Narnia 6: Der Kampf gegen die Grüne Hexe
Produkt:
Chroniken von Narnia - Der silberne Sessel (5 CDs)
Datum: 07.01.12
Bewertung:
Vorteile: spannend, humorvoll, sehr vergnüglich & abwechslungsreich vorgetragen, schönes Gesamtdesign,billig
Nachteile: katholisch-christliches Gedankengut
Der Löwe Aslan, Herrscher von Narnia, hat einen besonderen Auftrag für Eustachius und Jill. Die beiden sollen den verschollenen Thronfolger, prinz Rilian, suchen. Geschöpfe, von deren Existenz sie bisher nicht einmal etwas ahnten, helfen ihnen dabei - oder bringen sie in größte Gefahr. Mit einem tapferen Moorwackler gelangen sie in die Unterwelt Narnias, wo ihnen ein Kampf auf Leben und Tod bevorsteht...
Der Autor
°°°°°°°°°°°°°
Clive Staples Lewis, der von 1898 bis 1963 lebte, war ein Freund und Kollege Professor J.R.R. Tolkiens (mehr dazu weiter unten). Das dieser zufällige Umstand ihn auszeichnen soll, lässt darauf schließen, dass er im Bewusstsein der gegenwärtigen Leser hinter seinem bekannter gewordenen Kollegen zurückgetreten, wenn nicht sogar fast verschwunden ist. Tolkiens Stern leuchtet heller.
Dabei hat Lewis sowohl in der Fantasy als auch Science Fiction Spuren hinterlassen. Auch in der Philosophie und Theologie schrieb er bekannte und gelobte Werke. Doch lediglich die "Chroniken von Narnia", Fantasy für kleine und große Kinder, wurde auch verfilmt. Die Science Fiction-Trilogie "Perelandra", eine ambitionierter Weltentwurf, ist eben zu sperrig und dialoglastig für den heutigen Geschmack.
Viel ist in die Narnia-Romane hineingedeutet worden. Dies muss nicht alles wiederholt werden. Feststeht aber, dass die Narnia-Chroniken seit über 50 Jahren in Großbritannien zum Standard der Jugendliteratur gehören, und das sicher nicht ohne Grund - sie verbinden Abenteuer und Wunder mit einer christlichen Botschaft.
Hier kommen altbekannte Fantasythemen zum Tragen, so etwa der Gegensatz zwischen Gut und Böse. Außerdem ist Narnia eine Parallelwelt, die durch ein Tor erreicht wird; es gibt sogar Zeitreisen und andere Dimensionen. Die Bücher werden als christliche Allegorien interpretiert, aber das würde ihnen wenig gerecht: Sie sind hervorragende und bewegende Geschichten - wenn auch mit sprechenden Tieren.
Die Narnia-Chroniken in der richtigen Reihenfolge und mit aktuellem Titel:
1. Das Wunder von Narnia
2. Der König von Narnia
3. Der Ritt nach Narnia
4. Prinz Kaspian von Narnia
5. Die Reise auf der "Morgenröte"
6. Der silberne Sessel
7. Der letzte Kampf
Mehr Infos sind auf www.narnia.com zu finden.
Der Sprecher
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Philipp Schepmann, Jahrgang 1966, erhielt seine Ausbildung als Schauspieler an der renommierten Folkwang-Schule in Essen. Er ist laut Verlagsangaben verheiratet, Vater von drei Kindern und lebt in Bergisch Gladbach bei Köln. Schepmann arbeitet als Sprecher und Schauspieler für Film, Funk und Theater. Schepmann liest wie immer bei den Narnia-Hörbüchern eine ungekürzte Fassung.
Handlung
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Jill Pole und Eustachius Knilch sind Schüler an einer Experimentalschule, die antiautoritäre Erziehungsmethoden erprobt. Das hält eine Bande von Raufbolden nicht davon auf, Jill zu tyrannisieren, so wie heute. Die Rektorin wird ihr nicht helfen, weiß Jill, sondern bloß neugierige Fragen stellen. Eustachius fragt sie, was los ist, aber sie will von ihm keine Predigt hören. Wenigstens vertraut er ihr soweit, dass er ihr von Narnia erzählt. Er war dort und hat viele Abenteuer erlebt. Nimmt er sie auf den Arm, fragt Jill kritisch. Er schwört, dass er das völlig ernst meint. Und wie kommt man in dieses "Narnia", will Jill wissen. Mit einem Zauberspruch, etwa? Nein, das würde Aslan nicht gefallen, man müsse ihn bloß bitten, meint Eustachius. Da hört sie die Tyrannen wieder nach ihr rufen. Schnell weg!
Sie eilen zu der Schulmauer, wo sie eine Art Tür finden. Eustachius öffnet sie und Jill staunt: Auf der anderen Seite liegt ein grünes Land im Sonnenschein unter einem strahlend blauen Himmel, nicht der trübe Herbsthimmel ihrer eigenen Umgebung. Als sie die Tyrannen erneut rufen hört, wagt Jill an Eustachius' Hand den ersten Schritt in das andere Land.
Narnia
Doch bald stehen sie an der Kante eines tiefen Abgrunds, und Jills Knie werden weichen. Sie kann sich nicht rühren. Eustachius packt sie, bevor sie hinabfällt. Sie reißt sich auf einmal los, er taumelt - und stürzt in die Tiefe. Jill ist bestürzt. Da stellt sich ein riesiges Tier neben sie und bläst seinen Atem in den Abgrund, so dass sie sehen kann, wie der Junge auf dem Wind davongetragen wird. Das riesige Tier ist ein Löwe. Als sie zu einem nahen Bach geht, um zu trinken, liegt der Löwe schon da. Und er spricht zu ihr!
Sie erinnert sich, dass Eustachius erzählte, in Narnia könnten die Tiere sprechen. Das mindert ihre Angst, dass er sie fressen könnte, ein wenig. Er fragt sie nach dem Jungen, und sie erzählt, was passiert ist. Der Junge sei in Sicherheit, beruhigt er sie, in Narnia. Und er gibt ihr eine Aufgabe auf. Sie solle zu einem einsamen alten König gehen, der traurig ist, weil sein Sohn geraubt wurde. Sie solle den Prinzen wiederfinden und zurückbringen. Oder sie müsse in ihre Welt zurückkehren.
Es gibt weitere Aufgaben innerhalb dieser Aufgabe. Eustachius müsse einen alten Freund wiedersehen. In der alten Stadt der Riesen müssten sie die Aufgaben erfüllen, die auf den Felsen stehen. Der Prinz, so sie ihn fänden, werde eine Bitte äußern, die sie erfüllen müssten. Der Löwe, der kein anderer als Aslan ist, lässt Jill diese vier Aufgaben auswendig lernen. Dann schickt er sie Eustachius nach, indem er sie in der Tiefe des Abgrunds auf seinem Atem davon bläst, bis sie wie ein Vogel über Narnia dahinfliegt.
Feeneden
Sie landet am Rande einer Küste, wo sich ein großes Schloss mit einer Stadt erhebt. Sie weiß nicht, dass dieses Schloss Feeneden ist. Im Hafen hat sich eine große Menschenmenge versammelt, und Trompeten werden geblasen. Etwas Wichtiges scheint vor sich zu gehen. Sie stellt sich neben Eustachius, der irgendwie geistesabwesend erscheint, und verfolgt die Szene. Da wartet ein Segelschiff im Hafen, und ein alter gebrechlicher Mann in einem prächtigen Gewand will an Bord gehen. Er dreht sich noch einmal um, spricht ein paar Worte mit einem Zwerg, der auf einem Esel sitzt, und betritt dann das Schiff. Es legt ab, und die irgendwie wehmütige Menge jubelt einen Abschiedsgruß.
Erst als es zu spät ist, erzählt Jill Eustachius von den vier Aufgaben, die Aslan ihr und dem Jungen gestellt hat. Da landet eine große weiße Eule vor ihren Füßen und fragt sie, wer sie seien. Als Eustachius sich vorstellt und nach einigen Fragen erfährt, dass es König Kaspian X war, der da gerade zu den Östlichen Inseln aufgebrochen ist, fällt es ihm wie Schuppen von den Augen: Kaspian ist der alte Freund, denn er wiedersehen sollte! Denn mit ihm segelte er auf der "Morgenröte" bis zum Rand der Welt. Na toll, die erste Aufgabe haben sie gleich vermasselt.
Bleibt ihnen also noch, nach dem Prinzen zu suchen und zur Stadt der Riesen zu gelangen. Doch warum ist der Prinz überhaupt verschwunden, fragen sie sich. Die Eule stellt stellt sie dem schwerhörigen Zwerg vor, der nun als Regent in Feeneden herrscht. Erst zum Abendessen im Schloss legen Jill und Eustachius ihren Streit bei, wer denn nun Schuld daran sei, dass sie die Aufgabe nicht erfüllt haben.
Mitten in der Nacht, als Jill gerade einschlafen will, holt die weiße Eule - sie heißt Glimmfeder - sie ab und trägt sie auf ihrem Rücken in einen alten Turm. Dorthin hat sie bereits Eustachius gebracht. Als ein Licht entzündet wird, kann Jill sehen, dass eine ganze Schar Eulen versammelt: das Eulenparlament. Langer Rede kurzer Sinn: Die Eulen schicken die beiden Besucher auf die Suche nach dem Prinzen, ganz wie Aslan es wünschte.
Der verschwundene Prinz
Prinz Rilian, der Sohn von König Kaspian und Ramandus Tochter (die Eustachius ebenfalls kennenlernte, als er mit der "Morgenröte" fuhr), ritt vor über zehn Jahren mit seiner Mutter und ihrem Gefolge zu einer Quelle, um den Mai zu feiern. Die Mutter legte sich müde hin, um zu schlafen, und die anderen gingen rücksichtsvoll abseits. Da kam eine grüne Schlange aus dem Wald und biss die Königin in die Hand. Sie schrie auf, was die anderen herbeirief. Die Schlange floh so schnell, dass Rilian sie nicht erschlagen konnte. Für die Königin kam jede Hilfe zu spät, und Rilian war untröstlich.
Er schwor, Rache zu nehmen für die Ermordung seiner Mutter, und ritt viele Male in die Sümpfe auf der Suche nach der teuflischen Schlange. Schließlich flehte Lord Drinian, der Kapitän der "Morgenröte" ihn an, von der Suche abzulassen. Aber Rilian erzählte ihm, er sei gar nicht mehr auf der Jagd. Stattdessen besuche er bei der Quelle eine schöne Dame, die das schönste Geschöpf der Welt sei. Lord Drinian bittet, ihm die Dame zu zeigen, und sie reiten in die Sümpfe. In der Tat tritt dort eine in ein giftgrünes Gewand gekleidete Dame auf, verschwindet aber gleich wieder, als sie Rilians Begleiter bemerkt. Drinian spürt, dass sie böse ist.
Doch er erzählt Kaspian nichts davon, um ihn nicht zu beunruhigen. Als Rilian am nächsten Tag nicht von seinem Ausritt zurückkehrt, macht er sich schwere Vorwürfe und erzählt Kaspian alles. Doch der König erschlägt ihn nicht, sondern würde er den letzten Gefährten verlieren, der ihm noch geblieben ist. Vielemehr machten sich viele Ritter anerbötig, nach dem verschwundenen Prinzen zu suchen, doch keiner von ihnen kehrte je wieder zurück.
Für Jill ist der Fall klar wie Kloßbrühe: Die Dame in Grün und die grüne Schlange sind ein und dasselbe. Und sie weiß auch, dass der Prinz lebt, denn Aslan sagte es ihr ja. Darüber sind die Eulen sehr froh und erinnern an die Weiße Hexe, die vor vielen Jahr Eis und Schnee über Narnia gebracht hat, bevor Aslan und vier Menschenkinder sie besiegen und verjagen konnten (in "Der König von Narnia"). Jill erzählt den Eulen, dass sie und Eustachius zur Stadt der Riesen gehen müssten, um Zeichen zu finden und Aslans nächste Aufgabe zu erfüllen. Die Eulen versprechen, sie bis zum Moorwackler zu bringen, denn der werde ihr Führer dorthin sein.
Der Moorwackler
Nachdem sie sich für ihr Abenteuer passend gekleidet haben, brechen sie mit den Eulen auf. Diese fliegen sie zum Sumpf, an dessen Rand der Wigwam des Moorwacklers steht. Dieses merkwürdige Wesen scheint vor allem aus langen Armen und Beinen zu bestehen, an denen sich froschartige Zehen befinden. Er trägt einen spitzen Hut auf dem schlammfarbenen Kopf und lächelt niemals, wie Jill auffällt. Vielmehr ist er stets sehr ernst und sieht immer die schlechteste Entwicklung voraus, ein richtiger Pessimist. Sein Name ist Trauerpfützler - wie passend, denkt Jill.
Aber es soll sich erweisen, dass sie für ihre Reise zur grünen Hexe und zu den Riesen keinen besseren Gefährten hätten finden können.
Mein Eindruck
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Folgten wir in "Die Reise der 'Morgenröte'" den Abenteuern einer ganzen Expedition, so erleben wir diesmal die Abenteuer von nur zwei Kindern, einem Moorwackler und dem Prinzen Rilian. Denn sie finden den Entführten wirklich, wenn auch unter großen Gefahren. Diese Such- und Rettungsmission sieht zwar ähnlich aus wie die der Hobbits, dient aber einem ganz anderen Zweck. Hier soll nichts fortgebracht und zerstört werden (der Eine Ring), sondern etwas wiedergefunden und zurückgebracht werden.
Deshalb ist die Stimmung dieses Bandes weitaus weniger grimmig als etwa die im zweiten und dritten Band des "Herrn der Ringe". Das heißt aber nicht, dass Jill und Eustachius nicht ebenfalls große Mühen und Gefahren durchzustehen hätten, ganz im Gegenteil. Sie begegnen der Grünen Dame und ihrem schwarzgewandeten Ritter auf der Straße zu der Stadt der Riesen. Sie rät ihnen, die Riesen in Harfang aufzusuchen und sie von ihr, der Dame, zu grüßen. Wie sich jedoch herausstellt, sind die Menschen als Hauptgang beim Festmahl der Riesen eingeplant! Schleunigst verkrümeln sie sich wieder, bevor der Hofstaat von der Jagd zurückkehrt.
Die Unterwelt
Nur um in die nächste Gefahrenzone zu geraten: in die Unterwelt. Denn eines der vier Zeichen Aslans weist sie dorthin, und so rutschen und purzeln sie in die Arme der Erdmänner und Gnome, die die Welt der Seichten See und der Grünen Dame bevölkern. Die Dame finden sie in ihrem Schloss jenseits der Seichten See, einem unterirdischen Meer. Aber bevor es dazu kommt, lernen sie einen jungen Ritter kennen, der fortwährend glückselig lacht und seiner Dame dankt. Jill hält ihn für naiv, aber dann fällt ihr ein, dass er unter einem Bann liegen könnte: dem der Grünen Dame. Er ist nämlich ihr schwarzer Ritter. Und mehr als das: Er ist Prinz Rilian - allerdings nur in einer Stunde der Nacht, wenn er in den silbernen Sessel gefesselt ist und bei klarem Verstand ist. Auch hier wirkt das Böse nicht immer und vollkommen.
Die Welt als Traum des Bösen
Ihn von seinem Zauber zu befreien, erweist sich als schwieriger als gedacht. Können sie ihm überhaupt trauen? Was, wenn er doch wahnsinnig ist und ihnen, wenn sie ihn befreien würden, den Kopf abschlüge? Doch da fleht er sie im Namen Aslans an - das vierte Zeichen! Kaum haben sie ihn befreit, zerschlägt er das Instrument seiner Verzauberung und Folter, den silbernen Sessel. Das rettet ihn aber nicht, denn schon kommt seine Herrin herein. Sie müssen erkennen, dass ihrer Verzauberung zu widerstehen, schier unmöglich ist. Schließlich kaum sie ebenfalls, dass es weder Sonne noch Aslan gibt und die Oberwelt nur ein Märchen und Traum sei.
Nun kommt der unverwüstliche, aber leider immer pessimistische Trauerpfützler ins Spiel. Angeblich soll ihn der Autor nach dem Vorbild seines Gärtners Fred Paxman gezeichnet haben. Während die Evastochter und der Adamssohn den Einflüssen des Bösen ausgesetzt sind, erweist sich der Narniane als relativ unempfindlich für die Verzauberung durch die grüne Hexe. Trauerpfützler hat durch einen schwachen Moment wie alle anderen auch, da sie ja nicht göttlich sind wie Aslan. Doch Trauerpfützler kann nicht wie die anderen völlig überwunden werden. Er zerstört den Zauber der Hexe, woraufhin sich diese in eine grüne Schlange verwandelt. Nun er kann sich Rilian dazu bereitfinden, die Mörderin seiner Mutter zu erschlagen. Jeder Tod in Narnia muss einen sehr guten Grund haben, in allen Büchern von Lewis.
Diese Szene ist deshalb so wichtig, weil sie der Ziel- und Wendepunkt der Handlung darstellt. Kein Wunder, dass sich der Autor damit die größte Mühe gegeben hat, und sie auch im Hörbuch mit relativ großem Aufwand inszeniert ist. Der Sprecher gurrt und säuselt den Zauber der grünen Hexe, dass einem fast selbst Hören und Sehen vergeht. So können wir verstehen, dass dass Böse a) schwer zu erkennen ist, b) nicht schwieriger zu bekämpfen und c) fast unmöglich zu beseitigen ist. Aber weil es zu schaffen ist, schöpfen wir wieder Hoffnung, Aslans sei Dank.
Gefährten und Inklings
Eine weitere Lektion: Nur gemeinsam sind die Gefährten stark und können siegen. Wer alleine steht, wie Rilian, der wird unter den bann des Bösen fallen. Diese Darstellung wiederholt der Autor viele Male in seinen Narnia-Büchern, so etwa auch an Eustachius, als der sich, einsam und allein auf einem Drachenhort liegend, in einen Drachen verwandelt.
Wem solche Gedanken vertraut vorkommen, kennt sie wahrscheinlich aus Tolkiens Büchern, etwa aus dem "Hobbit" und dem "Herrn der Ringe". Es ist christliches Gedankengut, obendrein katholisches. Wer sich näher damit beschäftigen will, wird auf den Oxforder Schriftstellerkreis der Inklings stoßen, dem Tolkien, Lewis und viele andere bekannte Namen aus Englands Geistesleben angehörten.
Neumodische Schulen
Von dieser Warte aus macht sich Lewis einen Spaß daraus, die Experimentalschulen auf die Schippe zu nehmen. Diese folgen neuen Konzepten aus den USA, die Anfang der 1950er Jahren ihren Weg nach England fanden. Diese antiautoritären, psychologisierenden, von vornherein passiv eingestellten Konzepte passten Lewis überhaupt nicht in den Kram. 1898 geboren, wuchs er in einer strengen Schulwelt auf, überlebte mit allerknappster Not den Einsatz im Ersten Weltkrieg und wurde zu einem rhetorisch sattelfesten Verfechter fester Ideen und Vorgaben, insbesondere auf dem Feld der Theologie. Sicher wetterte er auch in seinen Radioansprachen gegen solchen neumodischen Kram. Letzten Endes ging es um die Frage, wer Recht hat: Sigmund Freud oder die Bibel? Für Lewis war die Sache sonnenklar.
Am Schluss wird alles in der Experimentalschule mit Aslans Hilfe auf den Kopf gestellt und der Rückkehr der Vernunft und des Glaubens der Weg geebnet. Dann erlaubt sich der Autor noch einen kritischen Seitenhieb. Die Schulleiterin versucht ihre Karriere weiterzuverfolgen, indem sie andere Rektoren anleiten soll. Das klappt nicht, und deshalb findet sie ihre ideale Bestimmung als Abgeordnete im Parlament. Hier wird Lewis' Humor sarkastisch.
Der Sprecher
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Philip Schepmann verfügt über eine ähnlich große Fähigkeit, seine Stimme zu verstellen, wie Rufus Beck. Jede Figur erhält so ihre eigene charakteristische Stimmfärbung, um sie kenntlich zu machen. Und das sind eine ganze Menge unterschiedlichster Stimmen: Löwen, Zentauren, schuhuhende Eulen (ganz wunderbar), selbstverständlich auch Zwerge, Gnome, Riesen und Faune. Und natürlich junge Frauen wie Jill und Jungs wie Eustachius. Selbst Rilian klingt erst ein wenig durchgeknallt (weil verzaubert) und dann nüchtern, aber bedrohlich (weil entzaubert).
Am gelungensten erscheint mir jedoch die zentrale Szene gelungen zu sein: die Verzauberung durch die Grüne Hexe. Der Sprecher gurrt und säuselt den Zauber der grünen Hexe, dass einem fast selbst Hören und Sehen vergeht, weil man davon hypnotisiert wird. Man muss aus dem Fenster sehen, um festzustellen, ob die Sonne am Himmel steht. Der Sprecher macht sogar die betörende Musik nach: pling, pling. Leider ist es keine wirkliche Musik, obwohl dies sicherlich keine großen Mehrkosten verursacht hätte.
Außerdem kommt dem Sprecher die moderne Technik zu Hilfe. Mal erklingen die Stimmen unisono, mal stereo (oder trio), dann wieder mit einem Halleffekt. So ist für eine Menge Abwechslung gesorgt. Bei fünf CDs kann man in dieser Hinsicht nicht viel falsch machen. Aber es ist trotzdem eine Menge Text: über sechseinhalb Stunden.
Das Booklet...
...weist nicht nur ein schönes neues Cover auf, sondern enthält auch eine Tracklist mit den Titeln der 17 Kapitel sowie Informationen über den Autor und den Sprecher. Dass sich auch jede Menge Werbung für weitere Narnia-(Hör-) Bücher findet, dürfte wohl nicht verwundern. Übrigens wird das Cover-Motiv auf den CDs selbst wiederholt, was das Einlegen und Abspielen auch zu einem optisch schönen Erlebnis macht.
Unterm Strich
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Für Kinder ist dieses Hörbuch ein ideales Geschenk, das es durchaus mit Tolkiens "Kleinem Hobbit" aufnehmen kann. Die Interpretation durch den Sprecher macht das Zuhören zu einem Erlebnis, dem man mit Spannung folgt. Der Text ist übrigens ungekürzt.
"Der silberne Sessel" ist ein unterhaltsames und spannendes Kinderbuch, das bis zum Rand mit Abenteuer und Action vollgepackt ist, ohne dabei an Zauber und Hoffnung einzubüßen. Es wartet mit zahlreichen Überraschungen, einer spannenden Expedition und einem packenden Zweikampf mit der Grünen Hexe auf. Diesmal kommt der Humor nicht zu kurz, wie ich finde - dafür sorgt alleine schon der Moorwackler. Und auch die Szenen bei den Riesen fand ich ziemlich lustig. Man findet nicht jeden Tag heraus, damit man auf jemandes Speisezettel steht.
Das Hörbuch
Philipp Schepmann macht das Hörbuch wieder zu einem Hör-Erlebnis. Ihm gelingt es, unter Einsatz verschiedener Aufnahmetricks und den zahlreichen Stimmlagen, die ihm zur Verfügung stehen, die unterschiedlichsten Figuren zur Geltung zu bringen. Da wird das Hörbuch schnell kurzweilig, und die Zeit vergeht wie im Fluge. Lediglich durch den raschen Szenenwechsel nach dem Ende der Hexe war ich kurzzeitig verwirrt, aber daran war ich selbst schuld: Man sollte eben selbst auf der letzten CD noch genau hinhören!
Fazit: volle Punktzahl.
Hinweis
Manche Deutungen entnahm ich Martha Sammons äußerst nützlichen "Reiseführer durch die Narnia-Welt" aus dem Brendow-Verlag, siehe dazu meinen Bericht.
Michael Matzer © 2011ff
Info: The Chronicles of Narnia - The Silver Chair, 1953; Brendow 01/2006, Moers; 5 CDs, 338 Minuten, EU 9,95, aus dem Englischen übersetzt von Ulla Neckenauer; ISBN 978-3-86506-103-4
Der Autor
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Clive Staples Lewis, der von 1898 bis 1963 lebte, war ein Freund und Kollege Professor J.R.R. Tolkiens (mehr dazu weiter unten). Das dieser zufällige Umstand ihn auszeichnen soll, lässt darauf schließen, dass er im Bewusstsein der gegenwärtigen Leser hinter seinem bekannter gewordenen Kollegen zurückgetreten, wenn nicht sogar fast verschwunden ist. Tolkiens Stern leuchtet heller.
Dabei hat Lewis sowohl in der Fantasy als auch Science Fiction Spuren hinterlassen. Auch in der Philosophie und Theologie schrieb er bekannte und gelobte Werke. Doch lediglich die "Chroniken von Narnia", Fantasy für kleine und große Kinder, wurde auch verfilmt. Die Science Fiction-Trilogie "Perelandra", eine ambitionierter Weltentwurf, ist eben zu sperrig und dialoglastig für den heutigen Geschmack.
Viel ist in die Narnia-Romane hineingedeutet worden. Dies muss nicht alles wiederholt werden. Feststeht aber, dass die Narnia-Chroniken seit über 50 Jahren in Großbritannien zum Standard der Jugendliteratur gehören, und das sicher nicht ohne Grund - sie verbinden Abenteuer und Wunder mit einer christlichen Botschaft.
Hier kommen altbekannte Fantasythemen zum Tragen, so etwa der Gegensatz zwischen Gut und Böse. Außerdem ist Narnia eine Parallelwelt, die durch ein Tor erreicht wird; es gibt sogar Zeitreisen und andere Dimensionen. Die Bücher werden als christliche Allegorien interpretiert, aber das würde ihnen wenig gerecht: Sie sind hervorragende und bewegende Geschichten - wenn auch mit sprechenden Tieren.
Die Narnia-Chroniken in der richtigen Reihenfolge und mit aktuellem Titel:
1. Das Wunder von Narnia
2. Der König von Narnia
3. Der Ritt nach Narnia
4. Prinz Kaspian von Narnia
5. Die Reise auf der "Morgenröte"
6. Der silberne Sessel
7. Der letzte Kampf
Mehr Infos sind auf www.narnia.com zu finden.
Der Sprecher
°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Philipp Schepmann, Jahrgang 1966, erhielt seine Ausbildung als Schauspieler an der renommierten Folkwang-Schule in Essen. Er ist laut Verlagsangaben verheiratet, Vater von drei Kindern und lebt in Bergisch Gladbach bei Köln. Schepmann arbeitet als Sprecher und Schauspieler für Film, Funk und Theater. Schepmann liest wie immer bei den Narnia-Hörbüchern eine ungekürzte Fassung.
Handlung
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Jill Pole und Eustachius Knilch sind Schüler an einer Experimentalschule, die antiautoritäre Erziehungsmethoden erprobt. Das hält eine Bande von Raufbolden nicht davon auf, Jill zu tyrannisieren, so wie heute. Die Rektorin wird ihr nicht helfen, weiß Jill, sondern bloß neugierige Fragen stellen. Eustachius fragt sie, was los ist, aber sie will von ihm keine Predigt hören. Wenigstens vertraut er ihr soweit, dass er ihr von Narnia erzählt. Er war dort und hat viele Abenteuer erlebt. Nimmt er sie auf den Arm, fragt Jill kritisch. Er schwört, dass er das völlig ernst meint. Und wie kommt man in dieses "Narnia", will Jill wissen. Mit einem Zauberspruch, etwa? Nein, das würde Aslan nicht gefallen, man müsse ihn bloß bitten, meint Eustachius. Da hört sie die Tyrannen wieder nach ihr rufen. Schnell weg!
Sie eilen zu der Schulmauer, wo sie eine Art Tür finden. Eustachius öffnet sie und Jill staunt: Auf der anderen Seite liegt ein grünes Land im Sonnenschein unter einem strahlend blauen Himmel, nicht der trübe Herbsthimmel ihrer eigenen Umgebung. Als sie die Tyrannen erneut rufen hört, wagt Jill an Eustachius' Hand den ersten Schritt in das andere Land.
Narnia
Doch bald stehen sie an der Kante eines tiefen Abgrunds, und Jills Knie werden weichen. Sie kann sich nicht rühren. Eustachius packt sie, bevor sie hinabfällt. Sie reißt sich auf einmal los, er taumelt - und stürzt in die Tiefe. Jill ist bestürzt. Da stellt sich ein riesiges Tier neben sie und bläst seinen Atem in den Abgrund, so dass sie sehen kann, wie der Junge auf dem Wind davongetragen wird. Das riesige Tier ist ein Löwe. Als sie zu einem nahen Bach geht, um zu trinken, liegt der Löwe schon da. Und er spricht zu ihr!
Sie erinnert sich, dass Eustachius erzählte, in Narnia könnten die Tiere sprechen. Das mindert ihre Angst, dass er sie fressen könnte, ein wenig. Er fragt sie nach dem Jungen, und sie erzählt, was passiert ist. Der Junge sei in Sicherheit, beruhigt er sie, in Narnia. Und er gibt ihr eine Aufgabe auf. Sie solle zu einem einsamen alten König gehen, der traurig ist, weil sein Sohn geraubt wurde. Sie solle den Prinzen wiederfinden und zurückbringen. Oder sie müsse in ihre Welt zurückkehren.
Es gibt weitere Aufgaben innerhalb dieser Aufgabe. Eustachius müsse einen alten Freund wiedersehen. In der alten Stadt der Riesen müssten sie die Aufgaben erfüllen, die auf den Felsen stehen. Der Prinz, so sie ihn fänden, werde eine Bitte äußern, die sie erfüllen müssten. Der Löwe, der kein anderer als Aslan ist, lässt Jill diese vier Aufgaben auswendig lernen. Dann schickt er sie Eustachius nach, indem er sie in der Tiefe des Abgrunds auf seinem Atem davon bläst, bis sie wie ein Vogel über Narnia dahinfliegt.
Feeneden
Sie landet am Rande einer Küste, wo sich ein großes Schloss mit einer Stadt erhebt. Sie weiß nicht, dass dieses Schloss Feeneden ist. Im Hafen hat sich eine große Menschenmenge versammelt, und Trompeten werden geblasen. Etwas Wichtiges scheint vor sich zu gehen. Sie stellt sich neben Eustachius, der irgendwie geistesabwesend erscheint, und verfolgt die Szene. Da wartet ein Segelschiff im Hafen, und ein alter gebrechlicher Mann in einem prächtigen Gewand will an Bord gehen. Er dreht sich noch einmal um, spricht ein paar Worte mit einem Zwerg, der auf einem Esel sitzt, und betritt dann das Schiff. Es legt ab, und die irgendwie wehmütige Menge jubelt einen Abschiedsgruß.
Erst als es zu spät ist, erzählt Jill Eustachius von den vier Aufgaben, die Aslan ihr und dem Jungen gestellt hat. Da landet eine große weiße Eule vor ihren Füßen und fragt sie, wer sie seien. Als Eustachius sich vorstellt und nach einigen Fragen erfährt, dass es König Kaspian X war, der da gerade zu den Östlichen Inseln aufgebrochen ist, fällt es ihm wie Schuppen von den Augen: Kaspian ist der alte Freund, denn er wiedersehen sollte! Denn mit ihm segelte er auf der "Morgenröte" bis zum Rand der Welt. Na toll, die erste Aufgabe haben sie gleich vermasselt.
Bleibt ihnen also noch, nach dem Prinzen zu suchen und zur Stadt der Riesen zu gelangen. Doch warum ist der Prinz überhaupt verschwunden, fragen sie sich. Die Eule stellt stellt sie dem schwerhörigen Zwerg vor, der nun als Regent in Feeneden herrscht. Erst zum Abendessen im Schloss legen Jill und Eustachius ihren Streit bei, wer denn nun Schuld daran sei, dass sie die Aufgabe nicht erfüllt haben.
Mitten in der Nacht, als Jill gerade einschlafen will, holt die weiße Eule - sie heißt Glimmfeder - sie ab und trägt sie auf ihrem Rücken in einen alten Turm. Dorthin hat sie bereits Eustachius gebracht. Als ein Licht entzündet wird, kann Jill sehen, dass eine ganze Schar Eulen versammelt: das Eulenparlament. Langer Rede kurzer Sinn: Die Eulen schicken die beiden Besucher auf die Suche nach dem Prinzen, ganz wie Aslan es wünschte.
Der verschwundene Prinz
Prinz Rilian, der Sohn von König Kaspian und Ramandus Tochter (die Eustachius ebenfalls kennenlernte, als er mit der "Morgenröte" fuhr), ritt vor über zehn Jahren mit seiner Mutter und ihrem Gefolge zu einer Quelle, um den Mai zu feiern. Die Mutter legte sich müde hin, um zu schlafen, und die anderen gingen rücksichtsvoll abseits. Da kam eine grüne Schlange aus dem Wald und biss die Königin in die Hand. Sie schrie auf, was die anderen herbeirief. Die Schlange floh so schnell, dass Rilian sie nicht erschlagen konnte. Für die Königin kam jede Hilfe zu spät, und Rilian war untröstlich.
Er schwor, Rache zu nehmen für die Ermordung seiner Mutter, und ritt viele Male in die Sümpfe auf der Suche nach der teuflischen Schlange. Schließlich flehte Lord Drinian, der Kapitän der "Morgenröte" ihn an, von der Suche abzulassen. Aber Rilian erzählte ihm, er sei gar nicht mehr auf der Jagd. Stattdessen besuche er bei der Quelle eine schöne Dame, die das schönste Geschöpf der Welt sei. Lord Drinian bittet, ihm die Dame zu zeigen, und sie reiten in die Sümpfe. In der Tat tritt dort eine in ein giftgrünes Gewand gekleidete Dame auf, verschwindet aber gleich wieder, als sie Rilians Begleiter bemerkt. Drinian spürt, dass sie böse ist.
Doch er erzählt Kaspian nichts davon, um ihn nicht zu beunruhigen. Als Rilian am nächsten Tag nicht von seinem Ausritt zurückkehrt, macht er sich schwere Vorwürfe und erzählt Kaspian alles. Doch der König erschlägt ihn nicht, sondern würde er den letzten Gefährten verlieren, der ihm noch geblieben ist. Vielemehr machten sich viele Ritter anerbötig, nach dem verschwundenen Prinzen zu suchen, doch keiner von ihnen kehrte je wieder zurück.
Für Jill ist der Fall klar wie Kloßbrühe: Die Dame in Grün und die grüne Schlange sind ein und dasselbe. Und sie weiß auch, dass der Prinz lebt, denn Aslan sagte es ihr ja. Darüber sind die Eulen sehr froh und erinnern an die Weiße Hexe, die vor vielen Jahr Eis und Schnee über Narnia gebracht hat, bevor Aslan und vier Menschenkinder sie besiegen und verjagen konnten (in "Der König von Narnia"). Jill erzählt den Eulen, dass sie und Eustachius zur Stadt der Riesen gehen müssten, um Zeichen zu finden und Aslans nächste Aufgabe zu erfüllen. Die Eulen versprechen, sie bis zum Moorwackler zu bringen, denn der werde ihr Führer dorthin sein.
Der Moorwackler
Nachdem sie sich für ihr Abenteuer passend gekleidet haben, brechen sie mit den Eulen auf. Diese fliegen sie zum Sumpf, an dessen Rand der Wigwam des Moorwacklers steht. Dieses merkwürdige Wesen scheint vor allem aus langen Armen und Beinen zu bestehen, an denen sich froschartige Zehen befinden. Er trägt einen spitzen Hut auf dem schlammfarbenen Kopf und lächelt niemals, wie Jill auffällt. Vielmehr ist er stets sehr ernst und sieht immer die schlechteste Entwicklung voraus, ein richtiger Pessimist. Sein Name ist Trauerpfützler - wie passend, denkt Jill.
Aber es soll sich erweisen, dass sie für ihre Reise zur grünen Hexe und zu den Riesen keinen besseren Gefährten hätten finden können.
Mein Eindruck
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Folgten wir in "Die Reise der 'Morgenröte'" den Abenteuern einer ganzen Expedition, so erleben wir diesmal die Abenteuer von nur zwei Kindern, einem Moorwackler und dem Prinzen Rilian. Denn sie finden den Entführten wirklich, wenn auch unter großen Gefahren. Diese Such- und Rettungsmission sieht zwar ähnlich aus wie die der Hobbits, dient aber einem ganz anderen Zweck. Hier soll nichts fortgebracht und zerstört werden (der Eine Ring), sondern etwas wiedergefunden und zurückgebracht werden.
Deshalb ist die Stimmung dieses Bandes weitaus weniger grimmig als etwa die im zweiten und dritten Band des "Herrn der Ringe". Das heißt aber nicht, dass Jill und Eustachius nicht ebenfalls große Mühen und Gefahren durchzustehen hätten, ganz im Gegenteil. Sie begegnen der Grünen Dame und ihrem schwarzgewandeten Ritter auf der Straße zu der Stadt der Riesen. Sie rät ihnen, die Riesen in Harfang aufzusuchen und sie von ihr, der Dame, zu grüßen. Wie sich jedoch herausstellt, sind die Menschen als Hauptgang beim Festmahl der Riesen eingeplant! Schleunigst verkrümeln sie sich wieder, bevor der Hofstaat von der Jagd zurückkehrt.
Die Unterwelt
Nur um in die nächste Gefahrenzone zu geraten: in die Unterwelt. Denn eines der vier Zeichen Aslans weist sie dorthin, und so rutschen und purzeln sie in die Arme der Erdmänner und Gnome, die die Welt der Seichten See und der Grünen Dame bevölkern. Die Dame finden sie in ihrem Schloss jenseits der Seichten See, einem unterirdischen Meer. Aber bevor es dazu kommt, lernen sie einen jungen Ritter kennen, der fortwährend glückselig lacht und seiner Dame dankt. Jill hält ihn für naiv, aber dann fällt ihr ein, dass er unter einem Bann liegen könnte: dem der Grünen Dame. Er ist nämlich ihr schwarzer Ritter. Und mehr als das: Er ist Prinz Rilian - allerdings nur in einer Stunde der Nacht, wenn er in den silbernen Sessel gefesselt ist und bei klarem Verstand ist. Auch hier wirkt das Böse nicht immer und vollkommen.
Die Welt als Traum des Bösen
Ihn von seinem Zauber zu befreien, erweist sich als schwieriger als gedacht. Können sie ihm überhaupt trauen? Was, wenn er doch wahnsinnig ist und ihnen, wenn sie ihn befreien würden, den Kopf abschlüge? Doch da fleht er sie im Namen Aslans an - das vierte Zeichen! Kaum haben sie ihn befreit, zerschlägt er das Instrument seiner Verzauberung und Folter, den silbernen Sessel. Das rettet ihn aber nicht, denn schon kommt seine Herrin herein. Sie müssen erkennen, dass ihrer Verzauberung zu widerstehen, schier unmöglich ist. Schließlich kaum sie ebenfalls, dass es weder Sonne noch Aslan gibt und die Oberwelt nur ein Märchen und Traum sei.
Nun kommt der unverwüstliche, aber leider immer pessimistische Trauerpfützler ins Spiel. Angeblich soll ihn der Autor nach dem Vorbild seines Gärtners Fred Paxman gezeichnet haben. Während die Evastochter und der Adamssohn den Einflüssen des Bösen ausgesetzt sind, erweist sich der Narniane als relativ unempfindlich für die Verzauberung durch die grüne Hexe. Trauerpfützler hat durch einen schwachen Moment wie alle anderen auch, da sie ja nicht göttlich sind wie Aslan. Doch Trauerpfützler kann nicht wie die anderen völlig überwunden werden. Er zerstört den Zauber der Hexe, woraufhin sich diese in eine grüne Schlange verwandelt. Nun er kann sich Rilian dazu bereitfinden, die Mörderin seiner Mutter zu erschlagen. Jeder Tod in Narnia muss einen sehr guten Grund haben, in allen Büchern von Lewis.
Diese Szene ist deshalb so wichtig, weil sie der Ziel- und Wendepunkt der Handlung darstellt. Kein Wunder, dass sich der Autor damit die größte Mühe gegeben hat, und sie auch im Hörbuch mit relativ großem Aufwand inszeniert ist. Der Sprecher gurrt und säuselt den Zauber der grünen Hexe, dass einem fast selbst Hören und Sehen vergeht. So können wir verstehen, dass dass Böse a) schwer zu erkennen ist, b) nicht schwieriger zu bekämpfen und c) fast unmöglich zu beseitigen ist. Aber weil es zu schaffen ist, schöpfen wir wieder Hoffnung, Aslans sei Dank.
Gefährten und Inklings
Eine weitere Lektion: Nur gemeinsam sind die Gefährten stark und können siegen. Wer alleine steht, wie Rilian, der wird unter den bann des Bösen fallen. Diese Darstellung wiederholt der Autor viele Male in seinen Narnia-Büchern, so etwa auch an Eustachius, als der sich, einsam und allein auf einem Drachenhort liegend, in einen Drachen verwandelt.
Wem solche Gedanken vertraut vorkommen, kennt sie wahrscheinlich aus Tolkiens Büchern, etwa aus dem "Hobbit" und dem "Herrn der Ringe". Es ist christliches Gedankengut, obendrein katholisches. Wer sich näher damit beschäftigen will, wird auf den Oxforder Schriftstellerkreis der Inklings stoßen, dem Tolkien, Lewis und viele andere bekannte Namen aus Englands Geistesleben angehörten.
Neumodische Schulen
Von dieser Warte aus macht sich Lewis einen Spaß daraus, die Experimentalschulen auf die Schippe zu nehmen. Diese folgen neuen Konzepten aus den USA, die Anfang der 1950er Jahren ihren Weg nach England fanden. Diese antiautoritären, psychologisierenden, von vornherein passiv eingestellten Konzepte passten Lewis überhaupt nicht in den Kram. 1898 geboren, wuchs er in einer strengen Schulwelt auf, überlebte mit allerknappster Not den Einsatz im Ersten Weltkrieg und wurde zu einem rhetorisch sattelfesten Verfechter fester Ideen und Vorgaben, insbesondere auf dem Feld der Theologie. Sicher wetterte er auch in seinen Radioansprachen gegen solchen neumodischen Kram. Letzten Endes ging es um die Frage, wer Recht hat: Sigmund Freud oder die Bibel? Für Lewis war die Sache sonnenklar.
Am Schluss wird alles in der Experimentalschule mit Aslans Hilfe auf den Kopf gestellt und der Rückkehr der Vernunft und des Glaubens der Weg geebnet. Dann erlaubt sich der Autor noch einen kritischen Seitenhieb. Die Schulleiterin versucht ihre Karriere weiterzuverfolgen, indem sie andere Rektoren anleiten soll. Das klappt nicht, und deshalb findet sie ihre ideale Bestimmung als Abgeordnete im Parlament. Hier wird Lewis' Humor sarkastisch.
Der Sprecher
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Philip Schepmann verfügt über eine ähnlich große Fähigkeit, seine Stimme zu verstellen, wie Rufus Beck. Jede Figur erhält so ihre eigene charakteristische Stimmfärbung, um sie kenntlich zu machen. Und das sind eine ganze Menge unterschiedlichster Stimmen: Löwen, Zentauren, schuhuhende Eulen (ganz wunderbar), selbstverständlich auch Zwerge, Gnome, Riesen und Faune. Und natürlich junge Frauen wie Jill und Jungs wie Eustachius. Selbst Rilian klingt erst ein wenig durchgeknallt (weil verzaubert) und dann nüchtern, aber bedrohlich (weil entzaubert).
Am gelungensten erscheint mir jedoch die zentrale Szene gelungen zu sein: die Verzauberung durch die Grüne Hexe. Der Sprecher gurrt und säuselt den Zauber der grünen Hexe, dass einem fast selbst Hören und Sehen vergeht, weil man davon hypnotisiert wird. Man muss aus dem Fenster sehen, um festzustellen, ob die Sonne am Himmel steht. Der Sprecher macht sogar die betörende Musik nach: pling, pling. Leider ist es keine wirkliche Musik, obwohl dies sicherlich keine großen Mehrkosten verursacht hätte.
Außerdem kommt dem Sprecher die moderne Technik zu Hilfe. Mal erklingen die Stimmen unisono, mal stereo (oder trio), dann wieder mit einem Halleffekt. So ist für eine Menge Abwechslung gesorgt. Bei fünf CDs kann man in dieser Hinsicht nicht viel falsch machen. Aber es ist trotzdem eine Menge Text: über sechseinhalb Stunden.
Das Booklet...
...weist nicht nur ein schönes neues Cover auf, sondern enthält auch eine Tracklist mit den Titeln der 17 Kapitel sowie Informationen über den Autor und den Sprecher. Dass sich auch jede Menge Werbung für weitere Narnia-(Hör-) Bücher findet, dürfte wohl nicht verwundern. Übrigens wird das Cover-Motiv auf den CDs selbst wiederholt, was das Einlegen und Abspielen auch zu einem optisch schönen Erlebnis macht.
Unterm Strich
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Für Kinder ist dieses Hörbuch ein ideales Geschenk, das es durchaus mit Tolkiens "Kleinem Hobbit" aufnehmen kann. Die Interpretation durch den Sprecher macht das Zuhören zu einem Erlebnis, dem man mit Spannung folgt. Der Text ist übrigens ungekürzt.
"Der silberne Sessel" ist ein unterhaltsames und spannendes Kinderbuch, das bis zum Rand mit Abenteuer und Action vollgepackt ist, ohne dabei an Zauber und Hoffnung einzubüßen. Es wartet mit zahlreichen Überraschungen, einer spannenden Expedition und einem packenden Zweikampf mit der Grünen Hexe auf. Diesmal kommt der Humor nicht zu kurz, wie ich finde - dafür sorgt alleine schon der Moorwackler. Und auch die Szenen bei den Riesen fand ich ziemlich lustig. Man findet nicht jeden Tag heraus, damit man auf jemandes Speisezettel steht.
Das Hörbuch
Philipp Schepmann macht das Hörbuch wieder zu einem Hör-Erlebnis. Ihm gelingt es, unter Einsatz verschiedener Aufnahmetricks und den zahlreichen Stimmlagen, die ihm zur Verfügung stehen, die unterschiedlichsten Figuren zur Geltung zu bringen. Da wird das Hörbuch schnell kurzweilig, und die Zeit vergeht wie im Fluge. Lediglich durch den raschen Szenenwechsel nach dem Ende der Hexe war ich kurzzeitig verwirrt, aber daran war ich selbst schuld: Man sollte eben selbst auf der letzten CD noch genau hinhören!
Fazit: volle Punktzahl.
Hinweis
Manche Deutungen entnahm ich Martha Sammons äußerst nützlichen "Reiseführer durch die Narnia-Welt" aus dem Brendow-Verlag, siehe dazu meinen Bericht.
Michael Matzer © 2011ff
Info: The Chronicles of Narnia - The Silver Chair, 1953; Brendow 01/2006, Moers; 5 CDs, 338 Minuten, EU 9,95, aus dem Englischen übersetzt von Ulla Neckenauer; ISBN 978-3-86506-103-4
Fazit: empfehlenswert für Hörbuch-Freunde
Name des Mitglieds: mmatzer




12.01.12
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