
Neuester Testbericht: ... an einem Abend saßen wir alle zusammen am Esstisch. Wir aßen Bratkartoffeln. Mit Remoulade. Diese weigerte ich mich zu essen. An dem Ta... mehr
tjaa und so lief es bei mir. ich hab es allerdings geschafft. :)
Tipps & Erfahrungsbericht: Magersucht

Autor-Name: sie_hat_es_geschafft!
Produkt:
Tipps & Erfahrungsbericht: Magersucht
Datum: 17.12.10
Bewertung:
Vorteile: abgenommen hab ich.
Nachteile: vieeeel.
Meine kleine Geschichte
Ein Tag wie jeder andere. Ich saß in der Schule und schreib mit meiner Freundin, und Sitznachbarin Briefe. Ich kannte ihre Geschichte. Ich wusste Bescheid.
Ich war in dieser Zeit nicht sehr zufrieden mit mir. Ich hatte ein Jahr zuvor eine Depression. Ich fand mich zu dick, was meine Mutter bestätigte. Ich wog mehr als andere. Nun erzählte ich meiner Freundin davon, und da sie ähnliches schon hinter sich hatte empfiehl sie mir Sachen wie Essig, der angeblich das Fett verbrennen sollte und einige andere Methoden abzunehmen. Keinesfalls auf normale Art. Das wurde mir aber erst später bewusst. Ich fragte sie relativ leichtsinnig aus über die Klinik, in der sie war und merkte nicht, wie ich in einen Zwang hineinfiel. Am selben Tag ging ich los und kaufte mir Sättigungstabletten und Essig. Ich fing an jedes Stück Essen zu hassen. Am Anfang war es immer nur geringfügig weniger. Bald ging es schneller und schneller. Es dauerte 2 Monate, bis meine Mutter bemerkte, dass etwas nicht stimmt mit mir. In dieser Zeit habe ich mich von 63 kg auf 55kg herunter gehungert. Meine Schwester musste ein Buch lesen über ein Bulimie krankes Mädchen. Ein Tagebuch von diesem Mädchen. Dieses Buch nahm ich mir und bewunderte immer wieder dieses Mädchen. Nun, an einem Abend saßen wir alle zusammen am Esstisch. Wir aßen Bratkartoffeln. Mit Remoulade. Diese weigerte ich mich zu essen. An dem Tag meinte meine Mutter, dass wenn ich diese nicht esse, sie zum Kinderarzt fährt mit mir. Ich bekam Panik und aß diese wiederwillig. Am nächsten Tag war ein Fastentag. Für mich zumindest. Ich aß an dem ganzen Tag nur einen viertel Flammkuchen. Am Abend kam wieder meine Mutter zu mir und fragte mich warum ich nun so wenig esse. Ich fing an zu weinen, brachte jedoch keinen Ton heraus. Ich konnte nicht. Es war zu viel. Danach begann eine Phase, in der ich immer öfter lügen musste. Meine Mutter zwang mich, vor ihr auf die Waage zu gehen, und erzählte mir immer wieder: "Wenn du nicht ab sofort mehr isst werde ich Böse." Bald stand ich vor ihr auf und ging schon mal auf die Waage, um dies nicht vor Mama machen zu müssen. Ich erzählte ihr ich wöge so viel wie sonst, obwohl ich nun schon auf 53kg war. Sie nahm es mir ab. Als ich allerdings wieder vor ihr auf der Waage war sah sie, wie wenig ich gewogen habe. Sie erzählte mir wieder und wieder, dass ich zu dünn sei. Nach einiger Zeit begann ich vor dem aufstehen, bzw. vor dem Waagengang eine große Menge Wasser (natürlich etwas ohne Kalorien) zu trinken. Teilweise war es fast ein Kilo, das ich damit wieder heraufholte. So ging es fast ein halbes Jahr. Danach merkte ich, dass ich im Moment sehr gut zurechtkam, und machte es an meinem Gewicht aus. Ich hörte auf abzunehmen. Geprägt von der Angst, die riesig war, zuzunehmen ging ich vor und nach jedem essen, das heißt mindestens 6-mal am Tag auf die Waage. Dies' verminderte sich dann über ein Jahr hinweg zu 2-mal täglich. Zwischendurch litt ich immer wieder an Rückfällen. Nach einem Jahr zog meine beste Freundin weg, und ich wurde rückfällig. Ich ging wieder los und kaufte mir Abführtabletten, die ich allerdings nie benutzte, weil ich Angst davor hatte meine Organe zu zerstören. Der erste Schritt. Mein Leben lief so weiter vor sich hin. Ich achtete sehr auf mein Gewicht. Und ich wurde immer besser mit der Freundin befreundet, die mir am Anfang meiner Geschichte Tipps gegeben hat. Ich fuhr mit ihr zusammen nach Fehmarn und verbrachte einen wundervollen Sommer. Sie hatte es in der Zwischenzeit geschafft. Ich nicht. In den Sommerferien traf ich eine sehr wichtige Entscheidung. Ich ging zu einem öffentlichen Mülleimer und schmiss all die Abführmittel, Sättigungstabletten und sowas weg. Es war ein Schritt, der mich der Heilung näher führte. Außerdem vertraute ich mich zum ersten Mal irgendwem so richtig an. Ich saß mit meiner Schwester am Strand und erzählte ihr alles. Danach ging es mir viel, viel besser. Nach den Sommerferien kam mir meine Krankheit zum ersten Mal innerhalb von 1.5 Jahre als krankhaft vor. Ich entschied mich dafür, von meiner dann so guten Freundin, auf die man sich immer verlassen konnte, Abstand zu nehmen. Sie war ein Grund für meine Magersucht. Es ging mir zunehmend besser, und ich fand wieder Anschluss in meiner sonst so verhassten Klasse. Ich fuhr mit ihr nach Pepelow und es wurde eine wundervolle Klassenreise. Ich fing an wieder normal essen zu können. Mir ging es gut. In der Woche danach lernte ich einen Jungen kennen, der mein Leben veränderte. Ich lernte wieder zu lieben. Ich wurde zunehmend unabhängiger von meinem Gewicht. Mir ging es gut. Und das obwohl sich in der Zeit meine Eltern trennten, und obwohl meine Leistungen in der Schule zurückgingen. Ich wurde immer schlechter in der Schule. Das war mir egal. Mir ging es gut. Ich war so glücklich, wie noch nie in meinem Leben.
Das alles ist nun ein viertel Jahr her. Ich lebe wieder. Es kommt mir alles so vor als wär es ein Albtraum gewesen, aber nie wirklich passiert. Das einzige, was mir geblieben ist, ist die Erinnerung an diese Zeit. Sie ist schrecklich. Oftmals erinnern mich Lieder an diese Zeit. Ich habe so laut Musik gehört, dass ich meinen grummelnden Magen nicht mehr hörte. Mit der Freundin habe ich nun wieder Kontakt aufgenommen, allerdings in einem ganz anderen Sinne. Sie hat es geschafft. Ich auch. Ich bin glücklich.
Fazit: es war eine sch*** zeit.
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