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Abenteuer pur : Kamelsafari durch die Wüste Thar  - weitere Wüsten Archiv Reisen & Cityguide

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Abenteuer pur : Kamelsafari durch die Wüste Thar
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schlingel62

Name des Mitglieds: schlingel62

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Datum: 25.06.02, geändert am 25.06.02 (734 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Natur hautnah erleben, spürenh

Nachteile: keine, vielleicht etwas heiss

Vorwort
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Früher Morgen in Bikaner (Nordindien). Vor zwei Stunde sind wir mit dem Nachtbus aus Pushkar angekommen. Nur unter schwierigsten Bedingungen schafften wir es um 5 Uhr unsren „Tuk-Tuk-Fahrer“ mit seinem Moped zu dem von uns ausgesuchtem Hotel zu „dirigieren“. Es sieht recht trostlos aus in der 550.000 Einwohner zählender Stadt. „Hier sind wir, nur hergekommen um eine Kamelsafari zu machen“, versuche ich unserem „Guide“ dies klar zu machen. „Auf fahre uns zu Vino-Desert-Safari-Lodge“, bin ich schon etwas geladen, als er uns vor einer Nobelherberge unbedingt absetzten will. „Na ja, da muss man wieder mal durch, das kennen wir schon“, denke ich mir, aber daran hat man sich schon gewöhnt, wenn man einige Tage in Indien unterwegs ist. So blieb uns nichts anders übrig, als unserem Fahrer den Weg zu „Vino“ zu weisen. „Wir sind nur aus einem einzigen Grund hier hergekommen“, versuche ich ihm weiter zu erklären, „ es ist eine Kamelsafari in die Wüste Thar“. Dabei grinst er nur und sieht schon die „Dollars“ in den Augen, die er allerdings nicht von uns erhält, als wir nach übe einer Stunde letztendlich doch bei der Lodge angekommen sind. Es hat sich gelohnt, denn wir sollten uns hier nicht täuschen.

Wie ging es weiter?
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Mehrtägige Kamelsafaris in die Wüste Thar mit Ausgangs- und Endpunkt finden normalerweise in Jaisalmer statt und gehören für die allermeisten Individualtouristen zu den Höhepunkten. Wer aber vom „klassischen Lawrence-von Arabien.-Klischee“ den menschenleeren, sich endlos bis zum Horizont erstreckenden Sanddünen ausgeht, wird in Jaisalmer enttäuscht. Wir informierten uns schon „daheim in Deutschland“ über die diversen Möglichkeiten und entschieden uns die Tour vor Ort in Bikaner bei „Vino“ zu buchen. Hier sollten wir auch nicht enttäuscht wer
den.

Szenenwechsel: Es ist der 10. November, 8 Uhr am Morgen, wir trinken frisch aufgebrühten Tee bei Vino in der Safari-Lodge und warten. Denn innerhalb von einer halben Stunde haben wir alles perfekt gemacht für eine 2,5 tägige Tour in die Wüste Thar. Bis 12 Uhr haben wir Zeit. Bis dorthin muss noch eingekauft werden, also können wir auch noch einen Abstecher in die Altstadt von Bikaner machen. Also hat sich auch jeder noch einen Turban gekauft. „Es wird heiß in der Wüste“, erklärt uns „Ganesh“, der uns später begleiten wird. So lernen wir auch noch schnell wie man sich am besten einen Turban bindet.

Fast pünktlich geht es dann los. Die Plane des Jeeps schützt uns vor der sengenden Sonne Nordindiens. Vorbei an kleinen Ortschafen wage ich einen Blick nach draußen, sehe die ersten Kamele. „ Noch eine Stunde, dann treffen wir auf ein Pärchen aus Australien, sie sind gestern hier los, wir schließen uns ihnen an, dann wird die Karawane noch größer“, freut sich auch unser Tour-Guide darauf, dass er noch zwei weitere Touristen, das Leben mit und in der Wüste etwas näher bringen kann.

Eines wurde schnell klar: Die vielen Kleinbauern, die wir mit ihren Kamelen sahen leben oft kapp an der Grenze des Überlebens, denn die Kamele vertilgen die letzten Halme die es hier noch gibt.

Pünktlich zum „Sonnenuntergang“ trafen wir an einer großen Sanddüne auf unsere „Karawane“. Insgesamt waren es fünf Kamele, zwei davon mit einem Ziehwagen, was sich später als großen Vorteil herausstellen sollte. Doch zurück zu unserem „Nachtlager“ mitten im großen „Sandhaufen“. Drei Steine in einem Dreieck sind die Herdstelle. Davor sitzen die Kameltreiber, kneten, rollen und welgen den Teig, das später zum leckeren Fladenbrot wird. „Die Chapatis sind wirklich genial“, bestätige Ganesh, der uns einiges über die Probleme der Wüstenbewohner und das Leben mit der Wüste erz
ählt. Wir erfahren dies später, am nächsten Tag am eigenen Körper. Denn Kamelreiten sieht zwar romantisch aus, ist jedoch sehr anstrengend, besonders für den Rücken und dessen Verlängerung. Es gibt nicht wenige, dies deswegen nach euphorischem Beginn bereits am zweiten Tag aufgeben. Wir hatten zum Glück unseren „Zieh und Transportwagen“ mit dabei. So konnte man nach zwei Stunden von den Wüstenschiffen hinunter auf den Wagen steigen und gemütlich sich durch die Gegend schaukeln lassen.

Unvergesslich waren für mich, wenn ich mich heute, vier Monate später zurück erinnere nicht nur die sternenklaren Nächte, als wir, eingemummelt in den Schlafsack über eine stinkende Kameldecke die Sternschnuppen zählten, sondern vor allem die Menschen, denen wir begegneten, mit denen wir kochten, lachten und spielten.

Nach dem Mittagessen auf einem „Kartoffelacker“ sehe ich unserem Kamelführer im Schatten zu, wie er sich über einer Schüssel wäscht: ER reibt sich geklärte Butter ins Haar und füllt dann eine Schüssel mit Wasser und ein weinig Buttermilch. Dann zieht er sich bis auf die Unterhose aus, behält sie während der ganzen Prozedur an. Der Kamelführer (leider hab ich seinen Namen nicht in mein Tagebuch geschrieben) gießt die Mischung über Kopf und Rücken. Wäscht dann seinen Oberkörper und eine Beine und Füße, dann hockt er sich über die Schüssel. Nach dem Bad kämmt er seine Harre, die sich in der Sonne ringeln...“Hm“ denk ich mir, „der genießt förmlich das Bad in der Wüste, das könne ich unter diesen Umständen nicht, morgen dusche ich auch wieder....“

Vier Stunden später halfen auch wir den schnell trocknenden Dung der Kamele aufzusammeln, den diesen benötigt man als „Heizmaterial“. So gibt es wieder ein vorzügliches vegetarisches Abendessen. Müde fallen wir kurz nach Sonnenuntergang auf unsere „stinkenden Kameldecken“. Ich sehe wieder hoch in den Sternenhimmel und finde das Sterne
nbild „Kassiopeia“ und den „großen Wagen“. „Ja so muss es wohl gewesen sein bei „Lawrence-von Arabien“ gewesen sein. Weitere Touristen haben wir während unsere Tour in die Wüste Thar nicht getroffen.

Fazit
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Es war für uns ein Glücksgriff nach Bikaner gekommen zu sein und die Tour bei Vino gebucht zu haben. Hier die genaue Adresse: Vino Desert Safari, Gagashahar, Bikaner. E-Mail: vino_desertsafari@yahoo.com, Hompage: www.vinodesertsafari.com .

Man bekommt übrigens zum Schluss noch ein kleines Highlight zu sehen: den Rattentempel in Deshnok, den sogenannten Karni-Mata-Tempel.

Ach hab ich mich geekelt, als ich drin war. Abscheu und Neugierde waren wohl die beherrschenden Gefühle beim Ganz durch die Eingangstür. Ein ekelerregender Gestank und tausendfaches Gequieke beherrschen das Innere des Tempels. Hervorgerufen wird dies von tausender von Ratten, die im Tempelkomplex verehrt und gefüttert werden. Aber zurück zur Wüste rund um Bikaner: Wer eine Kamelsafari machten möchte, sollte dies in und um Bikaner in Nordindien machen, dies kann ich „wärmstens“ empfehlen. Es sind unvergessliche Momente, die man hier hautnah erleben kann.

Viel Spaß wünscht Euch

Euer

Schlingel62

Fazit: