
Neuester Testbericht: ... oder die Ausführung einer Tätigkeit(z.B Bulimie, Essen und Brechen) fortzuführen oder zu wiederholen, auf alle Lebensbereiche bezoge... mehr
Tipps einer Drogenbeauftragten
Suchtberatungsstellen

Name des Mitglieds: diemumm
Produkt:
Suchtberatungsstellen
Datum: 23.02.01, geändert am 23.02.01 (213 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Kompetenz, es gibt verschiedene Formen
Nachteile: man muss den Weg dorthin selbst finden
Zunächst danke ich Sven Haustedt, dass er mir diese Rubrik eröffnet hat. Ich hatte ihn um eine *passende Rubrik* für diesen Beitrag gebeten, den ich schon an anderer Stelle veröffentlicht hatte.
Seit ich Meinungsplattformen kenne, hat sich mein Leben verändert. Hinter allem, was ich erlebe und kennenlerne wittere ich ein Meinungsthema. Daher möchte ich mich heute zum Thema Sucht äußern, zum Einen, weil dooyoo für mich wie eine Droge ist, und zum Anderen, weil ich im Herbst bei einer Veranstaltung war, die sich mit dem Thema auseinandersetzte.
Diese Veranstaltung in der Schule meines 15-jährigen Sohnes kam auf Wunsch der Eltern dieser 9. Klasse eines Gymnasiums in Halle zu Stande. Wir, die Schüler und Eltern, hatten dazu hochkarätigen Besuch. Frau Günther, die Drogenbeauftragte der Stadt Halle, führte uns zunächst in die Problematik ein und gab uns anschließend Zeit, Fragen zu stellen.
Zunächst erhielten wir einen kurzen Abriss der Drogenentwicklung in der Geschichte der Menschheit, die uns sehr überraschte. Vor bereits 6000 Jahren nutzen die Menschen Opium und Mohn als Rauschmittel. Bereits im 18. Jahrhundert wurde in China der Handel mit Opium bei Strafe verboten. Interessant war die Parallele zu heute, denn auch damals schon war nur der Handel, nicht der Besitz als Eigenbedarf, eine Straftat. Um der Opiumsucht entgegenzuwirken versuchte die Medizin Alternativpräparate zu entwickeln, die eine Sucht verhindern sollte. So kam es zur Entwicklung von Kokain, später von Heroin. Ja, genauso wie mancheiner von euch jetzt, haben wir auch geguckt. Man hatte damals echt geglaubt, die neuen Präparate könnten der Sucht vorbeugen und gegen Schmerzen helfen, ohne abhängig zu machen. 1932 wurde dann Methadon entwickelt, das sicher allen bekannt ist.
Soweit zu den Drogen als Suchtmittel. Aber was ist Sucht eigentlich? Sucht ist, so sagte sie, alles was man zu viel konsumiert. Egal ob Drogen, Alkohol, Schokolade, Internet, Glücksspiel, F
ernsehen.....Das gefährliche ist der Glaube, man könne damit jederzeit aufhören.
Bei den Drogen sind die Einstiegsdrogen Nikotin, aber auch Schmerzmittel. Mädchen sind hier sehr früh bereit, sich mit dem Rauchen vertraut zu machen, erschreckend, dass das Einstiegsalter hier im SCHNITT bei 9 Jahren liegt. Sie meinte aber, dass nur ein geringer Teil der Mädchen später weiterrauchen würden und probieren sei normal und verständlich. Schließlich sagt man nicht umsonst, dass das Verbotene reizt. Daher bringen Vorhaltungen und Verbote meist nichts.
Ich denke hier sollte bereits das Elternhaus ansetzen. Zum Einen ist natürlich Vorbildwirkung sehr wichtig. Wenn Rauchen und Saufen zum Alltag einer Familie gehört, wie sollen Kinder dann wissen, dass dies schädlich ist? Für sie muß es normal erscheinen. Sicher, ich rauche nicht, trinke höchstens mal ein Weinchen (nein, keinen Mumm-Sekt, wie manche vermuten *g*), da hab ich gut reden. Aber auch Raucher können mit ihren Kindern über ihre Sucht zur Zigarette reden. Man darf dies doch nicht verharmlosen und sollte sich als Elternteil eingestehen, dass das Rauchen eine Sucht ist.
Die wichtigste Vorraussetzung, dass gerade Kinder nicht süchtig werden, ist eine gute Beziehung zu ihnen. Vertrauen, miteinander reden, kann hier bewirken, dass Kinder nicht anfällig für Drogen, welcher Art auch immer, werden. Kinder sind einem ständigen Leistungsdruck ausgesetzt, nicht nur in der Schule, nein, auch sonst der Gesellschaft gegenüber. Verständnis ist wichtig, nicht nur Meckern und Strafen. Das Ergebnis ist nämlich sonst, dass sich die Kinder von einem abwenden, sich zurückziehen und offen für Ersatz sind, Ersatz für Zuneigung in Form von Drogen. Sie bekommen hier Glücksgefühle für kurze Momente und der Weg zur Sucht ist nicht weit.
Interessant ist auch die Tatsache, dass es jährlich 40.000 Suchtote durch Alkohol gibt. Davon spricht keiner. Sie brachte Vergleiche, dass bei Harald Juhnke halt weniger Wirb
el gemacht wird, als heute bei Daum, wo doch das Alkoholproblem ein viel größeres sei.
Sie erzählte von Fixerstuben in Frankfurt/a.Main, wo man nachmittags Leute in Nadelstreifenklamotten sieht, also Bänker oder so, die dort der Drogensucht nachgehen. Die Gesellschaft verschließt die Augen davor, dass es in allen Schichten der Bevölkerung ein Drogenproblem gibt. Um so überraschter tut man dann, wenn es Prominente sind oder, wie vermutet, Politiker im Bundestag. Drogen sind oft (nicht immer) eine Ersatzbefriedigung, weil etwas anderes im Leben nicht stimmt, der Druck zu groß wird. Man versucht sich aufzuputschen, um nach Außen hin das darzustellen, was die Gesellschaft von einem erwartet.
Frau Günther gab uns 3 Grundregeln, wie man sich verhalten soll, wenn man vermutet, dass jemand Drogen nimmt.:
1. Ruhe bewahren
2. Kontakt nicht unterbinden
3. professionelle Hilfe suchen
Ich denke, das Schlimmste in so einem Fall sind Vorwürfe und Liebesentzug. Man muß der anderen Person immer das Gefühl geben, dass man sie trotzdem liebt und für sie da ist, darf nicht strafen und sich nicht abwenden. Man muß sich um Gespräche bemühen. Abhängige wanken wie ein Pendel, man muß den richtigen Zeitpunkt abwarten, um sie wieder auf die richtige Seite zu ziehen. Dazu ist aber professionelle Hilfe nötig, nicht nur für die Betroffenen, nein, gerade auch für die machtlosen Angehörigen. Dem Süchtigen kann man eh nur helfen, wenn er seine Sucht als solche erkennt und sich helfen lassen will.
Es gibt hier viele Anlaufstellen, die örtlich sicher verschieden sind. Ich nenne mal einige der in Halle ansässigen und denke, jeder Internetter findet die für sein Umfeld zutreffenden Institutionen selbst heraus.
-Evangelische Stadtmission
-Suchtberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt
-DROBS( wohl die bekannteste in Halle) Jugend- und Drogenberatungsstelle des deutschen paritätischen Wohlfahrtsverbandes e.V.
-Sozialpsychat
rischer Dienst am Gesundheitsamt
-Selbsthilfegruppen
-Evangelische Stadtmission
Es muß ja nicht immer ein Familienmitglied sein, auch Nachbarn oder Freunde sind Betroffene und man kann sich bei dieen Stellen Unterstützung holen. Dazu gehören folgende Angebote:
-Einzel- und telefonische Beratung
-Beratung von Angehörigen, Kindern, Freunden und Kollegen
-Informationsgespräche
-Beratung in Kriesensituationen
-Haus- und Krankenbesuche
-Vorbereitung und Vermittlung zur ambulanten und stationären Entgiftungs- und Eingewöhnungsbehandlung
-Therapienachbetreuung
-Kontakte und Vermittlung von Selbsthilfegruppen
Mit meinem Sohn war ich mal bei DROBS. Einer seiner damaligen Freunde nimmt wahrscheinlich Drogen. Wir wollten mal horchen, woran man das erkennen kann und inwieweit eine Hilfe von Außen möglich ist. Wir bekamen dazu reichlich Infomaterial. Natürlich waren er (der Freund von damals) und seine Eltern bei der eben erwähnten Veranstaltung nicht dabei. Die Eltern verschließen, trotz deutlicher Anzeichen, die Augen davor. Ihr Kind tut das nicht. Wichtig ist ein offenes Gespräch, zwischen Eltern und Kindern. Sicher muß man da sensibel herangehen. Es gibt wohl via Internet eine Firma, da kann man Haarproben der Verdachtsperson testen lassen. Doch dies ist sicher der falsche Weg, denn Vertrauen ist der Anfang von Allem.
Als Lektüre empfahl sie uns noch 2 Bücher, deren Titel ich euch nicht vorenthalten möchte. Das erste Buch ist wohl mehr für die Erwachsenen und ältere Jugendliche gedacht und heißt:
*Drogengebrauch, Drogenmißbrauch. Eine Gratwanderung zwischen Genuß und Abhängigkeit*
Hurrelmann, Klaus; Bründel, Heidrun | Erscheinungsjahr 1997 | ISBN 3896780344
Onlineanbieter-Preis 32 DM
Das zweite Buch ist besonders für Jugendliche zu empfehlen. Hier ist die wahre Geschichte, oder besser gesagt der Leidensweg, eine Mädchens in Tagebuchform geschildert. Daher ist de
r Autor anonym. Ein Happyend gibt es leider nicht. Zu dem Buch findet man auch drei Meinungen bei dooyoo. Das Buch heißt:
dtv Taschenbücher.*Fragt mal Alice.* (dtv Junior, Pocket)
ISBN 3423078405
Onlineanbieter-Preis 10,90 DM
Mein Fazit: Natürlich bin ich gegen Drogen und vor Allem gegen deren Mißbrauch. Abgesehen von meiner kleinen dooyoo-Sucht, habe ich da selbst kleine Probleme. Niemand kann aber sagen, dass sich das nicht ändern kann. Es sind meist die äußeren Umstände, die zur Sucht führen und sie macht vor keiner Gesellschaftsschicht halt. Das Wichtigste ist wohl, dass man den Kontakt zu seinen Mitmenschen sucht, damit Sucht gar nicht erst ein Thema wird. Aber falls es dazu schon zu spät ist, dann laßt euch als Betroffene oder als Angehörige helfen. Scham ist hier wohl fehl am Platz, denn die Sucht endet oft tödlich. Beratungsstellen bieten hier sicher eine gute Unterstützung. Sie sind genau so für Süchtige, wie für Angehörige ein Anlaufpunkt.
Fazit:
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