Ghostbusters in England: Vampirismus und Poltergeister
Produkt:
Gruselkabinett: Aylmer Vance - Neue Abenteuer eines Geistersehers (CD)
Datum: 12.01.12, geändert am 12.01.12 (49 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: recht spannend, sehr romantisch, dramatisch,professionell inszeniert,überragende Effekte in Folge 4
Nachteile: kaum Humor, wenig Action, keine Übersetzer- und Komponistenangaben
Der englische Geisterseher Aylmer Vance und sein treuer Freund Dexter, ein medial begabter Prozessanwalt aus London, sind in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg so etwas wie das Detektivgespann Sherlock Holmes und Dr. Watson für das Übersinnliche. Ob es sich um ruhelose Geister, geheimnisvolle Erscheinungen, unerklärliche Begegnungen oder unbewohnbare Häuser und Schlösser handelt - Aylmer Vance scheut vor nichts zurück, um seine gruselig-spannenden Fälle aufzuklären.
Diesmal ermitteln sie in einem vertrackt myteriösen Fall Fall von Vampirismus in Schottland und bekommen es außerdem in einem Fall in Essex mit einem unangenehm lärmenden Poltergeist zu tun. (erweiterte Verlagsinfo)
Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14 Jahren.
Die Autoren
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Alice und Claude Askew waren ein schreibendes Ehepaar in Großbritannien, das in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts für eine Reihe von Magazinen und Zeitungen schrieb. "Aylmer Vance: Ghost-Seer", erschienen 1914, war ihr einziger Ausflug ins Horrorgenre und enthält acht Erzählungen.
Die Sprecher/ Die Inszenierung
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Die Sprecher und ihre Rollen:
Aylmer Vance: Hans-Georg Panczak
Dexter: Ekkehardt Belle
Paul Davenant: Simon Jäger
Jessica Davenant (geb. McThane): Eva Michaelis
Mrs. Meredith: Philine Peters-Arnolds
Lord Rystone: Axel Lutter
Lady Rystone: Schaukje Könning
Paul Rystone: Henri Färber
James Felton: Christian Stark
Lomax: Tobias Nath
Gregory Laidlaw: Till Endemann
Col. Verriker: Lutz Riedel
Beryl Verriker: Maria Koschny
Cuthbert Ford: Hannes Maurer
Geoffrey Beynion: Simon Jäger
Robert Balliston: Michael Pan
Mrs. Smith: Regina Lemnitz
John Somers: Till Endemann
Luke Oswaldt: Detlef Bierstedt
Und Marianne Groß sowie Sarah Riedel.
Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand in den Planet Earth Studios und im Fluxx Studio statt und wurde bei Kazuya abgemischt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.
Handlung
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1) Die Vampirin
Aylmer Vance und Dexter sind aus Surrey nach London zurückgekehrt. Dort erhalten sie Besuch von dem glamourösen Paul Davenant, einem Helden der Klatschblätter, der im Jahr zuvor eine schöne Frau geheiratet hat. Sie erschrecken, als sie seiner ansichtig werden: bleich, abgemagert, blutleer und schwach - nicht gerade das Inbild eines Playboys. Dexter fragt fassungslos nach dem Grund dieser Veränderung. Davenant sagt, er habe zuwenig Blut, doch der Grund für diese Anämie sei ein Rätsel. Als letzten Ausweg kann sich Devenant eine übernatürliche Ursache vorstellen und wendet sich deshalb an Aylmer Vance.
Davenant legt den Kragen und zeigt ihnen eine Narbe an seinem Hals, die er seit etwa einem halben Jahr trägt: Es sind zwei Vertiefungen nahe der Halsschlagader. "Da waren Schmerzen inden Malen, und sie bluteten", berichtet er. Er verdächtigt seine innig geliebte Frau Jessica McThane, nicht ganz unschuldig an der Ursache dafür zu sein. Ist sie ein Vampir? Aber warum ist er selbst dann nicht auch einer geworden?
Vance und Dexter wissen, was zu tun ist, und reisen nach Schottland auf das Schloss, in dem Jessica McThane wohnt, und geben sich als Freunde Davenants aus, der sie begleitet hat. Vance fällt die häufige Geistesabwesenheit der schönen Jessica auf, als ob sie besessen wäre...
2) Der Poltergeist
Vance ruft Dexter nach Essex in sein Landhaus. Dort gibt er ihm de neuesten Infos zum Davenant-Fall, zugleich erzählt er aber auch von einem Geist, der ganz in der Nähe sein unwesen treibt, genauer in Blackstock Priory. Einst hatte Lord Ryston eine schöne Frau, die ihn jedoch mit seinem Erzfeind Gregory Laidlaw betrog. Daraufhin tötete er beide. Anschließend suchte der Poltergeist Ryston und die Priorei heim. Der Geist Laidlaws besuchte Ryston kurz vor seinem Tod. Die Laidlaws pachteten die Priorei für 99 Jahre. Danach herrschte Ruhe.
Bis vor kurzem. Denn der Pachtvertrag ist abgelaufen, die Priorei wieder an Ryston gefallen. Der gegenwärtige Lord Ryston vermutet Machenschaften seiner Feinde und hat Vance um Hilfe gebeten. Vor einem Jahr heiratete Ryston seine zweite Frau die Tochter von Reverend Gaynor, der zusammen mit dem Hauslehrer James Felton ebenfalls im Haus wohnt. Als Vance und Dexter eintreffen, finden sie alle beim Tee, inklusive des zwölfjährigen Sohnes der Rystons.
Der Poltergeist treibt sein Unwesen v.a. im Boudoir, das zugemauert war, aber dessen Mauer Ryston hat niederreißen lassen. Vance rät sofort zum Verschließen, der Junge hält alles für einen Schabernack, und Dexter merkt, wie Felton die gerade mal 20 Jahre alte Lady Ryston mit begehrlichen Blicken ansieht. Dieses Begehren wird nicht erwidert, oder? Der Diener Lomax berichtet, dass er hier Stimmen gehört habe, bis die Tür zufiel - zu der es gar keinen Schlüssel gibt. Ryston wettert: "Es ist eine Verschwörung!"
Nachdem eine Hausdurchsuchung kein Ergebnis erbracht hat, beschließt Vance, sich im Boudoir einschließen zu lassen. Schon bald ist das Rätsel gelöst...
3) Der Seelenruf
Aylmer Vance hat Colonel Verriker und seine Tochter Beryl zu Freunden gewonnen. Eines Tages erreicht ihn ein Brief aus Sandminster, wo sie wohnen: Der Vater sorgt sich um Beryls Geisteszustand. Nach zwei Wochen, die Vance mit Dexter auf einen anderen Fall verwenden muss, eilen sie zusammen nach Sandminster. Der Oberst verrät unter sechs Augen, dass es Beryl inzwischen zwar besser gehe, sie aber zuzeiten wie besessen wirke und dann für Minuten in Trance verfalle.
Hat Beryl etwa eine heimliche Affäre, die auch ihre körperliche Abwesenheit, die nächtens entdeckt wurde, erklären könnte? Der Colonel verneint. Beryl sei ja mit einem Mann aus dem diplomatischen Korps verlobt. Ihr Verlobter weile gerade in St. Petersburg, solle aber bald nach Indien. Da war noch was: Beryl spielt ab und zu die Orgel in der Kathedrale, wo sie von einem neuen Organisten fasziniert sei. Doch der Bursche sei eigentlich kein Mann, eher eine verschrobene Natur.
Das Duo rekognosziert in der wirklich beeindruckenden Kathedrale, doch von der "Kreatur" ist nichts zu sehen. Man erfährt, der Organist sei krank. Erst vier Tage später stellt sich bei Beryl wieder ein Trancezustand ein, gänzlich unerwartet auf einem Picknick. Sie zieht sich sofort zurück. Stante pede eilt Vance mit Dexter auf sein Zimmer und versetzt ihn, Beryls Schal als Kontakt nutzend, in Hypnose. Sofort nimmt Dexter medial Kontakt mit der Gesuchten auf - und sieht sich in die Orgelstube der Kathedrale versetzt, wo eine dröhnende Musik tobt...
4) Todesangst
Schon im folgenden Sommer hat Vance einen neuen Fall. Der Millionär Robert Balliston hat Probleme mit einem Haus, das er erworben hat. Vance und Dexter fahren nach Hampshire, doch sie finden Camplin Castle bereits verlassen vor: Balliston berichtet, der Geist habe ihn und seine Familie gezwungen auszuziehen. Sie hätten sich dort fast zu Tode gefürchtet. Vance will der Sache gerne auf den Grund gehen.
Wie so häufig liegt der Schlüssel zur Lösung des Rätsels in der Vergangenheit. Das Schloss gehörte den Oswalds, deren letzter Angehöriger vor zwölf Jahren starb. Der Verwalter und die Haushälterin Mrs Smith wohnen seitdem im Torhaus. Vance und Dexter wollen den Geist selbst erleben und nehmen zwei benachbarte Zimmer. Mrs Smith kredenzt ihnen Abendessen, muss aber danach gehen. Sie hält es hier keine Sekunde länger aus.
Nach der ersten Heimsuchung durch heftige Angst gehen die Männer in den Park. Dort entdecken sie hoch oben im Turm ein Licht. Ein noch heftigerer Panikanfall überfällt sie. Erst 22:30 Uhr. Auf einmal ist das Licht im Turm erloschen. Dexter hat eine Frau und ein Kind bemerkt, deren Seelen hier passierten. Was zweifellos etwas zu bedeuten hat.
Gleich am nächsten Tag wollen sie dem Rätsel auf den Grund gehen. Sofern sie die Nacht überstehen...
Mein Eindruck
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Jede CD enthält zwei Abenteuer, in der Doppelbox sind also vier Fälle. In dieser zweiten Doppelbox werden nach der ersten Doppel-CD weitere vier Abenteuer verarbeitet. Insgesamt verarbeitet Titania Medien also sämtliche Abenteuer des Geistersehers - wir verpassen also nichts. Das ist doch recht beruhigend. Nun aber zur Sache.
Die Vampirin
Lady Jessica ist tatsächlich besessen von einem Geist, der sie allnächtlich heimsucht. Es ist Zaida, eine Frau aus einer Seitenlinie der McThanes, und wurde einst der Hexerei verdächtigt. Bis sie eines Tages verschwand und als Gespenst wiederauftauchte. Das Schloss verfiel, denn alle Nicht-McThanes befiel die Anämie.
Nachdem Jessica versucht hat, sich und ihr Ungeborenes zu töten, weiß Vance nur ein Rezept gegen den Fluch der McThanes: das Schloss niederbrennen und schleifen! So geschieht es. Doch warum Zaida diesen Fluch über das Schloss und die McThanes gebracht hat, wird kaum erklärt. Wir erfahren immerhin, dass Robert McThane, Zaidas Gatte, die der Hexerei Verdächtige verfolgte. Handelt es sich also um ihre Rache?
Wie auch immer: Die Dämonisierung der Frau, ein Standardmotiv der Viktorianer, an sich hier kann man wohl kaum gutheißen. Dafür ist die Backstory sehr detailliert ausgemalt, denn nur sie erklärt Jessicas rätselhaftes Verhalten - und zeigt sie als unschuldiges Opfer ihrer Vorfahrin, quasi als letztes Glied in einer verhängnisvollen Kette aus Schuld und Vergeltung.
Der Poltergeist
Diese Episode lieferte wohl die Vorlage für Marc Gruppes Hörspiel "Sherlock Holmes: Spuk im Pfarrhaus" (2011), das ebenfalls im Haus eines Geistlichen in Essex spielt. Auch die Pointe des Plots ist fast die gleiche. Deshalb darf sie hier nicht verraten werden.
Der Handlungsaufbau ist abwechslungsreich und wenig psychologisch motiviert aufgebaut. Deshalb kann der Hörer mal seine grauen Zellen noch so anstrengen, um dem Rätsel auf den Grund zu kommen - das Finale bietet denn eine hübsche Überraschung, als Schüsse fallen und ein Toter zu beklagen ist. Dennoch hat die Episode ein Happy-End.
Der Seelenruf
Diese Folge stellt die Macht, die die Musik über die Seele gewinnen kann, in den Mittelpunkt. Nimmt man noch den Aspekt der Seelenwanderung hinzu, so ergibt sich ein spannendes Szenario: Beryls Seele ist von der Musik, die Cuthbert Ford erzeugt, gefangen. Er will ihre Seele, tot oder lebendig, um Macht über sie zu erlangen.
Die spannende Frage ist nun, wie Beryl zu retten ist. Natürlich sorgt Vance im Auftrag des Colonels sofort dafür, dass Ford verschwindet. Doch bleibt er auch Beryl fern? Am Tag von Beryls Trauung kommt es zu entscheidenden Krise: Wird sie bleiben oder ins Jenseits wechseln, um ihren Geliebten zu treffen?
Todesangst
Diesmal ist der Geist eines Kindes, der die Bewohner des Schlosses heimsucht, nicht wie zuvor ein verkappter Vampir. Dieses Kind ist durch brutale Gewalt zu Tode geklommen, während seine Mutter im Irrenhaus endete. Schuld daran ist das schwarze Schaf der Familie Oswald, Luke, der seinem Bruder Philip, als er aus der Fremde zurückkehrte, das geerbte Schloss missgönnte. Doch natürlich wurde auch Luke nach all den Toden seines Erbes nicht froh, gemäß dem Grundsatz: "Unrecht' Gut gedeiht nicht gut."
Der Pfiff an diese Episode ist die enorme Todesangst, die sowohl Dexter als auch Aylmer Vance ergreift, sobald der Geist sie heimsucht. Diese Visitationen werden akustisch und musikalisch sehr eindrucksvoll umgesetzt. Übrigens hat Vance auch diesmal eine Patentlösung parat: Er folgt dem Rat des Enkels des letzten Butlers und empfiehlt, auch dieses Schloss niederzubrennen und neu aufzubauen, genau wie das Schloss der McThanes. Nur so sei der Fluch zu bannen.
Die Sprecher/Die Inszenierung
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Wie sich jeder leicht denken kann, besteht fast jedes Abenteuer aus einer Rückblende. Diese ist vielfach in kleine Häppchen aufgeteilt, damit wir die Gegenwart nicht vergessen. Aufgrund dieser Gegenstellung entsteht eine Reflexionsebene: Die beiden Zentralfiguren Dexter und Vance lassen sich das zurückliegende Geschehen erzählen und beurteilen rational dessen gegenwärtige Bedeutung (ohne sich jemals die Mühe einer tieferen psychologischen Betrachtung zu machen, wie ich es tue). In diesen beiden Episoden liefert geistesgegenwärtiges Handeln die Lösung.
Die Sprecher
Ekkehardt Belle als Dexter ist der Stichwortgeber für die Titelfigur Vance. Belle, ein einst bekannter Jugendschauspieler, macht seine Sache gut, indem er sich nicht aufspielt, aber durchaus auch mal eine eigene Szene bekommt, so etwa dann, als sein Dexter Lady Jessica vor einem allzu nassen Tod bewahren darf.
Hans-Georg Panczak als Vance fällt demgegenüber schon in eine andere Kategorie: Er ist der Star der Serie und stets präsent, der Manager des dynamischen Duos und der Geist im Gespann, in dem Dexter den Bauch, die Hand und das Medium stellt.
Um dieses zentrale Doppelgestirn kreisen zahlreiche Nebenfiguren. Während die männlichen Sprecher kompetent auftreten und Axel Lutter als Lord Rystone schon mal schön poltern und wettern darf, so sind die interessantesten doch ohne Zweifel die Damen, alte wie junge, verzweifelte wie glückliche, unschuldige wie verführerische. Unter ihnen gibt es keinen einzigen Ausfall, denn sie stellen alle ihr Können unter Beweis.
Geräusche
Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut, meist aber reichen Andeutungen aus. Der Hintergrund ist in Schottland und Essex, den beiden Schauplätzen, gut durch Vogelstimmen, Brandung, Wind und Regen nachgebildet.
Die Episoden liefern ihre jeweils eigenen Geräusche, seien es nun die eines Parks, eines Boudoirs, eines Küstenstreifens usw. Auf diese Weise kann jede Episode den Hörer mit ihrem eigenen Charakter erfreuen. Alle Geräusche werden von der Musik ergänzt, um ein Stimmungsbild zu erzeugen.
Musik
Die Musik entspricht der eines Scores für ein klassischen Spielfilm, also nicht zwangsläufig für einen Horrorstreifen. Klassische Instrumente wie Violine, Cello und Kontrabass werden manchmal von elektronisch erzeugten Effekten ergänzt. Als Davenant das Zimmer von Vance betritt, erklingen unheimliche, dissonante Akkorde.
Als er seine Rückblende beginnt, um Jessicas Herkunft zu beleuchten, ertönt eine Flöte, um Romantik zu signalisieren, und es dauert nicht lange, bis romantische Streicher die Liebesgeschichte Davenants untermalen. Das Finale dreht die emotionale Spannung hoch, indem die Musik wieder zum Unheimlichen wechselt.
Die Anspannung löst sich in dramatischer Begleitmusik, als der Konflikt gelöst und das Geheimnis offenbart wird. Nur wenig anders verläuft die Spannungskurve in der zweiten Episode, der ich den Titel "Der Poltergeist" gegeben habe.
Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.
Das Booklet
... enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von Titania Medien. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Die Titelillustration von Firuz Akin, die die Vampirin zeigt, fand ich auch diesmal passend zum Thema, aber recht erotisch. Firuz Akin macht auch Werbung für sein Buch "Illustration", im Heider Verlag erschienen ist. Ein Beileger wirbt für Sprechtraining.
Hinweise auf die nächsten Hörspiele:
Nr. 60: Robert E. Howard: Der Grabhügel (ab März 2012)
Nr. 61: Arthur Conan Doyle: Der Ring des Thot (ab März)
Nr. 62: Nathaniel Hawthorne: Rappaccinis Tochter (April)
Nr. 63: Robert E. Howard: Besessen (April)
Nr. 64: Francis Marion Crawford: Der schreiende Schädel (Mai)
Nr. 65: Mary Elizabeth Braddon: Gesellschafterin gesucht (Mai)
Unterm Strich
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Auch dieses Hörspiel umfasst wieder zwei Episoden, die sich deutlich voneinander unterscheiden. "Die Vampirin" lebt von psychologischer Spannung und der Lösung des Rätsels einer Besessenheit. "Der Poltergeist" untersucht ebenfalls die Ungereimtheiten im Verhalten gewisser Personen, die im titelgebenden Geist lediglich ihren registrierbaren Ausdruck finden - ein kniffliger Fall für Vance, der aber eine recht prosaische Erkärung findet.
Wieder mal hat sich Marc Gruppe die besten Effekte für die beiden abschließenden Episoden dieser Doppel-CD aufgehoben. In "Seelenruf" setzt er die überwältigende Macht der Musik wirkungsvoll mit Bachs "Toccata" in Szene, bis wir schwer daran zweifeln, dass Beryl Verrikers Seele noch hienieden zu retten ist. (Was laut Vance vielleicht gar nicht so schlimm wäre, wie es sich mancher ausmalt - man muss nur an ein besseres Jenseits glauben.)
Aber noch besser sind die Effekte in "Todesangst", in der Regisseur Gruppe alles aufbietet, um dem Hörer selbige in die Glieder fahren zu lassen. Und erstaunlicherweise gelingt ihm dies, selbst wenn man sich bereits geistig dagegen gewappnet hat. Merke: Es gibt tiefe Frequenzen, gegen die selbst der vernünftigste Mensch machtlos ist und die ihn unweigerlich packen. Nur Leute mit starken Nerven sollten sich dieser Wirkung aussetzen, zarte Gemüter seien gewarnt.
Im Doppelpack ergeben die beiden CDs wieder eine starke Kombination. Der emotionale Effekt steigert sich von CD zu CD. Die wirkungsmäßig schwächste Folge mag "Poltergeist" sein (Nr. 2 von 4), weil man dabei besonders die grauen Zellen anstrengen kann. Die stärkste ist für mich jedoch Nr. 4, die einen emotional starken Abschluss bildet.
Das Hörbuch
Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und bekannte Stimmen von Synchronsprechern und Theaterschauspielern einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Mir gefiel besonders die Atmosphäre in der Priorei. In der ersten Episode macht die Dramaturgie hingegen den Fehler, das Schloss, das den Geist Zaidas beherbergt, nicht genügend zu dämonisieren. Am Schluss wundert sich der Hörer dann, warum Vance ausgerechnet das Schloss niederbrennen lassen will, um Jessica den Dämon auszutreiben.
Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert, und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling. Wer jedoch mit Dramatik und Romantik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem zünftig gruseln will, der sollte zu härterer Kost greifen. Die Hörbücher der "Necroscope"-Reihe von Brian Lumley dürften dem Hörer eine ausreichend starke Dosis verabreichen.
Fazit: volle Punktzahl.
Michael Matzer © 2012ff
Info: Aylmer Vance: Ghost-Seer, 1914; Titania Medien & Lübbe Audio 09/2011, Köln; 1 CD, über 78 Minuten, EU 8,99, aus dem Englischen übersetzt von unbekannt; ISBN 978-3-7857-4562-5
Fazit: empfehlenswert für Hörspielfreunde
Name des Mitglieds: mmatzer




14.01.12
LG und KV