
Waterloo in London
Napoleon (2000) - Paul Baker, Anastasia Berzee

Name des Mitglieds: Musical-World
Produkt:
Napoleon (2000) - Paul Baker, Anastasia Berzee
Datum: 10.02.01, geändert am 10.02.01 (34 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: nur das Allerbeste der Show, wohlklingende Balladen, großes Orchester
Nachteile: ohne Uwe Kröger (oder ist das ein Vorteil?), nur 18 Minuten
Napoleon erlebte sein letztes Waterloo nicht in Frankreich, sondern vielmehr zu Beginn 2001, als das ambitionierte kanadische Werk nach nur wenigen Monaten im Shaftesbury-Theater wieder seine Pforten schießen mußte. Dies hat besonders die deutsch-österreichischen Fans arg mitgenommen, da in diesem Stück der beliebte Uwe Kröger sein West End Debüt als wackerer Feldherr neben der alternierenden Erstbesetzung Paul Baker gab. Doch weder die recht guten Kritiken, die Kröger einheimste, noch die recht einfallsreiche und eindrucksvolle Inszenierung konnten das historische Liebesdrama vor dem endgültigen Aus retten. Zu uninteressant, ja geradezu langweilig sei der zähe Handlungsfaden über die Bühne gerollt, ohne wirklich zu fesseln oder perfekt zu unterhalten. Lag es auch an der balladenlastigen, teils an opulente Filmmusik erinnernden musikalischen Umsetzung mit den klischeehaft-banalen Lyrics? Ich finde, gerade in dieser Beziehung wird “Napoleon” Unrecht getan, denn die Musik wartet mit großen Orchesterarragementen mit so manch einschmeichelnder Melodie auf, die es Wert ist, Beachtung bei Musicalfans zu finden.
Zumindest eine knapp 19 minütige 5-Track-Einspielung hat das West-End-Waterloo überlebt. Doch mit dieser “Maxi-CD” werden gerade Uwe Kröger-Fans nicht glücklich werden, singt die Titelrolle auf dieser Einspielung ausschließlich Paul Baker mit kraftvoll-motivierter Stimme. Sein “The Dream Within” über die Pläne des 26 jährigen Generals, die Welt zu erobern, entwickelt sich aus einem Solo zu einer überwältigenden Ensembelnummer. Ähnlich stark überzeugen kann “Sweet Victory Divine”, dem Finale des ersten Aktes. Ruhiger und einschmeichelnder das Liebesduett von Napoleon und Josephine “On That First Night”, welches an das erste Kennenlernen des tragischen Liebespaares erinnern soll. Anastasia Barzees weiche Stimme steht auch in den letzten beiden Songs der CD im Vordergrund: ihrer Hymne an ihre Träume,
Pläne und Ziele “Only In Fantasie” und dem wunderschönen, harmonischen Duett mit Therese “The Friend You Were To Me”.
Nach Genuß dieser wahren Highlights muß sich eigentlich jeder fragen, warum “Napoleon” nicht zum West End Hit wurde. Und auch die kanadische Einspielung der “World Premiere Recording” von 1994, die leider nicht mehr im Handel erhältlich ist, kann nicht wirklich Antwort auf das Scheitern dieses Stückes geben. Über 70 Minuten kann der Hörer hier das historisch geprägte Geschehen mit Jerome Pradon (dem Judas der aktuellen “Jesus Christ Superstar”-Video und DVD-Produktion) in der Titelrolle nachvollziehen. Natürlich ist nicht jeder Song ein Hit und gerade die wiederkehrenden Stücke der Generäle über die strategischen Winkelzüge und politischen Taktiken können nicht immer überzeugen. Doch daraus direkt einen Flop zu prophezeien war wohl auch den britischen Produzenten nicht ins Auge gesprungen. Tatsache aber ist, daß im West End Stücke mit stark geprägtem historischen Hintergrund nicht gerade gut ankommen. Und so mußte nach Musicalpremieren wie “Martin Guerre” oder “Whitch Witch” nun auch “Napoleon” seinen Hut nehmen und selbst für “Notre Dame De Paris” läuten bereits die Sturmglocken. Eigentlich Schade!
Fazit: Diese 5 Track-CD ist das letzte Überbleibsel des großen, kleinen Feldherren und auch ohne Kröger ein hörenswertes Stück Musicalgeschichte!
Technische Daten:
Original Cast CD mit Paul Baker, Anastasia Barzee, Jody Crosier, Sarah Ingram
Höhepunkte des Original-Cast in London
Musik: Timothy Williams
Texte: Andrew Sabiston
18 min, 28 sec
First Night 2000
Fazit:
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