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Warum ich kein Vegetarier mehr bin
vegetarische Ernährung Hintergrundinfos

Name des Mitglieds: theConsultant
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vegetarische Ernährung Hintergrundinfos
Datum: 24.10.02, geändert am 09.04.04 (2995 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: ethische und gesundheitliche Gründe
Nachteile: wenn man's verbiestert betreibt schadet man sich nur selber
Ich war vier Jahre lang Vegetarier, und habe mich dann wieder umgestellt. Warum?
Zunächst einmal: was war der Anlass für mich gewesen, Vegetarier zu werden? Im nachhinein würde ich sagen, es war mein soziales Umfeld. In meinem damaligen Bekanntenkreis gab es viele Leute, die sich mehr oder weniger streng vegetarisch ernährten. Dies war dann der Anstoß für mich, mich mit den Hintergründen für vegetarische Ernährungsformen auseinander zu setzen. Da gab es die ethische Komponente (es ist verwerflich, Tiere zu töten), die oberflächlich gesundheitliche (zuviel Fleisch ist ungesund und entspricht nicht unserer traditionellen Ernährungsweise) und die spirituelle.
Selbst im Islam, der scheinbar nicht gerade die vegetarische Ernährung hochhält, gibt es einen eingeschränkten Vegetarismus: so darf nur das Fleisch von Pflanzenfressern gegessen werden (Schweine z.B. sind keine Pflanzen sondern Allesfresser, die Tiermehlverfütterung an Rinder, Schafe, Geflügel war in jenen alten Zeiten noch unbekannt), und die Tiere müssen mit einem entsprechenden Ritual geschlachtet werden, um "hallal" bzw. koscher (bei den Juden) zu sein. Wobei zu bemerken ist, dass traditionell dort viel Fleisch gegessen wird, wo die geografischen Bedingungen dies "vorschreiben": in Trockengebieten ist eben die Weidewirtschaft die vorherrschende Form der traditionellen Nahrungserzeugung; in denjenigen Gebieten Arabiens, wo Ackerbau möglich ist, wurde ausgesprochen wenig Fleisch gegessen. Erst in den letzten Jahrzehnten hat dort die wohlhabende Bevölkerung ihre Lebensgewohnheiten umgestellt, und das Zusammenkommen von zuwenig Bewegung, zuviel Fleisch und zuviel Stress hat zu einer derartigen Zunahme von Herzkrankheiten geführt, dass in Arabien die Bypass Operation schon fast ein Statussymbol des erfolgreichen Mannes darstellt.
Ja, der Stress! Alle stöhnen darüber, aber ohne Stress macht das Leben auch keinen Spaß. In unserer Freizeit suchen wir den Nervenkitzel (
und sei er nur in Form eines Krimis), und ich selber muss zugeben, dass ich erst unter Termindruck kreativ arbeiten kann. Zuviel Stress aber macht krank, wenn er nicht wieder abgebaut wird. Und nicht nur wir Menschen leiden unter Stress, sondern auch Tiere. Bei Fischen z.B. ist bekannt, dass sie bei Bedrohung Botenstoffe aussenden, die von Artgenossen wahrgenommen werden und diese warnen. Die Annahme, dass Tiere beim Töten besonders viele Angststoffe erzeugen, und wir diese mit aufnehmen, wenn wir ihr Fleisch aufnehmen, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Schweine sterben oft schon am Stress während des Transport, und selbst wenn wir davon ausgehen, dass wir kein Fleisch verendeter Tiere vorgesetzt bekommen, irgendwie ist das Fleisch doch "versaut".
"Du bist WAS Du isst" sollte aber nicht der alleinige Leitsatz sein, die Art WIE wir essen spielt ebenfalls eine bedeutende Rolle. Ein einfaches oder auch nicht besonders hochwertiges aber mit Wohlbefinden eingenommenes Essen kann dann eben doch besser für uns sein als das "richtige" Essen in der falschen Umgebung oder Stimmung.
Und jetzt komme ich zu dem Punkt, wo ich mich von der vegetarischen Ernährungsform wieder abgewendet hatte. In Deutschland war es mir immer möglich gewesen, mich vegetarisch zu ernähren. Ich stieß damit zwar bei etlichen meiner Mitmenschen auf Unverständnis (damals, vor 25 Jahren war vegetarische Ernährung viel weniger verbreitet als heute), das störte mich aber nicht weiter, ich fühlte mich als etwas besseres und kam durch damit. Wie ich dann nach Tanzania kam, und tagelange Geländetouren zu meinem Arbeitsprogramm gehörten, da wurde es schwierig. Auf Hotelessen angewiesen, musste ich mich entweder mit fadem, in auf englische Weise in Wasser gekochtem Gemüse zufrieden geben, oder mit schlechtem Gewissen (wenn nicht gar angewidert) Fleisch essen.
So eine schöne Sache wie Essen als unvermeidlicher Stress? Das ist nicht nur eine Beraubung
an Lebensfreude, nein, so zu essen muss geradezu ungesund sein! Und so stellte ich mich innerhalb mehrere Wochen wieder um ? das ging, es spielt sich ja sowieso alles im Kopf ab. Ich konnte nun mit meinen Freunden und lokalen Partnern Spaß an einem Barbecue haben, und zuhause kochte ich dann überwiegend vegetarisch. Na ja, Seafood gab's auch. Die Arbeit des Fischeputzens habe ich übrigens immer selber durchgeführt ? wer kein Blut sehen kann, der sollte ich auch keine Tiere essen. Wer Fleisch und Fisch nur in einer Form sehen möchte, dass er das ursprünglich lebende Tier nicht mehr erkennt, der ist meiner Meinung nach entweder unehrlich oder ein Feigling.
Meine Kinder, die anfangs recht gerne Fleisch aßen, sind übrigens später ganz strenge Vegetarier geworden. Sicherlich auch durch Einflüsse in ihrem Freundeskreis, vielleicht aber auch, weil ich im zarten Alter mit ihnen auf arabische Fleischmärkte ging, wo die Tierköpfe mit hervorgequollenen Augen herumlagen und stanken...
Zum Abschluss noch einmal zu dem gesundheitlichen Aspekt: Dass übermäßiger Fleischgenuss zu Gefäßkrankheiten führen kann wissen wir inzwischen ? und die durchschnittliche Ernährungsweise in den reichen Nationen ist übermäßig! Aber auch die hundertprozentigen Vegetarier schneiden nicht am besten in den Gesundheitsstatistiken ab, jedenfalls nicht so gut wie die "Wenigfleischesser". Fehlt den reinen Vegetariern vielleicht, doch etwas bei Ihrer Ernährungsweise, weil der Mensch von Gebiss und Verdauungssystem eben doch als "Allesfresser" und nicht als "Pflanzenfresser" angelegt ist? Vielleicht. Wichtiger aber finde ich auch hier die Frage der inneren Einstellung. Wer immer ANGST hat, in einer Mahlzeit womöglich Fleisch vorgesetzt zu bekommen, der schadet sich mit dieser Einstellung auch selber.
Fazit:

