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Und schon bin ich Seniorin
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Lilia81

Name des Mitglieds: Lilia81

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Turnen

Datum: 08.12.11

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Vorteile: s. Bericht

Nachteile: s. Bericht

Durch Zufall habe ich hier die Rubrik "Turnen" entdeckt und mein Interesse war sofort geweckt. Denn ich bin nun seit gut 23 Jahren dieser Sportart (Gerätturnen) verfallen und obwohl ich jetzt mit meinen 30 Jahren dort schon lange zum alten Eisen (ja, ab 30 startet man dort bei den Senioren) gehöre, konnte ich mich trotz Höhen und Tiefen bisher nicht von dieser Sportart trennen. Kleine Erfolge, wie zum Beispiel der 6. Platz bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften, spornen einen immer wieder an.
Den meisten Menschen ist diese Sportart ja in unliebsamer Erinnerung aus dem Sportunterricht geblieben (zum Beispiel Bockspringen) und auch in den Medien / der Öffentlichkeit ist Turnen nicht oft zu finden. Der einzige Turner, der in den letzten Jahren populär geworden ist, ist Fabian Hambüchen.
Die Sportart ist sehr vielfältig und man kann soviel dazu schreiben, dass es hier wahrscheinlich einfach den Rahmen sprengen würde. Werde hier speziell zum Gerätturnen ein paar allgemeine Dinge berichten und dann einfach mal meinen Werdegang aufzeigen. Fangen wir aber einfach mal vorne an:


===Begriff===
Turnen wird bei Wikipedia wie folgt beschrieben:
"Vielseitiges Bewegen im Sinne der Vielfalt von Körperübungen. Es schließt vielfältige Bewegungs- und Spielformen sowie Gymnastik und zum Teil auch Tanz ein. Oft kommt es zur Gleichsetzung von Turnen und Freizeitsport. Für den Deutschen Turner-Bund steht Turnen als Oberbegriff für die von ihm vertretenen Sportarten und Bewegungsaktivitäten."
Das bedeutet, dass unter dem Begriff "Turnen" eine ganze Menge von verschiedenen Sportarten zusammengefasst wird. Hier gibt es den Freizeit-, Breiten- und Leistungssport in den Fachrichtungen Gerätturnen, Rhythmische Sportgymnastik, Trampolinturnen, Aerobic, Gesundheitsturnen, Gymnastik, Tanz, Rhönradturnen usw. Ich möchte hier speziell über das Gerätturnen berichten, da ich es einfach schon so lange selber ausübe.
"Gerätturnen (auch Kunstturnen oder Geräteturnen; engl.: artistic gymnastics) ist eine olympische Individualsportart. Ziel ist es, an Turngeräten Übungen nach vorgegebenen Kriterien (Technik und Haltung) auch in Verbindungen auszuführen. Durch das Gerätturnen werden vor allem koordinative und konditionelle Fähigkeiten entwickelt, aber auch Mut, Willensqualitäten und Selbstbeherrschung". (wikipedia)
Im Männerbereich wird hierzu an 6 verschiedenen Geräten geturnt- Dazu gehören Sprungtisch, Seitpferd (oder auch Pauschenpferd genannt), Barren, Boden, Ringe und Reck.
Bei den Frauen hingegen gibt es nur 4 Wettkampfgeräte - Sprungtisch, Barren, Balken und Boden. Oft werde ich gefragt, wie ich das denn an den Ringen mit dem Halten schaffen würde. Nein, ich turne keine Ringe - dafür wären meine Arme (zum Glück) nicht kräftig genug. Und nein, ich wirbel keine Keulen am Boden durch die Luft - das ist dann Rhythmische Sportgymnastik (wofür ich einfach zu ungelenk wäre).


===Ursprung===
Wer kennt ihn wohl nicht? Den guten alten Turnvater Jahn.
Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) gilt als der Schöpfer der frühen Turnbewegung in Preußen. Der erste öffentliche Turnplatz in der Berliner Hasenheide (1811) war sein Werk. Sein Bemühen um die Entwicklung des Turnens galt auch der Realisierung seiner Erziehungs- und Bildungsabsichten: "Die Turnkunst soll die verlorene Gleichmäßigkeit der menschlichen Bildung wiederherstellen...". Die von Jahn und seinen Vorturnern auf dem Turnplatz in der Hasenheide demonstrierten Vorstellungen von der "Deutschen Turnkunst" sind im Turnbetrieb bis heute in Geltung geblieben, ebenso viele Bezeichnungen der Jahnschen Turnsprache. In den folgenden Jahren wurden viele Turnvereine und schließlich der Deutsche Turner-Bund gegründet. Aus dem Turnen entwickelte sich schließlich das Gerätturnen als Weltsportart.


===Turnen für Kleine===
Fast jeder Turnverein hat in seinem Angebot das "Mutter-Kind-Turnen" und "Kleinkinderturnen". Hier bekommen die Jüngeren einfach die Gelegenheit, sich in einer Turnhalle frei zu bewegen und ihre Koordination und Motorik zu schulen - natürlich alles kindgerecht. Hüpfen über Matten, Balance halten auf Bänken, Sprossenwand erklimmen, Fangspiele, Singen und Kreischen - das ist wie ein großer Abenteuerspielplatz. Hier lernen die Kleinen, was der Körper so alles kann und wie man mit Gleichaltrigen zurechtkommt. Vor allem in der heutigen Zeit, wo der PC und der Fernseher immer mehr in den Vordergrund rückt, finde ich solche Angebote sehr wichtig. In diesem Alter haben diese Stunden nicht richtig etwas mit dem Gerätturnen zu tun. Hier geht es um Bewegung, Auspowern und Spaß.


===Freizeitturnen===
Im Bereich des Freizeitturnens geht man dann schon konsequent an die vier Geräte und absolviert dort einzelne Teile und Übungen. Man beginnt mit den leichteren Elementen (Rolle, Strecksprung, Hocke über den Bock) und arbeitet sich langsam hoch. Bei mir war es hier so, dass die Halle doch von sehr vielen Mädchen im Alter zwischen 7 und 11 Jahren besucht war. Nach dem gemeinsamen Aufwärmen (dort schaute man dann ganz neidisch auf die Großen) wurden wir in verschiedene Gruppen (je nach Leistungsstand - gemessen an den Übungen) unterteilt und haben dann nacheinander unsere Teile/Übungen trainiert. Wer Lust hat, kann hier in diesem Bereich auch an Wettkämpfen teilnehmen. So ein Wettbewerb läuft eigentlich immer gleich ab. Man kommt in die Halle, macht sich gemeinsam warm, turnt sich an den Geräten einmal mit seiner Übung ein und absolviert dann seine Übung pro Gerät vor den Kampfrichtern. Diese bewerten sie dann mit einer bestimmten Punktzahl. Am Ende gewinnt der mit den meisten Punkten.
Als ich damit begonnen habe, fand ich die ganze Wettkampfatmosphäre zunächst etwas einschüchternd, später dann faszinierend. Man bekam einen schönen Turnanzug, später dann auch einen Vereinstrainingsanzug, meine Mutter hat mir meine Haare schön hochgebunden und man hatte Spaß mit den Vereinskolleginnen. Das war immer super. Natürlich durften die Kuscheltiere als Glücksbringer nicht fehlen.


===Leistungs-/Höchstleistungsturnen===
Ich tue mich immer etwas schwer, die Grenze zwischen den einzelnen Formen zu ziehen. Wo fängt etwas an und wo hört etwas auf?
Im Freizeitturnen gibt es eine ziemlich breite Masse an Kindern. Sobald erkannt wird, dass da das Talent und der Wille für mehr vorhanden ist, werden diese Kinder zumeist mehr gefördert. Das bedeutet, man erhält intensiveres, längeres und häufiger Training. Das ist wohl bei jeder Sportart so. Umso früher man mit der gründlichen Erarbeitung der Grundlagen anfängt, umso leichter wird es später.
Der Nachwuchsbereich in Deutschland unterteilt sich in verschiedenen Altersklassen - AK 7 bis AK 11. Die Anforderungen in den ersten beiden Altersklassen sind noch ganz gut erreichbar und machbar. Das Trainingspensum liegt hier aber oftmals auch schon bei 3x die Woche. Um dann bei diesem Programm weiterhin mithalten zu können, benötigen die Kleinen schon hier Ehrgeiz, Fleiß, Mut und Durchhaltevermögen. Es wird einiges von ihnen verlangt. An den Teilnehmerzahlen auf Wettkämpfen kann man das ganz gut erkennen. Wenn man sich zum Beispiel die Westfälischen Meisterschaften anschaut: In der AK 7 waren dort in diesem Jahr 30 Mädels dabei - in der AK 11 waren es dann nur noch 5 Teilnehmerinnen. Das ist bitter, aber es wird einfach nach Leistung ausgesiebt und nach oben hin wird die Decke dünner.. Wer wirklich mit den besten in Deutschland mithalten möchte, trainiert mit etwa 10 Jahren bereits bis zu 6 x in der Woche. Natürlich gibt es auch dann noch Spaß und Lachen in der Halle, aber das Training läuft einfach konzentrierter und leistungsorientierter ab.
Ab 12 Jahren geht es dann in die Jugendklassen hinein, wo auch schon die Deutschen Meisterschaften ausgetragen werden. International werden auch einige Wettkämpfe angeboten und man hat hier bei sehr guter Leistung die Chance, in die Jugendnationalmannschaft aufgenommen zu werden und somit auf solchen Wettkämpfen Deutschland zu vertreten. Ab 16 Jahren (Mindestalter für internationale Wettkämpfe) befindet man sich dann in der normalen Meisterschaftsklasse, wohin es dann nur sehr wenige Turnerinnen schaffen. Die Anforderungen sind sehr hoch. Das Trainingspensum liegt hier bei ungefähr 20 Stunden und aufwärts pro Woche. Eine Elisabeth Seitz (eine der besten Turnerinnen in Deutschland) trainiert beispielsweise 32 Stunden in der Woche und das neben der Schule. Da fragt man sich natürlich, wie das zu vereinbaren ist. Zeit für "Freizeit" bleibt da dann nicht mehr.
Länder wie zum Beispiel Russland, Rumänien und die USA sind die führenden Nationen auf internationaler Ebene. Ähnlich wie damals in der DDR haben sie ein perfekt geordnetes System für die Sportler. Das Umfeld erlaubt es ihnen, viel und intensiv zu trainieren. Ob sich das nun positiv auf die schulische Ausbildung auswirkt, sei mal dahin gestellt.

Zum Glück gibt es in Deutschland ein recht gutes System, wo die Kinder, die den Leistungssprung in die nächst höhere Altersklasse nicht schaffen, aufgefangen werden und somit nicht zwangsläufig den Sport an den Nagel hängen. Zurzeit gibt es hier das KM System. Je nach Leistungsstand kann man hier einsteigen (4 ist das leichteste, 1 das höchste) und Wettkämpfe bestreiten. Das Programm ist in meinen Augen sehr attraktiv - sowohl für jüngere als auch für ältere Sportler. Der jeweilige Landesverband und der Deutsche Turnerbund bieten hierzu Wettkämpfe an. Damit kann man sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene an den Start gehen.


===Wettkampfformen===
Im Turnsport gibt es Mannschaftsbewerbe, Einzelmehrkämpfe und Wettkämpfe an jedem einzelnen Gerät. Es gibt je nach Ortschaft Wettkämpfe auf Stadt-, Kreis-, Bezirks-, Gau-, Landes- und Bundesebene. Die Altersklassen gehen über den Nachwuchs, Junioren, Meisterschaft bis hin zu den Senioren.
Im Westfälischen Turnerbund ist es zum Beispiel so, dass man sich im KM 2 Bereich bei dem Qualifikationswettkampf Einzel unter die ersten 8 Teilnehmern platzieren muss, um an den Westfälischen Meisterschaften teilnehmen zu können. Kommt man dort dann unter die ersten beiden, darf man beim Deutschland Cup starten, wo jedes Bundesland in jeder Altersklasse zwei Starterinnen stellen darf. Das gleiche gibt es dann bei den Mannschaften.
Ähnlich wie beim Fußball oder auch im Basketball gibt es hier ein Ligasystem. Von der Stadtliga beginnend geht es hoch bis zur Ober-, Regional- und Bundesliga.
Was bis heute immer ganz toll ist, sind die Turnfeste. Hier fährt man über ein verlängertes Wochenende (oder auch eine ganze Woche) in eine Stadt, schläft auf Luftmatratzen in einem Klassenzimmer, turnt einen Wettkampf, nimmt an Spasswettkämpfen teil (Handstandtest, Parcourlauf, Luftmatratzenstaffel), sieht sich Shows an, lernt andere Sportarten kennen und sieht sich einfach die Stadt an. Das Deutsche Turnfest findet alle vier Jahre statt und ist ein absolutes Großereignis. Hierdurch habe ich Städte wie München, Berlin, Leipzig, Hamburg und Frankfurt kennengelernt. Alle Turnbereiche sind dort zu finden (z. B. Aerobic, Sportakrobatik, Gerätturnen, RSG) und zumeist werden in diesem Rahmen dann auch die entsprechenden Deutschen Meisterschaften ausgetragen (da kann man die Elite Deutschlands dann auch mal live sehen). Ein ganz tolles Erlebnis für Jung und Alt.
Ob man nun Freizeit-, Leistungs- oder Hochleistungsturnerin ist - für jeden Leistungsstand werden entsprechende Wettkämpfe angeboten.


===Wertungssystem===
Das Wertungssystem ist im Turnen sehr kompliziert und für einen Laien etwas undurchsichtig. Ich möchte hier auch niemanden mit zu vielen Details und Fachausdrücken langweilen oder verwirren.
Das A und O ist für uns der Code de Pointage (Wertungsvorschriften). Dort ist alles genau festgehalten: Abzüge, besondere Anforderungen, Verhaltensvorschriften für Turner und Trainer und die Einstufung der einzelnen Elemente (Schwierigkeitsgrad) an allen Geräten. So ist zum Beispiel festgelegt, dass ein Salto vorwärts am Boden ein A Teil (leichteste Kategorie) ist, wo hingegen ein Doppelsalto vorwärts ein E Teil ist. Das hat weltweite Gültigkeit.
Die Kampfrichter errechnen für jede Übung zunächst den Ausgangswert (Schwierigkeiten der Übung, Erfüllung besondere Anforderungen) und machen dann Abzüge für Haltungsfehler (zum Beispiel Sturz, krumme Arme usw.). Das ergibt dann den Endwert.
Leider lässt sich anders wie z. B. beim Fußball, Leichtathletik Turnen nicht in Toren, mit der Stoppuhr oder dem Maßband messen. Menschen bewerten die Leistungen und damit kann es auch mal etwas subjektiver ausfallen. Da kann sich aber auch niemand von freisprechen. Zum Glück sitzen an einem Tisch mindestens 3 Kampfrichter, so dass es meistens doch recht fair abläuft.
Ich finde es etwas schade, dass man die Wertungen wirklich nur als Fachmann nachvollziehen kann. Das macht die Sportart für Zuschauer oft nicht interessanter.


===Kosten===
Im Gegensatz zu anderen Sportarten wie zum Beispiel Tennis ist Turnen doch ein recht kostengünstiger Sport. Die jährlichen Beiträge in den Vereinen belaufen sich bei Kindern zumeist nicht viel über 70 Euro. Da kann man nicht meckern.
Natürlich kommen dann später noch Dinge wie Wettkampfkleidung und Reckriemchen dazu, die zugegeben, nicht immer so günstig sind. Für einen Turnanzug (was sagte meine Mutter immer: Für so wenig Stoff soll ich soviel bezahlen) bezahlt man heute schon mal gut und gerne 80-120 Euro. Das ist eine Menge, wenn man überlegt, dass vor allem Kinder doch recht schnell wachsen. Ich (oder besser meine Eltern) habe früher daher oft zu klein gewordene Anzüge von den Älteren abgekauft. Heute schaue ich einfach mal bei Ebay rein und ersteigere mir so kostengünstige Anzüge. Vor allem in den kleineren Größen ist dort das Angebot riesig. Zusätzlich fallen bei mir noch Kosten für Reckriemchen, Schweißbänder, (alle paar Jahre mal) für einen Trainingsanzug und Turnhosen an. Das hält sich aber alles soweit noch im Rahmen.
Die Startgebühren für die Wettbewerbe zahlt üblicherweise der Verein.


===Risiken===
Welche Sportart auf Hochleistungsniveau ist gesund? Diese Frage sollte man sich stellen, bevor man immer sofort auf Gerätturnen, Rhythmische Sportgymnastik oder Eiskunstlaufen herumhackt. In den Medien gab es immer wieder gewisse Schreckensmeldungen, die meiner Ansicht nach so nicht immer zu belegen sind. Das Problem u. a. beim Turnen ist, dass die Kinder schon früh mit sehr intensiven Training beginnen und dadurch der Körper stark belastet wird.
Man darf / oder sollte natürlich aber auch die Augen vor gewissen Risiken im Gerätturnen nicht verschließen und sich bemühen, sich damit auseinanderzusetzen. Manche Zahlen und Fakten lassen sich nicht unter den Teppich kehren und ich werde hier einige Sachen aus Untersuchungen und meine eigene Erfahrung mit reinnehmen.
Zunächst möchte ich erwähnen, dass sich in den letzten Jahren im Trainingsbereich doch so einiges getan hat. Die Bemühungen, den Körper gesund zu halten, Spätfolgen zu vermeiden und Risiken zu vermindern sind gestiegen. Das Augenmerk wird zum Beispiel stark auf Kraftübungen gelegt, so dass der Körper auf viele Elemente besser vorbereitet ist. Einige Elemente (Stöße gegen den Hüft- und Unterbauchbereich, 1 ½ fache Salti bei den Frauen am Boden) wurden aus dem Code komplett gestrichen.

*Verletzungen
Aufgrund intensiver Untersuchungen zum Bewegungsablauf bei Kunstturnern sind in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen worden, das Verletzungspotential beim Kunstturnen zu reduzieren. Dies konnte durch eine Erhöhung der Mattenauflage auf 20 cm sowie eine zusätzlich dämpfende Auflage erreicht werden. Aber auch ein verbessertes muskuläres Aufbautraining der Turnerinnen und Turner sowie eine intensivierte Schulung der Trainer haben zur Minderung des Verletzungspotentials beigetragen.
Hier sei einmal erwähnt, dass die Verletzungshäufigkeit bei zum Beispiel Handball, Volleyball und Fußball um ein vielfaches höher liegt, als beim Turnen. Die häufigsten Verletzungen treten in den unteren Extremitäten (Fuß, Knie, Sprunggelenk) auf. Die Landungen am Boden und bei den Abgängen an den anderen Geräten sind nicht zu unterschätzen. Kommt man hier schief auf den Boden auf, beendet man eine Drehung nicht richtig so kann es mal zu Bänderüberdehnungen, Kreuzbandabrissen, Archillessehnenabriss kommen. All das habe ich in meinem Sportalltag leider schon gesehen - zum Glück bis auf Bänderüberdehnungen und einen Bänderabriss im Fuß nicht am eigenen Leib erfahren. Toi, toi, toi! Bei Absprüngen und Landungen wirken enorme Kräfte auf den Körper ein (Sprung aus 3 m Höhe = bis zu 10 fache des eigenen Körpergewichtes) und macht man da etwas falsch, kann es zu bösen Verletzungen kommen.
An den oberen Extremitäten ist die Häufigkeit einer Verletzung etwas geringer. Hier kommt es mal zu Überbelastung der Handgelenke, Überstreckung des Armes. Ich hatte eine ziemlich langwierige Entzündung im Schultergelenk, was durch eine Überbelastung hervorgetreten ist. Neben Tabletten musste ich hier brav meine Kraftübungen machen. Die Hände einer Turnerin sehen leider trotz Reckriemchen oft sehr mitgenommen auf. Die Belastung am Barren bringen Schwielen und oftmals Blutblasen hervor, was zwar nicht angenehm, aber auch nicht extrem gefährlich für die Gesundheit ist.
Die Belastungen im Rückenbereich sind recht hoch. Zwar verbiegen (Gelenkigkeit) wir uns nicht so extrem wie die Rhythmischen Sportgymnastinnen, aber der Rücken wird bei einigen Teilen schon mehr in der Überdehnung beansprucht. Schäden wie Skoliose, Morbus Scheuermann oder Wirbelgleiten können auftreten. Die Betonung liegt hier auf "Können". Durch die Belastung sollte man immer genügend Kraftübungen machen, um den Rückenbereich ausreichend zu stabilisieren und zu schützen. Interessant ist hier das Ergebnis einer Untersuchung (Brüggemann). So gaben 22 % der Kaderturnerinnen unter 14 bis 20 Jahre an, gelegentlich an Rückenschmerzen zu leiden. Im Gegensatz dazu waren es fast 50 % (13 und älter) der Schulkinder, die keinen Sport betreiben. Das Ergebnis bei ehemaligen Turnerinnen weist keine signifikanten Unterschiede in Mittelwert der Rückenschmerzen, Intensität und Häufigkeit auf.
Meine Erfahrung dazu sind, dass wenn ich ordentlich und regelmäßig meine Kraftübungen mache, habe ich keine Schmerzen im Rückenbereich. Schlampe ich in diesem Bereich, so macht es sich meistens im unteren Lendenwirbelbereich relativ schnell bemerkbar.

* Pubertäts- und Wachstumsverlauf
Im Gerätturnen sind die meisten Turnerinnen klein und leicht (bessere Hebelverhältnisse) und beginnen zumeist sehr früh (5., 6. Lebensjahr) mit dem Training. Im Leistungsorientierten Bereich wird daher schon geschaut, welche körperlichen Voraussetzungen die Kinder durch ihre Eltern mitbekommen. In der internationalen Spitze sind die Mädchen zwischen 1,40 und 1,55 m groß. Abweichungen nach oben oder unten sind natürlich vorhanden. In jeder Sportart setzten sich die Athleten durch, die mit unter für den jeweiligen Sport die besten Voraussetzungen haben. Im Basketball sieht man ja auch nur wenige Spieler unter 1,90 m.
Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Kinder / Jugendliche im Turnen mit einer hohen Trainingsbelastung in ihrer Entwicklung beeinflusst werden. Die Körperendhöhe wird später erreicht. Der Unterschied zwischen dem kalendarischen und biologischen Knochenalter beträgt bis zu 2 Jahren (da ich kein Mediziner bin, möchte ich auf das Warum nicht weiter eingehen).
"Vergleicht man den Wachstumsverlauf bei Kunstturnerinnen mit dem bei Schwimmerinnen, ist festzustellen, dass sowohl das Beinlängenwachstum als auch die Wachstumsgeschwindigkeit bei Turnerinnen reduziert ist. Schwimmerinnen wachsen während ihres Pubertätswachstumsschubes 8 cm/Jahr, Turnerinnen nur 5,4 cm/Jahr.
Pubertätsverlauf und Wachstumsschub verlaufen bei den Kunstturnerinnen verzögert. Der Menarcheneintritt ist bei den Kunstturnerinnen um 2,5 Jahre verzögert (Durchschnittalter liegt hier bei 12,6 Jahren)."
Gesagt sei aber, dass diese Entwicklungsphasen durch die hohe Belastung auf den Körper nur verzögert wird. Die genetisch vorgegebene Körperendhöhe wird durch diese Sportart nicht beeinflusst. Das erklärt dann auch, dass einige "Frauen", die man zum Beispiel bei Olympia turnen sieht, nicht wie 16, sondern eher wie 14 Jahre aussehen. Schaut man sich ehemalige Turnerinnen an, so kann man von der körperlichen Entwicklung keinerlei Unterschiede erkennen.
Die oben genannten Untersuchungen wurden im Höchstleistungsbereich gemacht und gelten nur bedingt im "normalen" Leistungsbereich.
*Gewicht
Und auch hier möchte ich erst einmal die Frage stellen: Welcher Sportler achtet nicht auf sein Gewicht? Müssen Hochspringerinnen nicht leicht sein? Wie hält ein Judoka sich an der Grenze seiner Gewichtsklasse? Schafft eine "mollige" Tennisspielerin es, ein Match durchzustehen und dabei schnell und flink zu sein?
Ja, beim Turnen sollte man leicht sein, was aber weniger einen ästhetischen Sinn verfolgt, sondern eher für optimale Bewegungsabläufe und Verletzungsminimierung sorgt. Umso mehr Gewicht man mit sich herumträgt, umso mehr und schwerere Belastung muss der Körper auffangen und das Verletzungsrisiko steigt. Das bedeutet aber nicht, dass eine Turnerin untergewichtig sein sollte.
Bei jüngeren Mädchen stellt das alles zumeist noch kein Problem dar, denn durch den hohen Bewegungsanteil und den schnellen Muskelzuwachs, ist hier eine Gewichtszunahme nur selten. Wenn der Körper dann in die Pubertät kommt, der Fettanteil sich erhöht, der Körper Rundungen bekommt, kann es zu Gewichtszunahme kommen. Hier sind dann die Eltern und der Trainer gefragt, um behutsam mit diesem Thema umzugehen.
Da ich von Natur aus eher schlank bin, hatte ich damit nie ein Problem. Natürlich habe ich es bei anderen Mädchen mitbekommen, wie sie gute 10 kg in der Pubertät zugelegt haben. Als Trainer ist es schwer, damit umzugehen. Zum einen trägt er die Verantwortung im Training (Verletzungsrisiko) und zum anderen muss er aber auch aufpassen, dass das Abnehmen nicht in eine andere Richtung geht. Gerade in diesem Alter ist das ein heikles Thema. Magersucht und Bulimie habe ich leider öfters bei Mädchen mitbekommen. Mein Trainer hat das Thema Gewicht nie groß thematisiert. Habe eher mal einen auf den Deckel bekommen, wenn ich 1-2 Kilo abgenommen habe. Auf der anderen Seite habe ich auch schon erlebt, wie Trainer ihre Turnerinnen als zu dick bezeichnet und beim Training in Folie gewickelt haben.


===Mein bisheriges Leben mit dieser Sportart===
Im Alter von 7 hat eine Klassenkameradin mich mit in den örtlichen Turnverein genommen (TG Scherlebeck). Dort hüpften sehr viele Kinder in einer kleinen Halle an den Geräten herum und mehrere Übungsleiter versuchten, die Bande in den Griff zu bekommen. Ich lernte gleich eine Übung an allen Geräten, die ich dann immer brav zu absolvieren hatte und wechselte schnell zu einer vom Leistungsstand besseren Gruppe. Zweimal in der Woche ging ich nun für 2 Stunden zum Training und es machte mir Spaß. Ich durfte mit zu den ersten Wettkämpfen (Stadt-/Kreis- und Bezirksebene) und schlug mich dort auch ganz wacker.
Nach einem Jahr wechselte ich in die Leistungsgruppe und dort wehte ein ziemlich scharfer Wind. Wir waren vielleicht 10 Mädchen in unterschiedlichen Alters- und Leistungsklassen. Die Älteren waren meine absoluten Vorbilder, denn manche von ihnen traten auch bei den Deutschen Meisterschaften an und da ich die Jüngste unter ihnen war, war ich auch die Schlechteste. Das Trainingspensum erhöhte sich auf 6 mal in der Woche a 3 Stunden. Neben dem Training an den Geräten kamen jetzt noch viel mehr Kraft-, Dehnung-, Konditions- und Ballettübungen dazu. Leider war mein Verhältnis zu meiner Trainerin mit Angst erfüllt. Sie war zwar streng, aber immer nett und freundlich zu mir gewesen. Angeschrien wurde ich nie, doch bei den Älteren sah das anders aus. Sie wurden oft getrietzt und die Stimme wurde lauter. Tränen flossen dort häufiger. Und ich, gerade mal 8 Jahre alt, habe das natürlich mitbekommen und war so erschreckt davon. Ohne meine Kuscheltiere in der Trainingstasche ging ich nicht mehr in die Halle. Es wurde vor, mitten und nach dem Training geweint - obwohl sie mir persönlich nie etwas getan hat. Heute weiß ich, dass einige der anderen Mädels oft ihre Grenzen ausgetestet haben, faul waren oder/und sich für etwas Besseres gehalten haben. Ich würde heute wohl nicht mehr turnen, wenn die Trainerin damals nicht wegen Schwangerschaft aufgehört hätte. Meine Eltern, so habe ich das später erfahren, hätten sich das nicht mehr lange angeschaut. Das Training danach wurde lockerer, einige hörten auf und die Leistungen gingen runter. Ich hatte aber zum Glück meine Freude an dem Sport zurückgewonnen.

Durch ein wiederholenden Wechsel des Trainers und Absenkung des Trainingspensums ging es mit den Leistungen nur sehr schleppend vorwärts in dieser Zeit. Ich bin nur noch auf kleineren Wettkämpfen an den Start gegangen. Zum Glück kam dann eine junge Frau als Trainerin mit der ich mich super verstanden habe und die mir doch so einiges beigebracht hat. Ich schaffte wieder den Sprung auf die Landesebene (Westfälischer Turnerbund). Belohnt wurde ich für den Trainingsfleiß unter anderem mit der Teilnahme an dem Schulwettbewerb "Jugend trainiert für Olympia". An einem Tag turnte man einen Wettkampf (oh man, gegen die Mädels aus den östlichen Bundesländern hatten wir null Chancen) und die restliche Woche schauten wir uns Berlin an. Das hat motiviert. Meine Eltern standen immer hinter dem Sport ohne mich enorm zu trietzen. Klar, wenn ich mal keine Lust hatte oder ein Treffen mit den Freunden mir wichtiger erschien, führten sie schon mal ein Gespräch mit mir und verdeutlichten mir das Motto: Ohne Fleiß kein Preis. . Da ich nicht im Spitzenbereich unterwegs war, sah mein Alltag recht normal aus - Schule, Training, Freunde, andere Hobbies.

Bis dato war ich recht klein, knabenhafter Körperbau und dünn für mein Alter. Aber auch dann ereilte mich die Pubertät und ich schoss in die Höhe (1,73 m), was für eine Turnerin einfach nicht vorteilhaft ist. Wenn man klein und leicht ist, sind die Hebelverhältnisse einfach besser. Das musste ich auch leidvoll erfahren, denn viele Teile klappten einfach nicht mehr so. Nachdem ich mir dann auch noch alle Bänder am Fuß gerissen hatte (die damals noch per OP behandelt worden sind) und somit für ein paar Wochen ausfiel, machte sich das alles noch stärker bemerkbar, denn nun war auch noch die Kraft weg. Nach und nach baute ich mir das aber mühsam wieder auf.
Vor allem in dieser Altersspanne hören viele Mädchen auf mit dem Turnen. Der Körper verändert sich, es fällt einem alles nicht mehr so leicht, andere Interessen werden wichtiger, die Angst nimmt zu und die Zeit wird durch die Schule knapper. Zum Glück hatte ich dort in der Halle einen Freundeskreis aufgebaut, so dass man nicht nur in der Halle zusammen war, sondern auch seine Freizeit miteinander verbrachte. Die einzelnen Turnfeste, wo man bis zu eine Woche gemeinsam in Schulen übernachtet, neue Leute kennenlernt, seinen Wettkampf turnt und Großstädte wie Hamburg, München, Frankfurt, Leipzig besucht, sind eine Erfahrung wert und machen bis heute einfach riesen Spaß.
Mit fortschreitendem Alter wird es dann schwieriger, bei der Sportart am Ball zu bleiben. Ich war auf einmal die älteste, aktive Turnerin bei uns in Scherlebeck. Es ist nicht immer einfach, Treffen, Partys mit Freunden abzusagen, weil man ja zum Training muss oder nächsten Tag einen Wettkampf hat. Man verpasst hier einfach einige Dinge. Da ich dies aber von klein auf so erlebt habe und meine Freunde ebenfalls damit aufgewachsen sind, war es doch ganz gut zu überstehen.
Wie es bei kleineren Vereinen so üblich ist, wächst man hier irgendwie hinein und verpflichtet sich zu immer mehr Aufgaben. Ohne freiwillige Helfer könnte so ein Verein ja auch gar nicht überleben. Meine Eltern sind fast jedes Wochenende mit mir quer durch NRW gefahren mein Vater hat beim Auf- und Abbau der Geräte auf Wettkämpfen geholfen, Kuchen gebacken usw. Ich habe damals angefangen, kleine Kinder zu trainieren und habe einen Kampfrichterschein gemacht. Bis heute weiß ich nicht, wie ich das bis zum Abitur alles unter einen Hut bekommen habe: Schule, Parties, Freund, Freunde, selber trainiert, Kleine trainiert, Wettkämpfe und auch noch einen Nebenjob als Kellnerin. Aber es hat alles funktioniert. Da meine Trainerin aus beruflichen Gründen aufhören musste, habe ich mit Beginn meiner Ausbildung und dem Studium dann den Verein gewechselt. Dort kam ich in eine sehr motivierte Mannschaft rein, die alle in meinem (oder ein, zwei Jahre älter und jünger) Jahrgang waren - gleiche Interessen und Gesprächsthemen im Training sind toll. Wir zogen gemeinsam mit dem Trainer an einem Band und so trainierte ich dann auch wieder bis zu 5 mal in der Woche a 3 Stunden in einer Sportstätte in Bochum. Neben dem Training gingen wir auch gerne zusammen feiern, shoppen und trinken. Das Gesamtwohlfühlpaket stimmte hier einfach. Wir kämpften uns von der Landesliga hinauf in die Oberliga, gingen beim Bundesfinale an den Start und auch im Einzel Bereich kann ich auf insgesamt 11 Teilnahmen beim Deutschland-Pokal schauen.
Natürlich bröckelte auch hier mit der Zeit einfach die Mannschaft dahin. Der eine ging beruflich weiter weg oder schaffte es zeitlich einfach nicht mehr, der andere verletzte sich und kam danach nicht mehr rein - aber es kommen ja immer Mädchen von unten (Jüngere) nach.
Mittlerweile bin ich zwar noch relativ aktiv dabei (ca 3 mal in der Woche a 3 Stunden), aber ich merke einfach das Alter (jetzt werden bestimmt einige schmunzeln). Mit 30 ist man eine Turnomi und es fällt mir schwer, überhaupt meinen Leistungsstand so zu halten. Um neue Elemente zu lernen, benötige ich sehr viel Zeit, Konzentration und häufig scheitert es an der Angst. Natürlich mache ich mir mehr Gedanken, was passieren könnte, wenn ich so oder so falle oder falsch aufkomme.
Nach einem 2 Wochen Urlaub brauche ich einfach länger, um körperlich überhaupt wieder richtig reinzukommen. Die Wiederholungszahl und Intensität im Training muss stark gedrosselt werden, denn der Körper macht das ansonsten nicht mehr mit. Es deprimiert natürlich, wenn man selber keuchend da hängt und die Jüngeren immer noch wie das blühende Leben aussehen. Aber ok, damit muss man sich abfinden Zum Glück legt das Trainerteam sehr viel wert auf Krafttraining, so dass meine Verletzungen sich wirklich im Rahmen halten. Blaue Flecken, offene Hände und Prellungen gehören wohl einfach zum Turnalltag dazu. Im Durchschnitt nehme ich so an 12 Wettkämpfen pro Jahr teil und ich bin froh, nun endlich in die Seniorenklasse (30-35 Jahre) aufgestiegen zu sein. Da ist das Miteinander einfach angenehmer und man muss sich nicht mit 18 jährigen um die Plätze streiten J.
Natürlich frage ich mich heute oft, warum ich mir das in der Form überhaupt noch freiwillig antue. Da kommt man von einem stressigen 10 Stunden Arbeitstag, fährt in die Halle, wo der Geräuschpegel auch noch hoch ist, hört sich das Gezicke der Jüngeren an (sind gerade so zwischen 15 und 21 Jahre), muss sich konzentrieren und Leistungen abrufen und fährt dann, weil etwas nicht funktioniert hat, gefrustet nach Hause (natürlich nicht immer). Das sieht dann 3 mal in der Woche so aus (05.00 Uhr aufstehen und gegen 21.00 Uhr dann wieder zu Hause). Natürlich warten dann zu Hause auch noch die normalen Dinge auf einen und seinen Freundeskreis will man ja schließlich auch nicht vernachlässigen. Doch wenn es mir keinen Spaß mehr machen würde, würde ich das alles natürlich gar nicht mehr auf mich nehmen.


===Fazit===
Der Bereich "Gerätturnen" ist eine sehr vielseitige und abwechslungsreiche Sportart. Vor allem für kleinere Kinder ist es eins der besten Schulungen für die Koordination und das Körperbewußtsein. Ich würde mein Kind immer zuerst in einem Turnverein, egal ob nun Junge oder Mädchen, anmelden, denn hier werden einfach eine Menge körperliche Grundlagen (Kraft, Ausdauer, Feinmothorik, Gelenkigkeit) gelegt, die man für sehr viele andere Sportarten später dann gut gebrauchen kann.

Hier muss ich jedoch auch sagen, dass ich mich dem natürlich nicht in den Weg stellen, aber es nicht gerne sehen würde, wenn mein Kind (wenn ich eins haben sollte) in den Hochleistungsbereich gehen würde. Das hohe Trainingspensum und die Intensität ab frühem Kindesalter sind enorm, dazu kommt dann oft noch ein gewisser Druck von den Trainern und Eltern. In all den Jahren habe ich einfach schon sehr viel gesehen. Wie viele absolut talentierte und gute Kinder nach jahrelanger Aufopferung aufgehört haben, weil sie oder ihre Eltern mit dem Trainer/-in nicht zurecht gekommen sind oder sie einfach keine Lust mehr auf diese Sportart hatten oder sich verletzt haben oder die körperlichen Voraussetzungen nicht mehr gegeben waren. Wie viele Menschen aller Sportarten schaffen es an die Spitze?!. Hier sei auch mal gesagt, dass meiner Meinung nach Kinder zwar von Eltern oder Trainern unter Druck gesetzt werden können, um mehr Leistung zu erbringen, aber wenn das Kind nicht mit Leidenschaft dabei ist, wird es über kurz oder lang aufhören. Spätestens in der Pubertätsphase kommt es zur Rebellion.

Oft werden die Trainer kritisiert, zu streng mit den Kindern umzugehen (das trifft wohl auf die meisten Sportarten zu). Bei uns in der Halle wird grundsätzlich nicht geschrien, aber ja, der Ton ist manchmal etwas schärfer. Ob das sein muss? Ich denke, das hängt vom Trainer und vom Kind ab. Die Kinder testen, wie bei den Eltern auch, ihre Grenzen aus. Hat man da eine Rasselband von 8 Kindern zwischen 7 und 9 Jahre und möchte schon auf Wettkampfebene mit ihnen, so muss ein wenig Disziplin her. Mein Trainer brauchte mich auch im höheren Alter nicht anschreien, sondern da reichte meistens ein Blick. Der schärfere Ton war manchmal sogar hilfreich und notwendig, um über meinen eigenen Schatten zu springen. Egal welchen Trainer ich hatte, so war dies immer eine Respektsperson (ohne Angst vor ihm zu haben). Ganz ohne Druck kommt man nicht an die Leistungen heran.

Meine Mutter sagte ganz am Anfang mal, als wir uns einen höheren Wettkampf angeschaut haben, dass die Turnerinnen dort so ernst aussehen und nicht lächeln würden. Haben sie überhaupt Spaß daran? Ja, haben wir. Jedes Teil an jedem Gerät sollte/muss mit Konzentration geturnt werden, denn ansonsten ist das Verletzungsrisiko einfach zu hoch. Sehr viele Bänderrisse sind auf Unkonzentriertheit und Albereien zurückzuführen. Ich merke das immer ganz extrem nach langen und stressigen Arbeitstagen. Dann rede ich kaum im Training und lasse mich nicht ablenken, denn es ist so schon mühsam genug, meinen Kopf zusammenzuhalten, um meine Elemente zu trainieren. Im Wettkampf turne ich pro Gerät nur eine Übung und wenn ich diese verhaue, so kann ich das an diesem Gerät nicht mehr gut machen. Habe da keine 2. Chance. Daher ist man angespannt, nervös und konzentriert. Ein Lächeln ist dann schwierig.
Das Turnen hat mich charakterlich schon geprägt. Zum einen habe ich eine große Selbstdisziplin und hohe Belastbarkeit, denn von klein auf habe ich gelernt, gleichzeitig den schulischen Anforderungen und der zeitlichen und körperlichen Beanspruchung durch das Training gerecht werden zu müssen. Später kamen dann Ausbildung, Beziehung und Job dazu.
Da ich nicht zu den talentiertesten Mädchen gehört habe, musste ich mir viele Dinge hart erarbeiten und ich stand da öfters mal bei Elementen vor der Aufgabe. Hier habe ich auf jeden Fall gelernt, nicht sofort etwas hinzuschmeißen, sondern am Ball zu bleiben und mich durchzubeißen. Es ist hart, wenn man im Wettkampf gleich am ersten Gerät patzt. Da sind früher schon mal die Tränen geflossen vor Enttäuschung (heute bin ich dann eher wütend auf mich selbst). Auch damit muss man umgehen und motiviert den Wettkampf beenden. Nicht alle Teilnehmer können oben auf dem Treppchen stehen und so lernt man, auch mit Niederlagen fertig zu werden. Da man auch mal unter Schmerzen turnt, ist meine Schmerzgrenze ein wenig höher - was nicht immer so gut und gesund ist. Wer geht schon freiwillig mit offenen Blasen an den Barren?

Das Ziel im Turnen ist es, dass alle Elemente leicht, locker und perfekt gezeigt werden. Und das ist nicht so einfach! Zum einen gefällt mir an dieser Sportart die Abwechslung. Man hat vier verschiedene Geräte, turnt sowohl akrobatische als auch gymnastische Elemente, benötigt Kraft, Dehnung und Ausdauer, bestreitet Einzel- und Mannschaftswettkämpfe. Zum anderen lernt man hier sehr viele unterschiedliche Menschen kennen und schließt hier und da so einige Freundschaften. Nicht nur die Leistung im Sport steht im Vordergrund, sondern auch das menschliche Miteinander. Nach einem Wettkampf geht man zusammen essen, verbringt Tage zusammen auf einem Turnfest, geht auf Veranstaltungen, macht Trainingscamps und (je nach Alter) feiert und trinkt man zusammen. Das Sozialverhalten wird einfach gefördert. Neben den Sporthallen sieht man städtemäßig so einiges und kommt ein wenig herum.
Der Schwebebalken (auch Zitterbalken genannt) ist wirklich das gemeinste Gerät. Trotz intensivem Training fällt man hier hin und wieder (oder auch öfters) runter. Wenn man dann auf Wettkämpfen auch noch nervös ist, wird es schwierig. Mittlerweile gefällt mir der Boden am besten (auch wenn ich nicht sooooo schwierige Akrobahnen zeige), denn hier kann man tänzerische Elemente einbauen und hat auch mal Zeit zu lächeln J.
Ich habe hier viel geschrieben und doch kommt es mir so vor, als ob da noch gaaaanz viele Punkte offen sind. Solltet ihr daher etwas vermissen, bitte ich um Verzeihung, aber der Bericht ist so schon lang genug :-). Trotz meiner 30 Jahre turne ich immer noch und es macht mir Spaß an die Geräte zu gehen. Natürlich sind immer mal wieder Tage dabei, wo ich mir in den Popo treten muss, um wirklich in die Halle zu gehen. Aber ich hüpfe, springe, balanciere und tanze gerne an den vier Geräten: Sprung, Barren, Balken und Boden.

Fazit: s. Bericht