, bewies die Motorenpalette des Terrano I. Mit den 2,4l-Vierzylinder-Benzinern ging es naturgemäß eher gemächlich zur Sache, aber dafür waren diese relativ laufruhig und schluckten unter Straßenbedingungen auch nicht allzuviel Benzin. Der 2,7l-Turbodiesel war da schon von einem anderen Schlag - knorrig und rustikal, aber dafür mit einem für die damalige Zeit recht hohen Drehmoment von 212 Nm bei 2200 1-min gesegnet und somit die richtige Option für den Einsatz als Zugfahrzeug. Die Rolle als Komfortgleiter mit minimal sportlichen Ambitionen füllte erwartungsgemäß der 3.0-V6 aus, der auch als einzige Motorenoption mit Automatikgetriebe erhältlich war. Speziell in dieser Konfiguration mußte aber dann auch der Luxuszuschlag an der Tankstelle von vorneherein einkalkuliert werden, denn unter 14l Super/100 km war nichts zu machen; in der Stadt waren durchaus auch 16-20l drin.
1995 brachte Nissan die zweite Generation des Terrano auf den hiesigen Markt, der sich in der Optik nun deutlich stärker an herkömmliche Gelandewagen anlehnte.
Terrano I heute: ja, es gibt sie noch - und gar nicht mal so wenige, wie man auf den ersten Blick vermuten mag. Wer in die einschlägigen Internetportale schaut, muß sich keine besondere Mühe geben, um sie zu finden.
Und man bekommt sie recht günstig. Mit ein wenig Verhandlungsgeschick kann man auch einen V6 schon für 400 Euro abstauben, einzelne Ausreißer für mehr als 3.000 Euro rechtfertigen selbst mit allem Schickimicki und gutem Zustand nicht den aktuellen Marktwert. Wobei "guter Zustand" speziell bei dieser Fahrzeugkategorie ein relativer Begriff ist, weil spätestens mit dem dritten Besitzer meist die Wartung vernachlässigt wurde und sich der Status eines Terrano vom Gebraucht- zum Verbrauchtwagen änderte.
Und regelmäßige Wartung ist das A und O. Als erstes ist wie üblich der alte Gegner Rost zu nennen, der beim Terrano I speziell im Bereich der hinteren Räder, dem Blech in Höhe der Rücksitzbank und oberhalb des Katalysators bei den Benzinern auf eine relativ mäßige Gegenwehr trifft. Dies setzt sich fort beim gesamten Antriebsstrang, der Lenkung und den Bremsen, die insbesondere beim Betrieb des Fahrzeugs als Zugfahrzeug und/oder bei der Ausstattung mit überbreiten Reifen und Tieferlegung der Karosse stärker als üblich beansprucht wurde. Beim 6-Zylinder kann ein Wartungsstau tödlich enden, wenn der Zahnriemen nicht gewechselt wurde, was alle 60.000 km fällig ist; außerdem reißt der Auslasskrümmer gerne ein. Und last but not least ist der Ölkühler des Automatikgetriebes zu schwach dimensioniert und darüber hinaus anfällig für Verschmutzung, resultierend in thermischer Überbelastung und Beschädigung der Automatik (Abhilfe: separater Ölkühler aus dem Zubehör).
Auf der Habenseite des Terrano steht der stabile Leiterrahmen, der außer Unfällen und extremer Überbelastung eigentlich nichts krumm nimmt. Die Technik kann, das notwendige Maß an Wartung vorausgesetzt, als haltbar und nicht allzu anspruchsvoll angenommen werden; nur der V6 benötigt eben das Extra-Quäntchen mehr Aufmerksamkeit. Und man kann mit dem Terrano all seinen SUV-Enkeln im Gelände mal zeigen, wo der Bartel den Most holt.
Es muß leider immer wieder betont werden: speziell seitdem Nissan zu Renault gehört, hat sich die Ersatzteilsituation für ältere Modelle nochmals verschlechtert, nicht zuletzt deswegen, weil Nissan auf dem deutschen Markt nurmehr eine Nebenrolle spielt und sich das Händlernetz stetig ausdünnt. Dafür, daß Nissan einst der erfolgreichste japanische Importeur auf dem deutschen Markt war...es ist zum Heulen. Allerdings kann man nun auch nicht unbedingt erwarten, daß der hersteller für ein Volumenmodell die Ersatzteile ewig vorhält. Positiv wirkt sich hier aus, daß der Terrano auf dem Pick Up fußt, was zumindest in Sachen Technik noch eine relativ gute Ersatzeilversorgung bedeutet. In Sachen Interieur sieht es speziell für die US-Importe hingegen mau aus, hier ist man entweder auf Schlachtfahrzeuge oder teure Importe aus den USA angewiesen.
Auch für die damals recht beliebten Anbauteile wie Kotflügelverbreiterungen und Schweller gibt es keinen neuwertigen Ersatz mehr, breite Reifen in Verbund mit Tieferlegungen belasten die Technik zusätzlich und kosten im Austauschfall ein Heidengeld, und für die Zubehörfelgen gilt grundsätzlich das Gleiche wie für das Zubehör selbst.
Ein verbrauchtes Exemplar verbrennt bei einer Restauration bei weitem mehr Geld, als es der Marktwert hergibt - allein ein defektes Getriebe degradiert nahezu jeden Terrano I zum Ersatzteilspender, sofern man keinen dem Wert des Fahrzeugs entsprechenden (gebrauchten) Ersatz auftreiben kann. Aber auch sonst sollte klar sein, daß die Anschaffung das einzige ist, was es zum Discountpreis gibt, denn die Unterhaltskosten sind es genretypisch definitiv nicht.
Wer sich all dies vergegenwärtigt und daher bei der Anschaffung eines Terrano stets nach dem besten verfügbaren Exemplar sucht, kann für wenig Geld einen der Urväter der SUV erwerben, der zwar nicht die technische Perfektion heutiger artverwandter Modelle aufweisen kann, aber immer noch schick und stylish aussieht und dort Punkte macht, wo es wirklich drauf ankommt. Etwas Geld und Enthusiasmus sollte der zukünftige Eigner aber schon mitbringen...
Fazit: Daddy SUV macht auch heute noch eine recht gute Figur
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