Tannöd (3 CDs)
Homer hört einen realen Familienmord - Tannöd (3 CDs) Audiobook / Hörbuch
Homer hört einen realen Familienmord - Tannöd (3 CDs) Audiobook / Hörbuch

Erhältlich in: 2 Shops

Kurzbeschreibung: Autor: Andrea M. Schenkel / Genre: Krimi / Thriller

 
 

Homer hört einen realen Familienmord

Produkt:

Tannöd (3 CDs)

Datum: 01.02.12

Bewertung:

Vorteile: Spannung, ungekürzt, gut gelesen

Nachteile: Verschiedene Erzähler - gewöhnungsbedürftig, Dialekt

1. Fakten

Verlag: Hörbuch Hamburg (2006)
ISBN-13:978-3899032703
Laufzeit: 3 Stunden, 30 Minuten
Preis: 9,95 Euro


2. Autorin

"Andrea Maria Schenkel ist verheiratet und Mutter von drei Kindern. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Regensburg. Der Bestseller Tannöd war ihr erster Roman. Dafür erhielt sie den Friedrich-Glauser-Preis 2007." Inzwischen hat sie auch die Bücher "Kalteis" und "Bunker" veröffentlicht.


3. Inhalt

Die Geschichte spielt in den fünfziger Jahren, auf einem Einödbauernhof in Oberbayern, Tannöd genannt. Hier lebt recht zurückgezogen und eigenbrötlerisch die Familie Danner. Der alte Danner herrscht hier als Patriarch, obwohl seiner Tochter Barbara der Hof gehört. Danners Frau hat nicht viel zu sagen. Barbaras Mann ist seit dem Krieg verschollen. Barbara Danner hat zwei Kinder, die siebenjährige Marianne und den knapp zweijährigen Joseph.

Im Dorf wird gemunkelt, dass der alte Danner ein Inzestverhältnis mit seiner Tochter haben soll und das bereits seit vielen Jahren. Von ihm sollen auch die beiden Kinder sein. Auch deswegen ist die Familie im Ort nicht gut gelitten und man geht ihnen aus dem Weg. Eines Tages geschieht etwas, das den ganzen Ort für immer verändert:

Die ganze Familie Danner plus die gerade neu eingetroffene Magd werden mit der Spitzhacke erschlagen aufgefunden. Der Täter hat nacheinander allen den Kopf eingeschlagen, sogar dem zweijährigen Joseph. Dazu muss er sich noch Tage auf dem Hof aufgehalten haben, denn das Vieh wurde versorgt. Gestohlen wurde aber offenbar nichts. Wer ist für dieses furchtbare Verbrechen verantwortlich? Und was war das Motiv, wenn keine Geldgier?


4. Meinung

Es klingt nach einem düsteren Gruselthriller, was die Autorin Andrea Maria Schenkel hier entworfen hat. Tatsächlich aber hat sie eine wahre Begenenheit verarbeitet, die sich in Oberbayern im Jahr 1922 abspielte. Bis auf veränderte Namen und eine andere Zeit, nämlich die fünfziger Jahre, hat sich die Autorin sehr eng an die wahren Ereignisse gehalten. Der wahre Schauplatz war der Einödhof Hinterkaifeck, der inzwischen nicht mehr steht. Wer die fünf Familienmitglieder plus die neue Magd an jenem Abend erschlagen hat und zumindest noch mehrere Tage das Vieh molk und fütterte, ist bis heute nicht aufgeklärt und Gegenstand vieler Spekulationen. Eine der Theorien, die nie bewiesen werden konnte, hat Andrea Maria Schenkel aufgegriffen und zu einem dokumentarischen Roman verarbeitet. Es ist eine Zusammenstellung aus fiktiven Interviews mit den Dorfbewohnern (die in Monologen sprechen) und Erzählungen eines Icherzählers, dessen Identität man erst im Laufe der Handlung erfährt. Damit alles möglichst authentisch wirkt, sprechen die Dorfbewohner im Dialekt, was ein bisschen gewöhnungsbedürftig zu hören ist. Der Vortrag von Monica Bleibtreu ist grundsätzlich sehr solide. Sie hat eine recht dunkle Stimme, sie macht Pausen, wo sie nötig sind, sie passt ihre Stimme auch den verschiedenen Charakteren an. Den alten Danner zum Beispiel spricht sie in einem barsch-energischen Tonfall, wie es zu seiner Art passt.

Die Lesung ist ungekürzt, da auch der Roman nicht viel mehr als hundert Seiten umfasst. Trotzdem zieht sich die Geschichte manchmal etwas, weil man sich eben an den Dialekt gewöhnen muss und weil zwischendrin Gebete eingeflochten werden. Die passen zwar zu der bigotten Atmosphäre in der Gemeinde, aber so vorgelesen bringen sie den Hörer dann doch leicht aus dem Rhythmus. Ich finde es auch nicht optimal, dass die Handlung einfach dreißig Jahre später spielt als die wirklichen Ereignisse. Ein richtiger Vorteil ergibt sich für die Geschichte nicht. Aus dem Ersten Weltkrieg wird nun eben der Zweite, aber gerade was die Rückständigkeit der Dorfbewohner angeht, da wäre eine frühere Zeit noch passender gewesen. Die Geschichte wirkt eigentlich nicht, als würde sie in den fünfziger Jahren spielen, daher hätte man sich diese Zeitangabe gleich sparen können. Die Geschichte hinter dem Roman ist sehr interessant, nicht umsonst wird noch heute regelmäßig darüber spekuliert, wer damals eine ganze Familie auf so grausige Weise ausgelöscht hat. Auch das Inzestzverhältnis von Vater und Tochter scheint unbestritten und sorgt natürlich für Brisanz. Man schließt nicht aus, dass auch das ein Motiv gewesen sein könnte für jemanden, der die Familie wegen dieser Blutschande verdammte und für den sie alle schlecht genug waren, um sie zu töten, es gab hinterher in der Gemeinde nämlich auch Bemerkungen, die diese Tat alles andere als verurteilten.

Die Lösung, die sich Andrea Maria Schenkel für diese Tragödie ausgedacht hat, gefällt mir gut, sie ist schlüssig, auch wenn man wohl nie erfahren wird, ob es vielleicht wirklich so war. Die Form des Romans ist gewagt wegen der vielen Versatzstücke und der unterschiedlichen Stimmen, die zu Wort kommen. Das hat natürlich etwas für sich, eine Geschichte auf diese Weise zu erzählen, aber ein traditioneller Roman mit einem durchgängigen Erzähler wäre mir lieber gewesen. Ich denke, dass diese ausgefallene Form einige Hörer abschrecken wird, zusätzlich zu den Dialekt-Szenen. Und das finde ich schade, denn die Handlung an sich ist spannend und berührend, nicht nur, weil man weiß, dass sich wirklich so ein Geschehen abgespielt hat. Ach ja: Es gab ja auch anschließend eine Verfilmung des Buches, das ist aber sehr weit davon entfernt und basiert wirklich nur sehr lose darauf. Wer also den Film kennt und vielleicht nicht mochte, der sollte sich davon nicht abschrecken lassen, denn Film und Buch bzw wahre Begebenheit sind echt zwei verschiedene Welten.


5. Fazit

Drei Sterne gebe ich dem Hörbuch und eine etwas eingeschränkte Empfehlung. Nichts gegen die Handlung, die ist spannend und die wahre Geschichte hinter dem Roman wird gut umgesetzt. Vor allem das Ende weiß zu gefallen. Der Vortrag ist auch gelungen - aber die Form mit den vielen verschiedenen Erzählern und der gewöhnungsbedürftige bayrische Dialekt, der immer wieder einfließt, wenn die Dorfbewohner sprechen, machen das Werk ein bisschen sperrig.

Fazit: Interessante Geschichte

Name des Mitglieds: Homer_und_Marge