Allgemein LARP
Herr der Ringe war nur der Anfang - Allgemein LARP Archiv Literatur & Presse

Neuester Testbericht: ... meist viele Ausrüstungsteile, Rüstungen und Waffen benötigt, sowie Verpflegung und oft auch Zelte, da Conventions nicht selten mitten in d... mehr

Herr der Ringe war nur der Anfang
Allgemein LARP

Wolfchatter

Name des Mitglieds: Wolfchatter

Produkt:

Allgemein LARP

Datum: 18.12.01, geändert am 10.03.05 (916 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: gut zum abschalten und entspannen, man lernt viele unterschiedliche Menschen und Charaktere kennen, die etwas andere Form von Urlaub

Nachteile: hohe Anschaffungskosten für Ausrüstung, nicht unbedingt etwas für Einzelgänger. (größere Gruppen lassen sich leichter in das Spiel integrieren)

Outsider können vermutlich mit dieser Sorte von Spiel nicht wirklich etwas anfangen und so kommt hier ein allgemeiner Aufklärungsbericht zustanden, schließlich soll niemand dumm sterben. *hämisch grins*


[Was ist ein Liverollenspiel ~ LARP? (Tut das weh und kann man das essen?)]

LARP steht für Lice Action RolePlaying oder eingedeutscht = Liverollenspiel.

Immer dann, wenn ich ein Liverollenspiel mit möglichst knappen Worten erklären soll, verwende ich die Beschreibung: „Mittelalterliches Improvisationstheater“

Im Laufe der Zeit hat sich eben gezeigt, das diese Beschreibung ganz gut zutrifft, wobei hier nicht ausgedrückt wird das es sich beim Rollenspiel in erster Linie um ein Spiel handelt.

Ein LARP wird meist von einer Gruppe von Studenten organisiert oder auch von einem Verein, also immer von einem Organisationsteam (Orga). Die Orga denkt sich die Hintergrundgeschichte des Spieles aus. Dazu gehören auch Personen, die unbedingt in dem Spiel vorkommen müssen und für das Spiel von relevanter Bedeutung sind.


Beispiele:

- Der betrunkenen adelige Hofmagier, der durch seine Trunkenheit immer wieder für Chaos und Unordnung sorgt und somit eine gewisse Heiterkeit in das Spiel bringt, aber auch für jede Menge merkwürdige Verwicklungen und Spätfolgen sorgen kann.

- Der König dessen Tochter – eine holde und überaus liebliche Prinzessin – entführt worden ist und der nun alles daran setzen will um sie wieder zu bekommen.

- Der Schankwirt, der bei keinem LARP fehlen darf und insbesondere für das flüssige Wohl aller Gäste zu sorgen hat und der ganz sicher auch das eine oder andere Gerücht verbreitet oder auch mal als Hehler fungieren darf bei dem man die eben noch erhaschten Ausrüstungsgegenstände eines vor die Tür geworfenen Trunkenboldes gegen Bares oder Flüssiges eintauschen darf um dann nicht selten so zu Enden wie das Opfer das man eben noch selbst bestohlen hat..
. *ggg*

- Die Stadtwache, die vorwiegend adelige Herrschaften schützt und auch selbst immer wieder gerne Freiwillige rekrutiert und nicht selten schwarze Schafe in den eigenen Reihen beherbergt.


Neben den wichtigen Persönlichkeiten die in jedem LARP vorkommen werden, gibt es auch noch einige Nebenrollen zu verteilen die für ein gutes und ausgeglichenes Spiel auch unbedingt notwendig sind. Diese Gruppe an Figuren nennt man NSC’s (Nichtspielerfiguren).


Beispiele:

- Die Holzfäller im Wald die eigentlich keine Holzfäller sind und sich schlagartig als Räuber entpuppen wenn eine kleine und ungefährliche Anzahl an Spielern des Weges entlang kommt.

- Ein Haufen Orks, die ihr Lager mitten im Wald haben und die ein wichtiges Artefakt besitzen, das für die Lösung einer Aufgabe dringend benötigt wird. Außerdem können die Orks auch für den einen oder anderen Überfall sorgen und so muss man erst mal mit ihnen einen Waffenstillstand aushandeln. Orks sind nämlich dumme Standartrollenspielmonster, die aber nicht immer böse und angriffslustig sein müssen.


Den großen Rest den keine Orga so wirklich vorhersehen kann bilden die hundsgemeinen Spieler. Als Spieler sollte man in der Regel möglichst nichts von der wirklichen Hintergrundgeschichte wissen und hat meist auch nichts mit der Orga zu tun. Verschiedenen LARP’s werden im Internet u.a. auf der Page www.larpkalender.de
aufgeführt, wo es eine ganz kurze Beschreibung des entsprechenden LARP’s gibt und natürlich auch den Draht zur Orga oder im glücklichsten Falle gleich die Anmeldeunterlagen zum downloaden oder ganz und gar zum onlineanmelden.

Jeder Spieler sucht sich selbst aus, welchen Charakter er darstellen möchte. Es gibt diverse Regelsysteme für LARP und die Orga muss eines auswählen nach dem dann auch gespielt wird. Sehr häufig wird nach den Silbermondregeln gespielt, die auch ganz akzeptabel sind. Sonst ist da noch Dragon-Sys wei
t verbreitet oder aber auch Allive, mein persönlich favorisiertes Regelsystem.

Nach so einem Regelsystem wird dann ein Charakter erschaffen. Es gibt gewisse Erfahrungspunkte mit denen man sich Fähigkeiten und Eigenschaften für seinen Charakter kaufen kann. Bei der Neuerschaffung eines Charakters hat man einen gewissen Startwert für diese Fähigkeiten die dann nach belieben verteilt werden dürfen.

Wichtig ist, das man sich überlegt ob man einen zauberkundigen Charakter oder lieber einen Kämpfer spielen will, da von dieser Überlegung abhängt, welche Fähigkeiten man sich für die Erfahrungspunkte „kauft“.
Man sollte dabei beachten, das man die meisten Fähigkeiten auch tatsächlich einigermaßen beherrschen sollte. So bringt es z.B. nichts, wenn man einen wilden hau-drauf-Krieger spielen will und nicht mal mit einem Schwert umzugehen vermag.


°Ausrüstung°

Beim LARP wird nicht mit echten Waffen gekämpft, sondern lediglich mit sogenannten Latexwaffen. Diese Waffen, meist Schwerter oder auch Äxte und Stabwaffen bestehen aus 3 Lagen Schaumstoff (Isomatte) oder alternativ auch Styropor. In der mittleren Schicht wird ein Glasfieberstab als Kernstab gelegt, der dafür sorgt das die Waffe stabil und auch ein wenig schwerer wird. Die 3 Schichten mit dem Kernstab zusammengeklebt können dann nach belieben angemalt werden. Danach beschichtet man sein Exemplar mit 12 Schichten Latex und fertig ist das gute Stück.
Empfehlenswert ist auch eine Besprühung mit Silikonspray, nach dem die Latexbeschichtung getrocknet ist. Man kann aber auch seine Latexwaffe entsprechend oft mit Talkumpulver einreiben.

Eine ausführliche Anleitung zum Bau eines Latexschwertes findet man unter: http://www.larpinfo.de/larpi242.htm oder http://www.high-fantasy.de/LARP/Anleitung/Anleitun g.html oder http://www.gudella.de/frsp/larp.html

Die weniger Begabten brauchen nicht bangen sonder können die Dinger auch bestellen oder vor Ort kaufen un
d so habe ich auch für diesen Zweck ein paar url’s:
http://www.schatzkammer.de
oder eine kurze Aufleistung unter http://www.barbaren.de/d_mittelalter/adressen.htm

Bei den Händlern kann man natürlich auch noch alle anderen Ausrüstungsgegenstände bekommen oder aber auch bei ebay (www.ebay.de) in der Kategorie „Sammeln und Seltenes“ sich einige interessante Auktionen anschauen und nach einer Anmeldung auch mitbieten. (Ich habe da auch schon das eine oder andere Schnäppchen machen können...).

Zu den anderen Ausrüstungsgegenständen zählen noch die Gewandung für das äußere Erscheinungsbild und einige kleine Accessoires, wie z.B. ein Trinkhorn, eine Gürteltasche mit allerlei nützlichem Inhalt, ein Geldbeutel für Spielgeld (falls welches verwendet wird).

Wie beim Theater auch muss man sich beim Liverollenspiel verkleiden und in eine entsprechende Gewandung kleiden. Einzig und allein beim echten LARP wird dabei nicht ganz so viel Wert auf die Authentik gelegt. Es gibt noch einige andere artverwandte Spiele, wie z.B. Ritterspiele oder ähnliches auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte, wo aber gesagt sei das bei denen entschieden mehr Wert auf Authentik gelegt wird.


°Anmeldung°

Hat man seine Ausrüstung zusammen und sich ein LARP herausgesucht das man gerne als Spieler oder NSC mitmachen möchte, dann sollte einer Anmeldung eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Wichtig ist, das man sich ein entsprechendes Regelwerk besorgt (sollte eigentlich die jeweilige Orga auch anbieten) und sich mit den Spielregeln vertraut macht. Meist kann man auch Charaktere aus anderen Spielsystemen für das jeweils übliche Regelwerk anpassen und umwandeln, wobei aber auch schon mal kleine Nachteile auftreten kommen, wenn es z.B. eine Spezialfähigkeit (wie z.B. „Scharfschütze“ bei Allive) in anderen Systemen nicht gibt.

Wie oben bereits beschrieben findet man eine Liste von Conventions / Liverollenspi
elertreffen unter www.larpkalender.de .Wenn man schon mal ein LARP mitgemacht hat, bekommt man meist auch Einladungen für spätere Conventions.

In einer Anmeldung sind alle wesentlichen Details und Informationen eines LARP’s enthalten – spieltechnisch relevante (Charakterinformationen zum Spielgeschehen) aber auch nichtspieltechnische (Haftungsausschuss, besondere Verhaltensweisen). Oftmals ist der Anlass eines LARP’s ein großes Fest zu Ehren einer berühmten adligen Persönlichkeit oder eine Einladung einer Gilde, die ein großes Problem hat und in scheinbar harmlosen Verwicklungen und Schwierigkeiten steckt.


°Spielablauf°

Wenn der große Tag der Anreise gekommen ist und man den Ort des Geschehens erreicht hat – meist wird das eine Jugendherbergsburg (z.B. Burg Billstein im Hochsauerlandkreis), eine Burgruine oder ein Zeltplatz sein – beginnt man zunächst mit dem Einchecken wo die näheren Formalitäten überprüft werden.
Nach dem Einchecken werden dann die Zimmer oder Zelte bezogen und nach einer gewissen Zeit beginnt dann das Spiel nach Ansage der Orga offiziell.
Noch wissen die Spieler nicht so recht wer Spieler und wer NSC ist, jedenfalls nicht in allen Fällen.

Wichtig für einen gelungenen Spielablauf ist eine gute Atmosphäre zu der gehört, das möglichst auf alle modernen technischen Geräte und Errungenschaften verzichtet wird (z.B. Handy, Feuerzeug etc.). Schaut auch ein bisken komisch aus, wenn der Kämpfer in schwerer Plattenrüstung plötzlich sein Handy zückt und telefonieren muss, während er gerade dabei beschäftigt ist das Burgfräulein vor 3 wilden Orks zu befreien :-).

Man redet sich während des Spieles in der 3.Person an (glaube ich) und so gebe ich einfach mal ein kleines Beispiel, da ich es net so genau wois:
(In den Hauptrollen: Lucilla Morgenroth, eine Weinhändlerin und Barnabas der Bärtige, ein Barbar aus den Nebelbergen).

Lucilla: Heda, wohin des Weges wer
ter Recke ?

Barnabas: Oh, seid mir gegrüßt holde und liebliche Maid ! In den Wald zieht es mich, zu suchen den Schatz vom großen Häuptling Graax.

Lucilla: So schauet Euch noch vorher meine Ware an, auf das sie Euch im Walde einen guten Zweck erweisen möge, denn wenn ihr in diesen großen und schrecklichen Wald gehen möget, dann werdet ihr meine Utensilien zu schätzen wissen.

Barnabas: So denn, wenn ihr meint ich könne etwas brauchen, so nehme ich mir die Zeit und werfe einen Blick auf Euer Angebot.

Lucilla: Ja, schaut nur und sucht Euch etwas aus, Euer Schaden soll es nicht sein und wenn ihr recht nett seid, mach‘ ich Euch einen guten Preis.

...

Ich will das net weiter fortführen, aber ich denke ihr könnt es euch nun ein bisserl vorstellen. Das mag vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig klingen, aber ich kann euch versichern, das man sich da innerhalb einer halben Stunde schneller daran gewöhnt hat als man zu glauben pflegt... *g*

Im wesentlichen besteht ein LARP aus vielen kleinen Plots (Aufgaben und Geschehen) durch die man dann die Hauptaufgabe lösen kann. Bei einem Treffen galt es mal eine magische Krankheit zu bekämpfen und so mussten 7 magische Siegel oder Gegenständen gefunden werden, die dann von den Magiern im Spiel in bestimmter Reihenfolge gelöst werden mussten und sich somit diese Krankheit bekämpfen lies.
In dem Fall wäre die Bekämpfung der magischen Krankheit also der Hauptplot und das finden eines jeden Siegels ein Nebenplot. Es muss aber nicht jeder Plot etwas mit dem Hauptgeschehen zu tun haben.

Die normalen LARP’s gehen 3 bzw. 2 ½ Tage (von Freitag bis Sonntag), aber es gibt auch reine Tagesconventions oder auch welche die bis zu 1 Woche gehen und ich habe auch schon von einem LARP in Südfrankreich gehört, der sogar ganze 3 Wochen ging. Es gibt da also scheinbar nicht viele Grenzen.

Wenn man in die Realität flüchten muss (z.B. wenn man sich eine reale Ve
rletzung zuzieht) oder aus sonstigen Gründen das Spiel unterbrechen muss, ruft man laut den Befehl „Time out“ das jeder anerkennen muss und das zu einer Spielunterbrechung führt. Diese Unterbrechung kann mit „Time in“ wieder aufgehoben werden.

Gespielt wird meistens 24h außer in Bereichen wie WC und Dusche – die sind in der Regel spielfreie Zone.

Wenn so ein Spiel mal vorbei ist findet ein Auschecken statt bei dem man für seinen gespielten Charakter neue Erfahrungspunkte bekommt. Mit neuen Erfahrungspunkten kann man dann seinen Charakter verbessern und ihm neue Fähigkeiten „kaufen“.


°Fazit°

Ich denke das soll es erst a Mal zum Thema LARP gewesen sein. Wichtig ist der Spaßfaktor bei einem solchen Spiel. In der Regel zahlt man für einen Wochenendcon (Fr – So) so um die 175 DM mit Unterkunft und Verpflegung in einer Burg bei einer Gesamtspielerzahl von 150 bis 300 Spielern.
Ein längeres Convention wird meist entsprechend billiger. Ich habe schon 2x einen LARP über 6 Tage mitgemacht und dafür ca. 300 DM bezahlt (ohne Anreisekosten).

LARP macht sehr viel Spaß und man kann dabei mal gut vom Alltag abschalten. Altersmäßig dürfte der Schnitt aller Mitspielenden so zwischen 23 – 26 Jahre liegen ist aber eigentlich für alle Altersklassen offen.


Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit,


Euer Schwertmeister Melvin.....äh....Wolfchatter !!!


© 2001 by Wolfchatter & Fenriswolfprod.


P.S.: Mit "Lord of the Rings" fing alles an uns so nahm durch diese packende Fantasygeschichte deren 1.Teil (Die Gefährten) der Neuverfilmung DIESE Woche in unsere Kinos kommt...

GEHT INS KINO !!!

Fazit: