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93 Leben
Allgemeines zu Paradores Nacionales

Name des Mitglieds: herbb
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Allgemeines zu Paradores Nacionales
Datum: 26.04.02, geändert am 27.02.08 (175 Lesungen)
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Vorteile: wunderschoene restaurierte klassische Raeumlichkeiten
Nachteile: keine, bis auf wenige ueberlaufene Haeuser in der Hochsaison
Vive 93 vidas, vive paradores!
Wer sein Haupt auf der iberischen Halbinsel nicht in sterilen 08/15 Hotelzimmern betten möchte, für den habe ich eine interessante Alternative: die "Paradores" genannten spanischen Herbergen, die mit den "Pousadas" in Portugal ihr Gegenstück finden.
Don Quijote, Cervantes´ Ritter von der traurigen Gestalt, feierte 2005 seinen "400er". Anlass genug, auf seinen Spuren in der kastilischen Mancha zu wandeln und dabei stilvoll in Herbergen wie den Paradores von Almagro, Manzanares, Chinchón und Toledo abzusteigen....
Tröstlich, dass so mancher Spanienreisende seinen Urlaub eben nicht nur damit verbringt, seinen Edelbody in die Fluten des Mittelmeeres zu schmeißen und selbigen dann neben einem Eimer Sangría am Balneario 6 vulgo Ballermann zum Rösten zu betten....
Was ich damit sagen will: dieses Land ist so riesig, voller abwechslungsreicher Landschaften, übersät mit wunderschönen Städten und Dörfern, die sich ihren Charme über Jahrhunderte bewahrt haben, dass es einfach zu schade ist, sich an irgendeinem Küstenstreifen nur mehr zwischen Massenquartieren, überfüllten Stränden, Restaurants mit menu turistico und Horden von Discomaniacs in den entsprechenden Tanztempeln zu bewegen. Ich weiß schon - Otto Normaltourist versteht seinen schwer erarbeiteten Jahresurlaub nicht als akademische Studienreise - dennoch empfehle ich ihm, versuchsweise ein paar Kilometer ins Hinterland zu fahren, dort lokale Spezialitäten zu genießen, klassisch zu wohnen und dabei das wahre spanische corazón (Herz) zu entdecken.
Seit 1928 wurden nach und nach alte Herrenhäuser, Schlösser und Burgen restauriert und den Bedürfnissen des anspruchsvollen Reisenden angepasst, aber auch einige wenige mangels historischer Substanz als nüchterne Zweckbauten eröffnet, sodass inzwischen 93 Herbergen (Stand 1.1.08, sechs weitere - darunter der erste der Balearen auf Ibiza - stehen kurz vor der Eröffnung) von Aiguablava ganz im Nordosten bis Ayamonte an der portugiesischen Grenze, von Ferrol im äußersten Galicien bis zu den marokkanischen Enklaven Ceuta und Melilla gegenüber von Gibraltar zur Verfügung stehen.,
Wenn jetzt jemand meint, diese Paradores befänden sich irgendwo "in the middle of nowhere", so kann ich beruhigen, es gibt sie überall: mitten in der Altstadt als ehemaliges Kloster (Leon, Chinchón), in Herrenhäusern (Santillana, Argómaniz), es gibt sie in herrlichen Burgen hoch über der Stadt (Cuenca, Jaen), in ehemaligen maurischen Palästen (Granada), in Berghotels in den Pyrenäen und sogar als Schutzhaus am Teide auf Teneriffa, als meist einsame Strandhotels an den Costas de la Luz, del Sol, de Azahár, Blanca und Brava.......nicht aber in Großstädten wie Madrid, Barcelona oder Valencia.
Der Reiz, in einem Parador abzusteigen, liegt darin, dass oft ein museales Gefühl hoch kommt, wenn man selbst in einem riesigen Himmel-Bett aus der Zeit der "reyes catolicos" liegt, während das der Ehefrau züchtig zwei Meter entfernt postiert ist, an den Wänden flämische Teppiche, Standarten in den Landesfarben gold-rot neben streng nüchternem Mobiliar und eine Ritterrüstung, die auf Hochglanz poliert "Wache hält". Er kann aber auch darin liegen, in einer kargen Mönchszelle zu hausen, mit einer dicken lateinischen Bibel am Nachttisch, hinter meterdicken Mauern, die im heißen iberischen Sommer wohltuende Kühle spenden, dazu als Kontrast ein hypermodernes Bad, das keine Wünsche offen lässt, die typischen Kreuzgänge im Arkadenhof, einer Oase der Ruhe für die nachmittägliche Siesta.
Paradores con vista - also mit herrlichem Ausblick - gibt es viele, der schönste für mich steht aber am Südufer des Tajo mit Blick auf den Alcazar und die Altstadt von Toledo!
Der Parador der "hostal dos reis catolicos" im Wallfahrtsort Santiago de Compostela liegt unmittelbar neben der berühmten Pilgerstätte am Ende des Jakobsweges, er ist eines der ältesten Hotels der Welt und als ehemaliges königliches Hospiz ein Denkmal der Gotik, der Renaissance und des Barock, der Parador wieder im Wallfahrtsort Guadalupe ist das ehemalige Spital gegenueber der Klosterkirche mit der schwarzen (aus Zedernholz) geschnitzten Madonna, der bedeutendsten Heiligenfigur aller spanischsprachigen Staaten.
Wer aber einmal nächtens (!) im Garten des Paradors San Francisco gegenüber dem Generalife der Alhambra zu Granada spazieren will, sollte lang voraus reservieren, japanische Reisegruppen möchten offenbar diesen Luxus nicht mehr missen...
Fast alle Häuser haben **** Standard, natürlich gibt es auch einige wenige Luxusherbergen wie Granada, wo eine Nacht schon auf Euro 250 für das Zimmer kommt, dazu noch 15 Euro pro Nase fürs Frühstück und 7% Mehrwertsteuer auf alles. Der große Durchschnitt ist aber ab Euro 90 zu buchen, das üppige Frühstücksbuffet (mit Cava-Sekt!) ist dabei für Euro 8 richtig wohlfeil.
Ich habe in den letzen Jahren 51 Paradores besucht und plane meine Rundfahrten schon danach, wo es ein interessantes altehrwürdiges Haus gibt, das einem Stadt-Besuch den entsprechenden Rahmen gibt. Die dazu gehörigen Restaurants sind sehr empfehlenswert, bieten bodenständige Küche und auch herrliche Weine zu Degustationsmenüs, im Restaurant des Paradors Gibralfaro hoch über Malaga frühstückt man sogar mit 3 veritablen Picassos!
Ich habe erst ein einziges Mal eine kulinarische Pleite eines total überforderten Kochs erleben müssen, das Essen mussten wir zweimal zurück schicken bevor wir resignierten, das war zu Ostern im Parador der Kulturhaupstadt Europas 2002, Salamanca. Auf meine Beschwerdemail wurde aber prompt reagiert und man hat mich mit einer Einladung zu einem Abendessen für zwei entschädigt, hoffentlich haben sie dann einen neuen "jefe"...
Ein weiteres kleines Aergernis stellen die empfangbaren TV-Programme dar, in vielen Haeusern gibt es zwar fuenf spanische, zwei portugiesische und ein franzoesisches Programm, auf die nicht unerhebliche Zahl von Englisch oder Deutsch sprechenden Besuchern wird aber oft vergessen. Die Problematik fuer uns news junkies liegt darin, dass die Nachrichten immer zu einer Zeit gesendet werden, wo man ueblicher Weise bei Tisch weilt.
Im Februar 2006 habe ich auch die vier Paradores auf den Kanaren besucht, die unterschiedlicher nicht sein könnten: da gibt es auf Teneriffa ein rustikales Berghaus am Fuss des Teide, der sehr moderne von La Palma liegt halb am Hang oberhalb der Inselhauptsadt Santa Cruz mit Blick auf die Ostseite der Insel, der stille in der Einsamkeit von Hierros Ostküste und der stilvolle von La Gomera thront über der Stadt mit herrlichem Ausblick auf Hafen, Berge und rüber bis Teneriffas verschneiten Teide....
Im Quartalsnewsletter für die Monate April bis Juni 2006 gab es eine Neuerung namens "habitaciones unicas" - einzigartige Zimmer in ausgewählten Herbergen, wo man schon einmal wie Carlos III el Noble im Zimmer 106 des Paradors von Olite bei Pamplona "residiert" und sich mit einem Feudaldiner sowie einem Cava-Frühstück am Zimmer verwöhnen lassen kann.
Natürlich musste ich gleich dieses neue Angebot testen - der Anlass war unser 30-jähriges Ehejubiläum - und nehme vorweg: es war einzigartig!
Die Nacht im Bergfried der Burg von Alarcon (ca. 170 km südöstlich von Madrid) wird uns unvergesslich bleiben: unser "Zimmer" entpuppte sich als eine über drei Etagen führendes Prachtdomizil mit rohen Ziegelgewölben, einer Retro-Wanne für zwei mitten im Schlaf/Wohnraum, einem Korb voll Früchten und einer bereits gekühlten Flasche Cava. Gleich zwei Stiegen führen zum den quadratischen Turm umlaufenden Wehrgang, den man quasi als Burgherr und -fräulein zur exklusiven Benützung hat!
Man geniesst den Rundumblick weit ins Land und bewundert nächtens den faszinierenden Sternenhimmel über Kastilien, nachdem man ein fünfgängiges Menü mit dazu passenden Weinen im Restaurant eingenommen hat. Nach einer Nacht unter einem roten Baldachin bekommt man noch ein opulentes Frühstück ins Gemach serviert.....das alles hat natürlich seinen Preis: Euro 481 für zwei inkl. aller Taxen.
Ähnliche Erfahrungen machten wir in Olite (40 km südlich von Pamplona), wo zwar das Zimmer weniger spektakulär war, dafür Essensportionen und Getränke für gut vier Personen aufgetischt wurden. Ein weiterer Besuch in einem habitacion unica in Cardona - eine Stunde nordwestlich von Barcelona - lässt uns daran denken, diese Art von "Unterbringung mit Extras" zur Dauereinrichtung werden zu lassen, nachdem wir abends mit einem perfekten vielgängigen Menü und morgens mit opulentem Cava-Frühstück am Zimmer - serviert von drei Mädels in Tracht - mehr als verwöhnt wurden...
Aus Anlass einer Tour durch Asturien, Galizien und die Extremadura besuchten wir im Herbst 2007 die Paradore von Gijon, Cambados und Ciudad Rodrigo. Waehrend der von Cambados ganz dem hervorragenden lokalen Weisswein "Albariño" gewidmet ist setzt man in C. Rodrigo auf Burgherrenflair, die Innenstadt selbst ist komplett von einer Mauer umgeben und laedt ein zum Flanieren in gotischen Vierteln.
Umfassende Informationen zu den Paradores erhält man bei den Spanischen Fremdenverkehrsämtern in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, München, Wien und Zürich, das gratis "directorio" ist ansprechend mit Fotos und sehr informativ (Zufahrtskarten) gestaltet.
Eine komplette Übersicht (u.a. auch mit einem Foto des oben erwähnten Turmgemachs) sowie eine Preisliste ist auf der Website www.parador.es einschaubar, die Seite ist in mehreren Sprachen aufrufbar, sie enthält daneben alles Wissenswerte, vor allem Ausflugsmöglichkeiten in die nähere Umgebung, interessante und günstige saisonabhängige Spezialangebote wie zwei Nächte zum Preis von einer, Seniorenrabatte von 35% oder günstige Pauschalen in den Restaurants und beim Sport, z.B. eine Gratisrunde Golf ;-)
Buchungen werden online entgegen genommen, aber auch direkt beim jeweiligen Parador telefonisch, per Fax oder unter dessen eigener Mail-Adresse.
Wer vorhat öfter in den Paradores abzusteigen sollte die kostenlose Karte "Amigos de Paradores" beantragen, damit lassen sich gesammelte Punkte (leider nur zwei Jahre gültig) in gratis Aufenthaltstage umwandeln, zusätzlich gibt es noch einen Bon für Drinks in den Bars und einen Garagenplatz, so vorhanden.
"Hasta Luego!"
Fazit: jeden Umweg wert
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