Nagelprobe 1
Too much murderes oder Zu viele Köche verderben den Mord - Nagelprobe 1 Archiv Literatur & Presse

Neuester Testbericht: ... dass das der Kumpel, Freund oder die Freundin fürs Leben sein wird. Das passiert im Leben nur ein oder zweimal. Andere Fre... mehr

Too much murderes oder Zu viele Köche verderben den Mord
Nagelprobe 1

halcion

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Nagelprobe 1

Datum: 24.01.03, geändert am 24.01.03 (103 Lesungen)

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Too much murderes oder
Zu viele Köche verderben den Mord

Widmung: Diese Shortstory widme ich meiner besten Freundin, mit der ich schon seit 7 Jahren über alles reden kann und den Anstaltsbewohnern, die mich so lieb aufgenommen haben.

Inhalt:
1. Traditional teatime
2. A long night
3. The last night before the solicitor came
4. Last moments alive
5. To find the murder weapon


Traditional teatime

Sir Archibald war ein älterer Herr und legte großen Wert auf die Traditionen. Gleich morgens wurde er von seiner Haushälterin Agnes mit einem typisch-englischen Frühstück begrüßt: Beans, toast und natürlich durfte auch das Kännchen Darjeeling nicht fehlen. Dann zog er sich an und ging um seine Mitbewohner zu begrüßen. Seine Schwester Elisabeth, seinen Sohn Arthur und seine Enkelin Joanna. Sie alle wohnten schon seid Jahren bei ihm im Haus, einerseits um ihm auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin, Gesellschaft zu leisten, andererseits wegen dem fantastischen Ausblick auf das Vermögen des Mannes. Doch auch ein Gast war noch anwesend, nämlich sein ältester Freund, Colonel Henry Cromway.
Anschließend ging Archibald in sein Büro, um mit seinem Privatsekretär einige wichtige Dinge zu besprechen. Nachmittags nahm er dann seinen Tee ein. Es war ihm sehr wichtig, dass diesem altenglischen Zeremoniell jeden Tag von allen Hausbewohnern gefrönt wurde. Dabei konnte man die Neuigkeiten des Tages austauschen und darüber diskutieren. Doch an diesem Tag ging es ihm nicht darum. Er wollte nur etwas ankündigen, etwas dass schwere Folgen tragen würde.
„Ich bin sehr froh, dass Ihr Euch heute in meiner Bibliothek versammelt habt, denn ich habe Euch etwas sehr wichtiges mitzuteilen. Ich weiß, dass ich bald sterben werde und Ihr wisst es auch...“
Tatsächlich blickte keiner der Versammelten erstaunt.
„Woran Ihr jetzt natürlich denkt, ist das Testament, bitte leugnet dies nicht. U
nd ganz genau darum geht es mir. Bisher wart Ihr die Begünstigten, Elisabeth und Arthur die Haupterben, auch dir, Joanna wird eine bestimmte Summe gutgeschrieben. Daher dürftest du keine Probleme haben, dein Studium zuende zu finanzieren. Auch dir, Henry, wird etwas hinterlassen. Du wirst mein gesamtes Mobiliar erben einschließlich meiner Antiquitäten. Ihr alle hättet etwas erben sollen...“
„Moment mal, Vater was heißt hier ‚hättest sollen’?“
„Das werdet Ihr Euch sicher alle fragen, die Frage ist leicht zu beantworten. Ich werde mein gesamtes Vermögen dem Kinderhilfswerk in Afrika vermachen. Morgen werde ich meinen Anwalt herbestellen und keiner von Euch bekommt auch nur einen Teil. Ich bitte Euch, bevor Ihr mich jetzt mit Fragen bestürmt, mich in Ruhe zu lassen.“
Bestürzt und verärgert verließ die Familie den Raum, nur Colonel Henry blieb sitzen und starrte seinen alten Freund mit vorwurfsvollem Blick an. „Und deshalb hast du mich jetzt eingeladen, ich denke, du solltest keine Spielchen mit deinen Angehörigen treiben. Schon manch einer hat aus Gier dumme Dinge getan.“ Dann stand auch er auf und schritt mit ärgerlichem Blick aus der Tür, nicht wegen der verlorenen Erbschaft, sondern wegen dem kindischen Verhalten seines Freundes.
Kaum hörte er keine Schritte mehr lehnte er sich, befriedigt lächelnd an die samtroten Polster seines Ohrensessels.



A long night

Mit starrem Blick schaute Arthur die Decke seines Zimmers an. Warum musste der alte Narr so kurze Zeit vor seinem Tod sein Testament ändern? Denn er wäre bald gestorben, das wusste Arthur genauso wie sein Vater. Hatte er, Arthur, nichts verdient? War er nicht extra nach seiner Scheidung in dieses Haus zurück gekommen, hatte er nicht tagtäglich seinen Vater betüttelt, mit der baldigen Aussicht auf ein riesiges Erbe? Schon vor zwei Jahren, so hatten die Ärzte prophezeit, sollte sein Vater sterben, dennoch hatte er es ge
schafft, die Nerven seiner Familie zwei weitere Jahre zu strapazieren. Wie lange sollte es noch so weitergehen?
Elisabeth wälzte sich unruhig im Bett, ihr war furchtbar warm. Wie konnte ihr Bruder ihr das antun. Sie hatte sich so liebevoll um ihn gekümmert, war immer freundlich gewesen und hatte Dienstmädchen gespielt. Und nun? Sie war sich sicher, dass sie die einzige gewesen wäre, die um Archibald getrauert hätte. Über das Erbe hätte sie sich natürlich gefreut, vielleicht hätte sie sich endlich ihre Wünsche erfüllen können. Durfte es so weitergehen? Nein, durfte es nicht! Sie runzelte die Stirn. Was konnte sie denn tun?
Mit einem Ruck fuhr Joanna hoch. Sie hatte Schritte auf der Treppe gehört. Tränen rannen über ihre Wangen, wie sollte sie nur ihr Studium finanzieren. Ihr Großvater war doch immer so stolz auf sie gewesen und nun? Langsam stand sie auf und stolperte zur Tür. Das durfte er ihr nicht antun, und das würde sie ihm auch sagen...
Auch Henry konnte nicht schlafen, er machte sich Sorgen um seinen alten Freund. Warum tat er so etwas Absurdes? Warum machte er sich seine ganze Familie zum Feind? Langsam ließ er sich in sein Bett sinken, wie in eine Wanne voll von warmen Wasser. Morgen musste er mit ihm reden, nur wie sollte er das fertig bringen?

The night before the solicitor came

Wie immer stand Sir Archibald auf und ging zum Spiegel. Nur betrachtete er sich heute anders als sonst. Etwas Verschlagenes lag in seinem Blick, auch noch als Henry eintrat.
„Archibald, ich muss mit dir reden. Es geht um...“, begann Henry „...um dein ähm... Vorhaben, was dein Testament anbetrifft. Du weißt, ich bin nicht hinter deinem Reichtum her, das schon gar nicht, aber bei deiner Familie bin ich mir da überhaupt nicht sicher. Du erfreust du dich bester Gesundheit. Was glaubst du, wie wird eine Familie, die nichts hat und völlig abhängig von dir ist, reagieren, wenn ihnen sogar nach deinem Tod nichts abfällt?“
R
;Ich bitte dich, Henry, du solltest dich da wirklich raushalten. Ich muss vor niemandem Rechenschaft darüber ablegen, warum ich in einer bestimmten Situation so handle, wie ich es für richtig halte!“ Mit gesenktem Blick trat Henry aus dem Zimmer und noch während er die Tür schloss murmelte er „vielleicht hast du nun eine Situation geschaffen, in der die anderen es für richtig halten, zu handeln...“.
Währenddessen hatte Arthur gefunden, was er suchte. Schnell ging er hinunter, hörte gerade noch, wie sich die Tür von Henrys Gästezimmer schloss. Schnell eilte er in die Küche, alle hatten sich schon zurückgezogen, außer Sir Archibald – genauso wie Arthur es erwartet hatte. Und es würde wie immer alles nach Plan laufen, gleich würde Archibald in die Küche gehen, sich eine letzte Tasse Tee zubereiten und sich dann schlafen legen; nur leider würde diese Tradition nicht zum Ende kommen...
Hastig schüttete Arthur etwas in die Teetasse seines Vaters und er wusste genau was er tat. Die klare Substanz würde sich verhärten, dennoch farblos bleiben und sich wieder auflösen, nachdem das heiße Wasser in der Tasse war. Raffiniertes Gift und sehr schwer nachzuweisen. Niemand würde Verdacht schöpfen...
Joanna war schon kurz nachdem sie aufgewacht war, zur Bar ihres Zimmers gegangen. Nun saß sie auf der Bettkante mit ihrem - inzwischen das sechste – Glas Whiskey in der Hand. Fieberhaft überlegte sie, was nun zu tun sei. Schnell leerte sie das Glas in einem Zug, stand auf, wankte zur Bar und griff sich die halbvolle Whiskeyflasche. Plötzlich fiel ihr Blick auf etwas, dass sie vorher nicht entdeckt hatte – eine Pistole lag in der Bar, glänzend und beruhigend lag sie in der Bar, als ob sie dahin gehörte. Wie in Trance ließ Joanna die Flasche und das Glas fallen und nahm die Pistole in die Hand. Sie konnte nicht einfach so in der Bar liegen bleiben, oder. Sie musste benutzt werden, ihr Schicksal erfüllen...
Mit diesen Gedanken und der W
affe in der Hand verließ Joanna ihr Schlafzimmer...
Arthur beobachtete seinen Vater, wie er das Wasser kochte, seine Tasse nahm und den Teebeutel hineinlegte. Dann schlich er leise aus dem Versteck hinter der Tür und zurück in sein Schlafzimmer. Gerade in dem Moment, als er die Tür schloss, hörte er wie in Joannas Zimmer etwas zu Bruch ging...
Elisabeth war von dem Schließen der Tür erneut aufgewacht. In ihr brodelte es immer noch. Immer noch dachte sie darüber nach, warum ihr Bruder so etwas getan hatte. Es war ja nicht nur das Geld, es war die Demütigung, die Undankbarkeit ihres Bruders. Es durfte so nicht kommen, doch wie konnte sie es verhindern? Sie stand auf, blickte durch den Raum. Erst ganz zuletzt erblickte sie die Kordel, die am Baldachin ihres Bettes hing. Sie würde sich schon zu helfen wissen...

Last moments alive

Archibald ging langsamen Schrittes in die Küche und machte sich seine allabendliche Tasse Tee. Er wirkte – rein äußerlich – ruhig, doch in seinem Inneren, fühlte er sich aufgewühlt und nervös. Alles war geordnet, er musste sich um nichts Gedanken machen.
Das Wasser kochte, schnell goss Archibald das Wasser in seine Tasse und bemerkte nicht die kleinen Blasen, die schnell vom Boden der Tasse aufstiegen, nicht den Schatten hinter der Tür. Dann nahm er den Teebeutel, es war sein Lieblingstee. Schließlich ging er zurück in die Bibliothek, setzte sich in seinen Ohrensessel, lehnte sich zurück und nahm die Teetasse vom Tisch. Langsam hob er sie an den Mund, kostete ein wenig und beschloss dann, das Gebräu noch etwas abkühlen zu lassen. Er hörte Schritte in den oberen Zimmern, hörte, wie etwas herunterfiel. Doch er nahm es nicht wirklich wahr. Letztendlich – und es war wirklich letztendlich – tat er das, worauf er schon den ganzen Abend besinnte...
Joanna schlich sich leise in die Bibliothek. Sir Archibald bewegte sich nicht, deshalb nahm sie an, er habe sie nicht gehört. Sie lief weiter zum
Bücherregal mit den Thrillern und blieb dort, vor dem Licht des Mondes verborgen, stehen. Dann hob sie die Waffe...
Elisabeth kam leise die Treppe hinunter. Warum sollte sie eigentlich leise sein? Sollte ihr Bruder sie doch hören. Er würde sich nichts denken, er war alt älter als sie, und schwach. Sie könnte sich auch so gegen ihn durchsetzen...
Arthur gab sich nicht die Mühe leise zu sein. Sein Vater war tot, so tot, wie man nur sein konnte. Nun war es vollbracht. Langsam öffnete er die Tür, bemerkte nicht die Gestalt, die sich in die Bibliothek schlich, und ging langsam die Treppe hinunter...
Joanna erstarrte in ihrer Haltung, ihre Finger lockerten den Griff um die Pistole. Was machte denn Elisabeth da? Doch dann begriff sie und lächelte ein wenig. Elisabeth würde ihr die Arbeit abnehmen, aber wollte sie das überhaupt? Sie wollte es auch tun!
Sie trat aus dem Schatten und zeigte sich Elisabeth...
Elisabeth starrte ungläubig auf Joannas Hand, genauer gesagt, auf die Pistole. Es dauerte keine zehn Sekunden, ehe sie begriff, dass sie nicht die einzige war, die...
Arthur blickte abwechselnd von Joanna auf Elisabeth. Das hatte er nicht erwartet, das nun wirklich nicht. Dann sagte er laut: „Ihr braucht gar nicht so zu gucken. Archibald ist schon tot, mein Gift war es!“ Erschrocken blickten Elisabeth und Joanna auf, gingen langsam zu ihm hin. „Er...er...ist tot?!“ stammelte Elisabeth. Ihr Magen krampfte sich zusammen. Nun war er also wirklich tot. Zitternd sank sie auf den Boden und weinte bitterlich.
Joanna schaute betreten zu Boden, sie konnte keinen klaren Gedanken fassen. Ihr schoss nur ein einziger Satz durch den Kopf: ‚Archibald ist schon tot...’
Nachdem ihre Mutter und ihr Vater gestorben waren, war nun auch ihr Großvater verschieden. Eine einsame Träne fand ihren Weg durch ihr Gesicht, doch dieser einen sollten noch viele folgen...


To find the murder weapon...

Arthur hatt
e bis eben die Nerven behalten, war fast völlig unbewegt, doch nun war auch er am zittern. Er durfte es sich jetzt nicht leisten Fehler zu machen. Schnell goss er sich einen Whiskey ein und trank ein halbes Glas in einem Zug.
Elisabeth saß inzwischen auf einen Hocker und hatte sich einigermaßen beruhigt. Ihre Tränen waren versiegt, doch die Trauer war noch deutlich zu spüren.
Joanna lag auf einer kleinen Bank neben der Tür. Es schien so, als schliefe sie, doch ihre Augen waren geöffnet und blickten ohne Ziel im Raum herum. Plötzlich fuhr sie hoch. Sie hatte Schritte auf der Treppe gehört und auf einmal fiel ihr wieder ein, dass ja noch ein Gast im Hause war. Bevor sie etwas sagen konnte, öffnete sich die Tür der Bibliothek und Henry trat ein. Erstaunt blickte er in die Runde, doch dann erkannte er die traurige Situation und senkte den Blick.
„Es ist also das eingetreten, was ich befürchtet hatte“, sagte er. Dann schritt er langsam zum Sessel, ging um ihn herum und blickte in das erschlaffte Gesicht seines Freundes. Bedächtig nahm er dem Verstorbenen die Teetasse aus der Hand und stellte sie auf den kleinen Tisch. Nicht sofort bemerkte er die noch unberührte Teetasse, die schon auf dem Tisch gestanden hatte. Er runzelte die Stirn und fragte mit gedämpfter Stimme: „Wer von Ihnen hat ihn umgebracht?“
„Ich war es“, entgegnete Arthur. „Ich habe Gift in seine Teetasse getan.“
„In welche Tasse?“
„In seine Teetasse. In welche denn sonst?!“
„In die, die noch unberührt auf dem Tisch steht.“
Joanna, die die Unterredung mitgehört hatte, fuhr hoch. „Dann ist er ja gar nicht tot, er ist gar nicht tot!“
„Er ist tot, eindeutig“, murmelte Henry.
„Aber wenn er den Tee nicht getrunken hat...“
Arthur schritt zum Tisch. „Das ist eindeutig die Tasse, in die ich das Gift getan habe. Man sieht das gut an den Bläschen, di
e auf der Oberfläche schwimmen. So wie es aussieht, ist die Tasse noch unberührt.“ Forschend blickte er seinem Vater ins Gesicht.
„Aber warum ist er tot, wenn er den Tee gar nicht getrunken hat?“
Elisabeth und Joanna traten zu Henry und Arthur.
„Was ist das hier?“ schrie Elisabeth und griff nach einem Zettel in Archibalds Hand.
Henry nahm ihr freundlich aber bestimmt den Zettel aus der Hand, faltete ihn auseinander und begann laut zu lesen:

„Nun sitze ich hier, meine Tasse Tee zur linken, meinem Tod zur rechten. Ich weiß, dass Ihr herunterkommen und mich tot auffinden werdet. Ich weiß auch, dass Ihr, wenn ich Euch Eure Mühe abnehme, Ihr erst annehmen werdet, es wäre Eure Schuld. Es ist auch Eure Schuld, denn Ihr habt mir gezeigt, wie viel ich Euch bedeute – oder mein Geld! Ich wäre bald gestorben, ich wollte nicht länger in einer verlogenen und gierigen Familie leben!
Ich nahm die Teetasse, in die mein Sohn das Gift getan hatte, setzte mich in meinen Sessel und trank die Tasse , in die ich bereits Gift getan hatte und die schon vorher in der Bibliothek war.
Ich versteckte die Pistole in Joannas Zimmer. Ich habe die Kordel in Elisabeths Zimmer etwas mehr in ihren Blickwinkel gerückt. Ich gab Arthur schon vor einigen Wochen das Gift. Ich erwartete diese Reaktionen von vorneherein.
Ich hätte mich von Euch umbringen lassen können, doch ich wollte Euch dieses „Vergnügen“ abnehmen und damit das Risiko vermeiden, dass jemand aus meiner ins Gefängnis kommt. Allerdings hättet Ihr genau das verdient!
Ich werde jetzt meinen Tee austrinken, verabschiede mich mit diesen Worten und gebe auch zu, dass ich nie die Absicht hatte, mein Testament zu ändern.

Sir Archibald Bernestway“

Die vier Menschen, die um den Sessel eines Toten standen blickten sich an, dann verließen sie alle das Zimmer und versuchten – jeder für sich – eine Lösung zu finden...




Fazit: